Mittwoch, 28. Juni 2017

Hatespeech - Einblick in das Phänomen und wie politische Bildung darauf reagieren kann

„Stammtischparolen“ erreichen durch das Web 2.0 eine neue Dimension. Nirgendwo lassen sich fragwürdige Informationen, abwertende Gerüchte und Scheinwahrheiten schneller und mit so großer Reichweite verbreiten wie in sozialen Netzwerken. Die Glaubwürdigkeit dieser Nachrichten scheint hoch, auch wenn die ursprüngliche Quelle schwer nachvollziehbar ist - die Flut an Informationen kann gezielte Stimmungsmache und Meinungsmanipulation sein -, jedoch wird sie von Freund*innen, Bekannten und Familienmitgliedern geteilt.

Digitale Hatespeech in Form von Shitstorms, beleidigenden Kommentaren oder Fake News begegnet Internetnutzer*innen täglich. Gerade internetaffine Jugendliche sind somit ständig mit Hatespeech konfrontiert, ihnen fehlt jedoch im Umgang damit eine sichere Handlungsfähigkeit. Vielmehr reichen ihre Reaktionen - seien sie nun Teil der angegriffenen Gruppe oder nicht - von einem unguten Gefühl der Ohnmacht über ein Ausblenden der abwertenden Inhalte bis hin zu Resignation oder sogar zur Annahme, die teils durch Social Bots generierten und in Filterblasen verdichteten, immer wiederkehrenden Behauptungen entsprächen der Wahrheit.

Hatespeech – was ist darunter zu verstehen?

Hatespeech, zu deutsch Hassrede, ist Ausdruck von Rücksichtlosigkeit, Intoleranz und Brutalität sozialer Umgangsformen und Sprache, die an analogen Stammtischen und online in sozialen Medien zunehmen. Kennzeichen von Hatespeech ist das Schaffen eines zu verteidigenden „Wir“ durch die Konstruktion und Abwertung eines fremden bedrohlichen „Ihr“. Dieses Herabsetzen von „den Anderen“ geht einher mit gesellschaftlichen Differenzierungs- und Zugehörigkeitsprozessen, die rassistische Abwehrhaltungen zur Folge haben.

Getarnt wird Hatespeech oft durch den Vorwand der freien Meinungsäußerung à la „Man wird ja noch sagen dürfen, dass…“; sie ist jedoch als Diskriminierung und Tatbestand der Volksverhetzung zu verstehen, der erfüllt ist, sobald eine Person „in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, 1. zum Haß gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder 2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, daß er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet“ (StGB, §130(1)).

Das Ministerkomitee des Europarates hat bereits vor 20 Jahren, nämlich 1997, eine Empfehlung R (97) 20 über Hatespeech erlassen und dabei Hatespeech wie folgt definiert: „Jegliche Ausdrucksformen, welche Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder andere Formen von Hass, die auf Intoleranz gründen, propagieren, dazu anstiften, sie fördern oder rechtfertigen, einschliesslich der Intoleranz, die sich in Form eines aggressiven Nationalismus und Ethnozentrismus, einer Diskriminierung und Feindseligkeit gegenüber Minderheiten, Einwanderern und der Einwanderung entstammenden Personen ausdrückt“ (human rights.ch, 2017).


Hate Speech ist die Abwertung von Menschengruppen

Der Unterschied zwischen Beleidigung und Hatespeech ist, dass sich eine Beleidigung gegen einen Menschen als Individuum wendet und diesen als Person angreift, wohingegen Hatespeech eine Menschengruppe - und die vermeintliche Zugehörigkeit einer Person zu dieser - pauschal als homogen und negativ abwertet. Hatespeech dient dem Ausdruck von Hass, ebenso wie dazu, Dritte davon zu überzeugen, ebenfalls Hass gegenüber der Menschengruppe zu entwickeln (vgl. Marker 2013, 59f.).

Hassrede liegt aber genauso dann vor, wenn es Menschen gibt, die sich von den entsprechenden Aussprüchen oder Postings betroffen und herabgesetzt fühlen. Die Sarrazin-Debatte 2011 hat die Grenze des Sagbaren deutlich nach rechts verschoben, gilt als Dammbruch für ein immer hemmungsloseres Aussprechen und Verbreiten von abwertenden Stereotypen, ebenso wie der Erfolg der Rechtspopulisten, die gegen die etablierten Parteien und Geflüchtete hetzen, was zeigt, wie tief diese Denkmuster in der Gesellschaft verankert sind.

Abwertende Sprache ist jedoch nicht immer auf Anhieb erkennbar. Das liegt daran, dass gewisse Worte in ihrer Bedeutung (abwertend) verändert und Teil eines sprachlichen Ausdrucks werden. So wirken Ausdrücke und Beschreibungen wie Obdachloser, Jude, Schlampe, Spast, schwul, behindert oder die Bezeichnung einer Menschengruppe als faul oder kriminell etc. über die Zuschreibung von festen stereotypen Eigenschaften pauschal negativ und abwertend. Diese Ausdrücke lassen sich auf zwei Arten in Hatespeech erkennen: Wird ein gläubiger Muslim als Islamist bezeichnet, so ist er Teil der abgewerteten Menschengruppe. Wird hingegen ein atheistischer arabischstämmiger Mann als Islamist betitelt, so wirkt die Hatespeech indirekt. In beiden Fällen handelt es sich um antimuslimischen Rassismus und Abwertung von (zugeschriebenen) Muslim*innen.

Wann ist eine Aussage Hatespeech?

Die Schwierigkeit, Hatespeech zu entlarven, liegt darin, dass Sprache im Wandel ist und es verschiedene Positionen und Bedeutungen zu einem Begriff gibt: Privilegierte und nicht von Diskriminierung betroffene bzw. selbst diskriminierende Personen beurteilen einen Ausdruck als nicht-abwertend. Aus der Sicht von gesellschaftlich diskriminierten Menschengruppen können Ausdrücke, die neutral gemeint sind, hingegen als diskriminierend empfunden werden.

Eine weitere Hatespeech-Strategie liegt darin, ohne direkt abwertende Worte implizit abzuwerten: Beispielsweise wenn eine Partei ständig betont, dass Muslim*innen hierzulande willkommen seien, „sofern sie sich an unsere Gesetze halten und ihre Religion liberal auslegen“ (vgl. Frauke Petry für der-blaue-kanal.de). Damit wird Muslim*innen unterstellt, sich nicht an Gesetze zu halten, und zudem wird ihnen die Religionsfreiheit verwehrt.

Die Einschätzung, wann etwas Hatespeech ist, ist also subjektiv und abhängig von der eigenen Gruppenzugehörigkeit und den individuellen Wertvorstellungen. Daher ist es wichtig, sowohl die Intention derjenigen, die den Ausdruck nutzen, zu erkennen und gleichzeitig die Perspektive der Betroffenen ernst zu nehmen. Denn es darf nicht unterschätzt werden, welche Macht von Sprache ausgeht.

Sprache beschreibt nicht nur, sie erschafft vielmehr allgemeingültige Realität und beeinflusst das Verständnis von „Normalität“ und grenzt Nicht-Zugehörige aus. Hetzerische Sprache schürt Hass und festigt abwertende Denkmuster, die das Klima in der Gesellschaft vergiften und eine Grundlage für psychische und physische Gewalt bilden und in der Geschichte wiederholt einen Boden für die Abwertung und Ermordung der betreffenden Menschengruppen bereitet haben.

