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Dienstag, 13. August 2024

TikTok und Rechtspopulismus

Zielgruppe und Reichweite von TikTok

„Die Bundesregierung hasst dich. Sie will dir das wegnehmen, was du dir erarbeitet hast.“

Das erzählt der AfD-Politiker Maximilian Krah seiner Community auf TikTok, wo er knapp 37.000 Follower hat, seine Videos aber bis zu einer Million Aufrufe haben. Möglich macht das vor allem der Algorithmus und die For-You-Page (FYP) von TikTok. Die Plattform wird als „schärfste (…) Waffe (der AfD) im Kampf um die Meinungsführerschaft“ (Korth/Többen/Wald 2024) beschrieben.

„Same, but different!?“ Facebook, Instagram, Snapchat - und jetzt auch noch TikTok. Soziale Medien nehmen eine immer wichtigere Rolle im Leben vieler Menschen ein und haben daher auch einen starken Einfluss auf den Prozess der Meinungsbildung, was in einer Demokratie einerseits positive Aspekte hat, andererseits aber auch ein Gefährdungspotential.

Die Menge an Social Media-Kanälen ist groß und deshalb lohnt es sich, einmal zu hinterfragen, was die Plattform TikTok für viele besonders macht, wie sie funktioniert und weshalb sie gerade von Rechtspopulisten besonders gerne für ihre Zwecke genutzt wird.

Montag, 13. Mai 2024

Rechtsextremistische Inhalte auf TikTok

Die Social-Media-Plattform TikTok ist unter Schüler*innen sehr beliebt. Einer Studie von ARD und ZDF aus dem Jahr 2022 zufolge wurde die App von 44 % der 14- bis 29-Jährigen genutzt (vgl. Pfister/ Schlund 2023). Jugendliche nutzen die App unter anderem, um sich über das allgemeine und politische Tagesgeschehen zu informieren (vgl. Franke/Hajok 2013).

Auf der Startseite der App werden den Nutzer*innen automatisch Kurzvideos angezeigt. Es besteht für sie also keine Notwendigkeit, etwas anzuklicken oder eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Inhalte sie konsumieren möchten. Dies führt zu einer vergleichsweise wenig aktiven Nutzung der App und einer höheren Abhängigkeit der Nutzer*innen vom Algorithmus (vgl. Breinig/Garus/Neumeier 2024).

Nicht nur bei Rezipient*innen wird TikTok dank dieser einfachen Handhabung gerne verwendet. Auch Produzent*innen können schnell und einfach eine große Menge an Inhalten verbreiten und damit die Nutzer*innen erreichen, auch wenn diese sie nicht aktiv aufsuchen. Politische Akteure, die rechtsextremistische Inhalte verbreiten möchten, nutzen die Funktionsweise der App und sind dabei teilweise sehr erfolgreich.

Viele rechtsextremistische Inhalte fokussieren sich auf Emotionen, die von den Zuschauer*innen als positiv wahrgenommen werden wie z.B. Zusammengehörigkeit. Negative Emotionen wie Wut oder Aggression werden seltener angesprochen. Das Ziel ist es, rechtsextremistisches Gedankengut durch positive Emotionen, Jugendsprache oder Musik in einem guten Licht darzustellen (vgl. Franke/Hajok 2023).

Gängige Vorgehensweisen bei der Erstellung der Inhalte sind der Aufbau von Feindbildern und das Zeichnen einer vermeintlich zusammengehörigen Gruppe. Ebenfalls häufig ist die Verwendung klischeebehafteter Rollenbilder von Mann und Frau, zu denen Kinder und Jugendliche aufschauen und an denen sie sich orientieren. Des Weiteren wird durch rechtsextremistische Hintergrundmusik oder der Verwendung bestimmter Wörter und Phrasen auch ganz subtil rechtsextremistisches Gedankengut verbreitet.

Wenn Parteien diese Inhalte generieren, so ist es für Zuschauer*innen häufig erkennbar, um welche Gruppe es sich handelt und welche Ziele diese Gruppen verfolgen. Bei Privatpersonen, die z.B. Videos über Kosmetik oder Fitness drehen, erwarten die meisten Rezipient*innen keine politischen Inhalte, und es fällt daher schwerer, rechtsextremistische Inhalte als solche zu erkennen (vgl. Franke/Hajok 2023).

Rechtsextremistische Inhalte werden auf TikTok meist eher subtil vermittelt. Die Plattform dient für die Gruppen und Organisationen dazu, Kontakt zu neuen potenziellen Mitgliedern herzustellen. Von dort aus werden an den Inhalten interessierte Nutzer*innen auf geschlossene Chatgruppen z.B. auf der Plattform Telegram verwiesen, in denen dann offensiver rechtsextremistische Inhalte verbreitet werden.

Es ist daher wichtig, die Schüler*innen auf die Gefahren der Plattform, ihre Funktionsweise und das Vorgehen der Akteure aufmerksam zu machen, damit sie einen kritischen Umgang mit den Inhalten auf TikTok erlernen.

Quellen:

Mittwoch, 4. Mai 2022

Rechtsextremismus im Netz - Erscheinungsformen und Gegenmaßnahmen

Hate Speech (u.a. mit rassistischem, antisemitischem, chauvinistischem und/oder anderem negativem Inhalt), Zeigen von verfassungsfeindlichen Symbolen (und damit strafbar), ,,alternative Medien'' und vieles mehr - all das macht Rechtsextremismus im Internet aus. Daran wird auch wieder klar: das Internet ist Fluch und Segen zugleich. Doch so einem Fluch kann man meistens begegnen. Doch die Frage lautet hierbei: wie geht das am besten? Da bietet die Bundeszentrale für politische Bildung eine gute Hilfestellung (hier die dazugehörige Seite: https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/259259/hass-im-netz-rechtsextreme-onlinestrategien/). Das Wichtigste: wie erkennt man rechtsextreme Inhalte? Hier ein paar Beispiele:

  • Memes, die aber offensichtlich rechtsextreme Inhalte propagieren
  • seriös wirkende Medien (wie PI-News), die scheinbar mit harmlosen Nachrichten locken (aber in die Richtung einer rechtsextremen Agenda führen, bspw. Einsatz für die traditionelle Ehe, aber eigentlich Homophobie befeuern)
  • Foren, die entweder glasklar zeigen, dass sie für Rechtsextreme gedacht sind (und meistens außerhalb Deutschlands ansässig sind), oder solche, die kaum erkennbar und unterschwellig in die rechtsextreme Richtung führen (aber nicht offensichtlich ihre Überzeugung zeigen, um vor allem so neue Interessierte zu erreichen)
  • Kommentare unter Beiträgen gängiger Sozialer Medien (wie Instagram), die auch entweder glasklar rechtsextrem sind oder unterschwellig zu locken versuchen
Und wie kann man diesem entgegnen? Hier ein paar Hilfestellungen:
  • Melden von rechtsextremen Inhalten bei der jeweiligen Plattform (sowohl strafrechtlich relevante wie auch nicht relevante)
  • Anzeigen von rechtsextremen Inhalten (per Internet-Wache der Länderpolizeien, speziell dafür gedachte Webseiten wie www.internet-beschwerdestelle.de, etc.)
  • Counter Speech, also rechtsextremen Inhalten, wenn möglich, schriftlich oder gar verbal entgegentreten
Man sieht: es gibt einige Möglichkeiten, Rechtsextremismus im Netz entgegenzutreten. So vielfältig diese Maßnahmen sind, so kreativ versuchen Rechtsextreme, neue Wege zu ergründen, um ihre Ziele zu erreichen. Deshalb: immer wachsam im Netz bleiben!

Sonntag, 19. Juli 2020

TED Talk: Warum Faschismus so verlockend ist


Yuval Noah Harari spricht in seinem TED Talk über den Zusammenhang zwischen Faschismus und Big Data. Anzumerken ist hierbei, dass er den Vortrag von Tel Aviv aus gehalten hat und in Form eines digitalen Avatars in das Studio von TED Talk projiziert wurde.

