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Donnerstag, 14. November 2019

BürgerInnen fragen - PolitikerInnen antworten

abgeordnetenwatch.de ist eine Internetplattform, die öffentliche Bürgerfragen an Abgeordnete auf Bundes- und Europaebene sowie in allen 16 Landesparlamenten ermöglicht. Betrieben wird das Portal von der NGO bzw. dem gemeinnützigen Verein „Parlamentwatch e.V.“, welcher sich vor allem durch Spenden finanziert.

Mit monatlich über 125.000 BesucherInnen sowie gut 275.000 Seitenabrufen ist abgeordnetenwatch.de das größte politische Dialogportal Deutschlands. Ihre Vision ist eine selbstbestimmte Gesellschaft. Der öffentliche Dialog schafft Transparenz und sorgt für eine Verbindlichkeit in den Aussagen der Politiker:innen. Denn alles ist auch Jahre später noch nachlesbar.

Die Freischaltung von gestellten Fragen kann je nach Nutzeraufkommen u.U. einige Stunden dauern, da alle eingehenden Fragen von einem Moderatorenteam überprüft werden. Falls eine Frage nicht freigeschaltet werden kann, wird man von einem der Moderatoren informiert. Aus Gründen der Rechtssicherheit wird die IP-Adresse gespeichert, aber nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.

Weitere Angebote des Portals:
  • im Bundestag werden alle namentlichen Abstimmungen erfasst
  • Dokumentation der Ausschussmitgliedschaften der Abgeordneten
  • Dokumentation der Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten
  • Dokumentation der Wahlprogramme
  • Aufklärung über das Bundestagswahlrecht
  • Petitionen
  • überparteilicher Blog - der Blog versteht sich als ergänzende Diskussionsplattform zum Angebot von abgeordnetenwatch.de. Er berichtet über das Projekt und Themen wie Transparenz, Bürgernähe, Teilhabe in der Politik und Informationsfreiheit und nimmt hierzu Stellung

Donnerstag, 17. Januar 2019

Gefährdet Big Data unsere Demokratie?

„Die Datenökonomie lebt davon, alle möglichen Informationen einzusammeln – immer und überall, manchmal sogar ohne dass wir etwas tun. Das ist gefährlich: Unsere Demokratie, wie wir sie kennen, wird die Digitalisierung nicht überleben.“
Der folgende Artikel von Volker Boehme-Neßler beschreibt deutlich, dass Big Data unsere Demokratie gefährdet. Durch die ständige Überwachung unserer Daten wird unsere Freiheit eingeschränkt. Menschen können sich dadurch nicht zum mündigen Bürger entwickeln. Politische Diskussionen finden nur noch auf Twitter statt und sind alles andere als sachlich und argumentativ. Geleitet von Emotionen, setzt sich nicht mehr das beste Argument durch, sondern nur noch die Meinung mit dem höchsten Hysteriepotenzial.

Jeder muss mit jedem reden können. Das ist das Grundgesetz der Demokratie. Aber WIE, wenn die digitale Welt das Leben in der Filterblase fördert?

Ein Artikel, der die Gefahren von Big Data für unsere Demokratie deutlich macht: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article186843448/Big-Data-Die-Digitalisierung-hoehlt-unsere-Demokratie-aus.html

Donnerstag, 30. März 2017

Das Online-Petitionsportal des Bundestages - Mehr Partizipation durch das “E”?

Das Ende des Monats naht, als Student oftmals ein Grund, sich auf das Nötigste zu beschränken. Der Kontostand bringt einen fast zur Verzweiflung und man überlegt, auf was man die nächste Woche lieber verzichten sollte. Zwar bekommen viele Studierende Unterstützung vom Staat in Form von BAföG, aber bis vor kurzem war der BAföG-Satz geringer als der Hartz-IV-­Satz, der dem entspricht, was man für den minimalen Lebensunterhalt braucht.

Durch eine E-Petition hat sich das nun zum Besseren gewandelt. Ein Student reichte diese beim Deutschen Bundestag ein und bemängelte die Situation. Der Petitionsausschuss stimmte der E-Petition zu und leitete sie an das zuständige Ministerium weiter. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde dort über das Thema BAföG diskutiert. Durch das perfekte Timing der E-Petition wurde es dem Student ermöglicht, Einfluss auf die Politik zu nehmen und die Situation vieler anderer Studierender zu verbessern. Die Bedarfssätze, der Wohnzuschlag und die Freibeträge werden steigen, und Studenten dürfen einen Minijob haben, ohne befürchten zu müssen, dass die Einkünfte mit dem BAföG verrechnet werden.

Wird Partizipation durch E-Petitionen auf einmal so einfach gemacht? Kann man sich vom Sofa aus politisch engagieren und das nur mit einem Mausklick? Einfacher geht es kaum. Aber ist das schon “richtige” Partizipation? Kann man es sich in Zukunft sparen, auf Demonstrationen zu gehen oder an Streiks teilzunehmen? Bequemer scheint es auf jeden Fall. Doch reicht das wirklich aus? Verleitet diese Bequemlichkeit die Menschen sogar eher dazu, sich nicht mehr außerhalb der digitalen Welt zu engagieren? Oder verlockt die Bequemlichkeit politisch bisher Nicht-Engagierte, ihre Interessen zu vertreten?

Im folgenden Text werde ich zunächst Petitionen im allgemeinen thematisieren, daraufhin das Online-Petitions-System des Bundestages und dessen Verfahren kurz beschreiben, woraufhin ich erläutere, wer dieses System nutzt. Auf dieser Basis werde ich in der Literatur vertretene sowie eigene Kritik an diesem System üben, um daraus ein Fazit zu ziehen.

Montag, 5. Dezember 2016

Social Media und Politik: Fake-News und Social Bots

Das Brexit-Referendum und der Wahlkampf Donald Trumps haben auf Phänomene wie Social Bots und Fake News aufmerksam gemacht. Zwischenzeitlich sind einige Beiträge erschienen, die Orientierungswissen in dieser Debatte bieten. Eine Auswahl:
  • Simon Hegelich: Invasion der Meinungs-Roboter, Konrad-Adenauer-Stiftung: Analysen & Argumente, Ausgabe 221, September 2016 (Link, pdf)
  • Adrian Lobe: Gefährden Meinungsroboter die Demokratie?, Spektrum (Link)
  • Sascha Lobo: Wie soziale Medien Wahlen beeinflussen, Spiegel Online (Link)
  • Markus Reuter: Fake-News, Bots und Sockenpuppen - eine Begriffsklärung, Netzpolitik.org (Link
  • Gregor Weichbrodt: Bots unter Generalverdacht, Krautreporter (Link)

Sonntag, 23. Oktober 2016

FAZ-Serie zum Thema "Internet und Demokratie"

Vor zwei Wochen hat die FAZ eine neue Serie zum Thema "Internet und Demokratie" begonnen, deren zweiter Beitrag gestern veröffentlicht wurde. Worum es in der Serie gehen soll, beschreibt Thomas Thiel im Einleitungbeitrag so:
"Das Internet wurde als demokratischer Heilsbringer gefeiert. Heute gilt es als Vehikel von Populismus, Autoritarismus und Gleichgültigkeit. Lässt es sich zur Vernunft bringen?"
Die beiden bisherigen Debattenbeiträge sind:

Mittwoch, 27. Januar 2016

"Share the Meal" - per App die Welt retten

https://sharethemeal.org/de/

Über die App "Share the Meal" kann nun jeder zum Superhelden werden - ob beim Shoppen, nebenher beim Aufräumen oder während einer Vorlesung an der Uni: ein Klick genügt und du teilst dein Essen mit der Welt. So verspricht es der Slogan. Du kannst selbst bestimmen, wie viel du spendest. Sind die Zahlungsdaten einmal eingegeben, kannst du pro Klick auf den Button der App 40 Cent spenden, womit ein Kind einen Tag lang ernährt werden kann. Das Essen wird durch das Uno-Welternährungsprogramm verteilt. So einfach ist das.

