Mittwoch, 29. August 2012
"Leistungsschutzrecht" heute im Kabinett
In aller Welt schüttelt man den Kopf angesichts des geplanten "Leistungsschutzrechts" in Deutschland. Worum es dabei geht, erklärt der "Elektrische Reporter" im folgenden Video:
Mittwoch, 22. August 2012
Einseitige Web 2.0-Debatte in Deutschland
Im agora-wissen Blog habe ich eine Besprechung des Buchs "Die Datenfresser" von Constanze Kurz und Frank Rieger zum Anlass genommen, um mich mit der Einseitigkeit der Diskussion um Digitalisierung und Web 2.0 in Deutschland zu beschäftigen. Mein Lamento in Kurzform: Überall werden Ängste geschürt, die Chancen dagegen bleiben in der Regel ausgespart. Interessanterweise gilt das nicht nur für schlechte Bücher, die mit diesem Angst-Trend Geld verdienen wollen, sondern auch für gute Publikationen wie "Die Datenfresser". Das gesamte Lamento gibt es hier...
Sonntag, 19. August 2012
Nachtrag zu "Wikipedia verstehen"
Bei der Lektüre des Sammelbands "Deep Search. Politik des Suchens jenseits von Google" (hg. v. Konrad Becker / Felix Stalder, Lizenzausgabe für die BpB, Bonn 2010, Online-Version) bin ich in dem Aufsatz "Die Suche vor grep. Eine Entwicklung von Geschlossenheit zu Offenheit?" von Paul Duguid auf eine historisch informierte Einschätzung des Wikipedia-Projekts gestoßen, die sich mit unseren Ergebnissen aus den letzten beiden Semestern deckt (veröffentlicht in diesem Blog und im Rahmen des Online-Lehrbuchs zum Web 2.0).
Zum Kontext: Duguid stellt angesichts von grep und Google die Frage, ob es eine kontinuierliche Entwicklung in der Geschichte der Suchmethoden gibt, "die sich von geschlossen zu offen und von beschränkt zu frei, kurz gesagt, von einer dunklen Vergangenheit in eine aufgeklärte Zukunft bewegt" (S. 17). Er geht die entsprechenden Methoden seit Erfindung der Schrift durch, um dann zu bilanzieren:
Zum Kontext: Duguid stellt angesichts von grep und Google die Frage, ob es eine kontinuierliche Entwicklung in der Geschichte der Suchmethoden gibt, "die sich von geschlossen zu offen und von beschränkt zu frei, kurz gesagt, von einer dunklen Vergangenheit in eine aufgeklärte Zukunft bewegt" (S. 17). Er geht die entsprechenden Methoden seit Erfindung der Schrift durch, um dann zu bilanzieren:
"Wie ich zu zeigen versucht habe, sieht eine Geschichte des Suchens daher weniger wie ein linearer Verlauf aus, der von einem angeborenen Drang nach Informationssammlung vorangetrieben wird, sondern eher wie eine Reihe von fast unergründlichen Zyklen um offene und geschlossene Strukturen" (S. 32).Zwei Mal taucht Wikipedia in der Darstellung auf:
"Dieses Konzept der Umschreibung ist in zwei wichtigen akademischen Begriffen enthalten. Einer dieser Begriffe ist Enzyklopädie, der eingekreiste Wissenskorpus, der für die Bildung ausschlaggebend ist. Der andere Begriff ist die Suche (search) selbst, die – wie die Enzyklopädie – etymologisch von den in den klassischen Sprachen verwendeten Wörtern für "Kreis" abstammt, und dessen Herkunft auf einen kreisförmig umschlossenen Wissenskorpus hinweist, der untersucht werden muss. Das heißt, die Suche steht nicht nur für die Nadel, sondern auch für den Heuhaufen. Die Vorstellung eines von einem Kreis umschlossenen und durchsuchbaren Korpus impliziert (und entwertet) natürlich einen zweiten Korpus, der als falsch, unecht, ephemer etc. ausgeschlossen wird. (...) Doch wie die salons des refusés, die von den Künstlern gebildet wurden, die von den offiziellen Kunstausstellungen in Paris abgelehnt wurden, führten solche Versuche, Information mit Schranken zu versehen, unweigerlich zu weiteren Versuchen, diese Schranken zu durchbrechen. Auch wenn es vielleicht Zufall ist, so ist es doch bezeichnend, dass Wikipedia den Wortteil pedia beibehalten hat, aber den Wortteil Encyclo-, der auf den kreisförmigen Einschluss hindeutet, ablehnte. Zumindest symbolisch drückt dies einen Wunsch aus, nicht im Stile der Vergangenheit eingekreist zu werden, sondern sich immer weiter zu öffnen. Wie ich zu sagen versucht habe, ist dieser Versuch alles andere als neu. Der Weg zur Offenheit ist vielleicht sogar eher zyklisch als linear. Versuche, im Namen der Freiheit auszubrechen, führen zu anderen Versuchen, Einschränkungen im Namen der Qualität einzuführen, was in der Folge zu neuerlichen Ausbruchsversuchen führt" (S. 27f.).Die zweite Stelle bildet den letzten Absatz des Beitrags. Wikipedia veranschaulicht geradezu paradigmatisch und verdichtet, was die historische Betrachtung zutagegefördert hat:
"In der Tat – und hier entschuldige ich mich bei allen, die mir bis hier gefolgt sind, dass ich dies so spät sage – können wir diese zyklischen Bewegungen erkennen, ohne eine mühsame historische Reise zu unternehmen. Wikipedia zum Beispiel, die vielen als Beispiel einer Sammlung von offener, durchsuchbarer und verlässlicher Information über die Welt gilt, widmet sich seit einiger Zeit dem Aufbau von Strukturen. Ihr früheres Misstrauen gegenüber verbürgtem Expertenwissen und ihr Widerstand gegen hierarchische Ausschlüsse sind einem Verständnis gewichen, wonach behauptete Erfahrung nicht notwendigerweise besser ist als erworbene Autorität. Wikipedia hat sogar selbst begonnen, über ihre Stiftung eine institutionelle Struktur aufzubauen, was zwangsläufig die Offenheit des Projekts einschränkt. Implizit beginnt der Wortteil Encyclo- wieder die pedia zu umhegen" (S. 32).Und noch eine Bemerkung zu den anderen Aufsätzen in diesem Sammelband. Neben weniger aufschlussreichen Beiträgen finden sich zwei hervorragende Aufsätze, die unbedingt zur Lektüre empfohlen werden können:
Robert Darnton: Die Bibliothek im Informationszeitalter. 6000 Jahre Schrift (Online-Version).
Felix Stalder / Christine Mayer: Der zweite Index. Suchmaschinen, Personalisierung und Überwachung (Online-Version).
Dienstag, 14. August 2012
Gesellschaft 2.0 - Angst allerorten
Die "Netzthemen" sind endgültig im mainstream angekommen. Und allerorten überwiegt die Angst. Man tut sich schwer, den Überblick zu behalten bei all den alarmistischen Artikeln, die von der ZEIT ("Vier Sheriffs zensieren die Welt. Wie Apple, Facebook, Amazon und Google dem Internet ihre Gesetze aufzwingen") bis zum Dossier "Digitale Gesellschaft 2.0" von CICERO reichen. Beiträge in deutscher Sprache, die sich den Chancen einer "Gesellschaft 2.0" widmen, suche ich meistens vergeblich (und wäre dankbar für Hinweise). Sind Autoren wie Jeff Jarvis, Don Tapscott und viele andere, die in Digitalisierung und Web 2.0 in erster Linie eine Fülle von Möglichkeiten sehen, nur naive Spinner?
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Freitag, 3. August 2012
Internet-ABC für Kinder (und Eltern und LehrerInnen)
Der Medienportal-Newsletter 5/2012 macht auf ein interessantes und - gerade in unserem Zusammenhang - nützliches Angebot aufmerksam:
Das werbefreie und nicht kommerzielle Webangebot www.internet-abc.de bietet Kindern von fünf bis zwölf Jahren einen geschützten Raum, in dem kindgerecht und spielerisch der bewusste Umgang mit dem Internet - als Basiskompetenz - vermittelt wird. Auf eigenen Seiten können sich Eltern und Pädagogen informieren. Zusätzlich hat der Internet-ABC e.V. ein Lehrerhandbuch und eine CD-ROM für den Einsatz im Unterricht entwickelt.Das Angebot ist es auf jeden Fall wert, in unsere Liste der kindgerechten Web-Angebote und der Medienkompetenz-Vermittlungshilfen aufgenommen zu werden. Vielleicht findet sich im kommenden Semester eine Referatsgruppe, die sich diesem Thema vertieft widmen möchte...
Freitag, 20. Juli 2012
EduCamp - Diskussion zu Lernen 2.0
EduCamps gibt es weltweit; die Idee eines EduCamps im deutschsprachigen Raum stammt von den Medienwissenschaftlern Steffen Büffel (freier Medienberater), Marcel Kirchner und Thomas Bernhardt (ehemalige Studenten der TU Ilmenau).
EduCamps sind offene Konferenzen, in denen die Teilnehmer – meist ExpertInnen und StudentInnen – schwerpunktmäßig medienpädagogische Fragen im Hinblick auf neue Medien, wie z.B. das Thema E-Learning 2.0, aber auch ganz allgemein über Lehr- und Lernmethoden, diskutieren.
Das nächste EduCamp findet vom 18. bis 21. Oktober 2012 in Ilmenau statt.
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Allein unter 100 Freunden
Die US-amerikanische Soziologin Sherry Turkle, eine in der Vergangenheit eher fortschrittsbejahende Internet- und Medienanalystin, stimmt in ihrem neuesten Buch "Verloren unter 100 Freunden. Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern" ganz neue Töne an.
Die Professorin am Massachusetts Institute of Technology beklagt, dass die Menschen durch das ständige Onlinesein den Sinn für Kommunikation verlieren würden und fordert eine Rückkehr zu menschlicher Nähe, anstatt das Leben "gemeinsam allein" zu verbringen.
Ein aktuelles und sehr interessantes Interview mit Sherry Turkle regt zum Nachdenken an.
Die Professorin am Massachusetts Institute of Technology beklagt, dass die Menschen durch das ständige Onlinesein den Sinn für Kommunikation verlieren würden und fordert eine Rückkehr zu menschlicher Nähe, anstatt das Leben "gemeinsam allein" zu verbringen.
Ein aktuelles und sehr interessantes Interview mit Sherry Turkle regt zum Nachdenken an.
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Cybermobbing - Was sollte ich als Lehrer(in) wissen?
Konflikte im Schulleben gab es immer und wird es immer geben. Die Ursachen sind vielfältig und strukturell angelegt: Eine Vielzahl von Schülerinnen und Schüler (im Folgenden wird zur Vereinfachung von „Schülern“gesprochen) mit unterschiedlichen Erziehungs- und Sozialisationshintergründen werden in Klassen, Kursen nach organisatorischen Überlegungen prinzipiell erst einmal heterogen zusammengefasst. Schulische Konfliktsituationen sind also nichts Neues. „Neu“ sind allenfalls Arten, Formen und Methoden des Konfliktpotenzials und der Konfliktaustragung. Darauf weist die Etablierung von sog. Streitschlichtern und Mediatoren an vielen Schulen hin.