Harari beginnt seinen Vortrag damit, den Unterschied zwischen Faschismus und Nationalismus zu klären. Nationalismus sei demnach eine Gemeinschaft von Millionen von Fremden, die einander nicht wirklich kennen. Der Nationalismus ermögliche es den Mitgliedern der Nation allerdings, sich umeinander zu kümmern und wirkungsvoll zusammenarbeiten zu können. Über den Faschismus hingegen sagt Harari, dass die Mitglieder der Nation die jeweils ihre als höchste Nation sehen und sich um nichts und niemand anderes zu kümmern brauchen als um ihre Nation.

Er merkt an, dass Nationalismus etwas positives sei und die reichsten und friedlichsten Länder der Erde wie Schweden, die Schweiz oder China einen starken Nationalismus haben. Ärmere Länder wie Kongo, Somalia und Afghanistan dagegen seien gewalttätiger und haben einen schwächeren Nationalismus zu verzeichnen.

Laut Harari entsteht Faschismus dann, wenn die Menschen versuchen, die Komplexität des Lebens zu ignorieren und nach einfachen Antworten auf komplizierte Fragen suchen. Faschismus verleugne hierbei alle Identitäten außer der nationalen Identität und beharrt darauf, dass ihre Anhänger sich nur gegenüber ihrer eigenen Nation verpflichtet fühlen.

Die Zugänglichkeit für faschistisches Gedankengut liege darin, dass er nicht wie in Hollywood-Filmen oberflächlich abstoßend auftrete, sondern verführerisch. Hier nennt Harari das Christentum als Paradebeispiel, da Satan oftmals nicht grausam dargestellt wird. Daher sei es so tückisch, den Versuchungen Satans zu widerstehen, und daher bezieht er auch sein Argument, dass es schwierig sei, den Versuchungen des Faschismus zu widerstehen. Faschismus lässt die Leute sich selbst als Angehörige der schönsten und wichtigsten Sache auf der Welt sehen: Der eigenen Nation.

An dieser Stelle verweist Harari auf die Verknüpfung zwischen Big Data und Faschismus. Er macht darauf aufmerksam, dass im Altertum Land das wichtigste Vermögen der Welt war. Diktaturen oder Monarchien haben sich dadurch ausgezeichnet, dass die Machtstruktur über ein ganzes Land an einer Stelle sehr stark konzentriert war. In der Moderne wurden dann Maschinen wichtiger als Land und die Kontrolle hatte, wer viele Maschinen besaß. Heute ersetzen Daten sowohl das Land als auch die Maschinen. Diktatur bedeutet heute, dass zu viele Daten in den Händen der Regierung oder einer kleinen Elite konzentriert werden. Die größte Gefahr also für liberale Demokratien sei es, dass die Revolution in der Informationstechnologie Diktaturen effizienter mache als Demokratien.

Des weiteren nennt Harari die Verschmelzung von Informationstechnologie und Biotechnologie als eine große Gefahr. Hierdurch können Algorithmen entstehen, die einen Menschen besser kennen, als er sich selbst kennt. Durch solche Algorithmen könne ein externes System wie die Regierung nicht nur die Entscheidungen der Individuen absehen, es könne auch ihre Gefühle und ihre Emotionen manipulieren. Die Demokratie wird es nicht einfach haben, diese Entwicklung zu überstehen, da sie nicht auf menschlicher Rationalität, sondern auf menschlichen Gefühlen basiert.

Harari appelliert zur Prävention dieses Szenarios an die Ingenieure. Sie sollen verhindern, dass zu viele Daten in zu wenige Hände geraten. Sie sollen Wege finden, dezentralisierte Datenverarbeitung mindestens genauso effizient zu machen wie zentralisierte Datenverarbeitung. Zudem sei es für die Bevölkerung wichtig, zu verstehen, dass die Feinde der liberalen Demokratie auf die Angst, den Hass und die Eitelkeit der Bevölkerung setzen, sie benützen diese Gefühle, um zu polarisieren und die Demokratie von innen heraus zu zerstören. Es sei daher immens wichtig, sich selber zu kennen, um nicht auf die faschistischen Verführungen hereinzufallen.

Mittwoch, 11. Juli 2018

ZDF Doku: "Deutschland radikal - Internet, Hetze, Gewalt"

Einblicke in Online-Aktivitäten der Rechts- und Linksextremisten in Deutschland bietet diese ZDF-Doku: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/deutschland-radikal-internet-hetze-gewalt-102.html

Der G20-Gipfel (2017) in Hamburg zeigte, dass die Gewaltbereitschaft wächst. Die Extremisten im Netz sind heute aktiv wie nie. Propaganda und Fake-News verbreiten sich schnell in sozialen Netzwerken. Heute braucht man keine Journalisten, um Information zu veröffentlichen. Theoretisch kann jeder mit Internet-Anschluss entscheiden, was er veröffentlichen will und man erreicht potenziell ein Millionen-Publikum. Früher verbreitete sich Propaganda durch Plakate, heute agieren die Rechts- und Linksextremisten im Netz. Sie wissen, wie sie für die (jungen) Leute die Information attraktiv darstellen können, z.B: "aktiv und unsterblich werden und Widerstand leisten".

Die Neonazis sind nicht immer die glatzköpfigen starken Männer, sondern auch der nette Nachbar oder die alte Dame mit Einkaufstasche. Es gibt viele unterschiedlichen Akteure, die sich im Netz organisieren, austauschen, planen, über Strategieren reden. Es ist viel leichter, seine Meinung zu posten, als sie öffentlich auf der Straße oder im Familienkreis zu äußern. In sozialen Netzwerken entsteht der sogenannte "Echo-Kammer-Effekt": Man hört und sieht das, was man sehen und hören will. Es führt dazu, dass die eigene Meinung verstärkt wird.

Mit Videos im Netz rufen die Linken zur Teilnahme an Demonstrationen am Tag der Arbeit (1. Mai). Gleich werden auch die anderen extremen Gruppierungen aktiv und posten ebenfalls Videos und rufen zu einer Gegendemo auf. Und als Ergebnis versammeln sich sechs Mal so viele Neonazis als Linke. Die Behörden beobachten die Organisationen im Netz. Sie organisieren sich auch während der Demonstration: was früher ins Megafon gesagt wurde, läuft heute durch Messenger, Twitter u.a. Laut Verfassungsschutz (2016) gehören 12.100 Menschen zur Gruppe der gewaltorientierten Rechtsextremisten. Das sind 13,6 % mehr als 2015. 8.500 Menschen zählen zu den gewaltorientierten Linksextremisten (+10% seit 2015). Linke agieren etwas konspirativer und vorsichtiger als Rechte.

Sie üben Druck auf "unbequeme Personen" im Internet aus. Hass, Hetze und Bedrohungen führen viele Menschen, die gegen Radikalisierung auftreten, zum Aufgeben. 2016 verzeichnete der Verfassungsschutz 22.471 rechtsextremistischen Straftaten, davon 1.600 Gewalttaten und 5.230 linksextremistische Straftaten, davon 1.201 Gewalttaten.