Aber ist es das wirklich? Funktioniert hier das Spendensammeln nicht wie bei jeder anderen Spendenorganisation auch, nur mit dem Unterschied, dass es per App eben einfacher, moderner und transparenter erscheint? Was passiert, wenn ich bald auch noch die Umwelt per App retten kann?

Dann kann ja jeder seinen Alltag wie gewohnt bestreiten: Morgens einen Coffee to go, mittags und abends  Fleisch aus Massentierhaltung. Das mit dem Wegwerfbecher und der Verschwendung von Anbauflächen durch Soja mach ich einfach wieder gut, ich klick zwei Mal auf den Button der Apps. Passt ja dann.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Obama mal 3?

Neulich im Internet:

Die Internetseite des ORF hat einen kleinen, amüsanten Artikel über die drei digitalen Identitäten des Barack Obama. Besonders nett finde ich die "Unterhaltung" zwischen Clinton und Obama: http://orf.at/stories/2279269/2279271/

Sonntag, 15. März 2015

Aktuelle APuZ-Ausgabe zu Big Data

Die aktuelle Ausgabe (APuZ 11-12/2015) der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de) befasst sich mit Big Data und enthält eine Reihe äußerst lesenswerter Aufsätze, allen voran einen Beitrag von Viktor Mayer-Schönberger, "Internet-Professor" in Oxford, mit dem Titel: "Was ist Big Data? Zur Beschleunigung des menschlichen Erkenntnisprozesses":
"Big Data ist also weniger eine neue Technologie denn eine neue oder jedenfalls signifikant verbesserte Methode der Erkenntnisgewinnung. Mit Big Data verbindet sich die Hoffnung, dass wir die Welt besser verstehen – und abgeleitet von diesem Verständnis bessere Entscheidungen treffen." (S. 14)
Mit eindrücklichen Beispielen schafft es der Autor, auf wenigen Seiten die wesentlichen Chancen und Risiken von Big Data zu verdeutlichen.

Insgesamt umfasst die Ausgabe die folgenden Aufsätze:

Samstag, 21. Juni 2014

Partizipationsstudie des HIIG

Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) hat eine umfangreiche Studie zur Online-Partizipation unter dem Titel «Online mitmachen und gestalten» veröffentlicht. Gefragt wird,
  • wer sich im Netz beteiligt,
  • woran Nutzer besonders interessiert sind,
  • was Nutzer reizt, sich einzubringen.
In einer Pressemitteilung des HIIG heißt es:
"Die Studie untersucht das Potenzial des Netzes, Demokratie zu stärken und liefert Ergebnisse beispielsweise zur großen Beteiligung beim Erstellen und Mitzeichnen von Online-Petitionen. Während sich ein umfassendes Bild über das Partizipationsverhalten deutscher Internetnutzer ergibt, leiten die Verfasser auch direkte Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft ab. Die Ergebnisse beruhen auf einem für die Online-Bevölkerung in Deutschland repräsentativem Panel von TNS Infratest."
Die Partizipationstudie 2014 ist unter www.hiig.de/partizipationsstudie2014 abrufbar. Ein Blog-Posting des Instituts fasst wichtige Ergebnisse zusammen: "Online mitmachen und entscheiden - die Partizipationsstudie 2014".

Dienstag, 15. April 2014

Social Media: Vernetzte Öffentlichkeit(en)

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat ein kleines Erklärvideo zu Strukturen, Mechanismen und Gefahren der Öffentlichkeit im Web 2.0-Zeitalter veröffentlicht. Das zugehörige Heft aus der Reihe Digitalkompakt LfM mit vertiefenden Texten findet sich hier.

Donnerstag, 3. April 2014

Reddit - Chancen und Risiken eines Social News Network


Das Internet spielt bei Kindern und Jugendlichen, also der Zukunft der Gesellschaft, eine immer größere Rolle. Im Durchschnitt verbringen 12-19-Jährige in Deutschland 179 Minuten täglich (Mo-Fr) online (Jim-Studie 2013). Hierbei nimmt die allgemeine Nutzung sowie die Kommunikation über soziale Netzwerke eine herausragende Rolle ein. Neben den bereits großen sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter sind Social News Networks wie reddit.com auf dem Vormarsch, da sie einen umfassenderen, personalisierten sowie anonymen Umgang mit aktuellen Themen ermöglichen. Doch warum genau sind sie so erfolgreich und gibt es auch Schattenseiten?

Was ist Reddit?

Die Website "Reddit" ist ein 2005 gegründetes Social News Network, im deutschsprachigen Raum wird es auch als Social News Aggregator bezeichnet. Das heißt, die Nutzer - auch "redditors" genannt - stellen Fragen, Texte oder Links zum Beispiel zu Nachrichten, Fotos oder Videos von eigenen oder Fremdinhalten ein. Diese Beiträge können nun bewertet und kommentiert werden. So entstehen je nach Thema und Kontroversität interessante Diskussionen.

Wie funktioniert Reddit?

Reddit ist eine Wortkreuzung aus den beiden englischen Wörtern read (lesen) und edit (bearbeiten). Das ständige Einstellen, Bewerten und Diskutieren neuer Inhalte ist das Grundkonzept der Website. Reddit ist in verschiedene "Subreddits" gegliedert, diese befassen sich jeweils mit unterschiedlichen Themen. Einige der beliebtesten Subreddits sind auf dieser Seite aufgeführt. Jeder angemeldete Nutzer kann neue Subreddits eröffnen, daher gibt es mittlerweile zum Beispiel für jede größere Stadt Subreddits, in denen man sich austauschen kann und in denen Probleme behandelt werden. Darunter darf auch die deutsche Hauptstadt Berlin nicht fehlen. Abgesehen von solch lokalen Subreddits sollte man der englischen Sprache mächtig sein, um Reddit umfangreich nutzen zu können.

Wie bereits erwähnt, besteht die Möglichkeit, einen Post (Post = ein eingestellter Inhalt) positiv (Upvote) oder negativ (Downvote) zu bewerten. Je nachdem, wie der Inhalt bewertet wird, steigt oder sinkt das sogenannte "Karma" des Autors. Als Karma werden die "Internetpunkte", die quasi die Reputation eines Nutzers darstellen, bezeichnet. Erreicht ein Post eine gewisse Popularität, wird er auf der sogenannten "Frontpage" angezeigt. Des weiteren gibt es neben der Frontpage noch weitere Unterseiten, die Posts zum Beispiel in Kategorien wie "Neu", "Aufsteigend" oder "Kontrovers" kategorisieren. Allgemein kann jeder auf alle Inhalte zugreifen, während das Bewerten, Kommentieren und Personalisieren durch Abonnieren verschiedener Subreddits angemeldeten Nutzern vorbehalten ist. Für eine Anmeldung ist jedoch nicht einmal eine E-Mail Adresse, lediglich die Wahl eines noch nicht vergebenen Nutzernamens vonnöten.

Was gibt es auf Reddit?

Die Selbstcharakterisierung der Website lautet:
,,reddit is a source for what's new and popular on the web. Users like you provide all of the content and decide, through voting, what's good and what's junk. Links that receive community approval bubble up towards #1, so the front page is constantly in motion and (hopefully) filled with fresh, interesting links."
Als selbsternannte "frontpage of the Internet", also Startseite des Internets, gibt es auf Reddit eigentlich fast alles zu sehen und zu lesen, was man sich vorstellen kann. Die Themen reichen von Politik über Wissenschaft bis zu Religion, Drogen und Erotik. Es ist praktisch jede Nationalität, Rand- oder Berufsgruppe vertreten. Daher kann man mit qualitativ hochwertigen Diskussionen, aber auch mit sehr kontroversen Inhalten in Berührung kommen. Unterhaltung nimmt einen großen Stellenwert auf der Website ein, daher ist Reddit auch zum Beispiel einer der Entstehungsorte populärer Meme wie zum Beispiel die Advice Animals oder Good Guy Greg. "Reddit ist seit Jahren einer der kreativsten und spannendsten Orte im Netz", schreibt Hakan Tanriverdi im Blog der Süddeutschen Zeitung.

Warum ist Reddit so erfolgreich?