Cybermobbing an Schulen ist im Kontext von allgemeinen Mobbing-Erfahrungen vergleichsweise „neu“ (Mitte des letzten Jahrzehnts im angloamerikanischen Sprachraum als spezifisches Phänomen beschrieben), aber inzwischen leider schon eine Alltagserscheinung. Dies liegt u.a. in der Tatsache begründet, dass die Nutzung des Internets bei Schülern aller Altersstufen zur Alltagsbeschäftigung gehört: Computer und Internet sind für Schüler ohne Probleme verfügbar, die Nutzungsintensität spricht für sich:

Dies gilt auch für die spezielle Nutzung sozialer Netzwerke (z.B. Facebook).
Nach der Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger durch „Jugend, Information und (Multi-) Media“ (vgl. JIM-Studie 2011) suchen 71 Prozent der 12- bis 19-Jährigen mehrmals pro Woche solche Plattformen im Internet auf:

Die Infographik zeigt die Signifikanz der sozialen Netzwerke im Kontext jugendlicher Kommunikationsformen, wie z.B. Facebook, schülerVZ, diverse Chatrooms etc.
Sicher lassen sich genügend positive Aspekte der Nutzung sozialer Netzwerke finden – das ist hier aber nicht das Thema. „Cybermobbing“ ist eine der problematischen Nutzungsmöglichkeiten sozialer Netzwerke: es geht um Beleidigung und Diffamierung, falsche Behauptungen und peinliche Bloßstellungen durch Darstellungen und Fotos.
14 % der Jugendlichen haben angegeben, dass über sie schon einmal peinliche oder beleidigende Inhalte ins Internet gestellt wurden. Jeder Zehnte im Alter von 12 bis 13 Jahren (9 %) wurde online beleidigt, beschimpft oder verleumdet. Der Prozentsatz bei älteren Jugendlichen ist noch höher: 14-15 Jahre: 18 %, 16-17 Jahre:14 %, 18-19 Jahre: 16 % (vgl. JIM-Studie 2011). In der Vernetzung von Einzelpersonen, aber auch ganzer Schulklassen und sogar Schulen finden die Cyber-Mobber eine aus ihrer Sicht „ideale“ Kommunikationsinfrastruktur vor: Scheinbar (!) anonym und damit ungefährdet lassen sich beliebige Personen unglaublich einfach zum Opfer machen(vgl. Gewalt, Mobbing und Bullying in der Schule).
Jeder vierte jugendliche Internetbesucher gibt an, dass in seinem Freundeskreis schon jemand sprichwörtlich „fertig gemacht“ worden sei. Besonders Jugendliche im mittleren Alter bestätigen Onlinemobbing in ihrem Umfeld (vgl. JIM-Studie 2011, S. 39ff.).
Was ist eigentlich Cybermobbing?
Cybermobbing (auch Cyberbullying, E-Mobbing genannt) kann - neben anderen kategorialen Zuordnungen - als besondere Form des allgemeinen Mobbings gesehen werden: Von Mobbing wird allgemein gesprochen, wenn über einen längeren Zeitraum Personen negativen Handlungen anderer ausgesetzt sind. Man kann indirekte Formen von Mobbing (Unwahrheiten verbreiten, Gerüchte in die Welt setzen, versteckt jemanden ausgrenzen...) von direkten Formen abgrenzen (hänseln, beleidigen, bedrohen bis handgreiflich werden, bespucken, treten...).
Mobbing lässt sich auch danach unterscheiden, ob es im Kern mehr physischer oder psychischer Art ist. Als dritte Form kann „Cyber-Mobbing“ gesehen werden, das Mobbing über elektronische Medien (Internet, Handy) meint. Diese „Trennungen“, Unterscheidungen von Mobbing können nur aus analytischen Gründen Sinn machen: Physische Attacken bewirken beim Opfer sicher auch psychische Schäden und umgekehrt. So gesehen hat Cybermobbing prinzipiell das gleiche mögliche Wirkungspotenzial wie allgemeines Mobbing – lediglich die Methoden (und die Rollen von Täter und Opfer) unterscheiden sich.
Die wesentlichen Kommunikationsformen (vgl. Infographik: Aktivitäten im Internet; auch: Pieschl/Porsch, S. 14ff.) des Cybermobbing sind:
Besonderheiten des Cybermobbing im Vergleich zum „herkömmlichen“ Mobbing sind:
Alle reden über Cybermobbing - eine breite, wissenschaftliche Aufarbeitung fehlt aber bislang
Auch wenn in den Medien viel über „Cybermobbing“ berichtet wird – bislang fehlt eine grundsätzliche wissenschaftliche Aufarbeitung. Ansätze gehen aber in diese Richtung (vgl. z.B.: Fawzi, Nayla (2009) - Ursachen und Auswirkungen von Cyber-Mobbing).
Alle Begriffe, die nicht nur in Fachkreisen unterschiedlich beschrieben und umrissen werden, sondern auch im alltäglichen Sprachgebrauch zum Schlagwort geworden sind, haben ein vages, uneinheitliches Bedeutungsfeld. Dies trifft sicher auch auf den neuen Begriff des Cybermobbings zu. Solange man sich dem Phänomen des Cybermobbings nur maßgeblich deskriptiv - die Symptome beschreibend - nähert, wird der Begriff unscharf bleiben und sogar auch funktionalisiert verwendet werden können. Bislang fehlt eine breite, wissenschaftliche Aufarbeitung. Gerade beim Cybermobbing wäre eines von größtem Erkenntnisinteresse: Die Frage nach der langfristigen Wirkung von Cybermobbing bei den Mobbing-Opfern. Festgestellte und beschriebene „Wirkungen“ sind wohl eher „Effekte“ als „Wirkungen“!Das Vorwort von Prof. Dr. Gregor Daschmann zu der Analyse von Fawzi (2009) umreißt recht trefflich Anliegen und Problemaspekte zum Forschungsgegenstand Cybermobbing:
An zahlreichen Stuttgarter Schulen werden die Wissenschaftler drei Jahre lang anonyme Befragungen mit dem Ziel durchführen, die Ergebnisse zur Erarbeitung langfristiger und wirkungsvoller Strategien im Kampf gegen Cyber-Mobbing für die Schul- und Jugendarbeit zu nutzen. Schwerpunkt der Forschung sind die Untersuchung Sozialer Netzwerke als „geheime Schüler-Welten“ und die Beleuchtung von Klassenstruktur und Freundschaftsnetzwerken, Persönlichkeitsprofilen unter besonderer Berücksichtigung von Opfer- und Täterrollen (vgl. Universität Hohenheim erforscht Cybermobbing an Schulen).
Auch wenn mit diesem Forschungsvorhaben noch nicht alle Forschungsdesiderate (z.B. Wirkungsforschung im Kontext Cybermobbing) berücksichtigt werden können, so geht der Weg in eine systematischere, wissenschaftlich fundiertere Erfassung des Phänomens Cybermobbing.
Ist Cybermobbing juristisch fassbar?
Ganz lapidar kann zunächst festgestellt werden: In Deutschland existiert kein spezifischer Straftatbestand „Cybermobbing“. Das bedeutet aber keineswegs, dass mit den im Cybermobbing praktizierten Handlungen keine strafrechtlichen Konsequenzen verbunden sein können. Aber sind Schüler dann „außen vor“? Nein, es dürfte allgemein bekannt sein, dass in unserem Land die Strafmündigkeit nicht erst mit der Volljährigkeit gegeben ist: Die Strafmündigkeit beginnt mit Vollendung des 14. Lebensjahres. Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren gilt nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) das Jugendstrafrecht.
Blicken wir beispielhaft in das Strafgesetzbuch (STGB):Beleidigungen sind beim Cybermobbing an der Tagesordnung: §185 (StGB) sieht für Beleidigungen eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor. Der gleiche Strafrahmen wird bei dem Straftatbestand der „üblen Nachrede“ (§186 StGB) angelegt. Diese ist dann gegeben, wenn jemand in Beziehung zu einem anderen verächtliche Behauptungen verbreitet bzw. ihn öffentlich herabwürdigt. Ähnliches (falsche Tatsachenbehauptungen und Herabwürdigungen) gilt auch für den Tatbestand der Verleumdung (§187 StGB). Auf weitere mögliche Tatbestände des StGB (u.a. Nötigung (§240 StGB), Bedrohung (§241 StGB), Nachstellung (§238 StGB) (heute auch Stalking genannt) soll hier nicht weiter eingegangen werden.
Von Bedeutung - weil häufig im Cybermobbing vorkommend - ist der schädigende Einsatz von Bildern, Tonaufnahmen und Videos. In diesem Kontext kommen spezifische Straftatbestände ins Spiel:
Es stellt sich auch die Frage, ob die Gerichte hier nicht das falsche Signal setzen dergestalt, dass Cybermobbing nur eine Art „Kavaliersdelikt“ sei. Die Gegenmeinung dazu ist, dass Strafandrohung und Rechtsweg als Instrument der Mobbing-Prävention ungeeignet sei.
Die einschlägigen Schulgesetze (in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt) sehen als schulrechtliche Maßnahmen u.a. Gespräche mit dem betreffenden jugendlichen Mobbing-Täter vor. Als schwerwiegendste Maßnahme ist ein Schulverweis möglich (vgl. Dambach 2011, S. 39).
Welche Präventions- und Interventionsmöglichkeiten gibt es?
Pädagogische Strategien und Konzepte sollten bereits „bei der Sensibilisierung im Umgang mit den eigenen Dateien sowie bei der Vorbeugung von Cyber-Bullying ansetzen“ (Dambach, S. 31). Pädagogische Konzepte zum Cybermobbing können als ein Element in der Stärkung allgemeiner Medienkompetenz gesehen werden. Dambach favorisiert eine sog. Feedback-Kultur im Klassenzimmer, also gegenseitige Rückmeldungen und Kritiken, die verhindern sollen, dass Schüler gar nicht erst im Internet „Dampf ablassen“ (vgl. Dambach, S. 65ff.).
Im Kontext präventiver Möglichkeiten im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs der Schüler mit dem Internet finden sich wertvolle Links unter EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz. Hier finden sich zahlreiche Erklärungen und Hilfestellungen für Schüler, Eltern und Lehrer. Diverse Serviceangebote für junge user (u.a. können Schüler, die Opfer von Cybermobbing geworden sind, konkrete Fragen an „klicksafe“ stellen). Materialien mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für Eltern und Lehrer stehen zur Verfügung. Interessant sind auch Kurzfilme/Spots zum Thema Cybermobbing.
Für Erzieher und Pädagogen kann die „Schau-hin-Was deine Kinder machen“-Seite im Internet wertvolle Tipps geben: http://schau-hin.info/.
Empfehlenswert ist auch das „Portal für politische, soziale und ökonomische Bildung“: „Jugend + Bildung“ zum Thema Cybermobbing (Jugend und Bildung – Cybermobbing): Hier stehen Lehrerdokumente, Hintergrundinformationen, Fallbeispiele, Rollenspiele, Klassenregeln zur Verfügung – alle Materialien als PDF). Anzumerken ist, dass „Jugend + Bildung“ im sozialen Netzwerk schülerVZ seit 2011 ein sog. Edelprofil unterhält – dies kann auch als Förderung konstruktiver Nutzung des von vielen Schülern besuchten Netzwerkes verstanden werden.
