Mittwoch, 31. Oktober 2012

Geschichte der Bildungsmedien

Das folgende Video schildert die Entwicklung der Medien im Bildungsbereich als Gute-Nacht-Geschichte:


Dienstag, 30. Oktober 2012

Funkkolleg Wirklichkeit 2.0

Kommenden Samstag (03.11.2012) startet der vielversprechende hr2 Funkkolleg Medien mit dem (für uns unmittelbar einschlägigen) Thema "Wirklichkeit 2.0 - Medienkultur im digitalen Zeitalter". Ausgestrahlt werden die Sendungen auf hr2-kultur jeweils samstags um 11:30 Uhr und nochmals auf hr-iNFO jeweils sonntags um 8:30 Uhr. Den Podcast der Sendungen gibt es auf www.funkkolleg.de. Auf der begleitenden Website erhält man alle weiterführenden Informationen (z.B. zu den Themen und Sendungen) und kann sich für den offenen Online-Kurs anmelden.

Das Begleitbuch, ein klassischer Reader angelsächsischer Prägung, mit kurzen Texten zu den vielen Themen, die in den nächsten Wochen im Rahmen des Funkkollegs behandelt werden, ist bereits bei Reclam erschienen:


Heute abend findet im Haus am Dom in Frankfurt/Main die Auftaktveranstaltung statt mit dem Titel “Digitale Demokratie – Wie politisch ist das Internet?”. Es diskutieren Markus Beckedahl (netzpolitischer Aktivist aus Berlin und Begründer des Blogs netzpolitik.org, Autor von ”Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage”), Anke Domscheit-Berg (Mitbegründerin des Government 2.0 Netzwerks) und Prof. Dr. Claus Leggewie (Politologe und Autor von “Mut statt ‘Wut - Aufbruch in eine neue Demokratie” sowie “Unter Piraten - Erkundungen in einer neuen politischen Arena”).

   

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Unterrichtsmaterial für sicheres Chatten

Der tragische Fall von Amanda Todd (Wikipedia, YouTube) hat einmal mehr die Gefahren beim Chatten in Erinnerung gerufen, die wir an dieser Stelle unter den Stichworten Cybermobbing und Cybergrooming mehrfach besprochen haben. Neben den hier bereits vorgestellten Online-Hilfeseiten stellt auch die Website "Chatten ohne Risiko" Informationen zur Verfügung, um diesen Gefahren zu begegnen. Neu auf der Website sind Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte...

Montag, 22. Oktober 2012

Hilfe bei Internet- bzw. Computersucht

Als regelmäßiger Zeitungsleser - darauf habe ich wiederholt hingewiesen - kann man gar nicht anders, als sich vor dem Web (2.0) zu fürchten. Wenn es um Web-Themen geht, dann praktisch durchgängig (gefühlt 110%) um Gefahren und Bedrohungen. So auch am vergangenen Samstag in der Stuttgarter Zeitung. Dieses Mal war es nicht Cybermobbing oder "Google ist böse" (wie in der aktuellen Spiegel-Ausgabe), sondern es ging um "Computersucht". Der Artikel "Wenn die Kinder ins Netz abtauchen" von Mathias Bury weist - und das ist der Grund für diesen Beitrag - auf zwei Informations- und Hilfsangebote hin, die unsere Sammlung entsprechender Projekte sinnvoll ergänzt:

Die Drogenberatungsstelle Release unterhält mit www.release-netzpause.de eine eigene Website zu diesem Thema, die sich in je eigenen Rubriken an Jugendliche, Eltern (bzw. Angehörige) und LehrerInnen (bzw. Multiplikatoren) richtet. Außerdem weist der Artikel auf das Projekt "Medien vernünftig nutzen" des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Baden-Württemberg hin. Dort kann man sich eine Broschüre mit Kontaktadressen herunterladen.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Guter Aufsatz zur Urheberrechtsdebatte

