Posts mit dem Label Blogs werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Blogs werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 15. März 2017

Politische Blogs und ihr Einfluss auf die Gesellschaft

Was ist für uns selbstverständlich?

Selbstverständlich ist, dass die Erde eine Kugel ist. Selbstverständlich ist auch, dass man als Frau studieren und Auto fahren darf. Es ist auch selbstverständlich, dass Religionen gleichgestellt sind und dass man sich von seiner Religion trennen kann, wenn man es möchte. Außerdem ist es selbstverständlich, dass jeder seine Meinung frei äußern kann, ohne politische Verfolgung fürchten zu müssen… oder?

Ich kann das leicht behaupten, in meinem Zimmer mit freiem Internetzugang. Hier in Deutschland, wo das Grundgesetz die Verfassung ist und nicht eine heilige Schrift. Doch was für mich und für die westliche Welt selbstverständlich ist, ist woanders auf der Welt ein Verbrechen. In Saudi-Arabien zum Beispiel, wo die Zeit scheinbar im Mittelalter stehengeblieben ist: Wo Wissenschaftler als Ketzer abgetan werden, Frauen Gegenständen gleichgestellt sind, wo Religion über allem steht und wo man um sein Leben fürchten muss, wenn man eine politische Diskussion anfängt. Kann man in so einem Land überhaupt frei denken? Wie bildet man sich seine Meinung und wo kann man diese äußern?


Meinungsäußerung im Web 2.0

Das Internet bietet diese Möglichkeiten, vorausgesetzt natürlich, dass es nicht zensiert wird. Über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter kann jeder seine Meinung leicht äußern – man braucht dafür keine besondere Qualifikation, und jeder darf schreiben, was er denkt, solange er nicht die Rechte eines anderen verletzt.

Wenn man sich allerdings etwas mehr für ein Thema interessiert, sich einarbeitet und auch einen gewissen Anspruch an seine Argumentation hat, fängt man vielleicht an, einen Blog zu schreiben. Dann kommen Leser hinzu, diese kommentieren, es entstehen Diskussionen und die Plattform wächst. So kann man seine Meinung frei äußern, auf Menschen mit ähnlichen Ansichten treffen und sogar die Gesellschaft beeinflussen. Es kann sein, dass die Plattform so weit wächst, dass die großen Medien darauf aufmerksam werden oder dass man für seinen Blog einen Preis gewinnt. In demokratischen Ländern zumindest. In Diktaturen kann es sein, dass die Polizei oder Geheimdienste darauf aufmerksam werden, und dann muss man für seinen Blog einen Preis bezahlen – oft ist es die Freiheit, manchmal sogar das Leben.

Diese Arbeit behandelt das Thema politische Blogs und ihren Einfluss in der Gesellschaft. Besonders interessant ist das in Bezug auf Länder mit Zensur: Schafft man es mithilfe eines Blogs, liberales Gedankengut in eine religiös dominierte Gesellschaft zu bringen? Und was riskiert man dabei? 

Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit Blogs im Allgemeinen: Welche Arten von Blogs es gibt, wie viele es gibt und welchen Einfluss man dadurch gewinnen kann. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich dann mit Blogs in Ländern ohne Meinungsfreiheit. Das möchte ich an einem sehr prägnanten Beispiel festmachen: An Raif Badawi, einem Blogger, der zu umgerechnet knapp 195.000 Euro Strafe, zehn Jahren Haft, mit anschließenden zehn Jahren Reiseverbot, und tausend Peitschenhieben verurteilt wurde, weil er seine Meinung geäußert hat und ein Forum geschaffen hat, in dem man sich über Politik und Religion austauschen konnte (amnesty.de, 2015).

Mittwoch, 30. April 2014

Wie das Web 2.0 den Unterricht verändert - Wikis im Unterricht

Das Web 2.0 ist überall. Wenn man in der Bahn sitzt, sieht man überall Menschen, die in ihre Smartphones oder Tablet-PC’s versunken sind. Zu Beginn des Jahres waren über 27 Millionen Menschen in Deutschland bei Facebook registriert (1), und WhatsApp ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Durch das Web 2.0 steht unendliches Wissen auf Abruf bereit. Mit Menschen in Kontakt treten, die sich am anderen Ende der Welt aufhalten? Kein Problem.

Das Web 2.0 ist überall. Auch in Schulen? Das private Leben wird davon schon lange geprägt. Jetzt ist es an der Zeit, das Web 2.0 stärker in Schulen zu integrieren. Dadurch soll den Schülerinnen und Schülern* der sinnvolle und verantwortungsbewusste Umgang mit dem Internet beigebracht, die Chancen, aber auch Gefahren, des Web 2.0 aufgezeigt werden. Mehr als das - das Web 2.0 kann den Unterricht verändern, und so entstehen neue Formen des Lernens und des Miteinanders.

Trotz der Fülle an Nutzungsmöglichkeiten bleibt das Web 2.0 im Unterricht oft ungenutzt. Deshalb werden wir uns im Folgenden mit ausgewählten Nutzungsmöglichkeiten des Web 2.0 im Unterricht auseinandersetzen und am Beispiel von Wikis erläutern, wie diese in den Unterricht integriert werden können und so den Schulalltag bereichern.

Ausgewählte Nutzungsmöglichkeiten des Web 2.0 im Unterricht - ein Überblick

Moodle



Die weit verbreitete und viel genutzte Lernplattform Moodle wird schon seit längerem intensiv an Schulen und Hochschulen genutzt. Während sie in höheren Bildungseinrichtungen kaum noch wegzudenken ist, hat sie sich in Schulen erst langsam etabliert. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass Schüler teilweise nicht über das notwendige technische Equipment verfügen. Andererseits fehlt den Lehrkräften oft das notwendige Wissen, wie im Unterricht sinnvoll mit Moodle gearbeitet werden kann.

Welchen Nutzen bringt die Lernplattform also? Moodle ermöglicht den direkten und ständigen Austausch zwischen Lehrern und Schülern, auch außerhalb der Unterrichtszeiten. Die räumliche Trennung kann so überwunden werden.Hoeksema und Kuhn fassen die Funktionen von Moodle zusammen:
“Über seine Basismodule unterstützt Moodle den Zugriff der Lernenden auf Lernmaterial, die Kommunikation zwischen den Lernenden untereinander, die Kommunikation zwischen Lernenden und Unterrichtenden (und Gästen), die Bearbeitung und (Selbst-) Bewertung von Arbeitsaufträgen, umfangreiche Test-, Abstimmungs- und Umfragemöglichkeiten.” (2)
Lehrer können Kurse anlegen und gezielt Arbeitsmaterialien einstellen, auf welche die Schüler jederzeit Zugriff haben. Arbeitsblätter, Texte, Links oder Videos - die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Die Schüler können die Materialien bearbeiten, selbst Dokumente hochladen und in Foren diskutieren. Arbeitsblätter können nie wieder in der Schule vergessen werden und Abgabetermine für Hausaufgaben außerhalb der Unterrichtszeiten werden möglich. Kurzfristige Infos für den Wandertag erreichen alle noch rechtzeitig.

Moodle erleichtert die Organisation des Schullebens und strukturiert den Unterricht. Der Landesbildungsserver Baden-Württemberg bietet einen Überblick und eine Anleitung zur Verwendung von Moodle an Schulen.

Podcasts


Podcasts sind Audio- oder Videodateien, die im Internet bereitgestellt und i.d.R. kostenlos abgerufen werden können. Sie werden häufig von Firmen, Nachrichtenagenturen, Radio- und Fernsehsendern oder Privatpersonen erstellt und veröffentlicht.
“Podcasting ist aus dem Namen von Apples populärem MP3-Player iPod und dem englischen Begriff "broadcast", was soviel wie Ausstrahlung/Sendung bedeutet, zusammengesetzt. Darunter versteht man die Erstellung von Mediendateien (Audio, Video, Texte) und deren automatisierte Verbreitung über das Internet.” (3)
Podcasts zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie jederzeit im Internet abrufbar sind und -  anders als ein schriftliches Medium - angehört (und angeschaut) werden können. Podcasts kann man gelegentlich anhören oder direkt beim Anbieter abonnieren, um regelmäßig die neuesten Informationen zu erhalten. Beispielsweise bietet daserste.de eine Reihe von Podcasts zu verschiedenen Sendungen an, die vom Nutzer kostenlos abonniert werden können. Will man sich das mühsame Klicken durch einzelne Anbieter ersparen, kann man auch über eine Sammlung, wie z.B. Itunes, auf Podcasts zugreifen. Außer zur Informationsbeschaffung und zu Unterhaltungszwecken können Podcasts auch in der Schule genutzt werden.