Obgleich allgemein viel über die Risiken des Internets gesprochen und geschrieben wird, lässt sich nach Pieschl/Porsch Cybermobbing nicht „vorhersagen“, d.h. man kann kein spezifisches „Risiko-Verhaltensmuster“ als Ausgang für Cybermobbing ausmachen. Deshalb muss der Prävention besonderes Augenmerk gewidmet werden (vgl. Pieschl/Porsch, S. 28ff.). Es dürfte aber - aus der pädagogisch-psychologischen Erfahrung herauskommend - so etwas wie „Risikofaktoren“ für Cybermobbing geben, z.B.
Zu den Fragen - was tun, wenn Cybermobbing stattfindet bzw. stattgefunden hat?; gibt es geeignete Interventionsmöglichkeiten? - können die bisherigen Antworten kaum befriedigen: z.B. Opfer von Cybermobbing mögen sich den Eltern oder einer Vertrauensperson öffnen; Opfer sollten den Gang zur Polizei nicht scheuen, auf jeden Fall darüber reden, die Vorgänge nicht für sich behalten. Es liegt auf der Hand, dass Jugendliche solchen gut gemeinten Ratschlägen aus unterschiedlichen Gründen nicht immer nachkommen (können).
Ein strategischer Ansatz geht dahin, dass von Cybermobbing betroffene Jugendliche die Agitationen ignorieren sollten, also „nichts tun“! Klingt irgendwie merkwürdig?! - Man könnte diesen Ansatz als Kapitulation des Opfers bewerten? Oder könnte es eine sinnvolle Option sein, einem Jugendlichen soviel Selbstkompetenz zu vermitteln, dass er bei Internetmobbing nicht-leidend Attacken ignoriert, weil ihm bewusst ist, dass neben den positiven Seiten des Internets unvermeidlich auch negative gehören. Im Bewusstsein, dass das Internet nur eine virtuelle Welt ist (aus deren Netzwerken man sich auch entfernen kann), wartet der Gemobbte ohne Reaktionen ab. So werde der Mobber bald seine Aktionen einstellen, weil er keine Wirkungen erzielt.
Auch rezeptartige Empfehlungen, die man mit „technischen Strategien“ (vgl. Pieschl/Porsch, S. 38f.) umschreiben könnte, sind immer „reaktive Bewältigungsstrategien“ und keine strukturellen Lösungen. So bleibt es erst einmal bei pragmatischen, erfahrungsorientierten „Tipps“: z.B. nicht zurück mobben; einfach nicht reagieren; wo es geht, böse Inhalte/Botschaften blockieren; Benutzernamen ändern usw. Solange die Forschung hier keine „Strukturlösungen“ anbieten kann, bleibt wohl die Verbesserung präventiver Programme vorrangig.
Als Beispiel für eine solche Verbesserung im präventiven Bereich kann die Arbeit von Pieschl/Porsch gesehen werden: Die Autoren haben ein Trainings- und Präventionsprogramm („Surf-Fair“) entwickelt. Zum Buch gehört auch ein Film mit Materialien und Arbeitsblättern auf DVD. Die Autoren geben an, warum sich das Programm von anderen Präventionsmaßnahmen unterscheidet:
Wenn festgestellt worden ist, dass zum Phänomen Cybermobbing (Cyberbullying) inzwischen zahlreiche mediale Äußerungen vorliegen, aber systematische und breit angelegte wissenschaftliche Forschungsergebnisse noch weitgehend ausstehen, so ist die Frage nach Handlungsmöglichkeiten der Schule legitim und notwendig. Alle Maßnahmen, die zur Verbesserung des Schullebens dienen, können auch ein produktiver Beitrag sein, Cybermobbing-Bedingungen zu verschlechtern, z.B.:
Natürlich kann die Schule nicht alle Erziehungs- und Sozialisationsdefizite kompensieren. Cybermobbing ist auch eine Erscheinung, die im Kontext sich ändernder gesellschaftlicher Strukturen, Wert- und Moralvorstellungen zu sehen ist. Schule respektive Lehrer müssen aber ihre Möglichkeiten nutzen:
Solche Bemühungen zur Verbesserung von Rahmenbedingungen schließen natürlich nicht aus, dass konkrete Programme und Aktionen gegen Cybermobbing sicher ihren Sinn haben und absolut notwendig sind. Medienpädagogik muss sich weiterentwickeln, um zu einem gezielten Instrumentarium zur Verminderung von Mobbing-Aktivitäten zu werden. Sinnvoll wäre natürlich, wenn hier Elternhaus und Schule geeignete Formen der Kooperation entwickeln.
Erfolge bei dieser Arbeit stellen sich nicht von heute auf morgen ein. Diese in die Zukunft wirkenden Bemühungen sind aber nötig und verlangen Geduld und Ausdauer. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, für alle konkreten psychologischen und pädagogischen Trainingsprogramme - die bereits an Schulen praktisch erprobt worden sind - offen zu sein. In diesem Zusammenspiel von allgemeinen „Strukturmaßnahmen“ und gezielten Strategien gegen Cybermobbing kann und sollte eine nachhaltige Besserung der Situation (Cybermobbing als Phänomen des Schulalltags) möglich sein – etwas Optimismus als Kennzeichen des Pädagogen gehört wohl dazu!
Verwendete Literatur
EU-INITIATIVE FÜR MEHR SICHHEIT IM NETZ - http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/
Dambach, Karl E. (2011): Wenn Schüler im Internet mobben. Präventions- und Interventionsstrategien gegen Cyber-Bullying. München: Reinhardt
Fawzi, Nayla (2009): Cyber-Mobbing. Ursachen und Auswirkungen von Mobbing im Internet. Baden-Baden: Nomos-Verlag - http://forschung.wi.uni-passau.de/disk/?q=node/70
Grimm, Petra (2011): Digitales Drangsalieren. Gewalt via Handy und Internet. In: Schüler 2011, Friedrich Jahresheft: Aufwachsen mit virtuellen Welten. ONLINE_OFFLINE, hrsg.v. Friedrich Verlag
Hanke, Ottmar (2011): „Cyber“ als Verlängerung von Mobbing. Cybermobbing – ein gar nicht privates Problem von Kindern und Jugendlichen. In: PÄDAGOGIK 63.Jahrgang Heft 1/2011: Mobbing: Beltz-Verlag
JIM-Studie 2011: Jugend, Information und (Multi-) Medi, Medienpädagogischer Forschungsverbund Süd- west (Hrsg.). Forschungsberichte, Stuttgart - http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf11/JIM2011.pdf
JUGEND+BILDUNG. Portal für politische, soziale und ökonomische Bildung - http://www.jugend-und-bildung.de/webcom/show_jubsl.php/_c-867/i.html
Ortega-Ruiz, Rosario, Mora-Merchan, Joaquin, A. u. Jäger, Thomas (Hrsg.) (2007): Gewalt,Mobbing und Bullying in der Schule. Die Rolle der Medien, Kommunen und des Internet (Zentrum für empirische pädagogische Forschung, Universität Koblenz-Landau) – (E-Book) - http://www.bullying-in-school.info/uploads/media/E-Book_German_01.pdf
Pieschl, Stephanie/Porsch, Torsten (2012): Schluss mit Cybermobbing! Das Trainings- und Präventionsprogramm >Surf-Fair<. Mit Film und Materialien auf DVD.Weinheim und Basel: Beltz-Verlag
POLIZEIBERATUNG: Cybermobbing – unterschätzte Gefahr? Aktuelle Zahlen und Daten sowie wichtige Hintergrundinformationen - http://www.polizei-beratung.de/themen-und- tipps/gefahren-im- internet/cybermobbing/fakten.html)
SOCIAL MEDIA: Uni erforscht Cyber-Mobbing an Schulen - http://bildungsklick.de/a/82093/uni-erforscht-cyber-mobbing-an-schulen/
Cybermobbing an Schulen ist im Kontext von allgemeinen Mobbing-Erfahrungen vergleichsweise „neu“ (Mitte des letzten Jahrzehnts im angloamerikanischen Sprachraum als spezifisches Phänomen beschrieben), aber inzwischen leider schon eine Alltagserscheinung. Dies liegt u.a. in der Tatsache begründet, dass die Nutzung des Internets bei Schülern aller Altersstufen zur Alltagsbeschäftigung gehört: Computer und Internet sind für Schüler ohne Probleme verfügbar, die Nutzungsintensität spricht für sich:
Dies gilt auch für die spezielle Nutzung sozialer Netzwerke (z.B. Facebook).
Nach der Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger durch „Jugend, Information und (Multi-) Media“ (vgl. JIM-Studie 2011) suchen 71 Prozent der 12- bis 19-Jährigen mehrmals pro Woche solche Plattformen im Internet auf:
Die Infographik zeigt die Signifikanz der sozialen Netzwerke im Kontext jugendlicher Kommunikationsformen, wie z.B. Facebook, schülerVZ, diverse Chatrooms etc.
Sicher lassen sich genügend positive Aspekte der Nutzung sozialer Netzwerke finden – das ist hier aber nicht das Thema. „Cybermobbing“ ist eine der problematischen Nutzungsmöglichkeiten sozialer Netzwerke: es geht um Beleidigung und Diffamierung, falsche Behauptungen und peinliche Bloßstellungen durch Darstellungen und Fotos.
14 % der Jugendlichen haben angegeben, dass über sie schon einmal peinliche oder beleidigende Inhalte ins Internet gestellt wurden. Jeder Zehnte im Alter von 12 bis 13 Jahren (9 %) wurde online beleidigt, beschimpft oder verleumdet. Der Prozentsatz bei älteren Jugendlichen ist noch höher: 14-15 Jahre: 18 %, 16-17 Jahre:14 %, 18-19 Jahre: 16 % (vgl. JIM-Studie 2011). In der Vernetzung von Einzelpersonen, aber auch ganzer Schulklassen und sogar Schulen finden die Cyber-Mobber eine aus ihrer Sicht „ideale“ Kommunikationsinfrastruktur vor: Scheinbar (!) anonym und damit ungefährdet lassen sich beliebige Personen unglaublich einfach zum Opfer machen(vgl. Gewalt, Mobbing und Bullying in der Schule).
Jeder vierte jugendliche Internetbesucher gibt an, dass in seinem Freundeskreis schon jemand sprichwörtlich „fertig gemacht“ worden sei. Besonders Jugendliche im mittleren Alter bestätigen Onlinemobbing in ihrem Umfeld (vgl. JIM-Studie 2011, S. 39ff.).
Was ist eigentlich Cybermobbing?
Cybermobbing (auch Cyberbullying, E-Mobbing genannt) kann - neben anderen kategorialen Zuordnungen - als besondere Form des allgemeinen Mobbings gesehen werden: Von Mobbing wird allgemein gesprochen, wenn über einen längeren Zeitraum Personen negativen Handlungen anderer ausgesetzt sind. Man kann indirekte Formen von Mobbing (Unwahrheiten verbreiten, Gerüchte in die Welt setzen, versteckt jemanden ausgrenzen...) von direkten Formen abgrenzen (hänseln, beleidigen, bedrohen bis handgreiflich werden, bespucken, treten...).
Mobbing lässt sich auch danach unterscheiden, ob es im Kern mehr physischer oder psychischer Art ist. Als dritte Form kann „Cyber-Mobbing“ gesehen werden, das Mobbing über elektronische Medien (Internet, Handy) meint. Diese „Trennungen“, Unterscheidungen von Mobbing können nur aus analytischen Gründen Sinn machen: Physische Attacken bewirken beim Opfer sicher auch psychische Schäden und umgekehrt. So gesehen hat Cybermobbing prinzipiell das gleiche mögliche Wirkungspotenzial wie allgemeines Mobbing – lediglich die Methoden (und die Rollen von Täter und Opfer) unterscheiden sich.