Bei den rechtsradikalen Gruppen werden immer öfter Ausländer zu Opfern. Islamisten nutzen ebenfalls das Internet: die Radikalisierung, Rekrutierung und Mobilisierung findet überwiegend im Netz statt. Das Video dazu in ZDF.de: deutschland-radikal-internet-hetze-gewalt-102.html (11.07.2018)

Mittwoch, 2. Mai 2018

Sehenswerter Dokumentarfilm zum Thema Hass im Netz

Vergangene Woche hat das ZDF eine interessante Dokumentation ausgestrahlt: "Lösch Dich! So organisiert ist der Hate im Netz". Aus der Selbstbeschreibung:
Die Doku verfolgt ein Team, das undercover als Trolle und Hater im Netz unterwegs war und berichtet von gesteuerten Shitstorms, Mobbingattacken, Wahlmanipulationen. In der Doku sprechen sie mit Trollen, Nazis und Hatern, sind verdeckt in Trollnetzwerken unterwegs. Für die Dokumentation (...) hat sich ein Team um den YouTuber Rayk Anders und den Journalisten Patrick Stegemann ein Jahr in die Welt von Hatern, Trollen und Nazis begeben. Sie wollen herausfinden, ob die Wellen an Hasskommentaren abgesprochen und organisiert sind. Dabei geraten sie mitten hinein in den Meme-War, wie die rechten Trolle ihren Kampf um Aufmerksamkeit häufig nennen. Die rund 40-minütige Doku zeigt die Gruppe aus Journalisten, Programmierern und Internetaktivisten, berichtet von ihren Rechercheerfolgen- und niederlagen und zeigt ihr offline-Aufeinandertreffen mit Hatern.

Montag, 25. Januar 2016

Tagung: Extremismus im Netz

Das Archiv der Stuttgarter Tage der Medienpädagogik ist eine wahre Fundgrube für Vortragsvideos zu den Themen dieses Blogs. Die bevorstehende Tagung am 15. März 2016 beschäftigt sich mit dem Thema "Extremismus im Netz" (Programm). Auf der Website findet sich folgender Ankündigungstext:
"Demokratiefeindliche, rechtsextreme, rechtspopulistische sowie islamistische/salafistische Gruppierungen verwenden die sozialen Netzwerke zunehmend für ihre eigenen Zwecke und umwerben allen voran junge Menschen für die Durchsetzung ihrer Interessen. Sie nutzen die Vorteile des Internets in Bezug auf Vernetzung, Veranschaulichung und einfachen Zugang und erreichen über die sozialen Netzwerke in kürzester Zeit ein breites Publikum. Oft ist insbesondere für Jugendliche nicht sofort ersichtlich, welche Gefahr von ihnen ausgeht.

Es wird zu Demonstrationen aufgerufen, Hetze gegen bestimmte Gruppen betrieben und Hass verbreitet. Für diese Gruppierungen ist es über soziale Netzwerke attraktiv und einfach, Jugendliche für "ihre Sache" zu begeistern und mit diversen Versprechungen anzulocken. Die zunehmende Professionalität extremistischer Gruppierungen begünstigt diese Absicht zusätzlich. Voraussetzung für ein effizientes und nachhaltiges Vorgehen gegen diese Entwicklungen sind Medienkompetenz und Sensibilisierung als Komponenten politischer Bildung und bürgerschaftlichen Engagements.

Die 39. Stuttgarter Tage der Medienpädagogik informieren über Hintergründe rund um die Themen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Islamismus/Salafismus sowie ihre Präsenz im Internet und vermitteln Handlungsstrategien für die Medienpädagogik."

Donnerstag, 9. Juli 2015

Das Versteckspiel - Rechtsextreme Symbole im Netz

Auf http://www.dasversteckspiel.de/ findet sich eine Vielzahl an rechtsextremen Symbolen, Codes usw., die deutlich über die allseits bekannten hinausgehen und vor allen Dingen auch zeigen, wie modern und wandlungsfähig sich die rechtsextreme Szene gibt. Diese Seite eignet sich gut, um einen Überblick zu solchen Symbolen zu geben und um auf die Gefahren, die von der Szene ausgehen, hinzuweisen.

Donnerstag, 2. April 2015

Rechtsextremismus im Internet

Dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen des Seminars „Web 2.0“ der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Ziel ist es, den bereits existierenden Beitrag zum Thema „Nazis im Netz“ aus dem Jahr 2014 zu aktualisieren und zu ergänzen. So beleuchtet dieser Beitrag als erstes die generellen Hintergründe von rechtsextremen Inhalten im Internet, die Parteistrategie der NPD sowie die Bedeutung von Musik für die rechtsextreme Szene.

Des Weiteren stellt dieser Beitrag verschiedene Phänomene der „Modernen Nazis“ vor. Ziel soll hierbei sein, einige unterschiedliche Teilgruppen der Szene vorzustellen, da diese Gruppen weit weg vom Klischee des glatzköpfigen Skinheads sind, und so einen Einblick in das Auftreten und die Gefahren dieser sehr internetaffininen Gruppen zu geben. An dieser Stelle werden auch die bereits im vorhandenen Blogbeitrag „Nazis im Netz“ vorgestellten Nutzungsweisen des Internets durch die rechte Szene aktualisiert, da diese sich sehr geschickt in der sich rasant verändernden Medienlandschaft bewegt.

Am Ende versucht der Beitrag eine Antwort auf die Frage ,,Warum ist die rechte Szene für Jugendliche so interessant?“ zu geben, da diese unweigerlich während der Arbeit zu einem Beitrag mit dieser Thematik entsteht.

Montag, 1. Dezember 2014

Nipster - Jutebeutel, bloggen und rechtsextrem

Nazi-Hipster oder einfach kurz "Nipster" unterscheiden sich äußerlich nicht von Hipstern. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen Nazis Springerstiefel, Bomberjacken und Glatzen getragen haben. Der moderne junge Rechtsradikale - so scheint es - trägt einen Vollbart, einen trendigen Jutebeutel und ernährt sich vegan. Hinter der lockeren Fassade steckt jedoch eine ernstzunehmende Gefahr. So berichtet der Blogger Jesko Wrede in seinem Blog von Nipstern, die an einer rechtsradikalen Demonstration in Magdeburg teilnahmen, Schulter an Schulter mit aktiven Nazis.

Neben der äußeren Erscheinung scheinen sich auch die Tätigkeiten dieser jungen Rechten zu ändern. So berichtet die Online-Ausgabe der WELT von zwei jungen, nationalistischen Bloggern, die Online-Kochkurse für Nipster anbieten. Vegan und antikoscher. Ebenso wird von Online-Fotowettbewerben berichtet, "um den 'coolsten Hipster' zu ermitteln". Doch nicht nur in Blogs und auf YoutTube sind die neuen Nazis aktiv, auch auf Facebook gibt es zahlreiche rechte Gruppen. Eine der bekanntesten, zehntausendfach geliked, auch von Nicht-Nazis, fordert die Todesstrafe für Kinderschänder - betrieben von der NPD. Wir sollten also in Zukunft noch besser aufpassen, wenn wir uns im Web bewegen...

Video: Rechtsextremismus im Netz - wie Nazis Jugendliche ködern, https://www.youtube.com/watch?v=KbJIkPfs5I0
(konnte aus technischen Problemen nicht direkt im Blog verlinkt angezeigt werden)

Quellen:

Montag, 7. April 2014

Nazis im Netz

„Es wäre dumm, sich solchen Neuerungen zu verschließen und die sich bietenden Chancen zur Verbreitung rechter Politikinhalte ungenutzt zu lassen.“ 1

Die Nazis sind im Netz. So, wie alle anderen auch. Auch diese Gruppierung hat verstanden, dass das Web 2.0 ungeahnte Möglichkeiten bietet, um Ideologien zu verbreiten. Obiges Zitat von Jürgen Gansel, dem medienpolitischen Sprecher der NPD-Fraktion Sachsen verdeutlicht genau das. Mit „solchen Neuerungen“ ist das soziale Netz gemeint. Das kommunikative Netz. 

Was ist eigentlich „rechts“?
Wo hört eigentlich konservativ auf und wo fängt rechts an? Im Zuge der Arbeit an diesem Beitrag haben wir uns häufig diese Frage gestellt und sind zu dem Schluss gekommen, dass Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus äußerst schwierig zu definieren sind. Im Buch „Rechtsextremismus im Internet“ von Susann Zeinel Abidine wird darauf hingewiesen, dass eine Definition der Begrifflichkeiten häufig auch eine subjektive ist. Was für uns Autorinnen rechts ist, mag für Andere noch konservativ sein.