Dazu unterscheidet lehrer-online.de zwischen eindimensionalen und mehrdimensionalen Podcasts. Ein eindimensionaler Podcast wird nur von einer Person, beispielsweise der Lehrkraft, erstellt. Er eignet sich vor allem dazu, Informationen oder Übungsmaterial zur Verfügung zu stellen, auf welche die Schüler von zu Hause aus zugreifen können. Im Gegensatz dazu können mehrdimensionale Podcasts von mehreren Personen erstellt werden. Somit kann ein Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden stattfinden. Es können zum Beispiel “interaktive Hausaufgaben, Projektbesprechungen oder Onlinediskussionen” (4) erledigt werden bzw. stattfinden. Mehrdimensionale Podcasts erlauben ein sofortiges Feedback für die Schüler, nicht nur durch den Lehrer, sondern auch durch Mitschüler. Zum Erstellen und Hochladen eindimensionaler Podcasts und mehrdimensionaler Podcasts gibt es verschiedene Möglichkeiten, die auf lehrer-online.de ausführlich erklärt werden.

Blogs



Die Frage “Was ist ein Blog?” muss sich der Leser dieses Eintrags eigentlich nicht mehr stellen - Sie befinden sich nämlich just in diesem Moment auf dem Blog des Seminars “Web 2.0 und Medienkompetenz - was sollte ich als (Politik-)LehrerIn wissen?” der PH Ludwigsburg. Er wurde im Zuge des Seminars erstellt und wird seitdem stetig weiterentwickelt.

Der Form halber: “Ein Blog oder auch Weblog ist ein im Internet geführtes Tagebuch” (5). Was früher mühsam per Hand geschrieben und nur schwer an andere weitergegeben werden konnte, wird heute durch das Internet spielend leicht verbreitet. Sei es ein Blog über die Erlebnisse einer Reise oder ein ganz anderes Thema - der Autor kann seine Erfahrungen und Berichte am Computer verfassen, dann online stellen und schon hat die ganze Welt, bzw. der von ihm gewünschte Personenkreis, die Möglichkeit, darauf zuzugreifen. Es handelt sich also “um eine leicht einzurichtende und aktualisierbare Website, die einem oder mehreren Autoren die Möglichkeit bietet, von jedem Webanschluss aus Beiträge im Internet zu veröffentlichen” (6). Vor nicht allzu langer Zeit waren weitreichende Kenntnisse über HTML-Codes und Ähnliches notwendig, um bloggen zu können. Diese Prozesse wurden nach und nach automatisiert, und Bloggen wurde zum Kinderspiel.

Doch nun stellt sich natürlich die Frage, welchen Nutzen Blogs im Unterricht haben. Will Richardson spricht ihnen eine lernfördernde Wirkung zu, denn
“schon heute werden Blogs als Klassenportale, Online-Archive für Schülerarbeiten und E-Portfolios genutzt; sie dienen als gemeinschaftlicher Raum, zum Wissensmanagement oder bilden sogar die Basis für den Webauftritt der Schule. Wenn Schüler bloggen, lernen sie gleichermaßen kritisch zu lesen, das Gelesene analytisch zu beurteilen und ihre eigenen Beiträge klarer zu formulieren.” (7)
Durch das Bloggen entstand eine völlig neue Form der Literalität (8), denn Schüler schreiben nicht mehr für ein begrenztes Publikum (welches in den meisten Fällen ausschließlich aus der Lehrperson bestand), sondern potenziell für die ganze Welt! Sie haben die Möglichkeit, ihr Expertenwissen an andere weiterzugeben, die davon profitieren und es nach Belieben ergänzen können.

Als praktisches Beispiel sei hier der Blog der Sekundarstufe 2 eines Hamburger Gymnasiums genannt. Er begleitet dort den Politikunterricht und wird vom Lehrer, den Schülern, sowie anderen Personen außerhalb der Lerngruppe mitgestaltet.

Wikis im Unterricht

Nachdem wir zunächst einen Überblick über Moodle, Podcasts und Blogs, sowie den möglichen Einsatz in der Schule gegeben haben, wollen wir im Folgenden einen genaueren Blick auf das Phänomen des Wikis werfen und klären, wie man es sinnvoll im Unterricht nutzen kann. Außerdem wollen wir anhand einiger Beispiele veranschaulichen, wie die Arbeit mit Wikis in der Schule gewinnbringend gestaltet werden kann. Um eine essentielle Frage vorneweg zu klären: Was ist ein Wiki überhaupt?
“Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“), seltener auch WikiWiki oder WikiWeb genannt, ist ein Hypertext-System für Webseiten, deren Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online direkt im Webbrowser geändert werden können (Web-2.0-Anwendung). Das Ziel ist häufig, Erfahrung und Wissen gemeinschaftlich zu sammeln (kollektive Intelligenz) und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. Die Autoren erarbeiten hierzu gemeinschaftlich Texte, die ggf. durch Fotos oder andere Medien ergänzt werden (Kollaboratives Schreiben, E-Collaboration).” (9


Dieses Zitat entstammt dem berühmtesten Wiki überhaupt: Wikipedia - die Online-Enzyklopädie. “Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten in über 280 Sprachen [...]. Seit Mai 2001 sind 1.710.782 Artikel in deutscher Sprache entstanden” (10). Noch bis vor kurzem als unseriöse Quelle verpönt, geht der Trend immer mehr zu einer “offiziell anerkannten” Nutzung der Internetseite. Vor allem wenn man sich einen ersten Überblick über ein Thema verschaffen will oder gezielt nach Informationen sucht, ist Wikipedia für viele die erste Anlaufstelle.

Doch die Omnipräsenz von Wikipedia lässt uns leicht vergessen, dass es neben der riesigen Online-Enzyklopädie noch viele andere Formen von Wikis gibt. Diese können bei sinnvollem Einsatz Unterrichten und Lernen - so wie wir es bisher kennen - vollständig verändern, wenn nicht gar revolutionieren.

Die Idee dahinter

Obwohl es Wikis sowie das gesamte Web 2.0 erst seit wenigen Jahren gibt, haben sie die Welt grundlegend verändert. Sie ermöglichen es, Wissen über den ganzen Globus hinweg zu sammeln und die Menschen immer weiter zu vernetzen. Die Idee der Schwarmintelligenz ist die Grundlage für das Funktionieren dieses gigantischen Phänomens.

Was verbirgt sich dahinter? Der Ausdruck Schwarmintelligenz, auch “das Wissen Vieler” (11) genannt, steht für die Fähigkeit einer (großen) Masse, ihr Wissen sinnvoll zu bündeln. Ein Einzelner beginnt, sein Wissen zu einem bestimmten Themengebiet aufzuschreiben, und jeder hat die Möglichkeit, den Eintrag durch Verändern oder Hinzufügen zu vervollständigen und weiterzuentwickeln. Schreibt jemand etwas Falsches, kann dies sofort von anderen revidiert werden. Dadurch kontrolliert sich der Artikel quasi ständig von selbst, da so viele Menschen ihr Expertenwissen zur Verfügung stellen.

Wie kann man sie im Unterricht nutzen?

“In großen Klassenverbänden mit spürbarem Leistungsgefälle möchten Sie Unterricht mit individueller Differenzierung und sozialen Arbeitsformen organisieren - und das Ganze mit modernen Medien? Die Arbeit mit einem Wiki ist unter diesen Voraussetzungen einen Versuch wert” (12). Wie bereits beschrieben, bieten Wikis viele neue Chancen für den Unterricht. Doch wie kann man die Arbeit mit Wikis konkret im Unterricht gestalten?

Zunächst muss unterschieden werden: Nutzt man bereits vorhandene Wikis zur Informationsbeschaffung oder erstellen und bearbeiten Schüler und Lehrer selbst einen Wiki? Im Folgenden wollen wir uns auf das Erstellen eigener Wikis im Unterricht konzentrieren.

Ausgangspunkt für die Erstellung eines Wikis ist immer ein bestimmtes Ziel. Sei es die Planung und Koordinierung eines Ausflugs, der Austausch innerhalb einer Klasse bzw. Arbeitsgruppe zu einem bestimmten Inhalt oder die Organisation einer öffentlichen Wissensplattform. Wikis können sowohl im Klassenverband als auch von der gesamten Schule erstellt und auf verschiedene Weisen genutzt werden. Anhand der folgenden Beispiele wollen wir aufzeigen, wie vielfältig Wikis im Unterricht genutzt werden können.

Beispiele aus der Praxis

Das Schulwiki des Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt wird von der Schule auf verschiedene Arten genutzt. “Seit der Einrichtung des Wikis im Oktober 2005 ist die Zahl der Nutzer und aktiven Mitarbeiter stetig gestiegen. [...][D]as Wiki [bietet] jedem Schüler und Lehrer die Möglichkeit jederzeit und von überall aus selbstständig Informationen ins Netz zu stellen, gemeinsam mit anderen an Projekten zu arbeiten, Unterrichtsmaterial zur Verfügung zu stellen u.v.m.” (13).