Als Steve Huffman und Alexis Ohanian 2005 Reddit ins Leben riefen, war ihr erklärtes Hauptziel, die Welt ein bisschen besser zu machen. Dies wird in diesem Video über die Entstehung Reddits deutlich.


Der gleichen Ansicht sind auch viele Nutzer der Seite. Diese haben oft positive Erfahrungen mit der Community gemacht, sei es eine Spendenaktion für ein todkrankes Kind oder das Engagement für eine bedrohte Tierart. So kommt es auch einmal vor, dass ausgehend von dem Subreddit "RandomActsOfPizza" einem ärmeren Redditor kurzerhand eine kostenlose Pizza geschickt wird. Dies wird dann meistens mit einer Danksagung und einem Beweisfoto des Beschenkten abgerundet.

Da solche Gesten meist einigen Zuspruch finden, erhalten die Beteiligten auch dementsprechend viele Karma-Punkte, welche sie als einen wichtigen Teil der Community auszeichnen. Auch für Journalisten stellt Reddit manchmal eine wertvolle Quelle dar, da durch die riesige Community oft ein abwechslungsreiches Angebot an aktuellen Meldungen zur Verfügung steht. Erörtert wird dies unter anderem in diesem Artikel.

Abgesehen davon ist auf Reddit einfach für jeden etwas dabei. Außerdem kann man den eigenen Account nach seinen Interessen personalisieren und bleibt gleichzeitig anonym. Das sehr gute Kommentarsystem, das automatisch und dynamisch Spam herausfiltert und somit ein gut funktionierendes Dialogsystem ermöglicht, begründet ebenfalls die Faszination, die von Reddit ausgeht.

Bedeutung der Website

Mit 731 Millionen Besuchern und 56 Billionen Seitenaufrufen im Jahr 2013 befindet sich reddit.com auf Platz 60 der Top500 globalen Websites. Dies zeigt die Bedeutung, welche die Seite bereits im Leben vieler Menschen eingenommen hat. Doch die Nutzung und vor allem die Konfrontation mit nutzergenerierten Inhalten bieten einerseits Chancen, andererseits aber auch Risiken. Darum soll es in den kommenden Abschnitten gehen. 

Einstieg und Sozialisation

Es braucht immer etwas Zeit, um mit einem neuen Medium umgehen zu können bzw. dessen Potential auszuschöpfen. Reddit soll kein Ersatz für erfolgreiche soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter sein. Man kann es als Abwechslung und Ergänzung zugleich sehen, als Teil des Internets, in dem partiell noch die einstige Wild-West-Mentalität des Netzes zu spüren ist. Daher nimmt Meinungsfreiheit einen hohen Stellenwert ein. Man braucht etwas Zeit, um sich mit der Community und deren Handlungsweisen sowie Insider-Witzen vertraut zu machen. Hierbei stellen die FAQ eine wertvolle Hilfe dar. Auf dieser Seite sind unter anderem alle wichtigen Abkürzungen aufgeführt.

Häufig benutzte Abkürzungen:
  • AFAIK means "As far as I know"
  • AMA means "Ask me anything"
  • DAE means "Does anybody else" or "Does anyone else"
  • ELI5 means "Explain like I'm 5 (years old)"
  • IAMA means "I am a"
  • IMO means "In my opinion"
  • MRW/MFW means "My reaction when" and "My face when"
  • NSFL means "Not safe for life" (gory or gross content)
  • NSFW means "Not safe for work" (sexual content)
  • OP means "Original poster" (the person who started the thread)
  • TIL means "Today I learned"
Wie bereits erwähnt, sind Kenntnisse der englischen Sprache sehr wichtig. Hat man sich jedoch einmal mit dem Medium vertraut gemacht, stehen einem eine Bandbreite an Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung. Darunter befindet sich auch die Möglichkeit, sich mit anderen Nutzern anzufreunden und dadurch deren Aktivitäten gezielt zu verfolgen. Anderseits ist es auch möglich, Posts bzw. andere Nutzer zu "reporten", also diese zu melden, falls sie gegen Richtlinien der Seite verstoßen.

Datenschutz

Zwei der wichtigsten Grundsätze von Reddit lauten: Tue nichts Illegales und verbreite keine persönlichen Daten anderer. Diese sind unter anderem in der reddiquette, den Richtlinien der Seite, verankert, welche einen allgemeinen Überblick über das "gewünschte" Verhalten liefern. Verstößt man schwer oder wiederholt gegen die Richtlinien, wird der Account des Nutzers von einem Administrator gelöscht. Dies schreckt manche Nutzer aber nur bedingt ab, da die Möglichkeit besteht, einfach einen neuen Account zu erstellen.

Sind jedoch persönliche Daten oder komprimittierende Informationen einmal ins Netz gelangt, kann es sein, dass sie trotz des schnellen Entfernens durch Administratoren im Umlauf bleiben und somit die Reputation eines Menschen nachhaltig beschädigen können. Als Beispiel kann der Vorfall im Zuge der Suche nach den Tätern der Bombenanschläge in Boston im April 2013 dienen. Ein Teil der Reddit Community hatte sich das fälschlich noble Ziel gesetzt, die Attentäter ausfindig zu machen. Dies resultierte leider in einer Reihe falscher Anschuldigungen, der Unschuldige zum Opfer fielen und der Seite einen erheblichen Imageschaden einbrachte. Man darf dabei nicht vergessen, dass Reddit mit wenig Beschäftigten als sich größtenteils selbst regulierende Website agiert. Daher kann die Seite als eine Art Spiegel der Gesellschaft betrachtet werden, in dem sich positive wie negative Aspekte jener wiederfinden.

Anonymität

Leider besteht aufgrund der Anonymität auf Reddit für Nutzer auch die Möglichkeit, fragwürdige bis unzumutbare, zum Beispiel rassistische oder pornographische Inhalte zu teilen. Diese fallen jedoch, verborgen in kleinen Subreddits, dem "normalen" Nutzer kaum auf. Diese zwei (1) (2) Beispiele jedoch zeigen, dass man so gut wie nie vollkommen anonym im Netz agiert. Doch dem normalen Reddit-Nutzer geht es nicht darum, kriminelle Inhalte zu verbreiten oder Personen zu bedrohen. Er will auch nicht anonym bleiben, weil er etwas zu verbergen hat. Reddit steht für viele auch für Freiheit und freie Meinungsäußerung. Vielen fällt es zum Beispiel viel leichter, sich so etwas weiterzubilden, ohne dabei gleich die Identität zu offenbaren.

Außerdem besteht auf Seiten wie Reddit die Chance, auch einmal unangenehmere Angelegenheiten zu diskutieren. Hierbei kann durch die Vielfalt der Meinungen eine umfassendere Diskussion entstehen, die in so Manchem kognitive Dissonanzen auslösen, welche sie letztendlich zum Umdenken bewegen. Entsteht dadurch ein toleranterer Mensch, der nicht durch seine vorherigen Äußerungen in seinem sozialen Umfeld gebrandmarkt ist, ist dies durchaus positiv zu bewerten. Eines der beliebtesten Subreddits ist das IAMA, zu Deutsch "ich bin ein" - hier können verschiedene Menschen Fragen zu ihrem Beruf beantworten. Dabei steht wohl außer Frage, dass die Antworten aufgrund der Anonymität um einiges ehrlicher ausfallen. Eine Liste der erfolgreichsten IAMAs finden sie hier. Natürlich steht es auch jedem frei, seine Identität freiwillig preiszugeben.