Auch Anne Wizorek, Iniatorin der Kampagne #Aufschrei, wurde von t3.nde zu Zuspitzung und verzerrten Darstellungen interviewt.

Drei Beispiele für Hatespeech

1. Antifeminismus, Anti-Gender-Mainstreaming und Homophobie

Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein Dorn im Auge derjenigen, die konservative Rollenbilder propagieren: Die Frau als pflichtbewusste Mutter, Hausfrau und dem Mann untergestellt, der Mann als Oberhaupt, Versorger und Verteidiger der Familie. Gender-Mainstreaming wird von diesen Menschen als Bedrohung der völkischen Gemeinschaft diffamiert. Über die „Demo für alle“ wird die breite Masse angesprochen, sexuelle Vielfalt als Gefahr dargestellt und nicht-heterosexuelle Menschen abgewertet. Heteronormative Sprachmuster klagen eine Frühsexualisierung der Kinder an und unterschlagen dabei die eigentliche Botschaft des Gender-Masinstreamings – nämlich die Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensformen (vgl. Demo für alle, 2015).

Dabei wird deutlich, dass diese Positionen auf Abwertungstendenzen basieren, die tief in der Gesellschaft verankert sind, seien es verbale Angriffe, wie „schwul“ als Schimpfwort zu missbrauchen, bis hin zu körperlicher Gewalt. Die Onlineplattform www.hatr.org sammelt diese Hetzpostings rund um das Thema Gender.


Quelle: Facebook-Seite "Frau Familie Freiheit", abgerufen am 7.2.17

2. Antigeflüchtete

Hetze gegen Geflüchtete und Menschen, die sich für sie einsetzen und als „Gutmenschen“ oder „Volksverräter“ verhöhnt werden, ist seit Ende 2015 präsent und zog eine Welle an Drohungen und Beleidigungen im Internet sowie eine extrem hohe Zahl von Angriffen auf Wohnheime für Geflüchtete nach sich.

Dieser Hass gegen Geflüchtete basiert auf Xenophobie und der Annahme, die „Fremden“ seien Schuld an gesellschaftlichen Problemen wie Arbeitslosigkeit, niedrigen Renten oder Wohnungsknappheit. Diese falschen Bilder werden auch von den Medien unterfüttert, die beispielsweise bei Straftaten wie den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln die Nationalitäten der Täter offen kommunizierten, bei vergleichbaren sexuell motivierten Straftaten, wie sie zu Fasnacht auftreten, jedoch kaum darüber berichten, da diese von Deutschen ohne Flucht- oder Migrationserfahrung begangen wurden.

Auch die Polizei lässt sich von den Bildern beeinflussen und reagiert bei Kontrollen rassistisch durch „Racial Profiling“. Diese vorurteilsbehaftete und abwehrende Haltung gegenüber Geflüchteten, die oft mit einem „Man wird wohl noch sagen dürfen … “ getarnt und geschwächt wird, ist als fremdenfeindlich, rassistisch und nationalistisch zu verurteilen. Um gegen sie argumentieren zu können, muss man sich schlau machen, denn nur dann kann man Halbwahrheiten und Übertreibungen erkennen und ihnen etwas entgegensetzen.

Seriöse Internetquellen sind beispielsweise Pro Asyl oder die Amadeu-Antonio-Stiftung. Außerdem ist es wichtig, zu den Betroffenen zu stehen, mit ihnen im Kontakt zu sein, beispielsweise über gemeinsame Aktivitäten oder Austausch, denn dadurch verlieren sie den Schatten des „Fremdseins“.

3. Antimuslimischer Rassismus 

Diskriminierung aufgrund der Religion betraf früher vor allem Personen jüdischen Glaubens. Wie entstand das neue Feindbild des "rückwärtsgewandten, gewalttätigen, frauenfeindlichen und antidemokratischen Moslem"? Seref Ates erklärt dies mit dem Ende des Kommunismus, der durch ein neues Feindbild ersetzt werden musste, um "dem Westen" seine etablierte Vormachtstellung und Fortschrittlichkeit zu sichern. Huntington erwähnt die scheinbaren kulturellen Unterschiede 1996 in seinem Essay "The Clash of Civilizations?" und erklärt darin "die Konflikte des 21. Jahrhunderts nicht ökonomisch oder ideologisch motiviert, sondern durch kulturelle Differenzen" (Ates in Butterwegge 2006, S.157).

Mit dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 festigte sich neben dem erwähnten Antisemitismus der neue Feind: Aus Türk*innen, Araber*innen, Marokkaner*innen, einst als Gastarbeiter*innen oder Ausländer*innen bezeichnet, und Geflüchteten wurden nun Muslim*innen, welchen als homogene Gruppe durch Gleichsetzung von ethnischer Herkunft und Religion pauschal eine antidemokratische, sexistische, gewaltbereite und rückwärtsgewandte Lebenseinstellung unterstellt wird. Antimuslimischer Rassismus ist nicht gleichzusetzten mit Islamkritik, sondern die Abwertung und Diffamierung von Muslim*innen, die der „Legitimation gesellschaftlicher Hierarchien und Herrschaftsverhältnissen“ (Rommelspacher 2009, S. 28) dient.

Spätestens Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ verschob die Grenze des Sagbaren über Muslim*innen stark nach rechts und zog einiges an Hatespeech gegen diese Menschen und ihnen aufgrund äußerlicher Merkmale zugehörig Gesehene nach sich. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und den Anschlägen in Paris, Brüssel und Berlin stieg die Hetze gegen Muslim*innen weiter an. Muslim*innen werden unter den Generalverdacht einer fundamentalistischen Bedrohung gestellt. Schuld daran sei ihre angeblich „fremde und gewaltverherrlichende Kultur“. Zudem findet eine Vermischung von Integrations- und Flüchtlingspolitik statt.

Eine Untersuchung der Antirassismus- und Antidiskriminierungsstelle der DITIB ergab 2016 Ergebnisse, die belegen, dass gegen Muslim*innen gerichtete Angriffe auf beispielsweise Moscheen einen Zusammenhang zu online geführten muslimfeindlichen Diskussionen aufweisen und durch die virtuelle Hetze befeuert werden (Ditib 2016, S.12f.).

Um dieser Hatespeech entgegenzuwirken, muss das vereinfachte „Wir“ gleich „christliches Abendland“ ebenso wie das „die Anderen“ gleich „der Islam / die Muslim*innen“ hinterfragt werden, denn hinter beiden scheinbar homogenen Gruppen stecken unterschiedlichste Menschen mit verschiedenen Einstellungen und Lebensentwürfen, die niemals starr und unveränderlich sind. Damit sind Feindbilder und „der Kampf der Kulturen“ zu widerlegen.

Auch die Gleichsetzung von Islam und Terrorismus ist falsch. Der Islam kann nicht zur Bedrohung für die Sicherheit erklärt werden, nur weil er von einer kleinen radikalen Minderheit zur Legitimation für einen „Krieg gegen Ungläubige“ missbraucht wird. Im Gegenteil, denn diese radikale Minderheit greift ihrerseits Muslim*innen an, die nicht ihrem Bild entsprechen. In Deutschland ist die Religionsfreiheit geschützt, und wer dagegen angeht, ist seinerseits ein Verfassungsfeind.