„Auslöser von Mobbing-Prozessen sind oft Konflikte zwischen den Beteiligten, die keine Lösung erfahren. Im Übergang vom Konflikt zum Mobbing verliert das ursprüngliche sachliche Problem immer mehr an Bedeutung, die systematische Bloßstellung und Tyrannisierung des Opfers tritt in den Vordergrund. Täter(innen) gewinnen dabei eine Machtposition, in der sich das Opfer unterlegen und ausgeliefert fühlt“ (Cybermobbing – unterschätzte Gefahr? - Polizeiberatung Cybermobbing - Fakten und Hintergrundinformationen).Die Vielzahl der Definitionen von Cybermobbing unterscheiden sich weniger im strukturellen Bereich, die Blickwinkel und Gewichtungen bedingen die Unterschiede.
„Die meisten Definitionen von Cybermobbing lehnen sich eng an Definitionen von Mobbing in der Schule an: Danach bezeichnet Cybermobbing die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, um absichtlich [Vermutungen gehen allerdings dahin, dass ein nicht nur marginaler Anteil der Mobber „unwissentlich“ agiert – dies wird in der anstehenden Forschungsarbeit der Universität Hohenheim (Universität Hohenheim erforscht Cybermobbing an Schulen) wohl präziser analysiert werden] und wiederholt schwächere Individuen oder Gruppen von Individuen zu diffamieren oder zu schikanieren (…) Dieser direkte Vergleich von Mobbing in der Schule und Cybermobbing ist allerdings nur teilweise angemessen, da sich nicht alle Aspekte dieser Definition auf den virtuellen Raum übertragen lassen“ (Pieschl/Porsch 2012, S. 14).
Die wesentlichen Kommunikationsformen (vgl. Infographik: Aktivitäten im Internet; auch: Pieschl/Porsch, S. 14ff.) des Cybermobbing sind:
- Nutzung sozialer Netzwerke / Social Communities (z.B. Facebook / schülerVZ)
- Emails empfangen und versenden
- Instant Messenger (z.B. ICQ, MSN) nutzen
- Chatrooms besuchen
- Handys: Anrufe, SMS, MMS
Besonderheiten des Cybermobbing im Vergleich zum „herkömmlichen“ Mobbing sind:
- Anonymität der agierenden Cyber-Mobber (sog. Cyber-Bullies)
- Personenkreis / Zielgruppen / Reichweite für Cybermobbing unbegrenzt groß
- Sekundenschnelle Verbreitung von Mobbing-Inhalten
- „Rund um die Uhr“ Mobbing-Aktionen möglich
Alle reden über Cybermobbing - eine breite, wissenschaftliche Aufarbeitung fehlt aber bislang
Auch wenn in den Medien viel über „Cybermobbing“ berichtet wird – bislang fehlt eine grundsätzliche wissenschaftliche Aufarbeitung. Ansätze gehen aber in diese Richtung (vgl. z.B.: Fawzi, Nayla (2009) - Ursachen und Auswirkungen von Cyber-Mobbing).
Alle Begriffe, die nicht nur in Fachkreisen unterschiedlich beschrieben und umrissen werden, sondern auch im alltäglichen Sprachgebrauch zum Schlagwort geworden sind, haben ein vages, uneinheitliches Bedeutungsfeld. Dies trifft sicher auch auf den neuen Begriff des Cybermobbings zu. Solange man sich dem Phänomen des Cybermobbings nur maßgeblich deskriptiv - die Symptome beschreibend - nähert, wird der Begriff unscharf bleiben und sogar auch funktionalisiert verwendet werden können. Bislang fehlt eine breite, wissenschaftliche Aufarbeitung. Gerade beim Cybermobbing wäre eines von größtem Erkenntnisinteresse: Die Frage nach der langfristigen Wirkung von Cybermobbing bei den Mobbing-Opfern. Festgestellte und beschriebene „Wirkungen“ sind wohl eher „Effekte“ als „Wirkungen“!Das Vorwort von Prof. Dr. Gregor Daschmann zu der Analyse von Fawzi (2009) umreißt recht trefflich Anliegen und Problemaspekte zum Forschungsgegenstand Cybermobbing:
„Manchem mag Cyber-Mobbing nur als ein Modewort für einen herkömmlichen Sachverhalt er- scheinen. Schließlich ist Mobbing unter Jugendlichen kein neues Phänomen – das Schikanieren und 'Hänseln' von Mitschülern war auch schon (…) lange vor Bestehen des Internet, der traurige Alltag in vielen Schulklassen. (...) Ist somit Cyber-Mobbing nichts anderes als die Austragung alltäglicher Schülerzwistigkeiten, wie es sie schon immer gab, via Internet? … Nayla Fawzi verdeutlicht, dass der Wandel wesentlich tiefgreifender ist. Sie verknüpft das Phänomen des Cyber-Mobbing mit den jüngeren kommunikationswissenschaftlichen Forschungen zu so genannten 'Reziproken Effekten', die zeigen, wie sehr Opfer von Medienberichten psychisch unter den Folgen bloßstellender Berichterstattung leiden. Hier wird deutlich, dass Cyber-Mobbing eine neue Qualität hat, die weit über das hinausreicht, was das frühere Drangsalieren und Schikanieren ausmacht. Was vorher im privaten Bereich (...) stattfand, steht jetzt im Netz: Für alle sichtbar und meist nicht mehr rückholbar. (...) Hinzu kommt das Gefühl der Ohnmacht: Die Täter bleiben meist anonym und sind nicht greifbar – ohne Einschreiten zu können, muss das Opfer die Übergriffe hilflos hinnehmen. … (…) Was fehlt, ist Medienwirkungskompetenz. Sie zu vermitteln, ist die Aufgabe von Pädagogen und Eltern und nicht zuletzt von uns Wissenschaftlern. Nayla Fawzi macht mit Ihrer Studie einen Anfang“ (Aus dem Vorwort von Prof. Dr. Gregor Daschmann zur Arbeit von Fawzi (2009)).Ein weiterer (größerer) Fortschritt in der wissenschaftlichen Erforschung des Phänomens Cybermobbing kann in nächster Zeit erwartet werden. So ist es zu begrüßen, dass das an der Universität Hohenheim derzeit im Fachgebiet Kommunikationswissenschaft (> interaktive Medien- und Online-Kommunikation) unter Leitung von Prof. Dr. Thorsten Quandt groß angelegte Forschungsprojekt von der öffentlichen Hand maßgeblich finanziell unterstützt wird.
An zahlreichen Stuttgarter Schulen werden die Wissenschaftler drei Jahre lang anonyme Befragungen mit dem Ziel durchführen, die Ergebnisse zur Erarbeitung langfristiger und wirkungsvoller Strategien im Kampf gegen Cyber-Mobbing für die Schul- und Jugendarbeit zu nutzen. Schwerpunkt der Forschung sind die Untersuchung Sozialer Netzwerke als „geheime Schüler-Welten“ und die Beleuchtung von Klassenstruktur und Freundschaftsnetzwerken, Persönlichkeitsprofilen unter besonderer Berücksichtigung von Opfer- und Täterrollen (vgl. Universität Hohenheim erforscht Cybermobbing an Schulen).
Auch wenn mit diesem Forschungsvorhaben noch nicht alle Forschungsdesiderate (z.B. Wirkungsforschung im Kontext Cybermobbing) berücksichtigt werden können, so geht der Weg in eine systematischere, wissenschaftlich fundiertere Erfassung des Phänomens Cybermobbing.
Ist Cybermobbing juristisch fassbar?
Ganz lapidar kann zunächst festgestellt werden: In Deutschland existiert kein spezifischer Straftatbestand „Cybermobbing“. Das bedeutet aber keineswegs, dass mit den im Cybermobbing praktizierten Handlungen keine strafrechtlichen Konsequenzen verbunden sein können. Aber sind Schüler dann „außen vor“? Nein, es dürfte allgemein bekannt sein, dass in unserem Land die Strafmündigkeit nicht erst mit der Volljährigkeit gegeben ist: Die Strafmündigkeit beginnt mit Vollendung des 14. Lebensjahres. Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren gilt nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) das Jugendstrafrecht.
Blicken wir beispielhaft in das Strafgesetzbuch (STGB):Beleidigungen sind beim Cybermobbing an der Tagesordnung: §185 (StGB) sieht für Beleidigungen eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor. Der gleiche Strafrahmen wird bei dem Straftatbestand der „üblen Nachrede“ (§186 StGB) angelegt. Diese ist dann gegeben, wenn jemand in Beziehung zu einem anderen verächtliche Behauptungen verbreitet bzw. ihn öffentlich herabwürdigt. Ähnliches (falsche Tatsachenbehauptungen und Herabwürdigungen) gilt auch für den Tatbestand der Verleumdung (§187 StGB). Auf weitere mögliche Tatbestände des StGB (u.a. Nötigung (§240 StGB), Bedrohung (§241 StGB), Nachstellung (§238 StGB) (heute auch Stalking genannt) soll hier nicht weiter eingegangen werden.
Von Bedeutung - weil häufig im Cybermobbing vorkommend - ist der schädigende Einsatz von Bildern, Tonaufnahmen und Videos. In diesem Kontext kommen spezifische Straftatbestände ins Spiel:
- Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes (§201 StGB)
- Verletzung des Briefgeheimnisses (§202 StGB)
- Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§201a StGB).
Es stellt sich auch die Frage, ob die Gerichte hier nicht das falsche Signal setzen dergestalt, dass Cybermobbing nur eine Art „Kavaliersdelikt“ sei. Die Gegenmeinung dazu ist, dass Strafandrohung und Rechtsweg als Instrument der Mobbing-Prävention ungeeignet sei.
Die einschlägigen Schulgesetze (in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt) sehen als schulrechtliche Maßnahmen u.a. Gespräche mit dem betreffenden jugendlichen Mobbing-Täter vor. Als schwerwiegendste Maßnahme ist ein Schulverweis möglich (vgl. Dambach 2011, S. 39).
Welche Präventions- und Interventionsmöglichkeiten gibt es?
Pädagogische Strategien und Konzepte sollten bereits „bei der Sensibilisierung im Umgang mit den eigenen Dateien sowie bei der Vorbeugung von Cyber-Bullying ansetzen“ (Dambach, S. 31). Pädagogische Konzepte zum Cybermobbing können als ein Element in der Stärkung allgemeiner Medienkompetenz gesehen werden. Dambach favorisiert eine sog. Feedback-Kultur im Klassenzimmer, also gegenseitige Rückmeldungen und Kritiken, die verhindern sollen, dass Schüler gar nicht erst im Internet „Dampf ablassen“ (vgl. Dambach, S. 65ff.).
Im Kontext präventiver Möglichkeiten im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs der Schüler mit dem Internet finden sich wertvolle Links unter EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz. Hier finden sich zahlreiche Erklärungen und Hilfestellungen für Schüler, Eltern und Lehrer. Diverse Serviceangebote für junge user (u.a. können Schüler, die Opfer von Cybermobbing geworden sind, konkrete Fragen an „klicksafe“ stellen). Materialien mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für Eltern und Lehrer stehen zur Verfügung. Interessant sind auch Kurzfilme/Spots zum Thema Cybermobbing.