Sucht

Hat man sich erst einmal auf solch eine Social Media Seite eingelassen, zeigen sich schnell Parallelen zu erfolgreichen Diensten wie Facebook. Jedoch stehen einem nicht nur die News seines erweiterten Freundeskreises und die Kommunikation mit demselbigen zur Verfügung, sondern eine Flut an Informationen, die man mit tausenden Usern diskutieren kann. Dieses riesige Angebot, in Verbindung mit der globalen Vernetzung und der Belohnung durch Karma-Punkte, schafft einen großen Anreiz zur Beteiligung. Dies kann unter Umständen eine ungesunde Menge an Zeit in Anspruch nehmen. Doch die Aneignung von Wissen und die Kommunikation werden auch als zentrale menschliche Bedürfnisse angesehen. Phillip Wampfler schreibt in einem Artikel zu diesem Thema, dass eine Sucht da beginnt, wo eigene Bedürfnisse überdeckt, ersetzt, vernachlässigt oder ignoriert werden. Dies kann auf Seiten wie Reddit passieren, aber meiner Meinung nach birgt es auch kein höheres Risiko als andere Vertreter der Sozialen Medien. Es stellt sogar, benutzt von psychisch stabilen Menschen, ein äußerst nützliches Werkzeug dar, um sich außerhalb der angestammten peer group am gemeinschaftlichen Leben zu beteiligen.

Größe

Wie bereits erwähnt hat Reddit innerhalb der letzten Jahre mit jährlich bis zu 731 Millionen Besuchern eine extreme Größe erreicht. Deshalb und weil dies nicht der Idee der Seite entspricht, ist eine weitergehende Kontrolle durch die Betreiber nicht möglich bzw. nicht gewollt. Dies kann neben kreativer Freiheit aber auch mit sich bringen, dass der Dienst Kriminellen oder Extremisten als Plattform zur Verbreitung ihrer Ideologien oder Auslebung ihrer Fantasien dient. Diese Posts haben jedoch meist eine sehr kurze Lebensdauer auf Reddit, da die aktive Community auf unangebrachte Inhalte schnell mit Löschanfragen reagiert. Schaffen es solche Inhalte, länger zu existieren, sind sie wahrscheinlich in einem kleinen Subreddit verborgen, auf das man normalerweise ohne gezielte Suche nie stoßen würde. Es gibt jedoch auch geduldete nicht-jugendfreie Inhalte, die allerdings mit den Tags NSFW oder NSFL (Bedeutung siehe oben) gekennzeichnet sind. Um sich diese anzusehen, muss man durch einen Klick bestätigen, dass man 18 ist. Wenn Minderjährige unangemessene Inhalte suchen, finden sie diese schon über eine beliebige Suchmaschine. Dagegen hilft nur ein Jugendschutzprogramm wie zum Beispiel dieses.

Ein Zitat des ehemaligen Geschäftsführer von Reddit, Erik Martin, lautet:

"Reddit ist wie ein wilder Garten. Du kannst Dinge pflanzen, du kannst gewisse Entwicklungen fördern oder hemmen."

Das heißt, Reddit soll sich hauptsächlich selbst regulieren. Dieses Prinzip ist nicht perfekt, aber es ist sehr erfolgreich, und je mehr Menschen sich bei Reddit beteiligen und engagieren, desto schneller können Lücken geschlossen und das System verbessert werden. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass man nicht mit fraglichen Inhalten konfrontiert wird, wenn man es nicht darauf anlegt. Durch die Ordnung seiner Interessen durch Subreddits kann man sich sein eigenes Profil basteln, über das man mit Informationen versorgt wird. Aufgrund der aktiven Community, welche sich größtenteils mit den Richtlinien identifiziert, haben "off topic" Posts, also Inhalte, die nicht in das gegebene Subreddit passen, oft keine Chance auf viel Beachtung. Bewegt man sich aber innerhalb der gegebenen Richtlinien, sind der Kreativität nahezu keine Grenzen gesetzt.

Partizipation

Reddit basiert auf der Teilnahme seiner Nutzer, ohne die es keine Inhalte zu diskutieren gäbe. Nutzer sind, was das Posten von Inhalten angeht, eigentlich nur durch die "reddiquette" eingeschränkt. Daher bezeichnen viele das simple up- und downvote-System der Seite als sehr demokratisch, da der Erfolg eines Posts allein vom Anklang in der Community abhängig ist. Dieser Erfolg kann sich sogar zu handfesten Bewegungen entwickeln. So wurden durch die Community schon politische Entscheidungen beeinflusst, zum Beispiel durch die Organisation von öffentlichen Protesten oder temporären Streiks von Internetseiten, welche mitverantwortlich für den Fall geplanter Abkommen wie SOPA, PIPA und ACTA waren. Auch Barack Obama, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, erkannte das Potential der Seite und stellte sich 2013 eine halbe Stunde lang Fragen der Community (siehe hier). Als eine weitere Möglichkeit der Partizipation ist die Unterstützung für karitative Zwecke zu nennen, wie dieser Link zeigt.

Doch das freie System von Reddit ist nicht perfekt. Aufgrund der Möglichkeit, sein eigenes Subreddit zu erstellen und dieses zu verwalten, besitzen manche User viel Macht über einen kleinen Teil der Community. So kann es vorkommen, dass Inhalte gelöscht und Nutzer "verbannt", also aus dem Subreddit ausgeschlossen werden, nur weil diese dem Gründer nicht passen. Es fehlt hier meiner Meinung nach eine weitere unparteiische Kontrollinstanz, die auch Administratoren und Moderatoren prüfen kann. Dennoch zeigen Seiten wie Reddit, was heutzutage durch die globale Vernetzung alles möglich ist. Nicht zuletzt durch die zahlreichen Versuche, das Internet zu kontrollieren und zu zensieren, wie zum Beispiel aktuell in der Türkei, wird deutlich, welches Potential im Internet steckt und wie viel Einfluss und Macht man dadurch generieren kann. Einfluss, der einerseits für Propaganda missbraucht werden kann, anderseits dazu befähigt, sich zu engagieren, organisieren und Gutes in der Welt zu bewirken. 

Fazit

Reddit ist ein Rahmen, der von uns Nutzern gefüllt wird. Und obwohl die Community und das System kleine Fehler haben, steht der Nutzen, den man aus Reddit ziehen kann, außer Frage. Die gegebene Vielfalt zwingt einen praktisch dazu, Inhalte und eigene Annahmen ständig zu reflektieren und Neues zu lernen.

Gerade als zukünftige LehrerInnen ist es wichtig, auf dem Laufenden zu bleiben. Hierbei kann man sich durch Reddit manchmal sehr viel Recherche ersparen. Und da Reddit eben auch Inhalte abseits des Mainstream bietet, kann es für Personen, die sich weiterbilden oder Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten wollen, eine wertvolle Quelle sein. Ich finde es ebenfalls wichtig, Jugendliche mit solchen Internetangeboten vertraut zu machen, da die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, früher oder später damit in Berührung zu kommen.

Leider ist die Seite trotz riesiger Besucherzahlen nicht wirtschaftlich, darum wird wohl über kurz oder lang mit zunehmender Werbung zu rechnen sein. Dies halte ich allerdings für nicht so schlimm, solange die Richtlinien, was das Posten anbelangt, nicht darunter leiden. Für mich übersteigt der Nutzen der Seite klar die genannten Risiken, solange man sich gegenseitig respektiert.

Zu guter Letzt möchte ich dazu aufrufen, die Seite einfach mal auszuprobieren und sich nicht schon von dem schlichten Layout abschrecken zu lassen. Nahezu jedes Interesse ist in einem Subreddit vertreten, also beschränkt euch nicht auf die anfangs automatisch abonnierten Subreddits und behaltet die Zeit im Auge. Viel Spaß dabei.

Für Unentschlossene hier noch ein kleines Motivationsvideo.

Quellenangaben

Mittwoch, 5. Februar 2014

Die wichtigsten politischen YouTube-Videos der letzten Jahre

Der Freitag hat heute unter dem Titel "A-Z Polit-Clips" eine Liste der aufsehenerregendsten politischen Videos der letzten Jahre veröffentlicht. Von A wie "Africa for Norway" (siehe unten) über K wie KONY 2012 bis hin zu W wie Wikileaks ("Collateral Murder") werden die Clips kurz vorgestellt -  eine hilfreiche Sammlung ...zum Artikel.