Quelle: Facebook- Seite "Junge Freiheit", abgerufen am 5.2.17


Filterbubble? Die Wirkung von Empfehlungsalgorithmen und Social Bots
„Das Internet ist ein öffentlicher Platz geworden, wenn man da den Falschen das Feld überlässt, dann entsteht eine ewige Schleife der Selbstbestätigung“ (Fluter 2017). Gerade mit Blick auf Facebook können sogenannte Filterbubbles zu verengten Sichtweisen auf gesellschaftliche und aktuelle politische Themen führen. Der dabei entstehende Echoraum wirkt durch die starke Präsenz der eigenen Meinung selbstbestätigend und festigt eine sehr einseitige Sicht auf das jeweilige Thema.
Im Internet werden viele Meinungen ausgetauscht und verbreitet. Diese kommen aber nicht nur aus menschlichem Verstand, sondern mittlerweile in steigender Zahl von nichtmenschlichen Programmen: Sogenannte Empfehlungsalgorithmen, bedingungsgesteuerte Ereignisketten, die lenken können, welchen Nachrichten wir im Internet begegnen, und sogenannte Social Bots, die uns menschliche Kommunikation vortäuschen können, indem sie beispielsweise twittern oder Kommentare verfassen. Das populärste Beispiel für Empfehlungsalgorithmen, PageRank, schneidet die Google-Suchergebnisse für jede*n Nutzer*in individuell zu. Auch die Facebook-Startseite funktioniert nach diesem Prinzip, sie zeigt den Newsfeed abhängig von Freundeslisten und Likeverhalten, der dann die eigenen Ansichten bestätigt und Abweichendes ausblendet.
Somit können diese Empfehlungsalgorithmen und die Social Bots auch zur Verbreitung von Hate Speech beitragen: „Neben positiven Inhalten können nichtmenschliche Akteure auch Hass gegen Individuen oder Gruppen, sogenannten Cyberhate, im Netz verbreiten. Cyberhate ist eine besondere Form von Hate Speech, bei welcher die digitalen Angriffe in der Regel strategisch geplant sind und langfristigen politischen, religiösen, oder rassistischen Zielen dienen sollen“ (Quandt, Festl zitiert von Frischlich, Boberg, Quandt 2017 in Kaspar, Gräßer, Riffi 2017, S.71).

„Es geht also weniger um spontane Aggression im Netz, sondern um den Versuch der gezielten Einflussnahme“ (Frischlich, Boberg, Quandt 2017 in Kaspar, Gräßer, Riffi 2017, S.72). Dies geschieht häufig im Zuge von Wahlkämpfen, aber auch „Bots des selbsterklärten „Islamischen Staates“ verschickten beispielsweise 2014 mitunter tausende Tweets pro Tag“ (Berger, Morgan 2015 zitiert von Frischlich, Boberg, Quandt 2017 in Kaspar, Gräßer, Riffi 2017, S.74).
Auch wenn die genaue Wirkung von Algorithmen und Social Bots auf die politische Meinungsbildung noch nicht erforscht ist, gibt es mittlerweile Studien, die sich dem Thema annehmen (vgl. Krüger für netzpolitik.org 2017). Die Studie „Facebook: It´s not our fault“ (Sandvig für socialmediacollectiv.org 2015) zeigt, dass der Newsfeed auf Meldungen von Freund*innen und Seiten basiert, deren Inhalten der/die jeweilige Nutzer*in positiv gegenübersteht, wohingegen Meldungen, die der eigenen Einstellung widersprechen nicht oder erst weit unten angezeigt werden (vgl. Sandvig für socialmediacollectiv.org 2015).
Algorithmen und Social Bots können somit Einfluss ausüben, indem sie Meinungen ins Extreme verzerren, was wiederum reale Menschen dazu bringt, ihre scheinbar vertretenen radikalen Positionen öffentlich auszusprechen. Betroffene dieser extremen menschenfeindlichen Position wiederum erfahren sich als von der Mehrheit der Gesellschaft abgelehnt und können daraus selbst Ablehnung gegenüber der Gesellschaft entwickeln. So können Social Bots und Algorithmen je nach den von ihnen verbreiteten Inhalten Toleranz und Offenheit, aber eben auch Vorurteile, Diskriminierung und Hass fördern (vgl. Krüger für netzpolitik.org 2017).
Ist das Internet ein Katalysator für Hass und Menschenfeindlichkeit? Warum ist Kommunikation im Web 2.0 oft aggressiv und diskriminierend? Diesen Fragen geht der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen von der Uni Tübingen hier nach. Die Süddeutsche Zeitung hat einen Test entwickelt, der Facebook-Timelines analysiert und nach dem Like-Verhalten einer politischen Partei zuordnet.
Was kann jede und jeder Einzelne mit diesen Informationen anfangen? Im Grunde sind alle Menschen selbst dafür verantwortlich, wie sie mit den Chancen und Inhalten des Internets verfahren. Gerade im Hinblick auf junge oder unwissende Menschen kann ein erster Schritt sein, diese über Social Bots, Algorithmen und deren Auswirkungen aufzuklären. Unecht erscheinende Twitteraccounts kann man auf BotOrNot überprüfen und dann melden. Zudem müssen wir uns vor Augen halten, dass „Studien zeigen, dass diese Filter-Blasen zu einem stärkeren Anteil selbstgewählt sind, als dass sie von Algorithmen bestimmt werden“ (Zuiderveen Borgesius et al. zitiert in Frischlich, Boberg, Quandt 2017 in Kaspar, Gräßer, Riffi 2017, S.72).

Diese Eigenverantwortung dafür, mit welchen Meinungen wir uns umgeben, befähigt uns, auch mal unbequeme Positionen wahrzunehmen und das eigene Denken zu reflektieren um offener für Meinungsvielfalt zu werden. Und sofern man hierbei auf Hatespeech stößt, ist es tröstlich, sich vor Augen zu führen, dass dieser Hass nur von einer Minderheit ausgeht, deren extreme Meinung durch Social Bots verstärkt sein kann.
Löschung oder strengere Moderation als erfolgversprechende Maßnahme gegen Hatespeech? 
Die Zeit Online berichtete im Herbst 2016 davon, dass Facebook zu diesem Zeitpunkt 100.000 gemeldete Postings gelöscht hat. Dies klingt auf den ersten Blick wirksam gegen Hatespeech, sie wegzulöschen, die Schwierigkeit hierbei ist jedoch, dass man durch Löschen der Menge an Hatespeech nicht Herr wird und dass soziale Netzwerke auch nicht alle Meldungen ernst nehmen. Damit ist die Herangehensweise nicht transparent und der Bundesjustizminister Heiko Maas forderte daher die Offenlegung der Meldungen von Hatespeech (vgl. Zeit Online 2016).
In Zuge dessen wünscht Maas die Möglichkeit, hohe Geldbußen gegen Unternehmen verhängen zu können, die Meldungen nicht nachgingen (Kiesel für vorwaerts.de 2017). Denn „laut Bundesregierung löschte Facebook nur in 39 Prozent und Twitter nur in einem Prozent der Fälle. Dies war die Motivation für das Bundeskabinett, das so genannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) zu verabschieden. Der Bundesjustizminister möchte mit diesem Gesetzesentwurf noch vor der Bundestagswahl Hate Speech und „Fake News“ im Internet bekämpfen“ (Kiesel für vorwaerts.de 2017). Diese Forderung löste heftige Diskussionen über Datenschutz und Meinungsfreiheit aus (vgl. Tillmann für vorwaerts.de 2017).
Der Kampf gegen Hatespeech könnte durch transparente und unabhängige Monitoring-Programme unterstützt werden, die eine Plattform für Diskussionen über gesellschaftliche und politische Themen bieten. Vorbild hierfür können das Coral Project (Kooperation zwischen Mozilla, der New York Times und der Washington Post) oder Caroline Sinders (BuzzFeed/ IBM Watson) sein. Sie arbeiten mit einer unter­stützenden und transparenten Kommentar­-/Diskursmoderation und der „Gestaltung individuel­ler Diskursräume durch eine Ausdifferenzierung der Privatheitseinstellungen im Kontext konkreter Inhalte“ (Krüger für netzpolitik.org 2017).
Twitter (Klonick für slate.com 2016) bietet in diesem Kontext beispielsweise die Möglichkeit des Stummschaltens einzelner Hashtags oder Gespräche, die neue soziale Plattform Imzy „verbindet umfangreiche Editierfunktionen, eine anwendungsfreundliche Kommentarmoderation so­wie ausdifferenzierte Privatheitseinstellungen miteinander“ (Krüger für netzpolitik.org 2017).
Bis sich diese Maßnahmen im Bezug auf aktives Löschen von Hatespeech durch die sozialen Netzwerke, unterstützende Kommentarmoderation und überarbeitete Privatheitseinstellungen etabliert haben und auch darüber hinaus müssen junge Menschen jedoch weiterhin im Umgang mit Online-Hatespeech unterstützt werden.
Jugendliche treffen tagtäglich auf Hatespeech