Beispielsweise gibt es Informationsseiten, Fachseiten, Klassenseiten oder Projektseiten. Die Informationsseiten bieten unterschiedliche organisatorische Informationen wie wichtige Termine für die Kollegstufe, aber auch Informationen über die Gefahren und Chancen des Internets und vieles mehr. Die Fachseiten sind je nach Schulfach unterschiedlich aufgebaut und bieten u.a. Unterrichtsmaterial, Tests, nützliche Links und Übungen. Die Klassenseiten werden wiederum dazu genutzt, konkrete Inhalte, die im Unterricht behandelt werden, festzuhalten. Außerdem sind Termine, Fristen und Hausaufgaben zu finden.

Des Weiteren werden Projekte, beispielsweise das Projekt Frühlingsgedichte, online dokumentiert. Das RMG ist 2011 für seine Arbeit mit digitalen Medien im Unterricht mit dem Nachwuchspreis d-elina ausgezeichnet worden. Kurzum, das Wiki des RMG vereint viele Möglichkeiten, wie man ein Wiki in der Schule nutzen kann. Es ist “Informationsplattform, [...] „digitales Arbeitsblatt“, [...] Wissensspeicher” (14). Bearbeitet werden kann das Schul-Wiki lediglich von Menschen, die aktiv am Schulleben beteiligt sind, eingesehen werden kann es von allen Internetnutzern.



http://wikis.zum.de/rmg/Hauptseite, abgerufen am 27.04.2014, 19:40

Ein weiteres Beispiel für die Verwendung von Wikis an Schulen ist das Schulwiki der Kaiserin-Augusta-Schule in Köln. Im Vergleich zu den oben genannten Wikis möchten wir hier das Grundschulwiki kurz vorstellen.

Es handelt sich um ein Wiki, welches überregional von Grundschulkindern, -klassen und -lehrern genutzt werden kann und von der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet eV. präsentiert wird. Die Artikel wurden allesamt von Kindern, die einen Zugang besitzen, selbst verfasst. Außerdem gibt es eine Hilfeseite, wo gezielt Informationen zur Benutzung des Wikis bereitgestellt werden. Es können zwar keine aktuellen Termine o.ä. von bestimmten Schulen eingesehen werden, dafür ist das Angebot an Materialien und Beiträgen aber um einiges vielfältiger.



http://grundschulwiki.zum.de/wiki/Hauptseite, abgerufen am 29.04.2014, 21:30

Für Grundschulkinder bietet dies die große Chance, schon frühzeitig mit dem Web 2.0 in Kontakt zu treten, selbstständig zu partizipieren, sowie sich Informationen zu beschaffen.

Bei allen genannten Beispielen handelt es sich um große und langfristig angelegte Wikis. Aber natürlich gibt es auch die Möglichkeit, ein kleineres Wiki, beispielsweise im Zuge eines Projekts oder lediglich für ein einzelnes Fach, anzulegen.

Gibt es Risiken und Gefahren?

Während die Vorteile der Nutzung von Wikis vielfältig sind, sollte man die Risiken und Gefahren nicht aus den Augen verlieren. So hat, sobald man ein öffentliches Wiki erstellt, jeder Mensch auf dieser Welt potenziell Zugriff auf die Inhalte. Soll der Zugriff also beschränkt sein, bietet sich ein Intranet an, auf das nur registrierte Mitglieder Zugriff haben. Eine andere Möglichkeit ist natürlich, das Wiki über ein Passwort zu verschlüsseln. Außerdem ist es wichtig, mit den Schülern zu üben, wie sie sich auf einer Wikiplattform zu verhalten haben und wie sie andere Quellen korrekt einbinden. Ansonsten besteht das Risiko, dass beispielsweise unerwünschte oder unangemessene Inhalte veröffentlicht werden oder Plagiate entstehen.

Man sollte nicht vergessen, dass die Arbeit mit Wikis nicht für alle Schüler die beste Art und Weise ist zu lernen. Deshalb sollten Lehrkräfte darauf achten, auch andere Lernangebote zur Verfügung zu stellen.

Die Erstellung eines Wikis

Zu Beginn unserer Arbeit sind wir im Internet auf diesen hilfreichen Leitfaden zur Erstellung eines Wikis gestoßen. Möchte man im Unterricht mit Wikis arbeiten, steht man zunächst einmal vor der vermeintlichen Hürde, einen Wiki zu erstellen. Was man sich als Laie erst einmal kompliziert vorstellt, ist in der Realität gar nicht so schwer. Die Website http://www.opensourcecms.com liefert einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten bzw. Softwares, mit deren Hilfe man ein Wiki erstellen kann. Besonders hervorzuheben sind MediaWiki, Schoolix, DokuWiki und lo-net.

MediaWiki und Schoolix



MediaWiki ist eine kostenfreie Software, die vor allem für sehr große Wikis zu empfehlen ist und sich durch eine flexible Struktur und keinen festgelegten Arbeitsablauf auszeichnet (15). Auch Wikipedia wurde auf der Grundlage von MediaWiki entwickelt.


Basierend auf MediaWiki ist die eigens für den schulischen Einsatz entwickelte Software Schoolix.
“'Schoolix das Schulwiki' ist eine speziell angepasste MediaWiki-Distribution, welche für die Bedürfnisse von Schulen und Klassenverbänden entwickelt wurde. Es enthält eine benutzerfreundliche Bedienoberfläche, sowie schulspezifische Funktionen, wie z.B. den Stundenplan und spezielle Templates, die das Leben einfacher machen. Die Schüler können die Webseiten des 'Schoolix das Schulwiki' bearbeiten und so selbstständig zum Lehrinhalt und Lernstoff beitragen.” (16)
Zur Nutzung ist ein Login nötig, wodurch die Inhalte eines Wikis geschützt sind und Änderungen nur durch registrierte Nutzer vorgenommen werden können. Hier geht’s zum Beispiel zur Organisation eines Girls Days mithilfe von Schoolix.

Ein Schüler der Medienklasse in Berlin sagt:„Wir nutzen das Wiki um dort die Inhalte aus dem Unterricht zu sammeln, arbeiten damit aber auch gemeinsam an Vorträgen und tragen Vertretungsstunden ein. Es lässt sich ganz einfach bedienen“ (17). Die Lehrer der Klasse sind überzeugt davon, dass die Schüler durch die Nutzung des Wikis Freude am Lernen bekommen und viel eher dazu bereit sind, selbstständig zu verschiedenen Themen zu recherchieren.

DokuWiki



Eine weitere Möglichkeit, ein Wiki zu erstellen, bietet DokuWiki. “Es hat den großen Vorteil, dass es keine Anbindung an eine Datenbank benötigt und ist auch aus diesem Grund besonders sicher und einfach zu handhaben” (18). Nähere Informationen, sowie eine Auflistung von Vor- und Nachteilen wurde von der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen zusammengestellt.

lo-net



Die Internetseite www.lehrer-online.de verweist auf www.lo-net2.de. Die Lernplattform bietet zahlreiche kostenlose Angebote, die sich im Rahmen eines ”webbasierte[n] Unterricht[s]” (19) nutzen lassen. Zuvor ist eine Anmeldung der Schule bei www.lo-net2.de notwendig, um Zugang zu den unterschiedlichen Tools zu erhalten. Neben dem Erstellen eines Wikis können beispielsweise auch E-Mail-Adressen für die Schüler erstellt oder sichere Dateiablagen genutzt werden.

Der Vorteil im Vergleich zu anderen Wiki-Anbietern besteht darin, dass nicht jeder auf das Wiki zugreifen kann, sondern, ähnlich wie bei Schoolix, nur die registrierten Nutzer bzw. Mitglieder der Klasse. Somit wird die Arbeit der Schüler besser geschützt und kann auch besser kontrolliert werden als bei einem Wiki, das für die ganze Welt sichtbar ist.

Während Softwares wie MediaWiki und DokuWiki zum Beispiel auch von Firmen genutzt werden, bietet es sich im Unterricht zusammenfassend gesagt eher an, eine extra für den schulischen Einsatz entwickelte Wiki-Software zu verwenden, da diese in der Regel schülerfreundlicher, geschützter und einfacher zu bedienen sind.

Wikis - Neue Chancen für den Unterricht?

Die Arbeit mit Wikis im schulischen Kontext bringt viele Vorteile mit sich. Die Schüler lernen eigenverantworlich zu arbeiten, sich gegenseitig zu kontrollieren und zu verbessern. Außerdem lernen sie den verantwortungs- und sinnvollen Umgang mit dieser Form des Web 2.0. Des Weiteren kann jeder Schüler seinen Fähigkeiten entsprechend arbeiten. Das gesammelte Wissen wird bei einer Änderung sofort aktualisiert, trotzdem sind die einzelnen Bearbeitungsschritte auch im nachhinein noch einsehbar. Das Bearbeiten eines Wikis ist i.d.R. sehr einfach und auch Menschen mit wenig technischem Know-How können damit umgehen.