Sonntag, 3. November 2013

Schwarmintelligenz


Bundesarchiv, Bild 183-W1112-0301 / CC-BY-SA
Man unterstellt allen Mitwirkenden des Web 2.0 eine sogenannte Schwarmintelligenz oder auch ,,kollektive Intelligenz", die aus einem Schwarmverhalten, wie man es in der Biologie beobachten kann, generiert wird. Beispielsweise schließen sich Vögel, Fische oder Insekten zu einer größeren Einheit zusammen und können sich so auf intelligente Art und Weise vor Fressfeinden schützen oder Nahrungsquellen besser erschließen - eine Einheit mit emergenten Eigenschaften ist entstanden.

Übertragen auf das Web 2.0 stellt sich die Frage, ob man auch hier von einer Intelligenz sprechen kann, die sich durch das Zusammenwirken von Millionen von Individuen herausbildet. Die Internetplattform GuttenPlag Wiki ist ein solches Beispiel, wie durch das Mitwirken vieler ein beliebter Politiker in seiner Dissertation des Plagiats überführt worden ist. Ohne Twitter - der Gründer ebenjener Plattform rief hierin zur Mitarbeit aller auf - und ohne die grundlegende Möglichkeit des Mitwirkens durch das Web 2.0, wäre der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg heute noch im Amt.

Das Motto dieser Aktion lautete: ,,E pluribus unum"-Aus vielen eines.



Donnerstag, 31. Oktober 2013

Change.org: "Die Petitionsplattform der Welt"

Sich auf politischem Wege zu engagieren, war bisher immer recht aufwändig. Das Web 2.0 bietet jedoch auch hier neue Möglichkeiten: Change.org ist eine Kampagnenplattform, auf der jedermann Petitionen erstellen kann. Ziel von Change.org ist es, „Menschen weltweit die Möglichkeit zu geben, sich für die Welt einzusetzen, in der sie leben möchten.“
Im folgenden Video erklärt die Deutschlandchefin Paula Hanneman von Change.org wie's funktioniert:



Change.org gibt also nicht nur Menschen, die etwas zu sagen haben und etwas erreichen wollen, eine Plattform. Change.org macht es auch den Menschen leichter, sich zu beteiligen, ohne viel Zeit aufzuwenden. Mit ein paar wenigen Klicks hat man eine Petition "unterschrieben" und unterstützt eine Sache, die einem selbst am Herzen liegt.

Die erste Petition, die ich unterschrieben habe, war die Petition von und für Malala Yousafzai. Mit der Petition sollte erreicht werden, dass Malala für den Friedensnobelpreis 2013 nominiert wurde. Malala hatte einen beeindruckenden Kampf gegen die Taliban in Pakistan geführt und überlebt.
Leider ging der Friedensnobelpreis nicht an Malala.

Auf Change.org gibt es die unterschiedlichsten Petitionen. Petitionen, die Freiheitskämpfer aus dem Gefängnis befreien wollen. Petitionen, die gegen den Abriss einer Seniorenbegegnungsstätte kämpfen. Petitionen, die Mütter beim Kampf gegen ungesunde Baby-Cremes unterstützen.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Blog "Angewandte Netzpolitik" der BpB

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ihr Online-Angebot in den letzten Jahren gezielt in Richtung Web 2.0 und Netzpolitik ausgebaut. Auf den hervorragenden Blog #pb21 und auf andere Online-Dossiers oder einschlägige Publikationen haben wir an dieser Stelle bereits mehrfach hingewiesen. Mit Netzdebatte.bpb.de gibt es nun einen Blog, der sich mit "angewandter Netzpolitik" befasst und bereits sehr interessante Beiträge umfasst. Die BpB selbst beschreibt die Ziele des neuen Angebots folgendermaßen:
Expertinnen und Experten der Netzwelt hinterfragen gemeinsam mit den Nutzer_innen von www.bpb.de kritisch die Entwicklungen der digitalen Gesellschaft. Der Kanal will das Verständnis für die gesamtgesellschaftliche Bedeutung netzpolitischer Fragen stärken und eine Diskussion zu diesen ermöglichen.

Samstag, 3. August 2013

Interview auf Jobscast: Politikwissenschaftler 2.0

Daniel Autenrieth (@dautenrieth) studiert an der PH Ludwigsburg und betreibt die Website Jobscast (http://www.jobscast.de/). Dort bietet er ausführliche Interviews mit Leuten, die interessante Berufe haben, als Podcast an. Warum er mich diese Woche interviewt hat, müssen Sie ihn selbst fragen, jedenfalls steht das Interview unter dem Titel "Politikwissenschaftler 2.0" auf Jobcasts zur Verfügung. Wenn Sie also in der vorlesungsfreien Zeit meine Stimme vermissen sollten...


Sonntag, 20. Januar 2013

Politische Partizipation in Zeiten des Web 2.0 - Von E-Governance bis "Facebook-Revolution"

Begriffliche Definitionen im Wirrwarr der "E-Termini"

Als E-Government wird die „schwächste“ Form der Einbeziehung des Internets in politische Prozesse bezeichnet, denn der Begriff umfasst zunächst nur die elektronische Abwicklung der Prozesse von Verwaltung und Regierung (Kneuer 2012: 32). E-Government stellt sich als bürgerfreundliche Verwaltungsdienstleistung dar – sie ist effektiver als die traditionellen analogen Verwaltungsverfahren, weil kostengünstiger, und macht zugleich mehr Transparenz möglich.

Unter E-Governance versteht man Verfahren, bei denen neben staatlichen auch nicht-staatliche Akteure in politische Prozesse miteinbezogen werden. Dies geschieht hauptsächlich mit dem Ziel themenorientierter Problemlösung auf kommunaler Ebene. 

E-Demokratie (oft auch Digitale Demokratie) gilt zum einen als Überbegriff für Demokratiemodelle, in denen Mitwirkungsmöglichkeiten über das Internet vorhanden sind. Zum anderen werden unter dem Begriff aber auch demokratietheoretische Ansätze verstanden, die Computernetzwerken zentrale Aufgaben im politischen System zuordnen. Der Begriff E-Demokratie beschreibt hier demokratische Prozesse und Strukturen zwischen BürgerInnen und Staat. Ziel dieser Ansätze ist die Ermöglichung von mehr Partizipation der Bürger und die Reform der repräsentativen Demokratie.

E-Demokratie auf der einen sowie E-Government und E-Partizipation auf der anderen Seite folgen derselben hierarchischen Abstufung wie auch Demokratie, Regierung und Bürgerbeteiligung in der „analogen“ Welt (Roleff in ApuZ 7/2012: 16). 

Cyberdemocracy steht für die Vision von der Errichtung einer athenischen partizipativen Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung, was im Endeffekt die repräsentative Demokratie durch eine Selbstregierung der Bürger via Netz ersetzen soll (Kneuer 2012: 33). Die Bürger sollen in diesem Modell umfassend und dauerhaft an der Gestaltung der Politik beteiligt sein und in einem virtuellen Raum den gemeinsamen Willen des Demos etablieren (ebd.).

Hoffnungen, Ansprüche und Bedenken gegenüber der E-Demokratie

Je nachdem, welchen Begriff oder welche Definition von E-Demokratie herangezogen wird, bestehen unterschiedliche Hoffnungen in Bezug auf das Potenzial der neuen Medien. Ansätze des E-Governance sehen die Möglichkeit, die repräsentative Demokratie wiederbeleben oder sie zumindest verbessern zu können. Visionen eines neuen Modells von Demokratie, die die virtuelle Agora (zentraler Fest-, Versammlungs- und Marktplatz einer Stadt) und Ekklesia (Volksversammlung in den Städten des antiken Griechenlands) und somit das athenische Ideal der Selbstregierung des Bürger verwirklichen wollen, gehen sogar noch weiter. Sehr anschaulich wird deren Vision (inkl. Liquid Democracy) in diesem Youtube-Video dargestellt.


In Bezug auf demokratische Systeme wird ferner davon ausgegangen, dass die Bürger in Zukunft nicht nur durch Wählen ihrer staatsbürgerschaftlichen Pflicht nachkommen, sondern auch durch voten und posten (Roleff in ApuZ 7/2012: 20).