Trotz allem lässt sich sagen: Die FDGO (= freiheitliche demokratische Grundordnung) kann als Orientierungshilfe dienen. Obige Abbildung wird von Frau Zeinel Abidine in ihrem Buch "Rechtsextremismus im Internet" für uns sehr schlüssig erklärt. Radikalismus kann schon in der demokratischen Mitte unserer Gesellschaft entstehen. Es ist wichtig und richtig, dass radikale politische Äußerungen auch in der Mitte der Gesellschaft getätigt werden können. Wir Autorinnen können uns allerdings nicht gänzlich mit der Abbildung identifizieren, da in unseren Augen Rechtsextremismus und Linksextremismus nicht gleichgestellt werden können.

Des Weiteren beginnt für uns das Thema „Nazis im Netz“ bereits beim „Rechtsradikalismus“. Und somit werden wir im folgenden Artikel auch häufig die NPD erwähnen. Mag sie doch für die einen „nur“ rechtsradikal sein, so widerspricht sie unserer Meinung nach den Prinzipien der FDGO: Die freiheitliche demokratische Grundordnung bedeutet für uns auch, dass Verantwortung übernommen wird. Verantwortung nicht nur innerhalb der deutschen Grenzen, sondern auch Verantwortung darüber hinaus und somit auch Verantwortung in der EU und in anderen Ländern.

Nazi 2.0?

Im Rahmen unseres Seminars „Web 2.0 und Medienkompetenz – Was sollte ich als PolitiklehrerIn wissen?“ haben wir uns mit den Nazis im Netz beschäftigt und dabei bemerkt, dass die Nazis überall zu finden sind. Von Facebook über YouTube bis Twitter. In unserer Seminararbeit wollen wir nun einen Überblick über das Thema „Nazis im Netz“ geben und aufzeigen, wie weit sie schon vorgedrungen sind und warum der Verfassungsschutz schon von einer Unterwanderung spricht.

Jeder, der das Internet nutzt, weiß, wie leicht die Beschaffung von Informationen dadurch geworden ist. Meistens sind es nur ein paar Mausklicks und man bekommt Antworten. Und jeder, der Facebook kennt, weiß, wie leicht ein Klick auf „Gefällt mir“ gesetzt wird. Und so können die Nazis ihre Ideologien verbreiten. Man muss nicht mehr auf die Straße gehen, um seine Ideologie zu vertreten. Man kann es bequem von zuhause erledigen. Und Springerstiefel und Bomberjacke? Das braucht der neue Nazi schon lange nicht mehr.

Wer sind denn eigentlich die Nazis im Netz?

Die steigenden Zahlen der rechtsextremen Inhalte im Netz der letzten Jahre verdeutlichen die Vielfalt der Nazis, die im Netz zu finden sind. Außerdem vernetzen sich die Nazis weltweit immer mehr. Wir wollen im Folgenden einige Organisationen vorstellen, die im Netz sehr aktiv sind. Hier muss auch unbedingt die NPD erwähnt werden. Wie ja schon das Zitat in der Einleitung zeigt, ist die NPD sehr aktiv im Netz. Auch wenn die Nähe zum Rechtsextremismus immer von der NPD bestritten beziehungsweise verheimlicht wird, so finden sich doch auf der Facebook-Seite der NPD besonders interessante Angebote der Freizeitgestaltung:
Hier lädt die NPD zu einem ganz besonderen Liederabend ein. Frank Rennicke, Liedermacher, ist laut Wikipedia eine Schlüsselfigur der rechtsextremen Szene. Und auch Sascha Roßmüller spielt eine wichtige Rolle bei der NPD und begann seine Karriere beim „Nationalen Block“, der schon Anfang der 90er verboten wurde.

Die „Identitäre Bewegung“ - 0% Rassimus?

Apropos vernetzen: Zuerst sei hier die „Identitäre Bewegung“ erwähnt. Ursprünglich eine französische Bewegung, findet man diese Gruppierung heutzutage in mehreren europäischen Ländern an. Laut eines Artikels auf www.spiegel.de bezeichnet Hans-Georg Maaßen die „Identitäre Bewegung“ als „virtuelle Erscheinungsform des Rechtsextremismus“ mit "bislang wenig Realweltbezug" 2. Selbst bezeichnet sich die „Identitäre Bewegung“ als „eine wachsende, europäische Jugendbewegung, die sich gegen Massenzuwanderung und Islamisierung stellt“ 3. Es verwundert doch sehr, dass die „Identitäre Bewegung“ sich deutlich dagegen wehrt, als rechtsextrem oder als Nazis bezeichnet zu werden. Nichtsdestotrotz nutzen sie in ihren Posts auf Facebook die Terminologie aus dem Nationalsozialismus:
„Gleichschaltung“ ist ein Begriff, der in der Zeit des Nationalsozialismus seine negative Konnotation erhalten hat und von Hitler eindeutig geprägt wurde.

Die Gruppierungen, die der „Identitären Bewegung“ angehören, sind ganz unterschiedlich. Was wohl alle eint, ist die Angst vor einer „Islamisierung“. Sie werben für „Ethnopluralismus“ statt „Multitkulti“. Die „Identitäre Bewegung Deutschland“ fordert die „geistig-kulturelle Revolution der Jugend im Namen unserer ethnokulturellen Identität“ 4.

Die „Identitäre Bewegung“ ist gefährlich. Sie bewerben sich mit „0% Rassismus, 100% identitär“. Die Bilder sind bunt, sprechen Jugendliche an; es werden Events für Jugendliche organisiert. Momentan ist es jedoch nicht möglich, den Internetauftritt der "Identitären Bewegung Deutschland" zu besuchen: Die Seite lässt sich nicht mehr aufrufen. Wir konnten leider nicht herausfinden, woran das liegt. Es gibt mittlerweile jedoch einen sogenannten „Notfall-Blog“, den wir hier bewusst nicht verlinken werden. Wir weigern uns, aktiv zum Besuch der Seite beizutragen.

Beispiele aus Plattformen und Netzwerken

Wir beginnen mit Youtube. Was eignet sich schon besser, um Musik zu verbreiten? Wir beide waren uns gar nicht im Klaren darüber, dass es Landser noch gibt. Für uns war das lediglich eine rechte Band, die ominös auf dem Schulhof erwähnt wurde, die jedoch keine von uns je gehört hatte. Wir wurden schnell eines Besseren belehrt: Sucht man bei Youtube „Landser“, so taucht eine riesige Anzahl Videos auf:
Auch Videos von Grillfesten von Nazis oder von Fackelläufen sind zu finden. Was wirklich erschütternd ist: Die Kommentare unter den Videos. Es wird zum Kampf an der Waffe aufgerufen, es wird Volksverhetzung betrieben und rechte Parolen wie „Heil Hitler“ sind zu lesen.
jugendschutz.net analysierte 2010 Videoclips auf Youtube: Einzelne Videos erreichten bis zu 170.000 Zugriffe, laut dem Bericht „Rechtsextremismus online“ von jugendschutz.net. Eine genauere Analyse ergab, dass die Videoclips „hauptsächlich dem Zweck dienten, zu Events zu mobilisieren und für rechtsextreme Kampagnen und Gruppen zu werden“ 5. Bei dieser Analyse zeigte sich ebenso, dass vor allem mit den Ängsten von unzufriedenen Jugendlichen gearbeitet würde: sexueller Missbrauch, Finanzkrise und Arbeitslosigkeit lieferten häufig den Stoff für die Videoclips.