Für Erzieher und Pädagogen kann die „Schau-hin-Was deine Kinder machen“-Seite im Internet wertvolle Tipps geben: http://schau-hin.info/.
Empfehlenswert ist auch das „Portal für politische, soziale und ökonomische Bildung“: „Jugend + Bildung“ zum Thema Cybermobbing (Jugend und Bildung – Cybermobbing): Hier stehen Lehrerdokumente, Hintergrundinformationen, Fallbeispiele, Rollenspiele, Klassenregeln zur Verfügung – alle Materialien als PDF). Anzumerken ist, dass „Jugend + Bildung“ im sozialen Netzwerk schülerVZ seit 2011 ein sog. Edelprofil unterhält – dies kann auch als Förderung konstruktiver Nutzung des von vielen Schülern besuchten Netzwerkes verstanden werden.
Obgleich allgemein viel über die Risiken des Internets gesprochen und geschrieben wird, lässt sich nach Pieschl/Porsch Cybermobbing nicht „vorhersagen“, d.h. man kann kein spezifisches „Risiko-Verhaltensmuster“ als Ausgang für Cybermobbing ausmachen. Deshalb muss der Prävention besonderes Augenmerk gewidmet werden (vgl. Pieschl/Porsch, S. 28ff.). Es dürfte aber - aus der pädagogisch-psychologischen Erfahrung herauskommend - so etwas wie „Risikofaktoren“ für Cybermobbing geben, z.B.
- zerrüttete Familienverhältnisse
- Kontakt, Einbindung in eine aggressive Jugend-Subkultur
- Leistungsversagen in Schule und Ausbildung
Zu den Fragen - was tun, wenn Cybermobbing stattfindet bzw. stattgefunden hat?; gibt es geeignete Interventionsmöglichkeiten? - können die bisherigen Antworten kaum befriedigen: z.B. Opfer von Cybermobbing mögen sich den Eltern oder einer Vertrauensperson öffnen; Opfer sollten den Gang zur Polizei nicht scheuen, auf jeden Fall darüber reden, die Vorgänge nicht für sich behalten. Es liegt auf der Hand, dass Jugendliche solchen gut gemeinten Ratschlägen aus unterschiedlichen Gründen nicht immer nachkommen (können).
Ein strategischer Ansatz geht dahin, dass von Cybermobbing betroffene Jugendliche die Agitationen ignorieren sollten, also „nichts tun“! Klingt irgendwie merkwürdig?! - Man könnte diesen Ansatz als Kapitulation des Opfers bewerten? Oder könnte es eine sinnvolle Option sein, einem Jugendlichen soviel Selbstkompetenz zu vermitteln, dass er bei Internetmobbing nicht-leidend Attacken ignoriert, weil ihm bewusst ist, dass neben den positiven Seiten des Internets unvermeidlich auch negative gehören. Im Bewusstsein, dass das Internet nur eine virtuelle Welt ist (aus deren Netzwerken man sich auch entfernen kann), wartet der Gemobbte ohne Reaktionen ab. So werde der Mobber bald seine Aktionen einstellen, weil er keine Wirkungen erzielt.
Auch rezeptartige Empfehlungen, die man mit „technischen Strategien“ (vgl. Pieschl/Porsch, S. 38f.) umschreiben könnte, sind immer „reaktive Bewältigungsstrategien“ und keine strukturellen Lösungen. So bleibt es erst einmal bei pragmatischen, erfahrungsorientierten „Tipps“: z.B. nicht zurück mobben; einfach nicht reagieren; wo es geht, böse Inhalte/Botschaften blockieren; Benutzernamen ändern usw. Solange die Forschung hier keine „Strukturlösungen“ anbieten kann, bleibt wohl die Verbesserung präventiver Programme vorrangig.
Als Beispiel für eine solche Verbesserung im präventiven Bereich kann die Arbeit von Pieschl/Porsch gesehen werden: Die Autoren haben ein Trainings- und Präventionsprogramm („Surf-Fair“) entwickelt. Zum Buch gehört auch ein Film mit Materialien und Arbeitsblättern auf DVD. Die Autoren geben an, warum sich das Programm von anderen Präventionsmaßnahmen unterscheidet:
Hat die Schule Handlungsmöglichkeiten zur Schaffung einer Atmosphäre, die Cybermobbing vorbeugen könnte?
- „Ein einheitliches didaktisches Konzept steht hinter allen Übungen.
- 'Surf-Fair' hat zum Ziel, Medienkompetenz, vor allem Medienkritik zu vermitteln. Das Programm richtet sich damit ausschließlich gegen Cybermobbing.
- Außerdem haben wir große Teile des Präventionsprogramms 'Surf-Fair' systematisch evaluiert und konnten größtenteils positive Effekte auf das Cybermobbing-Verhalten und auf das Wissen der teilnehmenden Schüler/innen feststellen. Darüber hinaus bewerten die meisten Schüler/innen und Lehrer/innen das Präventionsprogramm 'Surf-Fair' und die dazugehörigen Arbeitsmaterialien positiv“ (Pieschl/Porsch, S. 46).
Wenn festgestellt worden ist, dass zum Phänomen Cybermobbing (Cyberbullying) inzwischen zahlreiche mediale Äußerungen vorliegen, aber systematische und breit angelegte wissenschaftliche Forschungsergebnisse noch weitgehend ausstehen, so ist die Frage nach Handlungsmöglichkeiten der Schule legitim und notwendig. Alle Maßnahmen, die zur Verbesserung des Schullebens dienen, können auch ein produktiver Beitrag sein, Cybermobbing-Bedingungen zu verschlechtern, z.B.:
- die Schüler systematisch über Cybermobbing informieren (z.B. fächerübergreifende Projekte, Info-Stände im Rahmen eines Schulfestes)
- altersgemäße Thematisierung des Phänomens Cybermobbing durch klassen- bezogene Aufstellung von Plakaten/Infotafeln und Diskussion von Internetregeln mit besonderer Berücksichtigung der Nutzung sozialer Netzwerke/Chats/Communities
- Anti-Mobbing-Trainings
- Anti-Mobbing-Schülerspezialisten (nach dem Vorbild der Schüler-Streitschlichter)
- Theateraufführungen zum Thema Cybermobbing
- Cybermobbing als Dauer-Thematik in Schülerzeitungen
- im ITG-Unterricht besonders positive, konstruktive Nutzung neuer Medien fördern
Natürlich kann die Schule nicht alle Erziehungs- und Sozialisationsdefizite kompensieren. Cybermobbing ist auch eine Erscheinung, die im Kontext sich ändernder gesellschaftlicher Strukturen, Wert- und Moralvorstellungen zu sehen ist. Schule respektive Lehrer müssen aber ihre Möglichkeiten nutzen:
„Mobbing und damit fast alle Fälle von Cybermobbing haben ihren Ursprung in der Schule. Aus dieser Zwangsgemeinschaft können Opfer nur schwer ausscheren, die Anwesenheitspflicht öffnet Tätern und Mitläufern jeden Tag die Tore für weitere Attacken.Mobbing wie Cybermobbing sind Gewalt und Schule hat die Pflicht für einen gewaltfreien Umgang zu sorgen -umgehend und nachhaltig“ (Hanke 2011, S. 25).Die Möglichkeiten der Schule bzw. der Lehrerinnen liegen damit vor allem im präventiven Bereich und betreffen das Klima in der Schule und der Schulklasse. Alle Aktivitäten im Schulleben, die Spannungen und Konfliktpotenzialen entgegenwirken, dienen dazu, den Nährboden für Mobbing/Cybermobbing zu schmälern. Schul- und Lehrermaßnahmen gegen Cybermobbing sollten also nicht auf einen Katalog „technischer“ Regeln begrenzt werden. Je demokratischer das Schulleben ist, je rücksichtsvoller der Umgang aller am Schulleben Beteiligten ist, desto mehr entsteht eine Atmosphäre, in der Mobbing/Cybermobbing weniger Entfaltungschancen hat.
Solche Bemühungen zur Verbesserung von Rahmenbedingungen schließen natürlich nicht aus, dass konkrete Programme und Aktionen gegen Cybermobbing sicher ihren Sinn haben und absolut notwendig sind. Medienpädagogik muss sich weiterentwickeln, um zu einem gezielten Instrumentarium zur Verminderung von Mobbing-Aktivitäten zu werden. Sinnvoll wäre natürlich, wenn hier Elternhaus und Schule geeignete Formen der Kooperation entwickeln.
Erfolge bei dieser Arbeit stellen sich nicht von heute auf morgen ein. Diese in die Zukunft wirkenden Bemühungen sind aber nötig und verlangen Geduld und Ausdauer. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, für alle konkreten psychologischen und pädagogischen Trainingsprogramme - die bereits an Schulen praktisch erprobt worden sind - offen zu sein. In diesem Zusammenspiel von allgemeinen „Strukturmaßnahmen“ und gezielten Strategien gegen Cybermobbing kann und sollte eine nachhaltige Besserung der Situation (Cybermobbing als Phänomen des Schulalltags) möglich sein – etwas Optimismus als Kennzeichen des Pädagogen gehört wohl dazu!
Verwendete Literatur
EU-INITIATIVE FÜR MEHR SICHHEIT IM NETZ - http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/
Dambach, Karl E. (2011): Wenn Schüler im Internet mobben. Präventions- und Interventionsstrategien gegen Cyber-Bullying. München: Reinhardt
Fawzi, Nayla (2009): Cyber-Mobbing. Ursachen und Auswirkungen von Mobbing im Internet. Baden-Baden: Nomos-Verlag - http://forschung.wi.uni-passau.de/disk/?q=node/70
Grimm, Petra (2011): Digitales Drangsalieren. Gewalt via Handy und Internet. In: Schüler 2011, Friedrich Jahresheft: Aufwachsen mit virtuellen Welten. ONLINE_OFFLINE, hrsg.v. Friedrich Verlag
Hanke, Ottmar (2011): „Cyber“ als Verlängerung von Mobbing. Cybermobbing – ein gar nicht privates Problem von Kindern und Jugendlichen. In: PÄDAGOGIK 63.Jahrgang Heft 1/2011: Mobbing: Beltz-Verlag
JIM-Studie 2011: Jugend, Information und (Multi-) Medi, Medienpädagogischer Forschungsverbund Süd- west (Hrsg.). Forschungsberichte, Stuttgart - http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf11/JIM2011.pdf
JUGEND+BILDUNG. Portal für politische, soziale und ökonomische Bildung - http://www.jugend-und-bildung.de/webcom/show_jubsl.php/_c-867/i.html
Ortega-Ruiz, Rosario, Mora-Merchan, Joaquin, A. u. Jäger, Thomas (Hrsg.) (2007): Gewalt,Mobbing und Bullying in der Schule. Die Rolle der Medien, Kommunen und des Internet (Zentrum für empirische pädagogische Forschung, Universität Koblenz-Landau) – (E-Book) - http://www.bullying-in-school.info/uploads/media/E-Book_German_01.pdf
Pieschl, Stephanie/Porsch, Torsten (2012): Schluss mit Cybermobbing! Das Trainings- und Präventionsprogramm >Surf-Fair<. Mit Film und Materialien auf DVD.Weinheim und Basel: Beltz-Verlag
POLIZEIBERATUNG: Cybermobbing – unterschätzte Gefahr? Aktuelle Zahlen und Daten sowie wichtige Hintergrundinformationen - http://www.polizei-beratung.de/themen-und- tipps/gefahren-im- internet/cybermobbing/fakten.html)
SOCIAL MEDIA: Uni erforscht Cyber-Mobbing an Schulen - http://bildungsklick.de/a/82093/uni-erforscht-cyber-mobbing-an-schulen/
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Donnerstag, 19. Juli 2012
Web 2.0 und Medienkompetenz
Heute fand die letzte Sitzung des Seminars "Web 2.0 und Medienkompetenz - was sollte ich als (Politik-)Lehrer(in) wissen" statt. Wir haben versucht, die Erkenntnisse des Semesters Revue passieren zu lassen und die verschiedenen Stränge zusammenzuführen. Hierzu haben wir den Begriff "Medienkompetenz" als Ausgangspunkt gewählt.