Was undemokratische oder gar totalitäre Systeme betrifft, so ist in eine neue Debatte um die Wirkung digitaler Kommunikation entfacht worden, welche die schnellere Mobilisierung und Organisation von Protestbewegungen möglich mache (Kneuer 2012: 30). Schlagworte wie „Twitter-“ oder „Facebook-Revolution“ sind meist auf diese Aspekte bezogen (Kneuer 2012: 29). Die Schneeballeffekte, so die Annahme, „erhöhten die Reichweite der Bilder und Aufrufe – auch weil Fernsehsender wie CNN oder Al-Jazeera auf die nutzergenerierten Inhalte zurückgriffen und in ihre eigene Berichterstattung einbanden“ (Schmidt in ApuZ 7/2012: 6). In der Tat hat der Arabische Frühling vielversprechende Projekte hervorbringen können, wie etwa in Marokko die Crowdsourcing-Website www.reforme.ma. Hier wurden Änderungsvorschläge zur Verfassungsreform zusammengetragen (Krüger 2011).

Wirkt das Internet demokratisierend?

Angesichts der Schlagworte „Twitter-“ oder „Facebook-Revolution“ stellt sich die Frage, ob dem Web 2.0 prinzipiell eine demokratisierende Wirkung (sowohl in totalitären als auch in bereits demokratischen Systemen) unterstellt werden kann.

Doch der Fokus auf die angeblich revolutionären sozialen Medien droht zu verdecken, inwieweit gesellschaftlich-kulturelle Strukturen in den arabischen Staaten eher schrittweise und langfristig bestimmte Entwicklungen geprägt haben (Schmidt in ApuZ 7/2012: 6). Denn unbestreitbar ist, dass die sozialen Medien nicht die Ursache der Proteste waren. Der Einsatz der sozialen Medien kann umgekehrt sogar zu repressiven Zwecken benutzt werden. Wer über Facebook und Twitter Proteste und Menschenrechtsverletzungen öffentlich macht, der könnte nach einer gescheiterten Revolte auf diesem Wege als Dissident ausfindig gemacht werden. Festzuhalten bleibt somit: Das Netz nützt Unterdrückern und Unterdrückten. Näheres dazu wird in einem Zeit-Artikel von 2011 diskutiert.

Was weiterhin gegen die demokratisierende Wirkung des Internets spricht, ist die Tatsache, dass auch politisch radikale, undemokratische Standpunkte und Inhalte leichter verbreitet werden können (Schmidt in APuZ 7/2012: 7).

Ein wichtiger Aspekt sind auch Unterschiede bei der Internetnutzung. Menschen mit formal hohem Bildungsgrad nutzen das Netz intensiver als Menschen mit formal niedrigem Bildungsgrad, Reiche eher als Arme und Jüngere mehr als Ältere. Ein Begriff, der die Diskussion um den gleichberechtigten Zugang zum Internet beschreibt, lautet digital divide (Roleff in ApuZ 7/2012: 15). Sehr anschaulich stellt diese Grafik aus einer Studie des TNS-Infratest im Auftrag des Bundespresseamts aus dem April 2012 dieses Phänomen für Deutschland dar.

Darüber hinaus ist bekannt geworden, dass Menschen, die das Internet aktiv zur politischen Meinungsäußerung und Beteiligung in Deutschland benutzen, stärker zur Wahl linker Parteien tendieren (Meister 2013).

Interessant ist angesichts eben genannter Tatsachen, dass in den besagten Ländern, die von der „Facebook-Revolution“ erfasst wurden, die Zahl der Internetanschlüsse verhältnismäßig niedrig ist: „Nur rund dreieinhalb der mehr als zehn Millionen Tunesier verfügen heute über einen Zugang zum Netz. In Ägypten sind es mit einem Fünftel der Gesamtbevölkerung prozentual noch weniger“ (Noll 2011).

Das Internet bietet mit seiner Fülle an Informationen die Möglichkeit eines umfassenden Zugangs zu politischen Inhalten. Doch die politischen Informationen müssen zunächst wahrgenommen werden, ehe sie eine Anschlusskommunikation oder partizipative Handlungen auslösen können. Politische Informationen stellen jedoch keineswegs das Primärinteresse des durchschnittlichen Users des Web 2.0 dar (Hoecker in ApuZ 40/2002). Hoecker wagt sogar die pessimistische These aufzustellen, durch die intensive Verfolgung gerade nicht-politischer Interessen sei mit einer verschärften Konkurrenz für den Bereich der Politik zu rechnen. Längerfristig gesehen würde dabei das politische Interesse in der Bevölkerung eher sinken als ansteigen (Hoecker in ApuZ 40/2002).

Geradezu unerreichbar erscheint angesichts dieser Prognosen das Ziel der politischen Bildung: Der Bürger als Autodidakt, „der sich aus eigenem Antrieb mit anderen zusammenschließt, um die Gesellschaft mitzugestalten“ (Zu Ziele der PB vgl.: Brombach für pb21.de).

Festzuhalten bleibt also, dass das Internet in vielen Punkten eine erweiterte demokratische Teilhabe ermöglichen kann, diese aber eben nicht von allen BürgerInnen in gleichem Maße genutzt werden kann. „E-Demokratie ist insofern nicht nur elektronisch, sondern in gewisser Weise auch exklusiv“ (Roleff in ApuZ 7/2012: 16). 

Das Web 2.0 als politisches Werkzeug

Demokratische Wahlen und Politiker im Internet

In Deutschland sind die Wahlkämpfe noch nicht in dem Maße mit Anwendungen des Web 2.0 verbunden, wie dies in den USA der Fall ist. Ein Grund dafür liegt sicherlich in der Finanzierung. Der Wahlkampf wird hier nicht durch Spenden finanziert, sondern durch Mitgliedsbeiträge und die staatliche Parteienfinanzierung. Des Weiteren verhindern schärfere Datenschutzregelungen das Anlegen von Datenbanken über potenzielle WählerInnen. Diese Datenbanken kombinieren zum Beispiel in den USA Informationen über Konsumgewohnheiten mit dem Wahlverhalten (Schmidt in ApuZ 7/2012: 7).

Barack Obama nutzte bekanntermaßen das Potenzial des Web 2.0 für seinen Wahlkampf besonders. Obama ist auch nach dem Wahlkampf sehr präsent, bspw. auf Facebook. Man findet eine sehr sorgfältig gestaltete Seite mit vielen privaten Informationen. Sehr deutlich ist seine Präsenz in dem sozialen Medium an der Zahl der Likes zu erkennen.

Angela Merkel dagegen schafft es auf Facebook nur auf etwa 226.000 Likes. Doch man erfährt, dass ihre Lieblingssendung der Tatort ist und dass sie gerne Richard Wagner hört. Bemerkenswerterweise gibt die Kanzlerin auf ihrer eigenen Homepage lange nicht so viel Privates preis. Doch dass auch Frau Merkel die sozialen Netzwerke nicht vernachlässigen möchte, zeigt beispielsweise ein Video, in dem sie ihren Facebook-Fans ein frohes Weihnachtsfest wünscht.

Weitere im Netz überdurchschnittlich präsente (Ex-?)Politiker sind Silvio Berlusconi (er bringt es immerhin auf 471.000 Likes) und Karl-Theodor zu Guttenberg, dessen Anhänger mit der bekannten Seite „Wir wollen Guttenberg zurück“ vertreten sind und dem deutschen Ex-Minister damit zu 473.000 Likes verhelfen (etwa gleichauf mit Berlusconi!). Da jedoch beide eben erwähnten politischen Persönlichkeiten überwiegend mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht werden, bestätigt sich oben genannte These, dass höchstwahrscheinlich nicht ausschließlich das politische Interesse die Anzahl der Likes begründet.