Vom offenen Rechtsextremismus nun zum deutlich versteckteren. Wer von uns hat nichts gegen Kinderschänder? Und genau das machen sich die Nazis im Netz zunutze: Auf Facebook haben wir die Gruppe „Deutschland gegen Kindesmissbrauch“ gefunden. Auf den ersten Blick wirkt die Seite eher unscheinbar. Der Gedanke, gegen Kindesmissbrauch zu kämpfen, scheint ja auch erst einmal ein durchaus ehrenwerter zu sein. Schaut man jedoch genauer hin, stößt man auf rechte Inhalte.
Wir haben versucht, diesen Beitrag an Facebook zu melden. Unsere Meldung wurde scheinbar bearbeitet, jedoch bekamen wir die Rückmeldung, dass dieser Beitrag nicht gelöscht wurde. Der Rechtsextremismus in diesem Beitrag ist wohl nicht offensichtlich genug. Und genau hier setzen die Nazis an: Ihr wohl schlagkräftigstes Argument ist das der Meinungsfreiheit für Jede und Jeden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Netzwerk Fumano auf der ersten Seite mit den Worten „Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht, das für Alle gilt“ wirbt. Fumano sieht sehr unscheinbar aus.
Fumano ist jedoch alles andere als harmlos: Recherchen des Investigativteams der Welt zeigen, dass sich auf „Fumano Rechtsextreme und Personen aus der Szene der Islamhasser, die sich nicht an Nutzungsbedingungen der etablierten Netzwerke halten wollen, tummeln“. 6
Woran kann man sie erkennen? Codes und Wortwahl der Rechtsextremen im Netz
Wie wir bereits erwähnt haben, tritt der Nazi 2.0 nicht mehr offensiv „Sieg Heil“-schreiend auf. Nichtsdestotrotz kann man Nazis im Netz erkennen, wollen Sie sich doch mit Gleichgesinnten vernetzen und sich selbigen kenntlich machen. Im Folgenden listen wir eine kleine Auswahl beliebter Symbolik und Codes von Nazis im Netz auf:

Zu erwähnen sind hierbei Runen, die alten Schriftzeichen der Germanen. Germanische Kulte werden häufig von Neonazis verehrt und somit werden die Schriftzeichen gerne genutzt.
Hagalrune
Odalrune
Wir wollen es beispielhaft bei diesen beiden Runen belassen, weisen jedoch darauf hin, dass es weitaus mehr Runen gibt, die von Rechtsextremen instrumentalisiert werden. Auch viele andere Symbole werden genutzt:
Schwarze Sonne
Es ist nicht nachgewiesen, dass die schwarze Sonne germanischen Ursprungs ist. Sie gilt vielmehr als Produkt der „SS“.
Keltenkreuz
Das Keltenkreuz zu nutzen, ist in Deutschland strafbar.

Auch Zahlen, meistens am Ende eines Forumsbeitrags oder eines Artikels, können Hinweis auf einen rechten Hintergrund des Autors sein:
  • „18“: „Adolf Hitler“
  • „88“: „Heil Hitler“
  • „1919“: „SS“
Und natürlich wird von Rechtsextremen häufig der Bezug zum Nationalsozialismus hergestellt. Hierbei muss das Hakenkreuz erwähnt werden (ursprünglich ein positiv konnotiertes Heilsymbol, das lange vor der Zeit des Nationalsozialismus benutzt wurde). Außerdem wird der Reichsadler als „Metapher für Stärke, Macht, Erhabenheit, Göttlichkeit, kaiserliche Macht“ 7 benutzt.

Wir wollen hier nun nicht so sehr ins Detail gehen. Auf netz-gegen-nazis.de wird unter der Rubrik „Wie erkenne ich sie?“ eine große Vielfalt an Symbolik und Codes der rechtsextremen Szene erklärt.

Wehrt Euch!

Den letzten Abschnitt der Hausarbeit wollen wir dem Widerstand widmen. Wir wollen zeigen, dass man sich wehren kann und wie man es tun kann. Es ist wichtig, immer wieder gegen Nazis einzustehen. Auch im Netz. Hier ist es besonders leicht, einfach wegzuschauen. Ein Klick und schon hat man die Seite mit dem rechtsextremen Inhalt verlassen und muss sich nicht mehr damit auseinandersetzen. Wir wollen aber dazu ermutigen, auch hier mit kleinen Schritten ein Zeichen zu setzen. Jede Plattform, jedes soziale Netzwerk bietet die Möglichkeit, rechtsextreme Inhalte zu melden und prüfen zu lassen. Meistens findet man im „Hilfe“-Bereich einer jeden Seite eine Anleitung, wie man Inhalte, an denen man sich stört, melden und kategorisieren kann.

Natürlich unterscheiden sich die Seiten teilweise, es bedarf aber nur weniger Klicks, um über das Hilfe-Menü herauszufinden, wie es funktioniert. Bei Youtube „flaggt“ (man versieht die Videoclips mit einer Flagge) man die Videos. Bei Facebook meldet man die betreffenden Beiträge und kann auch noch genauere Angaben dazu machen. So oder so: Es ist wichtig, Beiträge zu melden. 

Quellenangaben:
  • Abb.1 Stöss, Richard: Rechtsextremismus im vereinten Deutschland, 3. überarbeitete Auflage, Berlin 2000 
  • Abidine, Susann Zeinel: Rechtsextremismus im Internet. Angebote für Kinder und Jugendliche und pädagogische Konsequenzen. Saarbrücken. 2008 
  • Abb.4 Gefunden auf Frank Franz' Facebookseite am 17.03.2014 um 12.55 Uhr 
  • Abb.5 Einladung zu einem Liederabend mit bekennenden Rechtsextremen, gesehen auf der Facebookseite der NPD am 05.03.2014 um 23:51 Uhr 
  • Abb.6 Gefunden auf der Facebookseite der Identitären Bewegung, eingesehen am 02.03.14 um 22:46 Uhr 
  • Abb.7 Screenshot der Suche nach "Landser" bei Youtube (eingesehen am 20.03.2014, 11:03 Uhr) 
  • Abb.8 Dieser Kommentar befand sich unter einem Landser-Videoclip (gesehen bei Youtube, am 20.03.2014, 11:10 Uhr) 
  • Abb.9 Gefunden auf der Facebook-Seite von "Deutschland gegen Kindesmissbrauch", am 14.03.2014 um 23:30 Uhr 
  • Abb.10 Screenshot von der Begrüßungsseite von Fumano (erstellt am 02.04.2014, um 13 Uhr) 
  • Abb.15 Gefunden auf der Facebookseite von "Jugendliche ohne Grenzen" 
  • Becker, Reiner: Ein normales Familienleben. Interaktion und Kommunikation zwischen "rechten" Jugendlichen und ihren Eltern. Schwalbach. 2008 
  • Cippitelli, Claudia. Schwanebeck, Axel (Hrsg.): Die neuen Verführer?. Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in den Medien. München. 2004 
  • Schröder, Burkhard: Neonazis und Computernetze. Wie Rechtsradikale neue Kommunikationsformen nutzen. Hamburg. 1995 
  • Den Notfallblog der Identitären Bewegung wollen wir, wie bereits oben angemerkt, nicht verlinken.

Montag, 16. Dezember 2013

Rechtsextremismus im Web 2.0 - neue Publikation

An dieser Stelle haben wir immer wieder Beiträge zum Thema Rechtsextremismus veröffentlicht. Dabei haben wir auch auf die vielen Initiativen gegen Nazis hingewiesen, die es im Internet gibt, u.a. no-nazi.net, Hass-im-Netz.info und Schule ohne Rassismus. Übersehen haben wir bislang eine Initiative aus Baden-Württemberg, die auch im Hinblick auf den Informationsabend, den wir gerade vorbereiten, von großem Interesse ist:

kompetent vor Ort für Demokratie - Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus (http://www.kompetentvorort.de/)

Dieses Netzwerk hat eine sehr hilfreiche neue Broschüre zur Verfügung gestellt:
Alexander Schell / Aytekin Celik: Rechtsextremismus im Internet und in sozialen Netzwerken. Basiswissen und Methoden.