Fast jeder Schüler kann zu einem Thema etwas beitragen. Während sich viele Schüler damit schwertun, ihr Wissen im klassischen Unterricht einzubringen, können sie beim Erstellen eines Wikis vor dem Veröffentlichen an ihrer Äußerung feilen und diese dann dem Rest der Klasse oder der ganzen Schule zur Verfügung stellen.

Da alle Schüler ihre Kenntnisse einbringen können, entsteht eine Sammlung von Wissen, die allen Nutzern sofort zur Verfügung steht. Dieses Wissen würde nicht zustande kommen, wenn nur einzelne Schüler an einem Thema arbeiten.

Postet ein Schüler etwas Falsches, kann dies schnell und einfach von den anderen Nutzern korrigiert werden. Diese Funktion der Selbstkontrolle trägt dazu bei, dass die Schüler sich aktiv mit den Inhalten der Wikis auseinandersetzen müssen, um diese im Unterricht bewerten oder direkt verändern zu können.

Ein weiterer Vorteil von Wikis ist das einfache Erstellen und Bearbeiten. Die einzelnen Editierschritte sind sehr leicht nachvollziehbar und können bei Bedarf auch rückgängig gemacht werden (20).

Wikis können beispielsweise dazu genutzt werden, die Schüler mit Lernmaterialien auszustatten, die Unterrichtsplanung transparenter zu machen, Hausaufgaben aufzugeben und die Schüler zu eigenverantwortlichem Arbeiten anzuleiten. Ein Wiki kann sich so zu einem "Lerntagebuch", "Wissensdossier" oder "Bildungsportfolio" (21) entwickeln. Die Schüler können das Wiki eigenständig mitgestalten, Verweise zu anderen Quellen werden leicht zugänglich gemacht und es entsteht eine völlig neue Arbeitsweise im Unterricht. Wikis können so die ganze Organisation des Schullebens, der Klassengemeinschaft und das Lernen selbst komplett umstrukturieren und neu gestalten.

Die Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen fasst diese Vorteile von Wikis im Unterricht zusammen, u.a. auch die Möglichkeit, Passwörter und Benutzernamen einzurichten, um das Wiki vor außerschulischen Nutzern zu schützen.

Fazit

Wer kann sich ein Leben ohne Internet heute noch vorstellen? Durch die enorme Verbreitung des Web 2.0 haben Lehrerinnen und Lehrer wie nie zuvor die Aufgabe, Schülern Medienkompetenz zu vermitteln. Es entstehen zahlreiche neue Möglichkeiten, welche verantwortungsbewusst genutzt werden müssen und sollen, denn sie können den Unterricht ungemein bereichern. Die Zukunft gehört den medienkompetenten Menschen, welche in der Lage dazu sind, das Web 2.0 für ihre Zwecke bestmöglich zu nutzen. Der Einsatz von Wikis in der Schule und im Unterricht vereint viele der Vorteile, schafft ideale Bedingungen, um Medienkompetenz nachhaltig zu erlernen und gleichzeitig Schule neu zu erleben.

“Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: ‘Wenn der Wind der Veränderung weht, dann bauen einige Menschen Mauern, andere Windmühlen!’” (22) Ganz in diesem Sinne sollten sich Schulen nicht vor den Neuerungen des Web 2.0 verschließen und dadurch vielfältige Potenziale ungenutzt lassen. Insbesondere die Arbeit mit Wikis im Unterricht birgt viele Chancen, die den Unterricht auf eine ganz neue Art und Weise bereichern können. Das Web 2.0 ist überall. Lassen wir es neuen Wind in die Schulen bringen!
--
* Zur besseren Lesbarkeit wird zukünftig lediglich das männliche Geschlecht verwendet, trotzdem beziehen wir uns immer auf beide Geschlechter.

Fußnoten

1) http://de.statista.com/statistik/daten/studie/70189/umfrage/nutzer-von-facebook-in-deutschland-seit-2009/, abgerufen am 30.04.2014, 9:38

2) Hoeksema, K./Kuhn, M. (2008): Unterrichten mit Moodle. Praktische Einführung in das E-Teaching. München: Open Source Press. S.15

3) http://www.lehrer-online.de/podcasting.php?sid=55702146374863023739695909590930, am 08.04.2014, 14:15 Uhr

4) http://www.lehrer-online.de/podcasting.php?sid=55702146374863023739695909590930, abgerufen am 08.04.2014, 15:12

5) http://lehrerfortbildung-bw.de/werkstatt/cms/wordpress/, am 27.04.2014, 17:27

6) Richardson, W. (2011): Wikis, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werkzeuge für den Unterricht. Corwin Kalifornien, London, New Dehli: Tibia Press, 3. Auflage, S. 35

7) Richardson 2011, S. 41

8) Vgl. Richardson 2011, S. 217ff

9) http://de.wikipedia.org/wiki/Wiki, abgerufen am 08.04.2014, 15:38

10) http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite, abgerufen am 12.04.2014, 18:37

11) http://www.psychotherapeuten-liste.de/gesellschaftspsychologie/schwarmintelligenz-das-wissen-vieler, abgerufen am 27.04.2014, 19:25

12) http://www.lehrer-online.de/wikis-fsu.php?sid=45152795046595663539732103210390,abgerufen am 12.04.2014, um 19:07

13) http://wikis.zum.de/rmg/images/6/6b/Das_RMGWIKI.pdf, abgerufen am 28.0.2014, 18:42

14) http://wikis.zum.de/rmg/images/6/6b/Das_RMGWIKI.pdf, abgerufen am 28.04.2014, 18:48

15) Vgl. http://www.opensourcecms.com/scripts/details.php?scriptid=153&name=MediaWiki, abgerufen am 22.04.2014, 15:11

16) http://www.schoolix.org/, abgerufen am 22.04.2014, 15:15

17) https://wiki.schoolix.org/News/2012-10/Strato_berichtet_%C3%BCber_Schoolix, abgerufen am 22.04.2014, 20:45

18) http://lehrerfortbildung-bw.de/werkstatt/cms/wiki/dokuwiki/, abgerufen am 28.04.2014, 19:21

19) http://www.lo-net2.de/wws/12984104.php?sid=36153732741692691339754615461450,, abgerufen am 15.04.2014, 09:19

20) Vgl. http://www.lehrer-online.de/wikis-fsu.php?sid=40878074051471291739789988998020, abgerufen am 19.04.2014, 11:31

21) http://www.lehrer-online.de/wikis-fsu.php?sid=40878074051471291739789988998020, abgerufen am 19.04.2014, 11:36

22) http://grundschulwiki.zum.de/wiki/Hilfe_f%C3%BCr_Eltern,_Erzieher_und_Lehrer#Anmelden_beim_Grundschulwiki, abgerufen am 28.04.2014, 19:34

Bildquellen

Abb. 1 https://moodle.org/logo/moodle-logo.png, abgerufen am 29.04.2014, 22:30

Abb. 2 http://blogs.bmj.com/bmj-journals-development-blog/files/2010/06/podcast-logo.jpg, abgerufen am 29.04.2014, 22:34

Abb. 3 http://mangangweb.com/wp-content/uploads/2013/06/blogger-logo-300x257.jpg, abgerufen am 29.04.2014, 22:39

Abb. 4 http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f0/Wikipedia-logo-de.png, abgerufen am 30.04.2014, 9:34

Abb. 5 http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/01/MediaWiki-smaller-logo.png, abgerufen am 30.04.2014, 9:40

Abb.6 http://blog.twoonix.com/wp-content/uploads/2012/08/800px-Schoolix_Logo_bunt.png, abgerufen am 30.04.2014, 09:36

Abb. 7 https://www.dokuwiki.org/_media/wiki:dokuwiki-128.png, abgerufen am 30.04.2014, 9:42

Abb. 8 http://www.fhs-herdecke.de/files/lonet2.jpg, abgerufen am 30.04.2014, 9:43

Donnerstag, 16. Mai 2013

Blog der ZEIT über Nazis

ZEIT Online unterhält unter dem Titel "Störungsmelder" einen Blog, der über die Aktivitäten der rechtsextremen Szene informiert ("Wir müssen reden. Über Nazis. Ein Blog."). Der Besuch lohnt sich: http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/...

Donnerstag, 7. Februar 2013

Vorlesungen "Neue Medien"

Im zu Ende gehenden Wintersemester hat die Goethe-Universität in Frankfurt am Main eine Ringvorlesung zum Thema “Kinder und Jugendliche im Web 2.0: Neue Medien und Soziale Netzwerke” angeboten. Die Vorlesungen, die teilweise genau die Themen unseres Seminars betreffen, stehen im Internet zu Verfügung. Eine bessere Gelegenheit zur entspannten Nachbereitung der Seminarinhalte ist schwer vorstellbar. Zu finden sind unter anderem folgende Präsentationen:
  • Prof. Aufenanger: Digitale Demenz oder Digitale Potenz?
  • Philip Theis: Computersucht, Internetsucht, Verhaltenssucht?
  • Claudia Bremer: Vom eLearning 1.0 zum eLearning 2.0
  • René Scheppler: Klasse(n)Blogs – Eine Online-Community für den Klassenraum

Sonntag, 16. Dezember 2012

Neue Perspektiven durch Bloggen im Schulalltag?