Ein relativ neues Phänomen in der politischen Parteienlandschaft ist die Piratenpartei, die mit ihrem Konzept der Liquid Democracy neue Wege der Parteipolitik beschreitet. „Die Parteimitglieder können über eine speziell entwickelte Liquid Feedback-Software eigene Anträge einbringen, zur Diskussion stellen und bei ausreichender Unterstützung zur Abstimmung bringen. Zu dem Konzept gehört aber nicht nur die Möglichkeit, sich direkt einzubringen, sondern vor allem auch, seine Stimme zu delegieren, wenn man jemand anderes in einer Frage für kompetenter hält. Damit fließen – daher “liquid” – direkte und repräsentative Demokratie ineinander“(Krüger 2011).

Schließlich ist an dieser Stelle noch das E-Voting zu nennen. Von Wahlen dieser Art wurde in Deutschland bislang jedoch noch kein Gebrauch gemacht. Nicht zuletzt aus dem Grund, weil technische Unsicherheiten und die Manipulationsanfälligkeit von Wahlcomputern noch nicht ausgeschlossen werden können (Roleff in ApuZ 7/2012: 17).

Modelle politischer Partizipation im Web 2.0

Bevor die verschiedenen Modelle politischer Partizipation hier vorgestellt werden, sollen zunächst mögliche Formen der Beteiligung erörtert werden. Nach Wagner/Brüggen ist demnach bereits das Positionieren zu Statements oder die Bekanntgabe der Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen als Teil einer Partizipationshandlung zu verstehen (Wagner/Brüggen 2012: 27). Erst an zweiter Stelle nennen die Autoren die Mitwirkung. Zu dieser Form der Partizipation gehörten verschiedene Möglichkeiten des Sich-Einbringens: Das Aufwerfen von Themen, das Diskutieren und das Erhalten von Rückmeldungen auf eigene Statements (Wagner/Brüggen 2012: 28).

Im Sinne dieser Form der Partizipation biete Facebook, so argumentiert Pfeiffer, eine ideale Plattform. Von einem „hierarchiearmen Diskursansatz“, wie das soziale Netzwerk ihn biete, konnte die politische Bildung bisher nur träumen. Pfeiffer gründet diese Auffassung darauf, dass jede/r Facebook-Nutzer/in prinzipiell eine „gleich laute“ Stimme habe. Jede/r könne „die Meldungen anderer kommentieren, ihnen zustimmen, sich ablehnend äußern oder erweitern“. Aus diesem Grund lautet die These Pfeiffers: „Facebook ist eine Plattform, die Beteiligung und demokratische Mitbestimmung fördert, nicht nur in arabischen Ländern“ (Pfeiffer für pb21). Die nun folgenden Ausführungen zu Modellen politischer Partizipation sind lediglich auf Deutschland bezogen.

Partizipation auf kommunaler Ebene

Wie bereits erwähnt, bedienen sich hauptsächlich Kommunen der Möglichkeiten des E-Governments und des E-Governance. Zum einen sind mittlerweile Verfahren zur elektronischen Verwaltung weit verbreitet, (siehe dazu bspw. das Angebot der Stadt Ludwigsburg zu digitalen Formular- und Online-Diensten), zum anderen gewinnen auch Modelle des E-Governance in Form von digitalen Konsultationen an Bedeutung, was die zunehmende Zahl der Bürgerhaushalte verdeutlicht. Ein Bürgerhaushalt ist ein Instrument der Bürgerbeteiligung bei Fragen rund um die Verwendung von öffentlichen Geldern. BürgerInnen werden informiert und können direkt an den Haushaltsplanungen mitwirken.

In Stuttgart wird es ab 18.02. 2013 einen Bürgerhaushalt geben. In Ludwigsburg gibt es zwar noch keinen Bürgerhaushalt, dafür aber eine Plattform namens „MeinLB“. Mit Hilfe dieser Plattform besteht die Möglichkeit, online eigene Ideen und Projekte vorzustellen, mit anderen Bürgern in Kontakt zu treten und Mitstreiter für ein Projekt zu finden. Die eingestellten Ideen werden von den anderen Mitgliedern diskutiert und bewertet. Die Stadt Ludwigsburg erteilt vor der Freigabe eines Projekts ein Feedback und „unterstützt es nach Möglichkeit“ (Wortlaut der Betreiber der Seite).

Partizipation auf Bundesebene

Auch auf Bundesebene finden sich mittlerweile Formen von E-Governance. So ermöglicht bspw. die von der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestags „Internet und digitale Gesellschaft“ eingesetzte Diskussionssoftware „Adhocracy“ den BürgerInnen, sich direkt in die Kommissionsarbeit einzubringen (Roleff in ApuZ 7/2012: 18). Auch im bereits abgelaufenen bundesweiten Projekt „Dialog über Deutschland“ brachten die Internetnutzer an die 11.000 Vorschläge ein und diskutierten diese. Diese Partizipationsmodelle bieten, so wie sie im Moment gestaltet sind, neue Chancen hinsichtlich der Legitimation von politischen Entscheidungen. Weiterhin kann die sogenannte „Schwarmintelligenz“ sowohl zur Informationsgewinnung als auch zur Entscheidungsvorbereitung genutzt werden (Korte in ApuZ 7/2012: 24).

Leider sehen sich jedoch viele dieser Partizipationsprojekte dem Vorwurf der fehlenden Verbindlichkeit von Ergebnissen am Ende des Diskussionsprozesses ausgesetzt (Roleff in ApuZ 7/2012: 18). Gerade auf der Seite der Enquête-Kommission sind Posts sehr enttäuschter Beteiligter zu lesen. Ein Nutzer plädiert sogar für eine Auflösung „dieser Placebo-Plattform“. Da bei vielen Versuchen des Einsatzes von Modellen des E-Governance lange unklar bleibt, was mit den Vorschlägen der Beteiligten weiter passiert, ist eine gewisse Frustration unter den Nutzern nicht verkennbar.

Als weiteres Manko der aktuellen Modelle nennt Scholz den Mangel an schnell zugänglicher Information. „Im Mittelpunkt eines Beteiligungsprojekts sollte die Information des Bürgers über das Thema stehen, denn dies ist ja Grundvoraussetzung dafür, sinnvolle Vorschläge machen zu können. Allerdings wird dieses Element eher selten genutzt. Meist werden weder Gutachten oder Studien veröffentlicht, noch eine einfache Linkliste geführt“ (Scholz für pb21.de).

Doch der Bund bietet mit dem Online-Petitionssystem des deutschen Bundestages auch konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten im Sinne von E-Democarcy. Diese Seite verkörpert das Online-Pendant zur klassischen Petition. Jede/r kann hier einen Vorschlag, der nach einer Überprüfung freigeschaltet wird, einbringen. Dieser steht dann für alle Internetnutzer zur Unterzeichnung bereit.

Partizipation auf europäischer Ebene

Auch auf europäischer Ebene finden sich Formen der Partizipation über das Internet. Auf http://www.vote-europe.net/ können sich die BürgerInnen der EU über Themen informieren (u.a. mit Hilfe von Verlinkungen zu Primärquellen der EU-Organe) und über diese diskutieren. Registrierte Nutzer können über konkrete Themen abstimmen und selbst themenbezogene Beiträge und Materialien einstellen. Des Weiteren können die Nutzer Redebeiträge einstellen (Artikel posten = „Rede halten“) und die Artikel anderer unterstützen und bewerten.

Kampagnenplattformen und Online-Petitionen

Hauptmittel der Partizipationsmodelle im Sinne der E-Demokratie sind wohl nach wie vor Kampagnenplattformen und Online-Petitionen. Die Initiatoren sind dabei sowohl einzelne BürgerInnen als auch Nichtregierungsorganisationen (Roleff in ApuZ 7/2012: 17). Im Folgenden eine Auswahl von vier Seiten, die politische Beteiligung via Internet ermöglichen:
Der Vorteil dieser Plattformen besteht in ihrer leichten und schnellen Bedienbarkeit. Leicht bekommt man das Gefühl, mit ein paar Klicks die Welt retten zu können. In Zeiten vor dem Web 2.0 gestaltete es sich entsprechend schwieriger, Personen zu mobilisieren. Heute – im Zeitalter der Online-Petitionen - reicht es, sich einmal zu registrieren, um jeden Monat Hinweise auf wichtige Petitionen zu erhalten, die mit wenigen Klicks „unterzeichnet“ werden können.