Mehr Informationen und Download: http://www.kompetentvorort.de/informationen/literatur/

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Zunehmender Missbrauch des Web 2.0 durch Neonazis

Laut einem Bericht der bpb haben sich Web 2.0-Angebote mit rechtsextremen Inhalten seit dem Jahr 2010 verdreifacht. Durch professionelle und moderne Internetangebote, "auf denen sie Action, Kommunikation und Multimedia bieten", ködern Neonazis zunehmend Jugendliche.
Deshalb ist es Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, zufolge wichtig, auf diese Entwicklung durch Aufklärung und Kampagnen, sowie Online-Beratungen zu reagieren.
Der Link enthält eine Zusammenfassung, sowie den vollständigen Bericht - sehr lesenswert! ;-)

http://www.bpb.de/presse/49832/neonazis-online-massiver-missbrauch-des-web-2-0

Dienstag, 29. Oktober 2013

Codes und Symbole der Rechtsextremen

Auf den ersten Blick erkennbare Bekundungen zum Rechtsextremismus sind immer seltener anzutreffen. Das liegt zum Teil daran, dass viele rechtsextreme Symbole verboten sind. Es ist aber auch einer gewandelten Strategie geschuldet, die Jugendliche nicht sofort mit rechten Parolen abschrecken will. Diese Faktoren lassen die rechtsextreme Szene in ihrer Wahl von Symbolen und Codes immer kreativer werden. Durch scheinbar harmlose Zahlencodes beispielsweise verbreiten sie weiterhin ihre Botschaften. Für Jugendliche schaffen diese Codes ein Gemeinschaftsgefühl, sozusagen eine Geheimsprache, die die eigenen Eltern und die Lehrer nicht verstehen. Gerade deshalb ist es wichtig, die Symbole zu kennen, die nicht sofort als rechtsextrem zu enttarnen sind.

Dieses Glossar soll einen Überblick bieten über die bekannten Symbole und Codes, die von Rechtsextremen verwendet werden. Da es aber viele regionale und gruppenspezifische Unterschiede gibt, kann es keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Außerdem unterliegen einige Codes dem Wandel, vor allem wenn diese verboten werden, müssen andere, neue Codes die alten ersetzen. Einige Symbole sind nicht in die Liste aufgenommen worden, weil sie entweder eindeutig auch in der breiten Öffentlichkeit identifiziert werden oder weil sie schon sehr lange verboten sind.

Symbole mit nationalsozialistischem Bezug


An das Hakenkreuz und das SS-Zeichen denken die meisten Menschen, wenn sie Rechtsextreme beschreiben sollen. Doch diese nationalsozialistische Symbolik ist seit 1945 verboten. Aber nicht alle Symbole, die direkt aus der Zeit des Nationalsozialismus übernommen wurden, sind verboten. Gerade diese werden von den Rechtsextremen rege genutzt, denn sie sind die direkteste Art, die eigene Gesinnung kundzutun, ohne Folgen fürchten zu müssen.

Eisernes Kreuz
Eisernes Kreuz: Seit 1813 wurde das Eiserne Kreuz verwendet, um besonders tapfere Soldaten auszuzeichnen. Es ist ohne das Hakenkreuz nicht verboten und wird deshalb gerne verwendet. Das eiserne Kreuz stellt ganz allgemein ein Männlichkeitssymbol dar und wird nicht ausschließlich rechts genutzt. (vgl. asp, 2013)

Gauwinkel/Gaudreieck
Gaudreieck: seit 2002 verboten. Im NS wurde es in mehreren Organisationen verwendet, unter anderem von der Hitlerjugend (HJ). Der Ärmelaufnäher wurde auch später benutzt, um seine Herkunft zu zeigen. Da es aber eindeutig dem Nationalsozialismus zuzuordnen ist, wurde es verboten. (vgl. asp, 2013)


Reichskriegsflagge
Reichskriegsflagge: existiert seit 1867 in verschiedenen Versionen. Die Variante, die während des Nationalsozialismus verbreitet war, ist verboten. Ansonsten genießt die Reichskriegsflagge eine rege Verwendung. (vgl. asp, 2013)

Zahnrad
Zahnrad: Das Zahnrad ist ein oft verwendetes Symbol der Rechtsextremen. Es wurde im NS für die deutsche Arbeiterfront eingesetzt, ist aber dennoch nicht verboten, weil das Zahnrad seit der industriellen Revolution als Zeichen für Fortschritt gilt. Auch das THW verwendet es heutzutage. Daher wird es in der breiten Öffentlichkeit nicht als rechtsextremes Zeichen wahrgenommen. (vgl. asp, 2013)

Zahlencodes


Zahlencodes spielen eine überragende Rolle bei rechtsextremen Gruppierungen. Sie werden häufig als Grußformeln auf Plakaten, in Briefen oder im Internet verwendet. Sie dienen daher oft als Erkennungszeichen, die aber relativ einfach zu entschlüsseln sind. Die Anfangsbuchstaben der Worte werden durch die entsprechende Zahl ersetzt (Position im Alphabet). Obwohl man diese Codes sehr einfach entschlüsseln kann, sind sie strafrechtlich nicht relevant. Das Verwenden dieser Zahlen(codes) kann nicht per se als rechtsextrem gedeutet werden. Dennoch stellen sie einen Anhaltspunkt da. (vgl. www.netz-gegen-nazis.de )


18              steht für die Anfangsbuchstaben A und H und somit für Adolf Hitler. Dieser Code wird häufig in Organisationsnamen verwendet.

28              wird als Synonym für die verbotene Organisation Blood&Honour genutzt. Häufig wird dieser Code auf T-Shirts verwendet, um die Zugehörigkeit und die Unterstützung auszudrücken. Aber auch Organisationen, die sich als Erben empfinden, tragen oft die 28 im Namen. 828 ist zudem eine bekannte Grußformel unter Mitglieder der verbotenen Organisation, das für Hail Blood&Honour steht.

88             ist wohl das meist genutzte Zahlenkürzel und steht für Heil Hitler. Es wird nicht nur als Grußformel benutzt, sondern oft auch in Namen von Organisationen oder Usernamen sowie als Aufdruck auf T-Shirts, Mützen und ähnliches. Ein Ableger dieser Formel stellt das Kürzel H8 dar, das auch für Heil Hitler verwendet wird, aber noch eine zusätzliche Funktion hat: Englisch ausgesprochen klingt das Wort wie hate, also Hass.

14             (words) „We must secure the existence of our people and a future for our white children.” (von David Lane, US-amerikanischer Neonazi) = Wir müssen die Existenz unseres Volkes sichern und die Zukunft unserer weißen Kinder. Verwendet wird es auf ganz unterschiedliche Weise, vor allem in Liedtexten, Aufdrucken aber auch als Grußformel. Oft sieht man diesen Code auch in Fußballstadien kombiniert mit anderen Codes.

168:1        Der Anschlag von Oklakoma City im Jahr 1995 wird mit diesem Code bilanziert. Der Attentäter tötete 168 Menschen und wurde danach zu Tode verurteilt. Er gilt als rechtsextremer Held und wird weltweit von Rechtsextremen verehrt.

Diese Codes sind am weitesten verbreitet in der rechtsextremen Szene. Dennoch gibt es natürlich eine Vielzahl anderer Codes, die regional benutzt werden. Weitere Zeichen sind beispielsweise 444 (Deutschland den Deutschen) oder 1919 (für SS), diese sind auf der Webseite www.netz-gegen-nazis.de zu finden, die laufend aktualisiert wird.

Symbole mit germanischem Bezug


Gerne nehmen Rechtsextreme Bezug auf die germanischen Vorfahren, die schon während des Nationalsozialismus als „arisch“ idealisiert wurden. Nicht nur der germanische Göttervater Odin wird dabei als Kultfigur verehrt und somit gerne auf Ansteckern benutzt („Odin statt Jesus“) sondern auch Walhalla, das Paradies für alle Krieger. Walhalla sind unter anderem viele Bandnamen gewidmet, sowie zahlreiche Modemarken. Vor allem aber die Runen, die germanische Laut- und Symbolschrift, werden häufig verwendet. Die wohl bekannteste Rune im Nationalsozialismus stellt die Sigrune da, die als Doppelsigrune das Abzeichen der SS war. Das Tragen und Verwenden dieser Rune ist strafbar. Es gibt allerdings einige Runen, die heute noch Verwendung finden ohne strafrechtliche Folgen. Zudem verwenden rechtsextreme unterschiedliche Symbole, die den Germanen zugeschrieben werden.