„But more tools aren’t enough. The tools are simply a way of channeling existing motivation” (Shirky 2008, 17).
Clay Shirky benennt im vorangestellten Zitat eine der zentralen Grundlagen, die es im Zusammenhang mit den Mechanismen des Web 2.0 zu berücksichtigen gilt: Das Ziel bestimmt das Werkzeug (Tool). Keine Anwendung des Social Web existiert als Selbstzweck, sondern bedient lediglich die Nachfrage der Netcitizen. Alternative Tools finden Sie an dieser Stelle beispielsweise in den Beiträgen zu Facebook, Wikipedia oder Web 2.0 im Unterricht vorgestellt. Wer nach den Perspektiven sucht, muss sich zunächst mit dem Mehrwert des Tools auseinandersetzen und sich fragen, ob die Applikation bei der Verwirklichung von eigenen Zielen hilfreich ist. In diesem Beitrag wird deshalb den didaktischen Überlegungen die Frage vorangestellt, aus welchen Motiven Blogs verwendet werden und welche Prozesse dabei ablaufen.

Was sind Blogs?

Der Begriff Blog ist eine Kontamination aus den Wörtern „World Wide Web“ und „Log(buch)“ zu Weblog, kurz: Blog. Blogs können von Einzelpersonen oder Gruppen geschrieben werden. Sie befinden sich gerade auf dem Blog des Seminars „Web 2.0 und Medienkompetenz – Was sollte ich als (Politik-)Lehrer/in wissen“. Auch auf diesem Blog publizieren mehrere Autoren: die Studierenden des Seminars und der Dozent Dr. Müller. Weblogs gehören zu den ältesten Anwendungen im Social Web und sind seit den 1990er Jahren allgemein verfügbar (vgl. Wolff 2006, 3-7). Ihren Aufstieg erlebten Blogs zur Mitte der 2000er Jahre. Durch technische Innovationen wurde das Erstellen eines eigenen Blogs so vereinfacht, dass dafür keine fundierten Programmierkenntnisse mehr notwendig waren – eine Rahmenbedingung, die für Web 2.0-Anwendungen spezifisch ist. Erst seither wurden die interaktiven Plattformen massentauglich und veränderten die Kommunikation in der Gesellschaft.

Anfangs schrieben die Blogger noch keine komplexen Texte, sondern empfahlen Links zu interessanten Webseiten. Daraus entwickelte sich eine Applikation zum Verfassen längerer Texte (vgl. Richardson 2011, 35). Ein signifikantes Merkmal der Posts bleibt die häufige Verwendung von Hyperlinks, die zu Formen der Transtextualität führen. Dadurch können komplexe Gedankengänge schriftlich fixiert und über die Interaktion mit der Netzgemeinde weiterentwickelt werden. Das ist ein Vorteil beispielsweise gegenüber Sozialen Netzwerken, in denen Nachrichten auf wenige hundert Zeichen beschränkt sind. Längere Texte können auch in mehrere Beiträge untergliedert werden. Dadurch wird dem Leser die Übersicht erleichtert (vgl. Bannour/ Grabs 2011, 165 f.).

Wie bei allen Social Media-Anwendungen, entsteht ein Mehrwert dieser Applikation durch das interaktive Handeln der Netzgemeinde (ebd., 21-23). Ziel ist die Produktion von „user-generated content“. Ein Blog ist darum nicht pauschal mit einem Tagebuch vergleichbar, das der Autor für sich selber schreiben würde. Die Reichweite spielt bei dieser Bewertung eine entscheidende Rolle. Blogs, die Zugriffszahlen in Millionenhöhe verzeichnen, funktionieren auf dem „one-to-many“ Prinzip und können einem Tagebuch ähneln. Ein klassischer Dialog kommt mit dieser Menge an Personen jedoch nicht zustande. Auf diesen Seiten richtet sich der Text tendenziell an ein breites Publikum. Erst mit vergleichsweise überschaubaren Rezipientenzahlen werden Gespräche möglich (vgl. Shirky 2008, 129).

Die Autoren schreiben Beiträge, die sie auf den Blog hochladen. Diese Posts werden chronologisch gelistet. Außerdem wird den Lesern meistens die Möglichkeit zur Kommentierung geboten. Diese Interaktion ist ein entscheidendes Merkmal der Blogs, denn sie bricht die Geschlossenheit der Texte auf und ermöglicht das direkte Weiterentwickeln der Denkprozesse. Dadurch tritt der Autor mit seinen Lesern in einen Dialog, der den Wissenszuwachs ermöglicht. Auf diese Weise entsteht aus ursprünglich statischen Inhalten ein fachlicher Diskurs (vgl. Richardson 2011, 36).

Jeder Beitrag ist mit einer eigenen URL abrufbar (Uniform Resource Locator = dt.: „einheitlicher Quellenanzeiger“, umgangssprachlich: Internetadresse). Das Teilen der Beiträge über andere Netzwerke wird dadurch erleichtert und die Interaktion gefördert (vgl. Bannour/Grabs 2011, 153 f.). Darüber hinaus kann der Blogger seine Beiträge mit einem oder mehreren Schlagwörtern (Labels bzw. tags) kennzeichnen. Der Beitrag wird damit Themen zugeordnet. Auf diesem Seminarblog sind die Labels/tags rechts in der Menüleiste zu finden. Dieses Gadget soll die Suche nach individuell relevanten Beiträgen erleichtern. Stammnutzer des Seminarblogs können über neue Beiträge per E-Mail oder RSS-Feed aktuell informiert werden. Die meisten Blogger bieten einen entsprechenden Service auf ihrer Seite an (vgl. ebd., 160).

Beispiele für Blogs
“The centrality of group effort to human life means that anything that changes the way groups function will have profound ramifications for everything from commerce and government to media and religion“ (Shirky 2008, 16).
Social Media-Anwendungen verfolgen keinen Selbstzweck, sondern sind lediglich das Medium, über das die Akteure kommunizieren. Abhängig vom Ziel des Blogs kann die Autorenschaft eine oder mehrere Personen umfassen (vgl. ebd., 129). Der Blog von Ulrike Langer gibt die Journalistin als alleinige Autorin an, während die Redaktion der Tagesschau Einträge mehrerer Verfasser bündelt. Abhängig vom Ziel werden Social Media-Anwendungen unterschiedlich genutzt. Der Stil kann variieren. Ich habe dazu zwei Bereiche des öffentlichen Lebens exemplarisch herausgegriffen, in denen Blogs erfolgreich eingesetzt werden:

Beispiel 1: Wirtschaft

Märkte sind Gespräche“ - wer positiv im Gespräch bleibt, sichert sich einen Marktanteil. Unternehmen setzen auf die Wirkung des viralen Marketing. Im Social Web können die Empfehlungen größere Reichweiten erzielen. Die Werbebranche arbeitet aber mit diesem Prinzip seit ihrem Bestehen. Emotionen bestimmen täglich unsere Kaufentscheidungen. Erfolgreiche Marketingkampagnen zielen darauf ab, dass bei den Konsumenten positive Gefühle erzeugt werden, die sie mit dem Produkt verbinden.

Corporate Blogs ermöglichen den Unternehmen, mit ihrem Kundenkreis einen persönlichen Kontakt aufzubauen. Firmen rücken dabei ihre Fachkompetenz in den Vordergrund und schaffen Vertrauen. Für Gesprächsanlässe sorgen Beiträge von ausgewählten Arbeitskräften, die beispielsweise über ihren Alltag berichten oder Ideen zu neuen Produkten vorstellen. Die Konsumenten erhalten Einblicke hinter die Kulissen und werden animiert, sich mit der Marke auseinanderzusetzen. Über Kommentare oder ihren eigenen Blog können sie sich aktiv an der Produktentwicklung beteiligen und die eigenen Bedürfnisse kommunizieren. Reaktionen des Unternehmens auf die Beiträge der Rezipienten stärken die emotionale Bindung zwischen den Akteuren. Beispiele für gelungenes Blogging sind die Unternehmen Ritter Sport und Daimler AG (vgl. Bannour/ Grabs 2011, 123-142).