Schon vor dem Web 2.0 war es nicht einfach, Medienkompetenz zu definieren, geschweige denn zu lehren, aber immerhin ging es um einen relativ klar abgrenzbaren Bereich, nämlich die Medien. Das waren Fernsehen, Radio, Zeitungen oder Zeitschriften, in ihnen gab es Bilder, Karikaturen oder Infografiken. Diese Medien sollte man nutzen und kritisch beurteilen können.
Mit dem Web 2.0 sind nun aber Medien- und "reale" Welt unauflöslich ineinander verwoben. Facebook gehört zum Alltag und nimmt damit eine andere Position ein als die "klassischen" Medien. Wie andere Web 2.0-Plattformen (YouTube, Flickr etc.) wird es überhaupt erst durch die Nutzung zu einem Medium. Damit lässt sich Medienkompetenz nicht mehr sinnvoll von anderen Bereichen abgrenzen und ufert zu einer "allgemeinen Lebensbewältigungskompetenz" aus.
Früher wurden Medien von Medienmachern gemacht. In aller Regel waren das Profis, hinter denen große Verlage standen. Heute sind alle Produzenten. Diese Liste an Umbrüchen ließe sich noch fortsetzen. Medienkompetenz (falls dieser Begriff noch Sinn ergibt) spiegelte sich damit in allen im Lauf des Semesters behandelten Themen wider:
Die Frage drängt sich auf: Gibt es einen Unterschied zwischen Bildung und Medienkompetenz? Wir freuen uns über Kommentare...
Schon vor dem Web 2.0 war es nicht einfach, Medienkompetenz zu definieren, geschweige denn zu lehren, aber immerhin ging es um einen relativ klar abgrenzbaren Bereich, nämlich die Medien. Das waren Fernsehen, Radio, Zeitungen oder Zeitschriften, in ihnen gab es Bilder, Karikaturen oder Infografiken. Diese Medien sollte man nutzen und kritisch beurteilen können.
Mit dem Web 2.0 sind nun aber Medien- und "reale" Welt unauflöslich ineinander verwoben. Facebook gehört zum Alltag und nimmt damit eine andere Position ein als die "klassischen" Medien. Wie andere Web 2.0-Plattformen (YouTube, Flickr etc.) wird es überhaupt erst durch die Nutzung zu einem Medium. Damit lässt sich Medienkompetenz nicht mehr sinnvoll von anderen Bereichen abgrenzen und ufert zu einer "allgemeinen Lebensbewältigungskompetenz" aus.
Früher wurden Medien von Medienmachern gemacht. In aller Regel waren das Profis, hinter denen große Verlage standen. Heute sind alle Produzenten. Diese Liste an Umbrüchen ließe sich noch fortsetzen. Medienkompetenz (falls dieser Begriff noch Sinn ergibt) spiegelte sich damit in allen im Lauf des Semesters behandelten Themen wider:
- Google und andere Suchmaschinen und -hilfen professionell nutzen
- webbasiertes Wissensmanagement (Umgehen mit der Informationsflut u.a.)
- Wissensmanagement mit RSS
- Googles Geschäftsmodell
- Facebooks Geschäftsmodell
- Datenschutz
- Urheberrecht
- Cybermobbing
- Lernen 2.0 (Änderung der Lehrerrolle, praktischer Einsatz von Web-Tools im Unterricht etc.)
- Wikipedia verstehen
- Wirtschaft 2.0 (virales Marketing, Transparenz etc.)
Die Frage drängt sich auf: Gibt es einen Unterschied zwischen Bildung und Medienkompetenz? Wir freuen uns über Kommentare...
Petition "Stellt iGoogle nicht ein!"
Wer in den letzten Jahren an unseren Kursen zu professioneller Internetrecherche
und webbasiertem Wissensmanagement teilgenommen hat (und das waren
viele hundert Professoren, Dozenten, Lehrerinnen, Studierende,
Journalisten etc.), der hat Googles personalisierte Startseite iGoogle
kennen und (hoffentlich) schätzen gelernt. Wir haben die speziell auf
Wissensarbeiter zugeschnittene Startseite "Webbüro" genannt, und die
Tatsache, dass man nun alles zentral an einer Stelle beisammen hat,
wurde in den Evaluationen zu den Seminaren durchgängig als besonders
wertvoll erachtet.
Nun hat Google am 3. Juli 2012 bekannt gegeben, die personalisierte Startseite iGoogle zum November 2013 einstellen zu wollen. Das wäre in der Tat ein großer Verlust für uns und all die Absolventen unserer Kurse. Dass es nicht nur uns so geht, zeigen die Reaktionen im Web. So gibt es beispielsweise bei ipetitions.com eine Petition "Stellt iGoogle nicht ein!", die ich gestern mitgezeichnet habe. Wenn Sie auch mit iGoogle arbeiten, dann nehmen Sie sich zwei Minuten Zeit und unterschreiben Sie diese Petition...
Nun hat Google am 3. Juli 2012 bekannt gegeben, die personalisierte Startseite iGoogle zum November 2013 einstellen zu wollen. Das wäre in der Tat ein großer Verlust für uns und all die Absolventen unserer Kurse. Dass es nicht nur uns so geht, zeigen die Reaktionen im Web. So gibt es beispielsweise bei ipetitions.com eine Petition "Stellt iGoogle nicht ein!", die ich gestern mitgezeichnet habe. Wenn Sie auch mit iGoogle arbeiten, dann nehmen Sie sich zwei Minuten Zeit und unterschreiben Sie diese Petition...
Montag, 9. Juli 2012
Schul-PR und Web 2.0
Auch und gerade die schulische Kommunikation ändert sich durch das Web 2.0 grundlegend. Dem hat nun auch das Handbuch "Öffentlichkeitsarbeit macht Schule" (hg. v. Regenthal/Schütte, www.oeffentlichkeitsarbeit-schule.de) Rechnung getragen und einen Beitrag von Jöran Muuß-Merholz ergänzt: "Schule und Web 2.0 - Wie Social Media die schulische Kommunikation durcheinanderwirbelt".
Der lesenswerte Beitrag kann auf der Website des Autors als pdf heruntergeladen werden. Als Extra umfasst er zwei Arbeitshilfen, die sehr nützlich sind: Zum einen eine Gegenüberstellung von Web 1.0 und Web 2.0 (ähnlich unserer Synopse im Online-Lehrbuch zum Web 2.0 am Ende des Abschnitts "Was ist das Web 2.0?") und zum zweiten eine Gegenüberstellung zwischen traditioneller schulischer Kommunikation und Kommunikation 2.0 von Schulen.
Der lesenswerte Beitrag kann auf der Website des Autors als pdf heruntergeladen werden. Als Extra umfasst er zwei Arbeitshilfen, die sehr nützlich sind: Zum einen eine Gegenüberstellung von Web 1.0 und Web 2.0 (ähnlich unserer Synopse im Online-Lehrbuch zum Web 2.0 am Ende des Abschnitts "Was ist das Web 2.0?") und zum zweiten eine Gegenüberstellung zwischen traditioneller schulischer Kommunikation und Kommunikation 2.0 von Schulen.
Das Fazit des Autors: "Der digitale Umbruch wird der Gesellschaft im Allgemeinen und den Schulen im Besonderen viel abverlangen. Aber nur wer sich aktiv mit diesem Wandel auseinandersetzt, hat überhaupt die Chance, ihn mitzugestalten und nicht (nur) von ihm getrieben zu werden. Nur wer an der großen Konversation des Web 2.0 teilnimmt, kann sie verstehen und beeinflussen. Akteure in den Schulen müssen sich darüber im Klaren sein: Fotos aus der Schule auf Facebook, Diskussionen über die Schule auf Blogs und Twitter, Kommentare zu den Schulen auf Bewertungsportalen - all das passiert, ob man es mag oder nicht. Die Akteure können nur entscheiden, ob sie es überhaupt mitbekommen und ob sie es mitgestalten wollen - oder ob diese Konversation ohne sie stattfindet" (S. 7).
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Freitag, 6. Juli 2012
Videos von Studierenden zur Zukunft des Lernens
Die Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat (zusammen mit Microsoft Deutschland) einen Ideen- und Videowettbewerb zum Thema "Zukunft des Lernens – Zukunft des Studierens" ausgeschrieben. Nun wurden die Sieger gekürt. Das Siegervideo "FuturePast" stellt die neue der alten Welt des Lernens gegenüber und bildet damit einen schönen Nachklang zu unserer Sitzung zum Lernen 2.0...
Donnerstag, 5. Juli 2012
Youtube: Reich und Berühmt
Hier ein Beitrag aus dem SWR-Fernsehen, wie man mit Hilfe von Youtube "reich und berühmt" werden kann
http://www.youtube.com/watch?v=NpdBimOKA-0
http://www.youtube.com/watch?v=NpdBimOKA-0
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Mittwoch, 4. Juli 2012
bpb: Unterrichtseinheit zu Facebook
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat eine Unterrichtseinheit mit dem Titel "Facebook - mit Chancen und Risiken bewusst umgehen" auf ihrer Website eingestellt. Die Kurzbeschreibung liest sich folgendermaßen:
"In dieser Unterrichtseinheit werden die Schülerinnen und Schüler durch eine Kombination von analytischen und produktiv-kreativen Aufgaben befähigt, risikobewusst und kompetent mit der Plattform Facebook und mit ihren persönlichen Daten in diesem sozialen Netzwerk umzugehen."
Montag, 2. Juli 2012
brandeins 07/2012: Schwerpunkt Digitale Wirtschaft
"Geld verdienen im Netz" - so ist die aktuelle Ausgabe des Wirtschaftsmagazins brandeins überschrieben. Im Rahmen des Schwerpunkts "Digitale Wirtschaft" finden sich eine Reihe äußerst lesenwerter Artikel, u.a. ein ausführliches Interview mit dem Rechtswissenschaftler Thomas Hoeren zum Urheberrecht, Informationen zu den wichtigsten Verwertungsgesellschaften (GEMA, VG Wort, ZPÜ, GEZ), Artikel zur Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter und "Sieben Anmerkungen zum kollektiven Wahnsinn namens Urheberrechtsdebatte". Dieser Text von Peter Lau steht auch online zur Verfügung...
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Freitag, 29. Juni 2012
Film: "Apple. Google. Facebook. Amazon."
Ein kleiner Nachtrag zur Sitzung, in der es um die Geschäftsmodelle von Google und Facebook ging, in Form eines Videos. Die Beschreibung der LfM NRW: "Apple, Google, Facebook, Amazon dominieren die Nutzung im Internet. Das
Video gibt einen Überblick über Strategien und Geschäftsmodelle der 'Großen Vier' und deren Bedeutung für die Nutzerinnen und Nutzer."