Man-Rune
Man-Rune: oder Lebens-Rune. Diese Rune wird unter anderem in Geburtsanzeigen, sowie als Schmuck verwendet. Sie bildet den inhaltlichen Gegensatz zur Todes-Rune (Yr-Rune). Das Verwenden steht nicht unter einem Verbot, solange sie nicht mit der SA in Verbindung gebracht wird. (vgl. www.netz-gegen-nazis.de)
Yr-Rune
Yr-Rune: sie steht für die Nationalsozialisten und die Rechtsextremen heutiger Tage für den Tod, daher wird sie oft in Todesanzeigen Rechtsextremer oder als Ersatz für das christliche Kreuz benutzt. (vgl. www.netz-gegen-nazis.de)


Hagal-Rune
Hagal-Rune: verbindet die beiden oberen Symbole miteinander. Ursprünglich symbolisiert sie die Harmonie, wurde aber von den Nationalsozialisten für die SS verwendet. (vgl. www.netz-gegen-nazis.de)


Odal-Rune
Odal-Rune: bedeutete anfänglich Besitz oder Erbe, wurde aber in der NS-Zeit umgedeutet. Die Verwendung ist in Verbindung rechtsextremer Inhalte verboten. Ein ähnliches Symbol findet sich aber auch auf dem Abzeichen des Hauptfeldwebels bei der Bundeswehr. (vgl. www.netz-gegen-nazis.de)


Wolfsangel
Wolfsangel: wird auch Gibor-Rune genannt. Sie diente im zweiten Weltkrieg als Zeichen für verschiedene militärische Einheiten und steht somit auch heute noch für den Kampfeswillen. (vgl. asp, 2013)


Schwarze Sonne
Die schwarze Sonne: ein Kunstprodukt der Nationalsozialisten, das als germanisch ausgegeben wird. Die schwarze Sonne besteht aus drei Hakenkreuzen und zwölf Sig-Runen. Sie gilt mittlerweile als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz. Verwendet wird die schwarze Sonne nicht nur als Teil von Gruppensymbolen, sondern auch als (Körper-)Schmuck. (vgl. asp, 2013)

Triskele
Triskele: Sie ist ein weit verbreitetes Symbol, sowohl in runder wie auch in eckiger Form. Die eckige Form ist allerdings verboten wenn sie zusammen mit der Organisation Blood&Honour (verboten) gezeigt wird. Die gerundete Form wird meist so sehr verschnörkelt, dass die Triskele kaum mehr zu erkennen ist. Außerdem ist die Triskele kein reines rechtes Zeichen, sie wird auch in heidnischen Kreisen häufig benutzt. (vgl. asp, 2013)

Adler fängt Fisch
Adler fängt Fisch: Der Fisch ist schon seit Jahrhunderten das Symbol des Christentums. Der Adler steht symbolisch für das starke Germanische, das über das Christentum siegt. Da Thor Steinar, eine rechts Modemarke, dieses Symbol weit verbreitet, nimmt die Popularität dieses Zeichens stetig zu. (vgl. asp, 2013)

Keltenkreuz
Keltenkreuz: In Zusammenhang mit rechtsextremen Organisationen ist dieses Zeichen verboten, alleinstehend aber nicht. Das Keltenkreuz ist sehr beliebt als Aufdruck auf T-Shirts oder als Ring. Wie die Triskele hat das Keltenkreuz nicht nur neonazistische Bedeutung, es wird vielmals auch von heidnischen Gruppen herangezogen.

Sprachcodes


Die Sprachcodes teilen sich in zwei unterschiedliche Kategorien auf: Erstens, das, bereits bekannte, Prinzip der Abkürzungen und zweitens die Wortneuschöpfungen oder die Umdeutung bestimmter Begriffe.


A.C.A.B            A.C.A.B steht für „all cops are bastards“(alle Polizisten sind Bastarde“) und ist kein rein  rechtes Kürzel, denn es findet sich in vielen Subkulturen (z.B. bei Punks) wieder, aber es ist dennoch ein beliebter Kürzel unter Rechtsextremen. (vgl. www.netz-gegen-nazis.de )


A.J.A.B             Dieses Kürzel stellt eine rechte Abwandlung des Kürzels A.C.A.B dar und bedeutet: „All Jews are bastards“ also alle „Juden sind Bastarde“. Mithilfe dieses Kürzels können Rechtsextreme ihre antisemitischen Neigungen ausdrücken ohne strafrechtliche Folgen zu befürchten. (vgl. asp, 2013)


HffH                 “Hammerskins forever – forever Hammerskins” so lautet das Motto der rechtsextremistischen Gruppierung Hammerskins. Sie wurde 1986 in den USA gegründet und ist international vertreten, auch in Deutschland. (vgl. www.netz-gegen-nazis.de )


RaHoWa            ist das Akronym für “Racial Holy War”. Übersetzt bedeutet dies „heiliger Rassenkrieg“. Es wird weltweit rege benutzt in Form von Graffitis und Aufdrucken sowie als Grußformel. (vgl. asp, 2013)


WAP/WP          Dieses Akronym wird vor allem in Verbindung mit einer weißen Faust gezeigt. „White (aryan) power” oder “Weiße (arische) Macht“ ist eine der Schlüsselbegriffe der rechtsextremen Szene. Zusammen mit dem Symbol der weißen Faust ist das Motto oft auf Aufklebern, T-Shirts etc. zu sehen. (vgl. Kulick/Staud 2012)


WAW               steht für „Weißer Arischer Widerstand“. Das Original WAR („White Aryan Resistance“) stammt aus den USA. Oft wird dieses Zeichen in Verbindung mit Waffendarstellungen oder Totenköpfen gebracht, da es vor allem als Kampfbegriff genutzt wird. (vgl. asp, 2013)


W.O.T.A.N       Diese Abkürzung ist doppeldeutig: Zum einen ist Wotan eine andere Bezeichnung für den germanischen Göttervater Odin. Zum anderen, das wird durch die Punktsetzung deutlich, ist noch eine weitere Botschaft darin versteckt: „Will of the aryan nation“ (dt.: Wille der arischen Nation“). (vgl. www.netz-gegen-nazis.de )


ZOG                 Dieser Code wird von den Rechtsextremen benutzt, um die „jüdische Weltverschwörung“ zu bekämpfen. „Zionist Occupied Government“, übersetzt bedeutet es die „zionistisch besetzte Regierung“. Sie unterstellen damit, dass Regierungen auf der ganzen Welt von Juden kontrolliert werden. (vgl. Radke/Flad, 2012)


Doch Rechtsextreme nutzen nicht nur Abkürzungen und Akronyme, um ihre Botschaften zu verbreiten und sie in der breiten Masse zu etablieren. Sie sind außerdem sehr kreativ in Wortneuschöpfungen, die sie häufig einsetzen, um strafrechtlich relevante Themen umzugestalten. Diese verbreiten sich hauptsächlich im Internet rasend schnell, werden dann aber auch von rechtsextremen Zeitschriften übernommen.


Schuldkult         Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte soll mit diesem Begriff als nicht natürlich und aufgezwungen dargestellt werden, um den Nationalsozialismus so zu verharmlosen.


Umerzieher        stellen diejenigen Personen da, die weiterhin die Verbrechen des Nationalsozialismus betonen und an die Opfer dieser Zeit erinnern wollen.


Bomben-Holocaust          Um den Begriff des Holocausts, der für die grausamen Mord an Millionen
Juden steht und der in der Geschichte einmalig ist, zu relativieren, werden die alliieren Bombenangriffe auch derart bezeichnet.


USrael               steht für USA + Israel und soll ausdrücken, dass die USA von den Juden gesteuert wird. Ebendies soll auch ausgedrückt werden, wenn von der Ostküste die Rede ist. In New York befindet sich die größte Aktienbörse, die angeblich von Juden kontrolliert wird.