Quelle: Youtube-Kanal "No Hate Speech Movement", 2017

Laut der JIM-Studie 2016 sind Medien ein fester Bestandteil des Alltags von jungen Menschen zwischen 12 bis 19 Jahren. So nutzen 92% jeden Tag ihr Handy, knapp gefolgt von 87% täglicher Internetnutzung (vgl. JIM-Studie 2016, S.11). Damit eröffnen sich im Internet "abseits von traditionellen Medien und Politikbetrieb neue Orte des gesellschaftlichen und politischen Austauschs, die für die Meinungsbildung oft von großer Bedeutung sind" (Quasem in , S.158). Dieser positive Aspekt des Web 2.0 muss aufgegriffen und in die gängige Pädagogik integriert werden.

Im Blick auf die Einschätzung der Glaubwürdigkeit der Medien, antworten die befragten Jugendlichen, dass sie bei widersprüchlichen Nachrichten zuerst Tageszeitungen vertrauen würden (41%), gefolgt vom Fernsehen (25%). 15% der jungen Menschen würden zuerst dem Internet Glauben schenken (vgl. JIM-Studie 2016, S.13f.). Auch wenn demnach nicht die Mehrheit der Jugendlichen nicht per se alles glaubt, was im Internet zu lesen und zu sehen ist, so sind sie trotzdem tagtäglich unterschiedlichen Formen von Ideologien der Ungleichwertigkeit, Verschwörungstheorien und Online-Hatespeech ausgesetzt. Jugendliche sind online, sie beteiligen sich mit Kommentaren, in Chats, durch Weiterleitungen und „Likes“ an der Meinungsbildung oder sind Mitglied in Gruppen. Jugendliche positionieren sich dadurch in ihrer Gemeinschaft, geben politische Statements ab oder verschaffen ihrem Unmut über andere Luft.

Pädagogik ist daher besonders gefordert, junge Internetnutzer*innen zu schützen, zu stärken und sie im Umgang mit anderen zu fördern. Es gilt, die Selbstwirksamkeit, Kritikfähigkeit und kommunikative Kompetenz Heranwachsender zu entwickeln. Die GMK-Fachtagung in NRW 2016 betrachtete das Thema aus Expert*innensicht und vermittelte in praktischen Workshops neue Konzepte und Strategien. Hier beschäftigten sich pädagogische Fachkräfte mit der Wirkung und dem Umgang mit Shitstorms oder beleidigenden Kommentaren gegen junge Menschen, aber auch mit der Frage, weshalb Jugendliche in diesem Netz von Hetze mitmischen.

"The internet belongs to everyone", dieser berühmt Satz von Facebook-Gründer Marc Zuckerberg (2015) schließt auch vor allem die junge Generation ein und zeigt auf, dass das Web 2.0 eine Plattform ist, auf der gesellschaftliche Prozesse stattfinden. Diese Plattform bietet die Chance, Bildung für alle zugänglich zu machen, sie schafft neue Begegnung- und Lernräume. Daher ist es eine immer wichtiger werdende Aufgabe für politische Bilder*innen und Lehrkräfte, ihre Arbeit online fortzusetzen und im Web 2.0 aktiv mit jungen Menschen zu arbeiten um objektiv Informationen zu vermitteln und Jugendliche dadurch in ihrer freien Meinungsbildung zu unterstützen. 

Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft
"Ein kritisches Geschichtsbewusstsein gilt als Bestandteil intellektueller Verantwortlichkeit, und so mehr scheint es nur angemessen, ein Einwanderungsgeschichtsbewusstsein zu fordern, das Migration nach Deutschland nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern ihren Einfluss auf die weitere Entwicklung des Landes würdigt" (do Mar Castro Varela in Lange/Polat 2009, S.82).
In Stuttgart hatten 2015 ca. 60 Prozent der jungen Menschen von 0 bis 17 Jahren einen Migrationshintergrund, Tendenz steigend (vgl. LHS Stuttgart 2015). Der Großteil aller Jugendlicher mit Migrationshintergrund hat selbst keine Migrationserfahrung, sondern lebt seit der Geburt in Deutschland, hat den deutschen Pass, hält sich wie andere Deutsche mehr oder weniger an deutsche Gesetze, ist Fan einer deutschen Fußballmannschaft und hat Eltern, die in Deutschland Steuern zahlen - kurz gesagt, ist so "deutsch" wie alle deutschen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund es auch sind.

Trotzdem leben viele von ihnen mit dem Gefühl, nicht "ganz deutsch" zu sein, sich beweisen zu müssen und nicht gehört zu werden. "Denn noch hat ein Großteil der "Ur-Deutschen" nicht realisiert, dass "unser" Land bunter geworden ist und auch das Land von Menschen mit Ö und Ü im Namen und dunklem Teint und dunklen Haaren ist" (Topçu in Lange/Polat, S.25).

Als Reaktion darauf entwickeln einige positiven Ehrgeiz um den Vorurteilen etwas entgegenzusetzen, manche provozieren, indem sie die ihnen zugeschriebenen Klischees überzogen annehmen oder reagieren aggressiv, andere wiederum ziehen sich in ihren Glauben zurück, woraufhin sie noch stärkere Abwehr und Abwertung erleben und sich aktiv aus der Gesellschaft zurückziehen (vgl. Topçu in Lange/Polat, S.25f.).

Die Politik und die politische Bildung müssen auf die sich wandelnde Gesellschaft reagieren und Angebote schaffen, die alle jungen Menschen erreichen und anerkennen -egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, klein, groß, dick, dünn, im Rollstuhl sitzend, religiös, atheistisch, homosexuell, sportlich, mit dunkler oder heller Hautfarbe etc.- und sie zu offenen Menschen und einem festen Teil der Gesellschaft machen. 