Als problematisch bei Beteiligungswerkzeugen könnte jedoch der Einfluss der Lobby-Arbeit gesehen werden. Es könnte passieren, dass einfache BürgerInnen online einfach überstimmt werden, wenn ein Lobby-Verband all seine Mitglieder aktivieren würde, um für den eigenen Vorschlag zu votieren.

Abgesehen davon sollten der Dialog und die Abstimmungsverfahren im Internet nicht abgekoppelt von der "realen" Politik erfolgen. Bürger, Politik und Verwaltung müssen auf einer Ebene und synchron miteinander diskutieren. Scholz mahnt in Bezug auf Abstimmungen bei Online-Beteiligungsverfahren vor möglichen Manipulationen. Diese Abstimmungsverfahren seien generell mit Vorsicht zu genießen, deshalb sollten die Partizpationsmöglichkeiten auch eher als Diskussionsplattform denn als Abstimmungswerkzeug gesehen werden (Scholz für pb21.de).

E-Demokratie – Beteiligung für alle oder Spielzeug der Eliten?

Inwiefern E-Demokratie als Spielzeug für Eliten oder eben als Beteiligungsinstrument für alle gelten kann, ist sicherlich von der jeweiligen Ausgestaltung der Beteiligungsform abhängig. Beteiligungsmöglichkeiten als Alibiveranstaltungen oder Pseudobeteiligungsmöglichkeiten (Stichwort: Gefällt-mir-Button auf Facebook) werden allein wohl kaum Veränderungen hervorbringen können (Wagner/Brüggen: 21). Eine Stimme gilt erst dann als gehört, wenn eine Reaktion wahrnehmbar ist (Wagner/Brüggen 2012: 31). In welchem Ausmaß also Resonanz erzeugt werden kann, entscheidet letztlich über die Wirkung der Beteiligung.

Um zu verhindern, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Partizipationsmöglichkeiten nutzt, müssen im Zuge der Bildungsarbeit bessere Voraussetzungen geschaffen werden. Denn nach wie vor gilt, dass Online-Teilhabe in politischen Prozessen in der Regel ein ähnliches (bildungs-)bürgerliches Klientel anspricht wie traditionelle Offline-Partizipationsformate (Korte in ApuZ 7/2012: 25) (Stichwort: digital divide). Es müsste also zunächst eine flächendeckende Internetversorgung ermöglicht werden, um überhaupt von den Beteiligungsmöglichkeiten durch das Web 2.0 Gebrauch machen zu können.

Medienpädagogische Aspekte zum Thema Partizipation 2.0

Grundsätzlich gelten folgende Voraussetzungen, um Heranwachsenden Partizipation zu ermöglichen: Erstens muss ein Schüler seine Interessen kennen und klären können, um sie öffentlich einbringen zu können, oder Entscheidungsfragen zuordnen zu können. Deshalb gilt es, damit anzufangen, eigene Positionen zu finden und zu klären (Wagner/Brüggen 2012: 31).

Zweitens müssen den Lernenden Resonanzerfahrungen ermöglicht werden. Die Entwicklung einer partizipativen Kultur geht mit einem Lernprozess einher. Dieser soll auch das Erproben der Formen und Möglichkeiten, sich zu artikulieren, beinhalten (Wagner/Brüggen 2012: 37). Für dieses Erproben kann die vernetzte Öffentlichkeit aufgegriffen werden. Hier kann die eigene Meinung veröffentlicht und artikuliert werden. Weiterhin soll die Resonanz dieser Veröffentlichung ins Zentrum pädagogischer Projekte gerückt werden (Wagner/Brüggen 2012: 38). Die folgenden beiden Fragen müssen dabei gestellt, diskutiert und mit Projektzielen abgeglichen werden:
  1. Sollen aufgrund des Datenschutzes personenbezogene oder anonyme Partizipationsformen gewählt werden? (Wagner/Brüggen 2012: 39)
  2. Sollen gesonderte Online-Räume geschaffen werden oder besteht die Möglichkeit, sich direkt in die medial gerahmten Sozialräume der Jugendlichen einzuklinken?
    (Wagner/Brüggen 2012: 39)
Schließlich gilt für alle pädagogisch initiierten Partizipationsprojekte, dass Mitbestimmung auch Wirkung erzielen (können) muss - eine zentrale, aber nicht einfach zu realisierende Anforderung (Wagner/Brüggen 2012: 34).

Hinweis:Weiterführende Informationen zu den Themen „Barack Obama im Wahlkampf & die Nutzung des Web 2.0“ und zum „Bürgerhaushalt in Stuttgart“ finden sich in dem Blogbeitrag Politik 2.0 als Mittel gegen Politikverdrossenheit?

(Autorin: Marion Baumann)

Literatur

Aus Politik und Zeitgeschichte (ApuZ) 7/2012: Digitale Demokratie. Herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung. Abgerufen von http://www.bpb.de/apuz/75827/digitale-demokratie am 12.01.2013

Aus Politik und Zeitgeschichte (ApuZ) 39-40/2002: Online-Gesellschaft. Herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung. Abgerufen von http://www.bpb.de/apuz/26694/online-gesellschaft am 19.01.2013

Brombach, Guido für pb21.de: Welche Kompetenzen braucht politische Bildung 2.0? Abgerufen von http://pb21.de/2012/08/welche-kompetenzen-braucht-politische-bildung-2-0/ am 19.01.2013

Kneuer, Marianne (2012): Demokratischer durch das Internet? Potenzial und Grenzen des Internets für die Stärkung der Demokratie. In: Schieren, Stefan (Hrsg.): Politische Bildung. Neue Medien, alte Fragen? Das Internet in der Politik. Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag

Krüger, Thomas (2011): Revolutionsplattform Facebook? Wie das Internet politische Umbrüche beeinflusst… Rede zur Eröffnung des “Content Gipfels” bei den  25. Medientagen München am 21.10.2011. Dokumentiert von Muuß-Merholz, Jöran für pb21.de. Abgerufen von http://pb21.de/2011/10/revolutionsplattform-facebook/ am 19.01.2013

Meister, Andre (2013): “Politisch Netzaktive” und Politik in Deutschland: TNS Infratest findet heraus, dass die Netzgemeinde stark links ist. Veröffentlicht am: 04.01.2013 auf Netzpolitik.org (https://netzpolitik.org/2013/politisch-netzaktive-und-politik-in-deutschland-tns-infratest-findet-heraus-dass-die-netzgemeinde-stark-links-ist/)

Noll, Andreas: Revolution online. Das Internet und der Umbruch in der arabischen Welt. Sendung vom 23.06.2011 im Deutschlandfunk. Abgerufen von http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1488785/ am 19.01.2013

Pfeiffer, Thomas für pb21.de : Politische Bildung muss nach Facebook! Abgerufen von http://pb21.de/2011/06/politische-bildung-muss-nach-facebook/ am 19.01.2013

Scholz, Christian für pb21.de : Bürgerbeteiligung im Online-Zeitalter Digitale Werkzeuge zur Partizipation. Abgerufen von http://pb21.de/2011/10/partizipation-teil-1/ am 19.01.2013

Wagner, Ulrike / Brüggen, Niels (2012): Von Alibiveranstaltung und „Everyday-Makers“. Ansätze von Partizipation im Netz. In: Lutz/Rösch/Seitz (Hrsg.): Partizipation und Engagement im Netz. Neue Chancen für Demokratie und Medienpädagogik

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Blog des Fraktionsvorsitzenden der Piratenpartei

Der Blog Christopher Lauer Klarmachen zum Ändern wird vom Piratenpolitiker Christopher Lauer persönlich betrieben. In dem Beitrag Warum ich den Scheiß mache erklärt er, was ihn dazu bewegt - im allgemeinen in der Politik, im speziellen bei der Piratenpartei - gestaltend mitzuwirken. Er schildert seine Beweggründe, in die Politk einzutreten, und beschäftigt sich mit der derzeitigen Lage der Piratenpartei. Von den Kommentatoren wird diese Offenheit in großen Teilen gelobt.