Zu den am meisten (und leider etwas zu hitzig) diskutierten Themen der "Netzpolitik" zählt das Urheberrecht, weswegen wir an dieser Stelle immer wieder zu dieser Thematik gepostet haben. Wer sich in vertretbarer Zeit einen ausgewogenen Überblick über diese Debatte verschaffen will, dem sei der hervorragende Aufsatz von Anne Lauber-Rönsberg in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ) empfohlen: "Raubkopierer und Content-Mafia: Die Debatte um das Urheberrecht". Ein kleiner Appetithappen:
"Die aktuelle Debatte dreht sich im Kern darum, wie umfangreich die Rechte der Urheber ausgestaltet sein müssen, damit das Urheberrecht seine Anreiz- und Belohnungsfunktion optimal erfüllen kann, und in welchem Ausmaß das Urheberrecht zugunsten der Nutzer eingeschränkt werden sollte. Dabei ist es sicherlich nicht zutreffend, dass ein besonders starkes Urheberrecht zwangsläufig zu mehr Kreativität und Innovation führt. Während ein zu starker Schutz neuem kreativem Schaffen im Wege steht und damit zu Innovationsblockaden führt, übt ein zu schwacher Schutz eine zu geringe Anreizfunktion aus. Die zentrale Frage ist also, wie im gesamtgesellschaftlichen Interesse ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Rechtsinhaber- und Nutzerinteressen erreicht wird."

Dienstag, 16. Oktober 2012

Wikipedia in der Schule

Der folgende Beitrag skizziert zum einen eine Unterrichtseinheit zum Thema Wikipedia, um die Schüler für einen sinnvollen Umgang mit der Online-Enzyklopädie zu sensibilisieren, zum anderen soll er Lehrern/innen (im Folgenden wird zur Vereinfachung von „Lehrern“ gesprochen) Anstöße geben, wie sie ihren Unterricht zum Thema Wikipedia gestalten können. Es soll gezeigt werden, dass man durchaus mit Wikipedia im Unterricht arbeiten kann und dass Wikipedia mehr ist als ein „monströser Spickzettel“ (Spiegel Online zum Thema Wikipedia im Unterricht).

Das Web 2.0 hat die Suche nach Informationen revolutioniert. Früher musste man in Büchern und Lexika nachschlagen und heute googelt man. In vielen Fällen verweist Google einen dann zu Wikipedia. Bereits Schüler/innen (im Folgenden wird zur Vereinfachung von „Schülern“ gesprochen) der unteren Jahrgangsstufen nutzen Wikipedia als Informationsquelle. Doch wissen die Schüler überhaupt, was Wikipedia ist? Die meisten von ihnen werden den Begriff Online-Enzyklopädie schon einmal gehört haben. Aber wissen sie, wie die Artikel zustandekommen, dass diese aktualisiert werden können (und müssen), um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, dass man darauf achten muss, wie seriös bzw. korrekt die Informationen sind, die uns Wikipedia liefert, und dass man der Wikipedia nicht blind vertrauen darf (vgl. Spiegel Online zum Thema Wikipedia im Unterricht)?

Immerhin steht Wikipedia an dritter Stelle, was die Informationssuche im Netz angeht, und wird von 37 Prozent der Jugendlichen mehrmals pro Woche aufgesucht, wie die JIM-Studie 2011 zeigt.
Um den Schülern den richtigen Umgang mit Wikipedia näher zu bringen, ist es also durchaus notwendig, eine entsprechende Unterrichtseinheit durchzuführen. Dies soll jedoch nicht durch lehrerzentrierten Unterricht erfolgen, sondern durch die praktische Arbeit mit Wikipedia.

Folgende Lernziele sollen dabei erreicht werden: Die Schüler sollen lernen, dass
  • Wikipedia als Einstiegsquelle in ein Thema bestens geeignet ist,
  • man neben Wikipedia weitere Quellen nutzen sollte bzw. muss,
  • man Wikipedia nicht blind vertrauen darf,
  • manche Artikel verbesserungswürdig sind.
Zur Umsetzung und zum Erreichen dieser Lernziele ist eine Gruppenarbeit besonders geeignet, bei der die Schüler ihre Informationen selbständig einholen. Die Schüler können dabei voneinander profitieren, da die weniger Erfahrenen, was Online-Recherche angeht, von denjenigen profitieren können, die sich damit schon besser auskennen. Die Klasse wird dafür in 4 bis 5 Gruppen (je nach Klassengröße) aufgeteilt, und jede Gruppe bearbeitet ein eigenes Thema.