Wirkung von Hatespeech auf betroffene junge Muslim*innen

In einer Studie äußerten ca. 80% der befragten muslimischen Jugendlichen große Zustimmung zu der Aussage: „Es macht mich wütend, wenn in der Öffentlichkeit nach einem Terroranschlag alle Moslems als Terroristen verurteilt werden“ (BIM, Studie Junge Muslime in Deutschland, 2012).

Wie die Beispiele zu antimuslimischem Rassismus in den sozialen Medien zeigen, sind Muslim*innen online mit Hatespeech konfrontiert. Zu Finden sind diese Hass-Postings nicht nur auf Seiten rechtsextremer Gruppierungen wie PEgIdA, sondern in zahlreichen Artikeln, Beiträgen und Kommentaren, die über Muslim*innen berichten. Ressentiments gegen muslimisch Gläubige oder dieser Personengruppe zugeordnete Menschen werden jedoch auch in der Realität diskriminiert, sei es bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche, durch die Diffamierung ihrer Religion als rückwärtsgewandt, gefährlich und frauenfeindlich oder die rechtsextremen Anschläge auf Moscheen.

Diese gegen Muslim*innen gerichteten Einstellungen, Anfeindungen und Vorurteile kommen aus der Mitte der Gesellschaft (vgl. spiegel.de 2016 und Studie der Universität Bielefeld 2002-2011). Sie sind also nicht bloße anonyme Provokation im Netz, sondern spiegeln die menschenfeindlichen Einstellungen und Vorurteile, die in der Gesellschaft verankert sind wieder, wie in diesen Interviews mit der Bloggerin und Feministin Kübra Gümüsay, der Social-Media-Koordinatorin der Tagesschau Anna-Mareike Krause und dem Konfliktforscher Andreas Zick deutlich wird.

Wie reagieren junge Muslim*innen auf diese Hatespeech? Der Großteil von ihnen sind deutsche Staatsbürger*innen und wollen auch als solche von der Gesellschaft angenommen werden, die gleichen Rechte, Pflichten und Chancen auf eine gute Zukunft haben, wie alle anderen Deutschen auch. Stattdessen treffen sie auf Ausgrenzung und haben das „Bedürfnis, persönliche Diskriminierungserfahrungen oder Erlebnisse der Eltern zu verarbeiten, als auch über Sorgen um berufliche Perspektiven und eine Polarisierung der Gesellschaft zu sprechen. Teilweise schlägt diese Angst auch in Wut um“ (ufuq.de e.V. 2016 S.33).

Einige junge Muslim*innen interpretieren diese Diskriminierung als Konsens aller nicht-muslimischen Deutschen, seien es Politiker*innen, Journalist*innen oder einfache Bürger*innen. Gegenbeispiele wie die Einführung des Islamischen Religionsunterrichts oder die Rede Navid Kermanis zum Geburtstag des Grundgesetzes - diese positiven Entwicklungen gehen in der weit verbreiteten Hatespeech unter - sind „die Deutschen“ also per se muslimfeindlich?

Das wäre jedoch ein zu einfacher und gefährlicher Trugschluss, wie er von islamistischen Predigern aufgegriffen und instrumentalisiert wird. Diese nutzen die Enttäuschung und das Gefühl „fremd im eigenen Land“ zu sein, um die Feindbilder „Deutschland“ und „westliche Kultur“ unter muslimischen Jugendlichen zu verbreiten. Das Gefühl, als Muslim*a kein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft zu sein, wird ebenso von politischen Debatten in Deutschland gefestigt, wenn es beispielsweise um ein Kopftuch- oder Gebetsraum-Verbot geht.

Gleichzeitig verbreiten sie auf dem Nährboden der realen Anfeindungen und Diskriminierung eine „Opferideologie“ und ziehen Parallelen zur Entstehungszeit des Islam. Die ersten Muslim*innen hatten starke Ablehnung und Angriffe zu ertragen und mussten als Gemeinschaft dagegen angehen. Dieses „Fremdsein“ von vor 1400 Jahren wollen islamistische Gruppierungen erhalten und festigen damit das Bild, dass es ein Gegensatz sei, deutsch und muslimisch zu sein. Deshalb streben sie danach, vor allem junge Muslim*innen von ihrem Denken zu überzeugen mit dem Auftrag an alle Muslim*innen, sich von Deutschland und der Demokratie abzugrenzen und die Ummah (Gemeinschaft der Muslim*innen) vor westlichen Angriffen -im Ernstfall auch unter Gewaltanwendung- zu schützen.

Um Jugendliche für diese islamistische Propaganda zu sensibilisieren, ist es unerlässlich, ihre Diskriminierungserfahrungen, die auch in abwegig erscheinendem Protest und Provokation Ausdruck finden können, wahr- und ernstzunehmen. Ehrliches Interesse für die Befürchtungen und Anerkennung der Erfahrungen der Jugendlichen schaffen eine Vertrauensbasis für differenzierte pädagogische Arbeit und politische Bildung, sei es online in den sozialen Netzwerken oder offline in Angeboten der Schulen oder Jugendarbeit.

Die darauf aufbauenden pädagogischen Angebote können dann durch Aufklärung über Ideologien der Ungleichheit und Pauschalisierende Abwertungskonstruktionen, Reflexion, Gruppenprozesse oder Irritation die Jugendlichen dazu befähigen, eigene Denkmuster, Vorurteile und Feindbilder zu erkennen und zu hinterfragen. Über das Aufzeigen von Handlungskompetenzen, ihre Interessen selbstwirksam zu vertreten und Unterstützung bei ihrer Partizipation an der Gesellschaft, kann den jungen Menschen vermittelt werden, dass ihre Stimme gehört wird und sie ein vollwertiger Teil Deutschlands sind, sich hier entfalten und wohlfühlen können, statt sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen und der islamistischen Ideologie zu verfallen. 

Wie greift salafistischer Propaganda Muslimfeindlichkeit auf und wie können Jugendliche davor geschützt werden?

Salafistische Gruppierungen instrumentalisieren die beschriebene Muslimfeindlichkeit, um Angst zu schüren, Gewalt zu "Verteidigungszwecken" zu legitimieren, indem sie reale Diskriminierung von Musl*innen aufgreifen und darauf aufbauend die Message verbreiten, dass Muslim*innen auch ein Holocaust droht:
Quelle: Youtube-Kanal "Generation Islam", 2015 

Pädagogik, die Jugendliche für salafistische Propaganda sensibilisieren und sie vor Anwerbestrategien schützen will, die die Muslimfeindlichkeit zur Ansprache instrumentalisieren, muss sich Leitlinien setzen: Das Ernstnehmen der Alltags- und Ausgrenzungserfahrungen der jungen Menschen, verbunden mit Wertschätzung und Anerkennung ihrer Themen, Wünsche und Sorgen, ebenso wie das Aufgreifen ihrer Fragen zu Fairness, Diskriminierung, Gerechtigkeit und Zusammenleben sind hier von großer Bedeutung. Um ihnen Selbstwirksamkeitserfahrungen zu ermöglichen, müssen pädagogische Angebote zudem aktivierend wirken, indem sie die gesellschaftliche Teilhabe der jungen Menschen fördern und ihnen Handlungsmöglichkeiten fernab von Abwertung oder Gewaltanwendung gegen andere Menschen an die Hand geben und die Offenheit gegenüber fremd erscheinenden Lebensentwürfen vermitteln.

