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Mittwoch, 8. Januar 2020

Facebook und das "Institute for Ethics in Artificial Intelligence" an der TU München

Das US-amerikanische Unternehmen Facebook, das 2018 den wohl größten Shitstorm der jüngsten Wirtschaftsgeschichte durchlebte, finanziert - besser gesagt: unterstützt - nun, angeblich ohne weitere Vorgaben, die Technische Universität München in Millionenhöhe. Es handelt sich hierbei um ein im Oktober 2019 neu gegründetes Ethik-Institut, an dem erforscht werden soll, welche ethischen Grundsätze bei der Entwicklung und beim Einsatz von künstlicher Intelligenz gelten sollen und wie sie umgesetzt werden können. Angestoßen wurde das Projekt durch bislang fehlende Forschung zu ethischen Fragen bei Künstlicher Intelligenz und der Fairness von Algorithmen und maschinellem Lernen. Ziele des neuen Instituts:
  • Leitlinien für die Identifikation und Beantwortung ethischer Fragen der Künstlichen Intelligenz für Gesellschaft, Industrie und Gesetzgeber.
  • Ethische, rechtliche und politische Gesamtbetrachtung gesellschaftsrelevanter Innovationskreisläufe.
  • "Human Centered Engineering" soll eine maßgebende Rolle spielen, um die kulturelle und gesellschaftliche Rückverankerung der fortschreitenden Entwicklungen in Hinblick auf die Künstliche Intelligenz sicherzustellen.
  • Konkret soll das neue Institut den Fragen nachgehen, wie man Voreingenommenheit in der künstlichen Intelligenz vermindern kann, wie diese Technologie die Gesellschaft beeinflusst, dabei fair ausgestaltet ist und die Grundrechte der Menschen bewahrt.
Koordinator des neuen Projekts ist Professor Christoph Lütge. Lütge wurde kürzlich in die Ethikkommission der Bundesregierung zum Autonomen Fahren und in die europäische Expertenkommission "AI 4 People" berufen, und er sagt über sich selbst, dass seine Themen an den Schnittstellen zwischen Technologie und menschlichen Werten liegen. Es scheint ganz so, als soll das sensible Deutschland und Europa (in Bezug auf Daten(-schutz)) beim Stichwort "responsible AI", also "verantwortliche KI", noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Der oben erwähnte Shitstorm, der Facebook in Verbindung mit der Analysefirma Cambridge Analytica und dem Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump bringt, machte Facebook zum umstrittensten Digitalkonzern der Welt. Über Facebook soll der Ausgang von Wahlen beeinflusst worden sein. Hierzu lassen sich weitere Informationen in den folgenden Blog-Beiträgen finden:

Quellen:

Cambridge Analytica

Personenbezogene Daten haben Öl als wertvollste Ressource der Welt eingeholt. Wieso, das zeigen die Erfolge der Firmen SCL bzw. Cambridge Analytica. Diese Datenanalyse-Unternehmen benutzen sogenanntes "microtargeting", um Einfluss auf politische Prozesse, Wahlen und die internationalen Beziehungen zu nehmen. Cambridge Analytica mischte in der USA-Wahl 2016 als Unterstützer der Trump-Kampagne mit. Ziel war es, die unentschlossenen Wähler und "Swing States", Staaten die demokratisch oder republikanisch wählen könnten, auf die Seite der Republikaner zu ziehen.

Um dies zu schaffen, wurden Unmengen an Daten gesammelt und analysiert. Die Firma behauptete, ein umfassendes Persönlichkeitsprofil über jeden US-amerikanischen Erwachsenen zu besitzen. Dieses Profil wurde benutzt, um die Personen mit personalisierten Videos, Artikeln usw. online zu bombardieren, um ein Narrativ zu erschaffen, in dem Trump zu wählen am sinnvollsten erscheint.

Allein dafür wurden zu den Hochzeiten eine Million Dollar für Placements auf Facebook pro Tag gezahlt. Die Rolle Facebooks in dem Datenskandal um Cambridge Analytica führte unter anderem zu der Befragung von Mark Zuckerberg. Cambridge Analytica trug auch zum Erfolg der Leave.eu Kampagne für den Brexit bei.

Wie ausschlaggebend und erfolgreich die Auswirkungen dieser Firma auf die jeweiligen Ereignisse wirklichen waren, ist schwer zu sagen. Der Whistleblower und ehemalige Mitarbeiter von Cambridge Analytica, Christopher Wylie, meinte dazu, es sei egal, wie groß die Auswirkungen seien, sobald wir Betrug in unseren demokratischen Wahlen zulassen, sei die Demokratie gefährdet. Die Firma sei eine Propagandamaschine (Interview mit Christopher Wylie).

Über Cambridge Analytica wurden mehrere Dokumentationen veröffentlicht. Die meiner Meinung nach interessantesten sind die Arte-Doku Fake America Great Again, sowie die Netflix-Doku "The Great Hack".