Beispiel 2: Politik

Auch Politiker wollen im Gespräch bleiben und das am liebsten verbunden mit positiven Meldungen. Bloggen ermöglicht Politikern, sich selbst darzustellen (Ernst 2011, 22). Vor der digitalen Revolution bestimmten Gatekeeper die Berichterstattung. Das waren Verleger und Redakteure der Medienanstalten. Heute können Blogger diese Schranke umgehen und Einfluss auf die Gesprächskreise der Online-Bevölkerung nehmen. Durch ihre Teilnahme am öffentlichen Diskurs operieren sie am Puls der Zeit. Einen lebendigen Bürgerdialog praktiziert beispielsweise Christopher Lauer von der Piratenpartei. Seine Beiträge werden mehrfach kommentiert. Auf Fragen reagiert er zeitnah und wertet damit die Meinungsäußerungen der Rezipienten auf. Aber nicht nur Parlamentarier, sondern auch Bürgerrechtler haben die Vorzüge des Bloggens erkannt und versuchen, auf ihre Themen aufmerksam zu machen (Generación Y, Annalist). Politische Blogs setzen, wie auch die Marketingabteilungen von Unternehmen, auf den viralen Effekt. Erfolgreiche Blogger bleiben im Gespräch der Netzgemeinde und können ihre Anliegen mitteilen (vgl. Wolff 2006, 27-31). Allerdings ist zu bedenken, dass der Rezipientenkreis auf die Netzgemeinde beschränkt ist. Dadurch wird die Durchsetzungskraft der Blogs als Massenkommunikationsmittel relativiert (Ernst 2011, 23).

Was passiert beim Schreibprozess?

Die Textproduktion ist eine planbare und zerdehnte Kommunikationshandlung. Informationen werden mit Hilfe des Mediums Schrift codiert, um sie auf unbestimmte Zeit zu konservieren. Autoren agieren primär adressatenbezogen, indem sie die Niederschrift am Vorwissen des Rezipienten orientieren. Der Produzent greift dabei auf geltende Normen und Konventionen der Zielgruppe zurück. Beim Schreibakt werden Phasen des Planens, des Formulierens und des Überarbeitens durchlaufen. Aus didaktischer Perspektive bietet diese Untergliederung eine Orientierung für Novizen. Diese Perioden sind jedoch nicht linear-sequenziell auszuführen, sondern erfolgen situationsbedingt während des Handelns im Gedankenkonstrukt der Autoren. Dabei entsteht ein Zusammenspiel imaginärer und physischer Subprozesse, die in ihrer Summe die Handlung "Schreiben" bilden. De Beaugrande (1984) bezeichnet das als Parallelität (vgl. Fix 2008, 36-49).

Das Produkt eines Schreibprozesses ist traditionell ein geschlossener Text, der auf Papier fixiert wird. Werke sind durch einen Anfang und ein Ende gekennzeichnet. Die digitale Revolution stellt diese Form in Frage. Die Verknüpfung von Informationen findet im Internet nicht nur auf einer Textebene statt. Hypertexte verknüpfen bestimmte Angaben mit Quellverweisen, die per Mausklick abrufbar sind (Richter 2004: 33 f.). Im Internet sind Texte variabler, denn sie können schnell verändert werden. Diese Strukturen stellen das Gehirn vor eine spezielle Transferleistungsaufgabe. Die Informationen sind nicht linear abhängig und nicht chronologisch. Daher erfordert die Arbeit mit Hypermedia ein raum-zeitliches Denkvermögen. Durch den frühen Kontakt mit der Computertechnik ist dieses Konstrukt diskontinuierlicher Textformen den Lernenden vertraut (vgl. Röll 2003, 71-76).

Bei Hayes & Flower wird der ungeschriebene Text als ein "ungeklärtes Problem mit offener Lösung" taxiert (Fix 2008, 36). Davon ausgehend muss vor dem Schreibprozess eine Frage als solche erkannt werden. In der Schule werden Problematiken von der Lehrkraft künstlich geschaffen. Die Novizen erfahren einen extrinsischen Motivationsanreiz und sind selten vom Sinn des Schreibens überzeugt. Der Text wird für den Lehrer verfasst, um eine Sanktionierung zu vermeiden (vgl. ebd., 129-137). Bei der Textüberarbeitung reflektiert der Lernende über die Anforderungen der Lehrkraft, die sich insbesondere durch eine festgelegte Seitenanzahl ausdrückt. In den seltensten Fällen wird der Inhalt in das Zentrum des Diskurses gestellt. Das Produkt wird dadurch für weitere Überlegungen unbrauchbar (vgl.ebd., 39-41).
„Bloggen ist eine Tätigkeit, bei der es darum geht, seine Gedanken schriftlich zu entwickeln und nicht lediglich Tagesereignisse und Gefühle zu protokollieren“ (Richardson 2011, 41).
Ziel der Autoren ist es, die eigene Fachexpertise zu erweitern, indem sie ihre Ausführungen zur Diskussion stellen. Beiträge zeichnen sich durch einen persönlichen Schreibstil aus, über den sich der Urheber profiliert. Die Rezipienten suchen Schwächen und Stärken der Argumentation und geben diese über Kommentare oder auf ihren eigenen Blogs wieder. In der Schreibdidaktik wird häufig gefordert, dass Texte kontinuierlicher Weiterentwicklung unterliegen sollten. Dadurch erfährt der Novize einen Lernzuwachs. Diesem Ideal stehen die physischen und institutionellen Rahmenbedingungen gegenüber. Blogs könnten hier künftig eine neue Perspektive eröffnen, da sie nicht an geschlossene Textsorten gebunden sind.

Die Grundlage für interessante Blogbeiträge ist das analytische und kritische Lesen fachlicher Texte zum Problemaufwurf. Im Interpretieren der Lektüre ist zumeist der Schreibanlass begründet. Herkömmliches Schreiben stellt jedoch einen geschlossenen Prozess dar, der in einer These gipfelt. Beim Bloggen wird ein fortlaufender und ergebnisoffener Prozess angestoßen. Das Produkt setzt sich aus mehreren Synthesen zusammen und wird stetig weiterentwickelt (vgl. ebd., 56 f.). Dieser Mechanismus kommt einer Schülerschaft entgegen, die mit einer vernetzten Denkstruktur groß geworden ist.

Welche Chancen bietet das Bloggen im Unterricht?

Grundlage ist die Auseinandersetzung mit Lernen 2.0. Die Rollen der Lehrenden und Lernenden werden neu definiert. Die Novizen übernehmen einen sehr viel aktiveren Part, während die Lehrkraft als Moderator den Lernprozess begleitet. Weitere Informationen erhalten Sie im Beitrag eines Kommilitonen: Lernen und Web 2.0.

Heranwachsende lernen durch den Austausch mit ihrer Umwelt. Kommunikation bildet eine Grundlage dieses Prozess. Darauf bauen Lehrmethoden wie Gruppen- oder Partnerarbeit auf (vgl. Dax-Romswinkel 2007, 64 f.). Der Blog ist eine Kommunikationsapplikation und als solche für den kommunikativen Teil des Lernprozesses einzusetzen. Die Anwendung kann durch den interaktiven Schreibprozess das inhaltliche Lernen unterstützen. Diese Wechselwirkung lässt kontinuierlich neue Produkte entstehen. Dabei ermöglichen Blogs das Arbeiten in vernetzten Systemen, an die sich Kinder und Jugendliche im Alltag bereits gewöhnt haben (vgl. Röll 2003, 43-45). Die veränderten Denkprozesse der Lernenden stellen eine Chance dar. In der heutigen Wirtschaftswelt wird dieses Denken bereits vielerorts vorausgesetzt. Den Heranwachsenden kann mit innovativen Unterrichtsformen die Orientierung in diesem Konstrukt erleichtert werden (vgl. Marotzki/ Nohl 2004: 351).
"User-generated content isn't just the output of ordinary people with access to creative tools like word processors and drawing programs; it requires access to recreative tools as well, tools like Flickr and Wikipedia and weblogs that provide same people with the ability to distribute their creations to others." (Shirky 2008, 83)
Blogs erfüllen keinen Selbstzweck. Dieser Umstand ist kein Motivationsverlust für Lernende. Die Technikkonvergenz der Schülerinnen und Schüler (SuS) ordnet sich dem thematischen Interesse bei bzw. sogar unter (vgl. Theunert 2006, 169). Blogs sind Kommunikationsmedien, mit denen nahezu jeder Kommunikationsanlass im schulischen Umfeld durchgeführt werden kann. Das betrifft neben dem Lernen auch das „classroom management“. Richardson liefert Ideen für Blogs als internes und externes Informationsportal oder als themenbezogene Applikation. Ich werde mich in der Folge auf die Anwendungsmöglichkeit im Lernprozess konzentrieren. Wie bei jedem Medium ist das angestrebte Ziel ausschlaggebend für die Entscheidung, ob mit diesem Tool gearbeitet wird. Für eine fundierte Einschätzung ist die praktische Auseinandersetzung mit der Applikation notwendig. Dadurch erhält die Lehrkraft persönliche Erfahrungen mit den Wirkungsprozessen. Richardson empfiehlt, vor dem Unterrichtseinsatz das Selbstexperiment zu wagen (Richardson 2011, 41-50).
„Um die Einsatzmöglichkeiten von Weblogs als Instrument des Lehrens und Lernens in vollem Umfang nutzen zu können, sollte man zunächst selbst zum Blogger werden“ (ebd., 77).
Vor dem eigenständigen Betreiben eines Blogs ist den Novizen anzuraten, sich mit aktuellen Blogs auseinanderzusetzen. Die gängigen Suchmaschinen erleichtern dabei das Aufspüren interessanter Seiten und bieten dem Einsteiger einen großen Fundus an Lesematerial. Über die Reflektion des Beobachteten lassen sich Rückschlüsse für das angestrebte Bloggen ziehen. Der Autor muss dabei das sprachliche Niveau für seine Zielgruppe finden. Auch die Dosierung von persönlicher Meinung, inhaltlicher Provokation etc. muss gefunden werden. Im nächsten Schritt versucht der Novize, zu einem Teil der Netzgemeinde zu werden. Er könnte beispielsweise erste Kommentare verfassen und die Reaktionen beobachten. Wenn das gelungen ist, empfiehlt Richardson maßvolle erste Schritte mit der Applikation. Dazu würde sich das Posten von Links auf einem eigenen Blog anbieten. Auch das regelmäßige Kommentieren externer Blogs sollte in dieser Phase ausprobiert und antrainiert werden. Die schriftliche Reflexion über das Gelernte kann nach und nach betrieben werden. Mit diesem Schritt ist der Tatbestand des Bloggens erfüllt. Insbesondere für Personen, die im Bildungsbereich tätig sind, ist äußerste Vorsicht geboten. Radikale Thesen oder vertrauliche Informationen beispielsweise über den Arbeitgeber können im Internet schnell zu einem breiten Interesse führen. Das ist für die eigene Karriere schädlich. Das Bewusstsein über den öffentlichen Charakter der eigenen Handlungen ist also von zentraler Bedeutung (ebd., 77-79).