Ein Projekt, dass sich mit Hatespeech im Internet befasst hat, ist „Was postest du?“ und wurde vom Berliner Verein ufuq.de e.V. 2015 und 2016 umgesetzt und evaluiert. Dieser Verein ist seit 2007 im Themenfeld Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus tätig und gilt als Vorbild und Pionier in dieser Arbeit. Das Ziel des Projekt war es, die Vielfalt muslimischer Lebensentwürfe aufzuzeigen und muslimische Jugendliche zu bestärken, eigene Positionen zu Identität, Religion und gesellschaftlichen Fragen zu reflektieren und nach außen zu vertreten, aber auch, extremen und freiheitsfeindlichen Meinungen etwas entgegenzusetzen.

„Was postest du?“ ist als politische Bildung mit jungen Muslim*innen online ein Pilotprojekt, das von der Robert-Bosch-Stiftung finanziert wurde und für die Durchführenden absolutes Neuland war, das es zu entdecken galt. Dabei galt es Antworten darauf zu finden, wie Diskussions- und Reflexionsprozesse online geführt werden können. Als Medium wurde Facebook gewählt und die Durchführung des Projekts übernahmen geschulte Teamer*innen. „Mich hat vor allem das Format des Projekts angesprochen. Soziale Netzwerke dienen Jugendlichen (…) als Plattform ihrer Lebensrealität (…). Dieser Einblick in jugendliche Lebenswelten hat mich dazu motiviert, am Projekt mitzuarbeiten.“ (Teamerin Aylin Yavas in ufuq.de e.V. 2016, S. 24).

Bei der Durchführung von „Was postest du?“ verließen sich die Teamer*innen auf Erfahrungen aus ihrer langjährigen politischen Bildungsarbeit und versuchten, diese auf die Arbeit im Web 2.0 zu übertragen. Um ihre Zielgruppe zu erreichen wählten sie den Zugang der aufsuchenden Arbeit über das soziale Netzwerk Facebook (vgl. ufuq.de e.V. 2016, S.45) 

Mit welchen Themen erreicht politische Bildung muslimische Jugendliche im Web 2.0 und kommt damit salafistischer Propaganda zuvor?

Mit dem Ziel, Jugendliche im Kontext der Einwanderungsgesellschaft eine Stimme zu geben, sie zu Reflexion anzuregen, ihnen Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, waren auch Religionsverständnis und -ausübung sowie Prävention gegen salafistische Propaganda Leitpfeiler für die Themenfindung. „Das reicht von Fragen nach der Vereinbarkeit vom Augenbrauenzupfen und Islam über Gleichberechtigung der Geschlechter bis hin zum Nahostkonflikt“ (ufuq.de e.V. 2016, S.47). Dabei orientieren sich die Teamer*innen an der Lebenswelt und den Interessen der Jugendlichen, denn mit diesen Themen wie Musik, Beziehung, Diskriminierungserfahrungen, Kleidung oder Zukunft um sie zu erreichen, neugierig zu machen und dann darüber an politische Themen anknüpfen.

Wie bei allen Projekten, die zum Ziel haben, zu bilden, Reflexion anzuregen und handlungsfähig zu machen –und dies online- stellt sich auch bei „Was postest du?“ die Frage nach Erfolg und dessen Messbarkeit. Im Internet kann dieser beispielsweise an den Klickzahlen abgelesen werden, wichtiger sind jedoch die Kommentare, das Like- und Teil-Verhalten und damit das Entstehen eines Austauschs. Damit Beiträge solche Formen der Interaktion anstoßen, empfiehlt es sich, diese kurz zu halten, Fragen zu stellen, persönliche Erfahrungen darzustellen oder Verbindung zur realen Welt über konkrete Angebote wie Vereine, Beratungsstellen oder zur lokalen Jugendarbeit herzustellen (vgl. ufuq.de e.V. 2016, S. 47).

Sobald Jugendliche auf diese Beiträge reagieren, empfiehlt es sich, ihnen erstmal zuzuhören, ehrliches Verständnis zu signalisieren und empathisch zu sein. Ein Beispiel hierfür ist die Reaktion „Ich bin nicht Paris - ich bin Beirut“, die viele muslimische Jugendliche nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo in sozialen Netzwerken geteilt haben. Hier gilt es, anzuerkennen, dass sie das Gefühl haben, europäischen Toten würde mehr Wert zugesprochen als Toten aus der islamischen Welt, die in ihrer Biografie und Lebenswelt verankert ist. Nachdem man dieses Gefühl für einen Missstand aufgegriffen und besprochen hat, kann man den Jugendlichen vermitteln, dass sie ihrerseits nichtmuslimische Tote nicht abwerten sollten und sie sowohl für muslimische wie nichtmuslimische Tote Trauer empfinden und ausdrücken dürfen (vgl. ufuq.de e.V. 2016, S. 37f.).

Damit kann ein Perspektivwechsel angeregt werden, der junge Muslim*innen aus ihrer Opferperspektive zwingt, indem sie verstehen, dass sie selbst die Missstände verändern können. Dabei müssen sie jedoch erkennen, dass auch sie Vorurteile in sich tragen und teilweise aus der Wahrnehmung heraus, unterdrückt zu sein, selbst Feindbilder konstruieren. Dieser Reflexionsprozess kann angeregt werden, indem man den Jugendlichen den Zugang zu Zusammenhängen und unterschiedlichsten Meinungen öffnet und sie zum eigenständigen Nachdenken darüber auffordert (vgl. ufuq.de e.V. 2016, S.37f. und S. 41). 

Medienkritikfähigkeit als Schlüsselkompetenz: Austauschen, reflektieren, Position beziehen, mitmischen, andere informieren und aktivieren!

Handlungsfähigkeit bezogen auf den Umgang mit dem Web 2.0 – da fällt schnell das Schlagwort Medienkompetenz. Doch was ist unter Medienkompetenz zu verstehen? Ein aufgeklärtes, reflektiertes und kritisches Nutzungsverhalten beinhaltet laut Ganguin und Sander das kritisches Wahrnehmen, Analysieren und Reflektieren der Inhalte von Medien und Entwicklungen von Internetangeboten (vgl. Ganguin, Sander 2008, S.65). Um Informationen und Nachrichten aus dem Internet kritisch hinterfragen, problematische Aussagen und Bilder erkennen und in Folge dessen Propaganda, Hatespeech und anderen problematischen Inhalten etwas entgegnen zu können, brauchen junge Menschen Unterstützung. Die einfache Lösung, Medien pauschal als "Lügenpresse" , korrupt oder einseitig berichtend darzustellen, wäre hier eindeutig der falsche Weg (vgl. Butterwege in , S.187).

Politische Bildung im Kontext der Einwanderungsgesellschaft Deutschland und des Web 2.0 muss sich daher den folgenden Fragen stellen:
  • "Wie können Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Ideologien der Ungleichwertigkeit und Rassismus vorgebeugt werden?
  • Wie können neue deutsche Identitätskonstruktionen gestärkt und gleichzeitig Reflexionsprozesse angestoßen werden?
  • Wie kann Partizipation an gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen erreicht werden?" (Quasem in Schöne, Molthagen 2016, S.157)
Zur Förderung der Medienkritikfähigkeit zählen demnach die Sensibilisierung Jugendlicher für Meinungsbildung, das Erkennen von Online-Hatespeech und das Verstehen ihrer Verbreitung und Wirkung auf Menschen, wie das Anregen zum kritischen Hinterfragen und Analysieren von hetzerischen Aussagen. Im Anschluss daran ist es wichtig, den Jugendlichen Werkzeuge an die Hand zu geben, an Online-Diskussionen teilzunehmen und ihre Stimme einzubringen. Dazu benötigen diese das Wissen über gesellschaftliche Diskurse, um Aussagen als Desinformation oder Propaganda einordnen und ihre Intention deuten zu können und alternative Quellen, die Hatespeech etwas entgegensetzen können und Schwarz-Weiß-Denken aufbrechen.