Krake                Krake wurde als Begriff schon in der Zeit der Nationalsozialisten für die erfundene jüdische Weltherrschaft verwendet. Auch heutzutage setzt man diesen Begriff damit gleich.


Systempolitiker                soll die Politiker der demokratischen Parteien in eine feindliche Ecke stellen, die den eigentlichen Willen des Volkes nicht vertreten, sondern durch die Alliierten aufgezwungen wurde. Auch Systemparteien wird in diesem Zusammenhang oft benutzt. Des Weiteren verwenden Rechtsextreme immer wieder Begriffe wie Erfüllungspolitiker, Nadelstreifen-Kriminelle oder Globalisierungsfanatiker.


Besatzerregime             Damit wird von den Rechtsextremen ausgedrückt, dass der heutige Staat und
unsere Verfassung von den Alliierten Siegermächten ausgeht und somit keine Legitimität in der deutschen Bevölkerung hat.


Multikulti-Extremisten           Jegliche Form von Zuwanderung ist, laut der rechtsextremen Szene, illegitim. Daher kann man eine Zuwanderung nur gewaltsam umsetzen. Wer sich für die Demokratie und die Zuwanderung einsetzt gilt als Multikulti-Umerzieher.


Asylbetrüger         Auch dieser Begriff soll die Illegitimität von Zuwanderern unterstreichen. Damit sprechen die Rechtsextremen allen Flüchtlingen eine legitime Begründung ihrer Flucht ab, beispielsweise aus Kriegsgebieten.


Überfremdung         soll heißen, dass der Anteil der Migranten unsere Kultur immer weiter verdrängen wird. Sie stellen diesen als überproportional da, dies entspricht aber nicht der Wahrheit.


Ausländergewalt            Es wird damit unterstellt, dass Einwanderung Kriminalität zur Folge hat. Dieser Begriff ist der einzige Begriff der Rechtsextremen, der es geschafft hat, auch außerhalb der Szene Verwendung zu finden. So sprechen viele Medien und Politiker auch von „Ausländerkriminalität“. Dabei ist dieser Zusammenhang völlig aus der Luft gegriffen, denn Kriminalität steckt nicht in den Genen, sondern wird bedingt durch soziale Faktoren, wie Bildungschancen. Ein weiterer Begriff, der in seiner Bedeutung deckungsgleich ist, ist der Begriff der multikriminellen Gesellschaft. In diesem Zusammenhang benutzen Rechtsextreme vielmals auch den Begriff der Kulturbereicherer, der ausdrücken soll, dass die Gesellschaft hier nur negativ von der Zuwanderung profitiert.

(vgl. für alle Begriffe: Radke, J. und Flad, H. in: Das Buch gegen Nazis)

inländerfreundlich          wird verwendet, um das Wort ausländerfeindlich zu umgehen. Das Gegenteil inländerfeindlich wird benutzt, um Aktionen gegen Rechtsextremismus zu stigmatisieren. (vgl.www.netz-gegen-nazis.de)


befreite Gebiete                befinden sich dort, wo Rechtsextreme die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben. (vgl.www.netz-gegen-nazis.de)


Sie erfinden darüber hinaus deutsche Begriffe für Wörter aus anderen Sprachen. Besonders beliebt sind Worte wie Weltnetz für das Internet. Dieses besteht nicht aus Homepages, sondern aus Heimatseiten. Auch Links folgt man bei Rechtsextremen nicht, man folgt Verweisen. Emails kann man in der rechtsextremen Szene nicht empfangen, dort empfängt und schreibt man Epost. Aber davon sind nicht nur neue Begriffe (meist aus dem Englischen) betroffen, die das Internet betreffen. Auch das T-Shirt wird anders genannt, nämlich T-Hemd und eine Pizza nennen Rechtsextreme Gemüsekuchen.

Rechtsextreme Wortschöpfungen sollten auf keinen Fall übernommen werden, sie dienen vor allem dazu, Ideen und Parolen zu normalisieren und diese in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Worte, die teilweise durch die Medien übernommen worden, sind beispielsweise Kinderschänder für Sexualstraftäter oder Ausländergewalt.(vgl. www.netz-gegen-nazis.de)

Schlussfolgerungen


Um eine Gefahr oder ein Problem beheben zu können, ist es fundamental, es überhaupt erkennen zu können. Codes und Symbole machen nicht nur der Justiz Schwierigkeiten, rechtsextreme und rassistische Äußerungen zu ahnden, sie verschleiern der Öffentlichkeit zudem die eigentlichen Ziele. Nicht jeder, der diese rechten Symbole trägt, ist ein gefestigter Rechtsextremist. Vor allem Jugendliche, die noch auf der Suche nach ihrer Identität sind, lassen sich durch das Gemeinschaftsgefühl, das diese Codes verursachen, beeindrucken. Sie fügen sich dann in eine Gemeinschaft ein, die ihnen scheinbar Halt bietet. Außerdem sollte man sich nicht auf dem einmal gewonnen Wissen über diese Symbole ausruhen. Die Popularität bestimmter Symbole wandelt sich, aber auch viele Wortneuschöpfungen finden ihren Eingang in die rechtsextreme Szene. Deshalb sollte man wachsam bleiben. Das Erkennen der Symbole und Codes sollte aber immer nur der erste Schritt bleiben. Sie einfach nur zu erkennen und dann wegzusehen oder sie schlicht zu ignorieren, ist wahrscheinlich sogar eher kontraproduktiv, denn es besteht die Gefahr, dass sie dadurch in der Mitte Gesellschaft ankommen und sich dort festigen. Es stellt sich also die Frage, was kann oder sollte man tun, wenn man rechte Symbolik bei dem eigenen Kind, bei einem seiner Schüler oder einem Bekannten wahrnimmt? Ganz einfach ist die Frage nicht zu beantworten.


Weitere Informationen (auch zu Modemarken und Musikstilen) enthält der Ratgeber der Agentur für soziale Perspektiven e.V.: http://www.dasversteckspiel.de/

Einen guten Überblick und Handlungsempfehlungen gibt das Buch „Das Buch gegen Nazis. Rechtsextremismus - was man wissen muss und wie man sich wehren kann“ von Holger Kulick und Toralf Staud.

Interessant für Lehrer: Themenblätter im Unterricht (Nr. 98): Was denken Nazis? Diese gibt den SchülerInnen Argumente gegen Nazis - www.bpb.de

Literaturverzeichnis

  • Agentur für Soziale Perspektiven (Asp) e.V.: Versteckspiel. Lifestyle, Symbole & Codes von Neonazis und extrem Rechten. Berlin 2013, 13. Auflage
  • Aktion Zivilcourage: Das sieht verboten aus. Rechtsextreme Symbole und ihre Bedeutung. URL: http://www.aktion-zivilcourage.de/downloads/Flyer-Das_sieht_verboten_aus-v5.pdf.pdf [Datum der Recherche: 14.10.2013]
  • Kanal 21 Bielefeld Sozial: Rechtsextreme Symbole. Auf www.youtube.com [Datum der Recherche: 05.10.2013]
  • Kulick, H., Staud, T. (Hrsg.): Das Buch gegen Nazis. Rechtsextremismus- was man wissen muss und wie man sich wehren kann. Köln: Verlag Kiepenhauer und Witsch GmbH& Co. KG 2012, 3. Auflage
  • Radke, J., Fad,H.: Wo ist eigentlich die Ostküste? In: Kulick, H., Staud, T. (Hrsg.): Das Buch gegen Nazis. Rechtsextremismus- was man wissen muss und wie man sich wehren kann. Köln: Verlag Kiepenhauer und Witsch GmbH& Co. KG 2012, 3. Auflage
  • www.netz-gegen-nazis.de: Rechtsextreme Symbole, Codes und Erkennungszeichen. [Datum der Recherche: 12.10.13]