Vortrag von Don Tapscott
Leider haben wir in diesem Semester kein Referat zu "Wikinomics" bzw. Wirtschaft 2.0 im Programm. Der Autor von "Wikinomics" (und auch von "Net Generation" und "Macrowikinomics"), Don Tapscott, hat sich aber in einem aktuellen TED Talk zu Wort gemeldet, und es lohnt sich wieder, 18 Minuten zu investieren. Es geht um den Übergang vom Industriezeitalter ins Zeitalter der "Networked Intelligence" und um die vier Prinzipien, auf denen die neue, offene Welt aufbaut: collaboration, transparency, sharing, empowerment:
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Dienstag, 26. Juni 2012
Facebook und Google – Warum so erfolgreich? Was machen sie besser als die anderen Suchmaschinen bzw. Sozialen Netzwerke?
Facebook hat m.E. den "Vorteil", dass es allein durch seine Gründungsgeschichte fasziniert und die Leute somit Teil dieses Phänomens sein möchten. Dadurch, dass sich Facebook von Beginn an immer weiterentwickelt hat, hat es die anderen Netzwerke schnell eingeholt, dann überholt und schließlich abgehängt. Das heißt, Facebook hat die meisten Funktionen aller Sozialen Netzwerke. Es trennt nicht nach Alter, Geschlecht usw. Man kann also dieselbe Person wie im richtigen Leben sein. Zudem ist es international, für alle zugänglich und vereint alles. Nähere Informationen findet ihr hier.
Durch seinen Such-Algorithmus hat Google von Anfang an die besten Suchergebnisse geliefert. Somit war Google durch die Qualität der Ergebnisse den anderen Suchmaschinen immer einen Schritt voraus. Google orientiert sich am Nutzer und fragt :„Was will der Kunde wohl?“ Die Ergebnisse werden für den Nutzer nach Relevanz sortiert. Zudem wird der Standort des Suchanfrage miteinbezogen und es erfolgt eine Personalisierung der Suchergebnisse. Nähere Informationen findet ihr hier.
Montag, 25. Juni 2012
Das Geschäftsmodell von Google
Prinzip des Geschäftsmodells: Die wertvollste Werbung soll an der besten Stelle stehen.
Funktion des Geschäftsmodells: Google blendet Werbung anhand der eingegebenen Suchworte ein. Dies basiert auf einer höchst lukrativen Auktion. Wer am meisten Geld für den Werbeplatz bietet und wessen Werbung am besten zum eingegebenen Suchwort passt, bekommt einen der elf begehrten Werbeplätze oberhalb und rechts neben den regulären Suchtreffern. Dies funktioniert mit "AdWords". Eine weiteres Modell, mit dem Google Geld verdient, ist "AdSense". Hier werden Webseiten-Betreiber eingebunden, die Anzeigeblöcke auf ihren jeweiligen Webseiten platzieren. Dies sind die beiden Haupteinnahmequellen von Google.
Eine kurze Veranschaulichung des Geschäftsmodells findet ihr hier.
Funktion des Geschäftsmodells: Google blendet Werbung anhand der eingegebenen Suchworte ein. Dies basiert auf einer höchst lukrativen Auktion. Wer am meisten Geld für den Werbeplatz bietet und wessen Werbung am besten zum eingegebenen Suchwort passt, bekommt einen der elf begehrten Werbeplätze oberhalb und rechts neben den regulären Suchtreffern. Dies funktioniert mit "AdWords". Eine weiteres Modell, mit dem Google Geld verdient, ist "AdSense". Hier werden Webseiten-Betreiber eingebunden, die Anzeigeblöcke auf ihren jeweiligen Webseiten platzieren. Dies sind die beiden Haupteinnahmequellen von Google.
Eine kurze Veranschaulichung des Geschäftsmodells findet ihr hier.
Freitag, 15. Juni 2012
Facebook-Ratgeber für Eltern und Lehrer
Seit gestern ist das Buch "Mein Kind ist bei Facebook" von Jöran Muuß-Merholz und Thomas Pfeiffer auf dem Markt. Die begleitende Website bietet Auszüge, Aktualisierungen und Bonuskapitel. Spiegel online schreibt in einer ersten Buchbesprechung dazu: "Das Buch setzt auf Pragmatismus statt Panik", was vielversprechend klingt, denn an Panikmache mangelt es auf dem Buchmarkt und darüber hinaus nicht...
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Freitag, 8. Juni 2012
Facebook in der Schule
„Ähnlich wie Verkehrserziehung zur Grundschule gehören auch Facebook und Co. ab der 5. Klasse in den Unterricht. [...] Soziale Netzwerke sollen ja nicht nur den Mitgliedern Spaß machen, sondern auch den Machern Geld einbringen – deshalb ist es wichtig, über Risiken und Nutzen Bescheid zu wissen.“ (Schröder, 2012)Anlässlich dieser Äußerung der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) vom 25. März 2012 setzt sich der folgende Text mit der Frage auseinander, ob Facebook als Instrument in der Schule dienlich ist und inwiefern sich das soziale Netzwerk als Unterrichtsgegenstand in den (Politik-)Unterricht integrieren lässt.
Facebook als Instrument der Schule
Bevor der Fokus auf das Soziale Netzwerk Facebook verengt wird, sollen zunächst die übergeordneten Chancen und Risiken von Online-Plattformen in den Blick genommen werden. Eine Kategorisierung hat das europäische Forschungsprojekt EU Kids online in Form einer Matrix vorgestellt:
(vgl. Gapski & Gräßer, 2009, S.11)
Da Facebook nahezu alle Funktionen von verschiedenen Online-Plattformen in sich vereint, ist diese Tabelle direkt übertragbar. Die folgenden Abschnitte behandeln die Chancen und Risiken von Facebook als Thema im Unterricht.
Chancen
THOMAS PFEIFFER spricht sich für die Nutzung von Facebook im Politikunterricht aus, da die Plattform verschiedene Chancen bietet, sich aktiv am politischen Prozess zu beteiligen, einem bedeutenden Ziel der politischen Bildung.
1. Kommunikation:
Über Facebook können die SuS leicht neue Kontakte knüpfen. Vor allem wird aber auch das real vorhandene Freundschaftsnetz online gepflegt. Nach der Schule treffen sich die Jugendlichen in den sozialen Netzwerken wieder, um sich untereinander auszutauschen. Die vielfältigen Werkzeuge, die Facebook zur Kommunikation mit anderen zur Verfügung stellt, sind einzigartig und ermöglichen einen breiten, kontinuierlichen und hierarchiearmen Diskursansatz, von dem die politische Bildung bisher nur träumen konnte (vgl. Pfeiffer, 2011).
Übertragen auf die politische Bildung bringt dies einen entscheidenden Vorteil mit sich: So kann Facebook als ideales Werkzeug dazu genutzt werden, „[...] um mit vielen Menschen in leichten Kontakt zu treten“ (Pfeiffer, 2011). Abhängig von der Angelegenheit und den damit verbundenen Emotionen kann dieser Kontakt ziemlich ausgeprägt sein. Aus Einzelnen entsteht eine Gemeinschaft, aus Kollektiven können soziale Bewegungen werden. „Facebook ist eine Plattform, die Beteiligung und demokratische Mitbestimmung fördert, nicht nur in arabischen Ländern“ (Pfeiffer, 2011).
2. Teilhabe an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen:
Die Online-Plattform Facebook bietet den SuS darüber hinaus aber auch die Chance, sich an Diskussionen zu politischen und sozialen Fragen zu beteiligen und an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen in unserer Gesellschaft teilzunehmen.
Der Wahlkampf Obamas, die Ereignisse des arabischen Frühlings und das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 sind Beispiele dafür, dass auf Facebook Politik gemacht wird. PFEIFFER merkt unter anderem deshalb an, dass „[...] Facebook [...] zu einem ernst zu nehmenden Raum politischer Diskussion geworden [ist]“ (Pfeiffer, 2011).
3. Bildungsferne Schichten erreichen:
Das letzte Argument, dass für die Einbindung Facebooks in den Unterricht spricht, bezieht sich auf die Tatsache, dass Facebook auch bildungsfernere Schichten erreicht. Während politische Bildung bislang in Schulen, in Museen, an Gedankestätten, in Bildungshäusern, im Fernsehen sowie in Büchern und Zeitschriften zuhause war, schafft es Facebook auf einzigartige Weise, auch diejenigen Menschen zu erreichen, „[...] die kein Zeitungsabonnement haben und Arte nur vom Durchzappen her kennen“ (Pfeiffer, 2011).
Risiken
SCHULZKI-HADDOUTI wirft drei Argumente auf, die sich gegen die Behandlung oder Nutzung von Facebook im Politikunterricht richten. Tenor dieser Risiken ist die Tatsache, dass die Plattform Facebook Strukturen besitzt, die keine Unterstützung durch den Politikunterricht finden dürfen.
1. Facebook fördert Akklamationskultur:
Facebook birgt die Gefahr der Herausbildung einer Akklamationskultur. Die Einrichtung des „Gefällt-mir-Buttons“ verführt die Nutzer dazu, „[...] nicht mehr zu kommentieren, die eigenen Gedanken explizit zu artikulieren, sondern über einen einfachen Klick etwas zu ‚mögen’“ (Schulzki-Haddouti, 2011). Eine demokratietauglich ausgerichtete Plattform sollte aber auch den Button „Gefällt-mir-nicht“ beinhalten. SCHULZKI-HADDOUTI betont deshalb, dass Facebook eine Diskussionskultur ausschließt. Ein Angebot der politischen Bildung würde riskieren, diese demokratiefremde Entwicklung weiter zu befördern.
2. Verstoß gegen das Prinzip der Offenheit:
SCHULZKI-HADDOUTI wirft weiter die Frage auf, „[...] ob man sich als Organisation der politischen Bildung auf der Plattform eines Anbieters engagieren möchte, der die Offenheit des Netzes und damit ein Grundprinzip der Wissenschaft korrumpiert“ (Schulzki-Haddouti, 2011). Sie bezieht sich damit abermals auf die Einrichtung des „Gefällt-mir-Buttons“. Ihrer Argumentation zufolge erstellt Facebook mittels des Buttons eine alternative Bewertungsstruktur im Netz, die nur von ausgewählten Suchmaschinen genutzt werden darf. Welche Suchmaschinen dies dürfen und welche nicht, liegt einzig und allein in der Entscheidungsmacht von Facebook.
3. Facebook beraubt Nutzer ihrer Privatsphäre:
Der zentrale Kritikpunkt von SCHULZKI-HADDOUTI besteht darin, dass Facebook Methoden nutzt, die dem Bild des mündigen Bürgers widersprechen. Als Beispiel dafür nennt sie die automatische Gesichtserkennung. Die Nutzer hatten in jüngster Vergangenheit zwar die Möglichkeit, dieses Feature zu sperren, die Tatsache jedoch, dass es auf ein Opt-out-Verfahren und nicht auf ein Opt-in-Verfahren angelegt war, legte offen, dass Facebook die Privatsphäre seiner Nutzer nicht respektiert.
Festzuhalten bleibt, dass Facebook zwar kritikwürdige Elemente umfasst, dass aber die Vorzüge, welche die Plattform für den Politikunterricht mit sich bringt, ebenfalls bedeutsam sind. Die im folgenden vorzustellende Unterrichtsstunde versucht deshalb, die Chancen zu nutzen, aber auch die Behandlung der Risiken mit aufzunehmen.