Beispielsweise ist Hatespeech in Zusammenhang mit antimuslimischem Rassismus ebenso wie mit islamisch begründetem Extremismus an selbstgeschaffenen Bildern und Narrationen mit einem engen Islamverständnis zu erkennen und zu entlarven. Dies zu verstehen und Quellen dann kritisch zu analysieren und Gegenbeispiele zu kennen, ermöglicht jungen Menschen die einseitigen Darstellungen anhand alternativer Quellen und Beispiele zu entkräftigen und das eigene Wissen weiterzuvermitteln und damit andere Menschen zu aktivieren, damit diese ebenso partizipieren können (vgl. ufuq.de e.V. 2016, S.37ff.). 

Methoden der politischen Bildung im Web 2.0

Reflektieren und differenzieren lernen:

Das Internet bietet allen, die Zugang dazu haben, die Chance, über eine riesige Menge an Wissen zu verfügen. Den richtigen Umgang mit diesem Wissensschatz kann und muss man üben, um objektive Informationen von Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien zu unterscheiden. Das umstrittene Thema Islam und Geschlechterrollen wird beispielsweise auf der Themenseite „Islam und Gender“ der Deutschen Islam Konferenz aufgegriffen und differenziert dargestellt. In der Auseinandersetzung mit diesen Texten können beispielsweise Vorurteile zur Frauenfeindlichkeit von Muslimen hinterfragt und gleichzeitig alteingesessene Rollenvorstellungen reflektiert werden (vgl. ufuq.de e.V. 2016, S.41).

Begriffswelten Islam ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung: "Eindimensionale und stereotypisierende Darstellungen in den Medien (...) können zu verzerrten Wahrnehmungen muslimischer Lebenswelten in Deutschland (...) führen. Menschen, die Soziale Medien nutzen, werden teilweise ungefiltert mit rassistischen oder muslim- und islamfeindlichen Inhalten sowie Hate Speech in steigender Häufigkeit konfrontiert. Vor dem Hintergrund dieser aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sieht die bpb auch auf YouTube Handlungsbedarf für die politische Bildungsarbeit zu diesen Themenfeldern" (bpb.de 2016). Dazu setzen sich YouTuber*innen in kurzen animierten Erklärvideos mit Begriffen rund um den Islam auseinander oder sprechen mit Expert*innen darüber.
Quelle: Youtube-Kanal "Begriffswelten Islam", 2015

Vorbilder im Web 2.0:
Auf ihrem Weg zu eigenständigen und selbstbewussten jungen Menschen brauchen Jugendliche zudem Vorbilder, die Orientierung bieten und zeigen, wie man ein selbstverständlicher und aktiver Teil der Gesellschaft sein kann ohne dabei seinen Glauben oder sonstige Identitätsmerkmale verstecken zu müssen. Den Blick für das Positive können junge Menschen beispielsweise von Navid Kermani lernen, der in seinem Buch "Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime" über seine eigenen Erfahrungen als Muslim in Deutschland geschrieben hat und Mai 2014 die Festrede im Deutschen Bundestag zum 65. Jahrestag des Grundgesetzes gehalten hat.

Ein weiteres Vorbild findet sich in dieser Reportage über ein Mädchen mit Kopftuch, das sich im Boxsport durchsetzt.

Die Journalistin Dunya Hayali wehrte sich öffentlich auf Facebook gegen einen an sie gerichteten Hassbrief, dieser Beitrag wurde über 8000 Mal geteilt.

Ebenso wie die Bloggerin Esim Karakuyu und die Comiczeichnerin Soufeina Hamed, die in ihren Blogs und Comics über ihren Alltag berichten, der sich nicht groß vom Alltag anderer junger nicht-muslimischer Frauen unterscheidet und damit die "Normalität" des Alltags von Muslim*innen darstellen und dem negativen Medienbild entgegentreten (vgl. ufuq.de e.V. 2016, S. 38, 42, 46).
Empowerment junger Muslim*innen über Poetry Slam, das ist das Motto von i,Slam: Die mehrfach ausgezeichnete Gruppe will in dem durch Sarrazin angeregten negativen Diskurs über "muslimische Jugendliche" mitmischen und dabei ihre Themen ansprechen und ein neutrales und vielfältiges Bild über junge Muslim*innen in Deutschland zeichnen.

Hashtags und Videoclips: Gerade als Reaktion auf Terroranschläge wird Muslim*innen gefordert, sich von diesen Taten zu distanzieren. Hierzu gab es die Hashtag-Aktion #NotInMyName, die unter anderen durch Fotos aber auch Videoclips klarstellen will, dass die Religion nur ein Bestandteil der Identität von Muslim*innen ist und sie nicht davon abhält, deutsch zu sein, unterschiedlichste Lebensentwürfe zu haben oder sich in die Gesellschaft einzubringen (vgl. ufuq.de e.V. 2016, S. 38).
Unter dem Hashtag #SchauHin wird auf Diskriminierung im Alltag aufmerksam gemacht und dazu aufgerufen, sich gegen diese stark zu machen, statt darüber hinweg zu sehen.

Ein weitere Gruppe, die sich gegen Hatespeech und antimuslimischen Rassismus im Netz engagiert sind die Datteltäter. Auf ihrem YouTube-Kanal beschreiben sie sich wie folgt: "Das islamische EmpÖrium hat einen Namen: Datteltäter. Muslime planen ein neues Satire-Kalifat im Herzen der YouTubszene - ein EmpÖrium für zwanghafte Toleranz. Auf eine humorvolle Art erklären muslimische YouTuber*innen den gängigen Stereotypen und Vorurteilen von und vor allem gegenüber Muslim*innen den Bildungsdschihad" (Datteltäter 2015).


Quelle: Facebook-Kanal "Datteltäter", 2015

 Quelle: Facebook-Kanal "Datteltäter", 2017

Materialien zur pädagogischen Arbeit gegen Hatespeech
  • "Geh sterben!" - Eine Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung zu Erscheinungsformen von Hatespeech und Vorschlägen zum Umgang mit diesen.
  • Die Initiative "Zivilcourage Online" informiert über Counterspeech.
  • www.saferinternet.at stellt in einem Handbuch 21 Übungen zur Menschenrechtsbildung vor, die auch die realen Konsequenzen von online-haltespeech aufzeigen.
  • hoaxmap.org hilft herauszufinden, ob Meldungen und Anschuldigungen wahr oder falsch sind.
  • Das Georg-Ecker-Institut für internationale Schulbuchforschung stellt 23 Unterrichtsmodule zu Fremd- und Selbstwahrnehmnung, unterschiedlichen Lebensentwürfen und der Frage "Wer ist wir?" vor.
  • Die Wanderausstellung "Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland" lädt zum Nachdenken über Identitäten, Vorurteile und muslimisches Leben in Deutschland ein.
  • Ein kurzes Info-Heft aus der Reihe "Mach´s klar" der Lpb Baden-Württemberg klärt über Hatespeech, Gegenmaßnahmen und Konsequenzen auf. 
  • Bilder haben viel Macht, die oft negativ eingesetzt wird. Dieses Projekt nutzt die Macht der Bilder, um Befürchtungen aufzugreifen und sie zu entkräftigen. 
Weitere Kampagnen und Angebote gegen Online-Hatespeech 