Durch die Öffentlichkeit des Handelns sind vor dem Einsatz im Unterricht klare Absprachen mit der Schule und den Eltern zu treffen. Diese sind zur Absicherung der Lehrkraft schriftlich zu fixieren und von den Parteien zu unterzeichnen. Richardson weist in seinen Ausführungen darauf hin, dass Blogs auch in geschlossenen Netzwerken eingesetzt werden können. Jedoch wird das Schreibverhalten der SuS beeinflusst, da die Texte, wie beim traditionellen Schreibaufsatz, lehrerorientiert verfasst werden. Zusätzlich sinkt die Motivation der SuS zur Aktivität auf dem Blog. Der Reiz zur Teilnahme auf Web 2.0-Anwendungen liegt insbesondere darin, Texte und Botschaften an unbekannte Rezipienten zu richten. Damit verbunden ist auch die Aussicht auf Leserkommentare unbekannter Herkunft, die in geschlossenen Netzwerken auszuschließen sind (vgl. ebd., 30-34).

Für den konkreten Einsatz des Tools mit der Klasse im Unterricht stellt Richardson drei Anwendungsmöglichkeiten zur Diskussion: der Blog als Tagebuch, der Klassenblog und der Schüler-Weblog.

Der Blog als Tagebuch

Blogs sind nicht mit herkömmlichen Tagebüchern zu verwechseln, wodurch der Titel missverständlich wirkt. Dennoch verbirgt sich hinter diesem Namen eine Bloganwendung. Richardson stellt eine Applikation vor, welche die Lehrkraft als zentralen Akteur sieht. So sollen Unterrichtserfahrungen rekapituliert und überdacht, Unterrichtseinheiten beschrieben und wichtige Themen aus dem Bereich Lehren und Lernen erörtert werden. Zur potentiellen Lesergruppe gehören Kolleginnen und Kollegen, für die eine Lehrkraft den eigenen Berufsalltag reflektiert. Aber auch der Schreiber selbst kann aus dem Geschriebenen seinen Unterricht weiterentwickeln. Ein praktisches Beispiel ist die Blogwerkstatt von Lisa Rosa (vgl. ebd., 68).

Der Klassenblog

Diese Applikationsoption richtet sich an die Klassengemeinschaft. Gemeint ist ein Tool, das insbesondere zum classroom management eingesetzt wird. In den Blog werden Stundenpläne und Hausaufgaben eingestellt. Auch gelungene Schülerarbeiten können durch die Veröffentlichung gewürdigt werden. Auf eine ausgewogene Verteilung der Aufmerksamkeit auf alle Individuen ist dabei zu achten, damit es zu keiner Diskriminierung leistungsschwacher SuS kommt. Insbesondere im Grundschulbereich kann das Klassenblog zu einem besseren Austausch mit den Eltern führen, da diese direkt auf relevante Informationen Zugriff haben. Aber auch für die Lernenden dient dieses Portal dazu, sich aktuell zu informieren. Neben dem Lesen fällt das Kommentieren in den Aufgabenbereich der Novizen. Dazu kann die Lehrkraft spezielle Impulse setzten, indem sie Fragestellungen postet, welche die SuS beantworten sollen. Ein Beispiel für diese Nutzung ist der „Pantherblog“ einer Berliner Grundschule (vgl. ebd.).

Der Schüler-Weblog

Das Ziel beim Einsatz dieser Variante ist es, den Lernenden eine Bühne zu geben, die alle Facetten des Bloggens einbezieht. Die Novizen sollen dazu befähigt werden, über die Anwendung ein ständig erweiterbares Portfolio eigener Arbeiten anzulegen. Dazu gehört das Lösen unterrichtsbezogener Aufgabenstellungen oder auch Aspekte wie die Reflektion des Schulalltages. Dabei müssen Schreibanlässe eigenständig gesucht und bearbeitet werden. Dieses Arbeitsprinzip ist das Ziel bei der Arbeit mit Blogs im Unterricht. Als Zwischenstufe können die Blogs auch von Kleingruppen geführt werden. Auch für diese Anwendung gibt Richardson Beispiele, wie den Blog einer 8. Klasse aus Hamburg zum Thema Sprachspielerei (vgl. ebd.).

Die vorangestellten Anwendungsmöglichkeiten können als Steigerungsmodell verstanden werden, dessen Ziel das Schüler-Weblog ist. Aber auch das parallele Führen verschiedener Blogs, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen, ist denkbar. Die Möglichkeiten und Variationen sind nahezu unbegrenzt. Auf jeden Fall ist der Umgang mit Weblogs schrittweise im Unterrichtsalltag zu etablieren. Den pädagogischen Mehrwert des Arbeitens vor dem Millionenpublikum im Internet sieht Richardson insbesondere darin, dass die Inhalte Teil des weltweit verfügbaren Wissenskorpus werden. Wobei nicht jede Information, die im Internet landet, auch von jemandem wahrgenommen wird. Es ist nicht anzunehmen, dass Beiträge aus Schulblogs von einem Millionenpublikum gelesen werden. Theoretisch wäre dies aber möglich. Die Lernenden erfahren dadurch direkte Teilhabe an der demokratischen Informationsgesellschaft. Der Blog ist demnach auch als Archiv nutzbar, auf das weltweit zugegriffen werden kann. Dadurch wird die räumliche Begrenzung des Klassenzimmers aufgehoben. Eine Kooperation mit einer neuseeländischen Lerngruppe wäre in Echtzeit möglich und bietet Chancen für einen Perspektivenwechsel auf das aktuelle Unterrichtsthema. Ein weiterer Vorteil ist, dass allen Lernenden eine Plattform geboten wird. Die Beiträge sind gleichberechtigt und die Quantität von Texten verliert zu Gunsten der Qualität an Bedeutung. Dadurch wird auch das persönliche Expertenwissen ausgebaut. Die Lernenden können auf ihre gelungenen Beiträge zurückgreifen und jederzeit darauf aufbauen (vgl. ebd.).

Literatur

Bannour, Karim-Patrick; Grabs, Anne: Follow me!. Erfolgreiches Social Media Marketing mit Facebook, Twitter und Co., Galileo Press, Bonn 2011.

Dax-Romswinkel, Wolfgang: Web 2.0 geht zur Schule. In: Praxis Web 2.0, Potentiale für die Entwicklung von Medienkompetenz, hrsg. v.: Gräßer, Lars / Pohlschmidt, Monika, kopaed verlagsgmbh, Düsseldorf / München 2007.

Ernst, Samuel: Wie Web 2.0 die Politik verändert. Der Online-Wahlkampf hat begonnen, Diplomica® Verlag GmbH, Hamburg 2011.

Fix, Martin: Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht. 2. Auflage, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2008.

Marotzki, Winfried; Nohl, Arnd-Michael: Bildungstheoretische Dimensionen des Cyberspace. In: Soziologie des Cyberspace, hrsg. von Thiedeke, Udo, VS Verlag, Wiesbaden 2004.

Richardson, Will: Wiki, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werkzeuge für den Unterricht, TibiaPress, Überlingen 2011.

Richter, Susanne: Die Nutzung des Internets durch Kinder. Peter Lang, Frankfurt am Main 2004.