Facebook als Unterrichtsgegenstand
Didaktische Überlegungen
Die Bedeutung von Online-Communities insbesondere für junge Menschen ist offensichtlich: Die JIM-Studie 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass fast vier Fünftel der deutschen Internetnutzer/innen im Alter von 12 bis 19 Jahren bereits Erfahrungen mit Online-Communities gesammelt haben - fast drei Viertel davon nutzen Facebook (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2011, S. 47ff.). Diese Zahlen belegen, dass Soziale Netzwerke inzwischen omnipräsent sind. Dabei scheint es so zu sein, als sei der derzeit größte Anbieter Facebook schon fast zum Synonym für Online-Communities geworden.
GAPSKI und GRÄßER beschreiben die Relevanz von Sozialen Netzwerken für Jugendliche mit folgenden Worten (Gapski & Gräßer, 2009, S. 10):
„Realität und Virtualität durchdringen einander und bilden einen sozialen Raum, in dem für Jugendliche das ‚Beziehungsmanagement’ stattfindet. Damit sind Online-Communities eine jugendkulturell geprägte Sphäre der Identifikationsbildung oder -arbeit, die möglicherweise auch als sozialer und virtueller Lernort genutzt werden kann.“Zusätzlich steht die Schule vor dem generellen Problem, dass sich die Kluft zwischen formellem Lernen in der Schule und informellem Lernen im täglichen Leben von Kindern und Jugendlichen vergrößert hat. Vielen SuS, insbesondere aus bildungsarmen Milieus, fällt es zunehmend schwer, die Kluft zwischen diesen Lebenswelten zu überwinden (vgl. Hoffmann, Neuß, & Thiele, 2011, S. 81). Es stellt sich demnach die Frage, wo die Schule ansetzen könnte, damit sie dazu beitragen kann, diese Kluft zu überwinden. Am Beispiel von Sozialen Netzwerken, insbesondere anhand von Facebook, soll dies im Folgenden skizziert werden.
Bezug zum Bildungsplan
Die Leitgedanken zum Kompetenzerwerb fordern vom Unterricht im Fach EWG, dass die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind „[...] insbesondere Medien, die im Alltag eine zentrale Rolle spielen, im Sinne einer kritischen Medienkompetenz [zu] nutzen“ (Ministerium für Kultus, 2004). Exakt dieser Forderung versucht der hier zugrunde liegende Artikel nachzukommen. Übertragen auf eine konkrete Zielformulierung bedeutet dies:
Die SuS sind in der Lage Chancen und Risiken von Sozialen Netzwerken, insbesondere von Facebook, zu benennen.
Im Zentrum der Unterrichtsstunde steht demnach die Thematisierung der Chancen und Risiken von Sozialen Netzwerken. Der Stundenaufbau erfolgt in Form einer deduktiven Vorgehensweise.
Unterrichtsskizze
Zur Planung der Unterrichtsstunde werden gewisse Kennzahlen benötigt. Folgende Annahmen sind deshalb getroffen worden:
- Klassenstufe: 8
- Unterrichtstaktung: 45 Minuten
Materialien
Folie:
(Quelle: Holzer, 2009)
AB Schülerbefragung:
(Quelle: Müller, 2009, S. 38)
AB Pro und Contra Facebook:
(Quelle: Schweiger, 2010, S. 63)
Literatur
Gapski, H., & Gräßer, L. (2009), Medienkompetent in Communities, Sensibilisierungs-, Beratungs- und Lernangebote. München.
Hoffmann, D., Neuß, N., & Thiele, G. (2011), stream your life!? Kommunikation und Medienbildung im Web 2.0. München: kopead Verlag.
Holzer, G. (30. August 2009), Monitoring European Police! Abgerufen am 21. Mai 2012 von http://euro-police.noblogs.org/gallery/3874/windowslivewriterdaswirdweb3.0-a579networks33.jpg
Müller, M. (Juni 2009), Die Erosion des Privaten. Unterschätzte Gefahren des Web 2.0? Praxis Politik , S. 36-41.
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2011), JIM-Studie 2011. Jugend, Information, (Multi-) Media. Stuttgart.
Ministerium für Kultus, J. u. (2004), Bildungsplan für die Realschule. Stuttgart: Neckar-Verlag.
Pfeiffer, T. (29. Juni 2011), #PB21: Web 2.0 in der politischen Bildung. Abgerufen am 5. Mai 2012 von Politische Bildung muss nach Facebook: http://pb21.de/2011/06/politische-bildung-muss-nach-facebook/
Schröder, K. (25. März 2012), RTL Aktuell. Abgerufen am 4. Mai 2012 von Familienministerin fordert: Facebook-Unterricht für Schüler: http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/familienministerin-fordert-facebook-unterricht-fuer-schueler-1ed5a-51ca-11-1019096.html
Schulzki-Haddouti, C. (27. Juni 2011), #PB21: Web 2.0 in der politischen Bildung. Abgerufen am 05. Mai 2012 von Nur Facebook-Abstinenz überzeugt!: http://pb21.de/2011/06/nur-facebook-abstinenz-ueberzeugt/
Schweiger, W. (April 2010), Wie Medien genutzt werden und was sie bewirken. Informationen zur politischen Bildung. Massenmedien (309), S. 59-64.
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Donnerstag, 7. Juni 2012
MEDIA LOUNGE zum Thema "Social Mania"
Die MEDIA LOUNGE ist ein studentisches Projekt, bei dem eine Fernsehsendung aus dem TV-Studio der
Hochschule der Medien in Stuttgart professionell produziert wird.
In diesem Jahr lautet das Thema "Social Mania- Gesichter einer vernetzten Gesellschaft" und es diskutieren Gäste wie Angelika Beer, Mitglied der Piratenpartei und für bessere Bildung und mehr Transparenz, Prof. Dr. Hans-Jürgen Bucher, Medienwissenschaftler an der Universität Trier, der der Ansicht widerspricht, dass soziale Medien mehr Gefahren als Nutzen bergen und mit seiner "Vorlesung 2.0" die Hochschullehre auf Vordermann bringen will, sowie der Netzpionier Markus Beckedahl, Betreiber von netzpolitik.org, der sich dort über Politik in einer digitalen Gesellschaft äußert, u.a. über Internet-Hypes und über die gesellschaftliche und politische Tragweite sozialer Medien.
Weitere Infos auf http://www.hdm-stuttgart.de/medialounge/!
In diesem Jahr lautet das Thema "Social Mania- Gesichter einer vernetzten Gesellschaft" und es diskutieren Gäste wie Angelika Beer, Mitglied der Piratenpartei und für bessere Bildung und mehr Transparenz, Prof. Dr. Hans-Jürgen Bucher, Medienwissenschaftler an der Universität Trier, der der Ansicht widerspricht, dass soziale Medien mehr Gefahren als Nutzen bergen und mit seiner "Vorlesung 2.0" die Hochschullehre auf Vordermann bringen will, sowie der Netzpionier Markus Beckedahl, Betreiber von netzpolitik.org, der sich dort über Politik in einer digitalen Gesellschaft äußert, u.a. über Internet-Hypes und über die gesellschaftliche und politische Tragweite sozialer Medien.
Weitere Infos auf http://www.hdm-stuttgart.de/medialounge/!
Samstag, 2. Juni 2012
Anonymität im Internet
Sollen die Gefahren des Web (2.0) im Unterricht thematisiert werden, könnte das folgende Video als Einstieg dienen. Es verdeutlicht humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger, was Anonymität bedeuten kann (z.B. im Zusammenhang mit Cyber-Grooming):
Mittwoch, 30. Mai 2012
Medienpädagogisches Manifest
Ein kleiner Nachtrag zum Thema Medienkompetenz: Die Initiative "Keine Bildung ohne Medien", an der auch die Abteilung Medienpädagogik der PH Ludwigsburg beteiligt ist, hat 2009 ein "Medienpädagogisches Manifest" veröffentlicht, dessen Lektüre lohnt, weil wichtige Themen prägnant zusammengefasst sind ...zum Manifest
Donnerstag, 17. Mai 2012
Facebook-Fakten visualisiert
Die britische Tageszeitung "The Guardian" hat in einer Animation Fakten zu Facebook zusammengetragen und visualisiert. Der Link zum Video:
http://netzpolitik.org/2012/animation-facebook-fakten-visualisiert/
http://netzpolitik.org/2012/animation-facebook-fakten-visualisiert/
Mittwoch, 16. Mai 2012
Fraunhofer warnt vor Cloud-Sicherheitslücken
In einer der letzten Seminarsitzungen wurde ja schon einmal kurz über die Sicherheit von Cloud-Diensten gesprochen. Laut SPIEGEL online hat das Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie eine Studie veröffentlicht, die zum Ergebnis kommt, dass es Sicherheitsmängel bei Cloud-Diensten gibt.
Link zum Artikel:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/fraunhofer-warnt-vor-cloud-sicherheitsluecken-a-833209.html
Link direkt zur Studie:
http://www.sit.fraunhofer.de/de/cloudstudy.html
Link zum Artikel:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/fraunhofer-warnt-vor-cloud-sicherheitsluecken-a-833209.html
Link direkt zur Studie:
http://www.sit.fraunhofer.de/de/cloudstudy.html
Mittwoch, 9. Mai 2012
Facebook im SPIEGEL
Wer mehr über Facebook erfahren möchte sollte den aktuellen SPIEGEL (Nr.19/7.5.2012) lesen. Titel: 901 Millionen Menschen gefällt das: Facebook. Warum eigentlich?
Donnerstag, 3. Mai 2012
Social web bei makro - Wirtschaft in 3Sat
Am 27.3.12 beschäftigte sich die Sendung „makro- Wirtschaft
in 3Sat“ auf 3Sat mit dem Thema Internet. Es wurde unter anderem über Facebook, Amazon
und Google berichtet.
Die Sendung kann man in dem Internetarchiv des Senders anschauen:http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/kanaluebersicht/1274336/sendung/makro
Auch auf der Homepage des Senders gibt es einige Infos zu der in der Sendung behandelten Thematik:
http://www.3sat.de/makro/
Montag, 30. April 2012
Rechtsextreme im Social Web
In den vergangenen Semestern haben wir uns immer wieder - unter der Überschrift "Gefahren des Web 2.0" - mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt (siehe z.B. hier). In der heutigen Ausgabe der Wochenzeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ 18-19/2012) der Bundeszentrale für politische Bildung, die dem Thema "Rechtsextremismus" gewidmet ist, findet sich ein einschlägiger Aufsatz von Stefan Glaser / Christiane Schneider: "Zielgruppe Jugend: Rechtsextreme im Social Web". Zur aktuellen APuZ-Ausgabe geht es hier...
Freitag, 27. April 2012
Clay Shirky warnt vor SOPA
Das Urheberrecht im digitalen Zeitalter wird (nicht zuletzt dank der Piraten) nun auch bei uns intensiver diskutiert. Wir haben in diesem Semester kein Referat zu diesem außerordentlich bedeutsamen Thema. Umso wichtiger ist es, dass Sie einen Blick darauf werfen, was in diesem Blog in den letzten Semestern zum Thema Urheberrecht zusammengetragen wurde. Darüber hinaus empfehle ich den folgenden TED Talk von Clay Shirky, der übrigens der Autor von einem der besten Bücher ist, das es über das Web 2.0 bzw. Social Web gibt ("Here Comes Everybody"):
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