Die unten dargestellten Kampagnen und Aktivitäten wurden von Kaspar, Gräßer und Riffi zusammengestellt wurden und sind hier abrufbar: 
Die „No Hate Speech Movement“-Kampagne ist Teil des europäischen Projekts „Young People Combating Hate Speech Online“, welches 2012 vom Europarat ins Leben gerufen wurde. Das Projekt steht für Gleichheit, Vielfalt und die Würde des Einzelnen so- wie die Durchsetzung von Menschenrechten im Internet. Der Fokus auf Hate Speech ist dabei breit, adressiert neben Rassismus und Diskriminierung auch angrenzende Phänomene wie Cyberbullying. Das Projekt will insbesondere jungen Menschen und Jugendorganisationen Strategien zum Umgang mit Online Hate Speech sowie zu deren Vermeidung und Vorbeugung vermitteln. Ziel des Projektes ist die Bewahrung der freien Meinungsäußerung bei gleichzeitiger Eingrenzung von Online Hate Speech. 
Seit Februar 2016 koordinieren die Neuen deutschen Medienmacher die No Hate Speech Kampagne des Europarates in Deutschland, mit dem Ziel, Kampagne junge Angehörige von Minderheiten und Selbstorganisationen stärken und Medienmacher*innen für Hate Speech zu sensibilisieren und darauf reagieren zu können.
„Hass hilft“ bezeichnet sich selbst als „die erste unfreiwillige Online-Spenden-Aktion“: Pro Hasskommentar in sozialen Netzwerken spenden die Betreiber einen Euro an Flüchtlingsprojekte der „Aktion Deutschland Hilft“ und „EXIT-Deutschland“ und kommentieren das Kommentar. Mit dieser Aktion soll ein Zeichen für ein tolerantes und menschenwürdiges Deutschland gesetzt werden.
Die europäische Initiative für Zivilcourage Online (OCCI) kämpft gegen Extremismus und Hatespeech im Internet und entwickelt Gegenstrategien, basierend auf der Annahme, dass Konfrontation und Engagement mehr bewirken als Zensur in sozialen Medien. 
Hate Speech International (HIS) ist ein unabhängiges Journalist*innen-Netzwerk, das sich über internationale Grenzen hinweg mit dem Phänomen der Hassrede im Netz beschäftigt. HIS versucht dabei, extremistische Netzwerke und Faktoren zu entlarven, die Radikalisierung und die Bereitschaft zu Gewalt im Netz fördern.
#NichtEgal ist eine Kooperation von Youtube mit der Bundeszentrale für politische Bildung, der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter und den Digitalen Helden und steht für einen respektvollen Meinungsaustausch auf verschiedenen Plattformen im Internet wie auch im Alltag. Dazu werden 40 Aktionstage an deutschen Schulen in Zusammenarbeit mit unabhängigen medienpädagogischen Einrichtungen und bekannten YouTuber*innen durchgeführt. 
Die „Internet-Beschwerdestelle“ nimmt Beschwerden über illegale und schädigende Internetinhalte entgegen und prüfen diese.
Debate Dehate (ehemals no-nazi.net) ist 2011 aus der Arbeit von netz-gegen-nazis.de entstanden. Ziele des Projektes sind die Aufklärung über Hatespeech, die Entwicklung effizienter Gegenmaßnahmen, die Deradikalisierung und das Empowerment junger Menschen.
Das europäische Projekt BRICkS wurde konzipiert, um die Verbreitung von Online Hatespeech mit Hilfe von Medienkompetenz-Angeboten und aktiver Einbindung von Nutzer*innen und Produ- zent*innen von Netzinhalten zu bekämpfen. Dazu wurde Hatespeech intensiv erforscht und im Anschluss wurden Trainingsmodule für die Arbeit mit Jugendlichen entwickelt und erprobt. 
Hyperbole möchte gesellschaftlich relevante Themen für junge Zielgruppen greifbarer machen, indem sie beispielsweise in einer Kommentiershow dargestellt und kommentiert werden.
Journalist*innen mit Migrationshintergrund bekommen oft Nachrichten mit rassistischen und beleidigenden Inhalten. Hate Poetry greift diese Hassbotschaften seit 2012 auf und macht diesen alltäglichen Rassismus gegenüber Journalist*innen mit Migrationshintergrund im Stile eines Poetry Slams sichtbar.
„Hooligans Gegen Satzbau“ nennt sich „ein Online-Nachhilfeinstitut für meinungsmanipulierende, aufrechtdeutsche, retronaziske und patriotische Stimmungsmacher“. Mit dem Ziel, zu informieren, Diskussionen anzuregen und Internetnutzer*innen dabei zu unterstützen und zu motivieren, gegen Hetze und Hass im Netz vorzugehen, gehen sie durch das Kommentieren von Hatespeech mit gutem Vorbild voran. 
  • #NoHateSpeech – TV-Clips gegen Hetze, Hass und Diskriminierung im Netz 
Nrwision folgt dem Aufruf „Für Meinungsfreiheit – gegen Hetze im Internet“ und setzt sich für ein tolerantes Miteinander im Internet und gegen Hass im Netz ein. Dazu nutzen sie viele kurze Videos, in denen sich unter anderem Prominente unter dem Hashtag #NoHateSpeech gegen Hasskommentare und für Meinungsfreiheit aussprechen.


Buchquellen:
  • Ates in Butterwegge, Christoph/Hentges, Gudrun: Massenmedien, Migration und Integration, Springer VS, Wiesbaden, 2006
  • Bellut, Thomas: Jugendmedienschutz in der digitalen Generation, kopaed Verlag, München, 2006
  • Butterwegge, Christoph/Hentges, Gudrun: Massenmedien, Migration und Integration, Springer VS, Wiesbaden, 2006
  • Caesar, Ingo: Social Web - politische und gesellschaftliche Partizipation im Netz, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin, 2012
  • do Mar Castro Varela in Lange, Dirk/Polat, Ayça: Unsere Wirklichkeit ist anders - Migration und Alltag, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts., 2009
  • Ganguin, Sonja/Sander, Uwe in Sander, Uwe/von Gross, Friederike/Hugger, Kai-Uwe: Handbuch Medienpädagogik, VS Verlag, Wiesbaden, 2008
  • Lange, Dirk/Polat, Ayça in Lange, Dirk/Polat, Ayça: Unsere Wirklichkeit ist anders - Migration und Alltag, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts., 2009
  • Quasem in Schöne, Thilo/Molthagen, Dietmar: Lernen in der Einwanderungsgesellschaft, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH, Bonn, 2016
  • Topçu, Canan in Lange, Dirk/Polat, Ayça: Unsere Wirklichkeit ist anders - Migration und Alltag, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts., 2009
  • ufuq.de: Was postest du? Politische Bildung mit jungen Muslim_innen online, Berlin, 2016
  • Wagner, Ulrike et al.: Partizipation im und mit dem Social Web – Herausforderungen für die politische Bildung, JFF, Institut f. Medienpädagogik in Forschung und Praxis, 2011

Online-Publikationen:

Internetquellen, Studien, Blogs und Homepages:

Bilder-/Videoquellen:

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