Röll, Franz Josef: Pädagogik der Navigation. Selbstgesteuertes Lernen durch Neue Medien, kopaed, München 2003.

Shirky, Clay: Here comes everybody. The Power of organizing without organisations, Penguin Group, New York 2008.

Theunert, Helga: Konvergenzbezogene Medienaneignung und Eckpunkte medienpädagogischen Handelns. In: Neue Wege durch die konvergente Medienwelt, hrsg. v.: Wagner, Ulrike / Theunert, Helga, Verlag Reinhard Fischer, München 2006.

Wolff, Peter: Die Macht der Blogs. Chancen und Risiken von Corporate Blogs und Podcasting in Unternehmen, Datakontext Fachverlag, Frechen 2006.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Blog des Fraktionsvorsitzenden der Piratenpartei

Der Blog Christopher Lauer Klarmachen zum Ändern wird vom Piratenpolitiker Christopher Lauer persönlich betrieben. In dem Beitrag Warum ich den Scheiß mache erklärt er, was ihn dazu bewegt - im allgemeinen in der Politik, im speziellen bei der Piratenpartei - gestaltend mitzuwirken. Er schildert seine Beweggründe, in die Politk einzutreten, und beschäftigt sich mit der derzeitigen Lage der Piratenpartei. Von den Kommentatoren wird diese Offenheit in großen Teilen gelobt.

Erleichtert!

In den letzten Jahren macht mir immer mehr Sorgen, dass sich Jugendliche nur noch für facebook und andere Plattformen interessieren und ihre Informationen (vor allem im politischen Sinne) nur noch über Posts auf facebook oder twitter beziehen. Das heißt, dass sie alles einfach glauben, was dort veröffentlicht wird, ohne groß nachzuforschen. Doch als ich diesen Artikel auf dem tagesschau Blog gelesen habe, gab mir dies wieder Mut, dass die Jugend doch nicht verblödet :)

Lehrer-Blog EX-PH-LUBU

Frau Freitag scheint ihren gelegentlichen Frust, der meist durch das Verhalten ihrer Schüler hervorgerufen wird, nicht wie gewöhnliche Lehrer mit ausgiebigem Mittagsschlaf abzubauen, sondern mit Beiträgen in ihrem Lehrerblog. Sehr anschaulich und amüsant berichtet sie über die alltäglichen kleinen und großen Probleme des Lehrer-Daseins. Die Kommentare anderer Lehrer bestätigen das Mitteilungsbedürfnis dieser leidgeplagten Berufsgruppe.

In Anlehnung an Frau Feitag sollte für die eigene berufliche Zukunft in Erwägung gezogen werden, einen EX-PH-LUBU Lehrerblog ins Leben zu rufen, um so die Möglichkeit zu bieten, gemeinsam den frustrierenden Berufsalltag zu meistern...

Die Schule ist kein Ponyhof


Der Blog der Lehrerin Frau Freitag zaubert all den immer wieder mal verzweifelten Lehrern ein Lächeln auf die Lippen. Die von Frau Freitag als besonders erwähnenswert empfundenen Alltagssituationen werden fast täglich von ihr realitätsgetreu auf dem Blog veröffentlicht. Besonders hervorzuheben sind hierbei die passenden Lieder, welche den Eintrag humorvoll musikalisch untermalen. Diese werden mit einem Youtube-Clip integriert. Für alle Lehrenden oder auch einfach nur Interessierten des Klassengeschehens ist somit der Blog von Frau Freitag sehr zu empfehlen.

Die Bücher und der Blog!

Frau Freitag, bereits Autorin von zwei Büchern, betreibt auch einen Blog über ihren Schulalltag. Kurzweilig und teilweise amüsant zu lesen, allerdings für mich wird ihr Stil bereits nach kurzer Zeit relativ anstrengend. Durch ihr Buch habe ich es nicht ganz geschafft und auch ihren Blog werde ich wohl eher nicht lesen - wie immer, Geschmackssache!

Bloganbieter

Für alle Neu-Blogger: Der Blogger Don Dahlmann stellt verschiedene Anbieter von Blogging-Diensten vor. Diese werden in Kurzform vorgestellt und Vor- und Nachteile tabellarisch aufgelistet: http://lexikon2.blog.de/2007/02/15/die_10_besten_bloganbieter~1743753/

Blogs als Informationsquelle entdeckt

Ich kenne mich in der virtuellen Welt überhaupt nicht aus und dies hat sich im laufenden Seminar bestätigt. Mit großer Freude kann ich aber berichten, dass ich es geschafft habe, einige Blogs zu lesen. Ich bin auf sehr interessante Beiträge und Themenbereiche gestoßen. Besonders interessant fand ich die Blogs zur Politik:
https://netzpolitik.org/
http://blog.tagesschau.de/

Schulalltag - Lehrerblogs

Beim Lesen dieses Posts auf dem Blog von Herrn Rau wurde ich doch schon sehr an meine eigene Schulzeit erinnert. Ausnahmslos alle Deutschlehrer ab der Mittelstufe ermahnten uns immer und immer wieder zu kürzeren Sätzen! Sehr netter Blogbeitrag: http://www.herr-rau.de/wordpress/2012/11/lange-saetze-in-der-schule-und-satzzeichen-zweiter-klasse.htm

Bloggen - die neue, große Freizeitbeschäftigung mancher Lehrenden?


Bekannt ist die oft feucht-fröhliche Selbstdarstellung vieler Kids, während sie die Nächte in der Rockfabrik zum Tage machten. Diese schöne Erinnerungen bleiben den Freunden, Facebook - und einem potentiellen zukünftigen Arbeitgeber - in guter Erinnerung.

Gleiches gilt neuerdings für die (manchmal verwirrende) Selbstdarstellung mancher Lehrenden auf ihren eigenen Blogs: Ihre aufmunternde und kreative Schreibweise, machmal auch provokative Bild-Text-Kombinationen, werden von einer breiten Zielgruppe empfangen: Kollegen, Schüler/innen und Eltern können es lesen: Hauptsache bloggen bloggen bloggen? Fazit: Das Web vergisst auch aus Lehrer-Blogs nichts.

Schüler-Mobbing-Blog

Mobbing ist ein Thema, das uns alle betrifft. Entweder ist man als Schüler selbst der bzw. die Unglückliche gewesen und Opfer von Mobbing geworden oder hat es "nur" im Umfeld miterleben dürfen. Als ich selbst Schülerin war, wurden z.B. einige Klassenkammeraden Opfer von Mobbing. Sie waren zu dick, zu häßlich oder einfach nur nicht cool genug. Die Lehrer waren mit dieser Situation völlig überfordert, und auch als Klassenkamerad wusste man sich nicht zu helfen. Wie erging es dann erst den Betroffenen?

Auf dem Blog http://blog.schueler-mobbing.de/ schreiben Betroffene über ihre Mobbing-Erfahrungen, dadurch kann die Community mit Rat und Tat zur Seite stehen und Tipps geben oder die Betroffenen aufbauen. Aber auch zukünftige Lehrer/innen oder auch einfach nur Jedermann kann sich hier über dieses wichtige Thema informieren.

Mein erster Blogeintrag

Heute poste ich zum ersten Mal in meinem Leben. Ich habe mir vorher einige Blogs angeschaut. Die Lehrerblogs haben mir am Besten gefallen - beispielsweise berichtet Frau Freitag von ihrem Schulalltag. Diese Seite ist sehr amüsant und hat mich zum Lachen gebracht.

Erster Post

Mir haben die Artikel der Lehrerblogs gefallen, da sie nicht nur über den "harten" Schulalltag berichten, sondern auch andere Informationen humorvoll präsentieren. Auf einer Blogseite etwa werden Geschichten aus dem Schulalltag präsentiert, hier fand ich den Post: Auch eine Erkenntnis gut.

Sitzung zu Blogs

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

anbei findet ihr die für die heutige Seminarsitzung notwendige Zusammenstellung von Beispielblogs.

Schulblogs
Lehrerblogs
Blogs zu schulrelevanten Themen
Blogs in der Politik
Diese sind wichtig für unseren heutigen Vortrag und werden in der Sitzung verwendet.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Marketing 2.0

Wer gerne am Puls der Zeit bleiben möchte, was das Marketing im Social Web betrifft, dem empfehle ich aktuell diesen Blog. Stellvertretend zwei aktuelle Einträge, die ich interessant fand:
Das ist vielleicht auch unter dem Aspekt des persönlichen fb Konsums lesenswert.

Dienstag, 15. November 2011

Beiträge zum Lernen 2.0 an anderer Stelle


Mit Blick darauf, dass wir aktuell im Seminar über Lernen 2.0 diskutieren, wollte ich Ihnen nicht vorenthalten, dass Sie meine Beiträge zum Thema in der Regel auf dem Blog meiner Firma finden: Gesellschaft Agora - Lehren und Lernen im 21. Jahrhundert. Die einschlägigen Postings zu Lernen (2.0) finden Sie hier...