Die Gruppenarbeit besteht nun aus drei Teilen. Im ersten Teil soll das Thema erarbeitet werden, im zweiten Teil geht es um die Reflexion der Recherche, der dritte Schritt wird sein, eine Art Mindmap für den Umgang mit Wikipedia zu gestalten. 

Teil 1:
Hierbei geht es schlicht um die Erarbeitung des Themas mit anschließender Präsentation. Es steht den Schülern frei, ob sie es per Vortrag mit Folien, anhand einer Powerpoint-Präsentation oder auf einem Poster mit detaillierten Quellenangaben präsentieren. Für das Fach Gemeinschaftskunde/Politik in der Sekundarstufe 1 kämen dabei beispielsweise folgende Themen in Frage:
  • Das Wahlsystem des Bundestags und seine Aufgaben
  • Die Wahl der Verfassungsrichter und die Aufgaben des Bundesverfassungsgericht
  • Die Wahl des Bundespräsidenten und seine Aufgaben
  • Der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung Deutschland
  • Die Finanzkrise in der EU
  • etc.
Es muss dann natürlich eine genaue Fragestellung erfolgen, damit die Schüler wissen, welche Punkte ihres Themas relevant sind. Beim Thema Bundestag könnte man bspw. nach seinem Aufbau, nach seinen Aufgaben, nach der Arbeitsweise des Parlaments oder nach dessen Wahlsystem fragen.

Für die Bearbeitung dieser Themen darf allerdings nicht ausschließlich Wikipedia verwendet werden. Vorgabe ist es, dass neben Wikipedia mit mindestens zwei weiteren Quellen gearbeitet wird – eine davon muss in gedruckter Form vorliegen. Die Nutzung weiterer Quellen – seien sie online oder offline – ist natürlich möglich. Teil der Aufgabe ist es, sich widersprechende Informationen – sofern die Schüler bei ihrer Recherche solche finden sollten – in ihrer Präsentation zu erwähnen und nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Die Recherche-Arbeit wird nicht zu Hause, sondern ausschließlich im Computerraum der Schule und in der Schulbibliothek stattfinden. Die Ausarbeitung der Präsentationen erfolgt als Hausaufgabe. Dabei müssen die Schüler unter sich ausmachen, wer welchen Teil der Arbeit übernimmt.

Es geht dabei also zunächst einmal um das allgemeine Recherchieren zu einem bestimmten Thema oder Sachverhalt.
„Wikipedia ist oft Start einer Recherche. Um das zu nutzen und zu erweitern, sollen Schülerinnen und Schüler zu einem Thema in der Wikipedia recherchieren. In einem zweiten Schritt sollen sie Informationen finden (online und offline), die im Wikipedia-Artikel noch nicht enthalten sind. Hierbei lernen die Schülerinnen und Schüler Alternativen zu Wikipedia kennen, indem sie beispielsweise Internetsuchmaschinen und bibliothekarisch gepflegte Kataloge nutzen“ (Klicksafe - Wie setzt man Wikipedia im Unterricht ein?).

In den meisten Fällen kommen die Schüler gar nicht erst über den ersten Schritt hinaus und vergleichen Wikipedia mit anderen Quellen.
„Wenige Schüler wissen, dass praktisch jeder Einträge bearbeiten oder gar neu hinzufügen kann. Viele Schüler halten Wikipedia für ein Unternehmen, das Profi-Schreiber beschäftigt. Aus dem Irrglauben folgt oft grenzenloses Vertrauen. "Ich übernehme die Fakten, schreibe das aber um, damit der Stil nicht auffällt", erklärt der 17-jährige Toran - "das heißt, ich muss den Stil verschlechtern" (Spiegel Online zum Thema Wikipedia im Unterricht).
Hierzu noch ein interessanter Beitrag über die Korrektheit von Wikipedia-Artikeln: SF VideoPortal - Wikipedia-Gründer erhält den Gottlieb-Duttweiler-Preis

Bringt man die Schüler dazu, dass sie erkennen, welchem Irrglauben sie bislang aufgesessen sind, wenn sie mit Wikipedia gearbeitet haben, hat man als Lehrer bereits viel erreicht. Doch dies ist nur der erste Schritt.

Nachdem sich die Schüler nun anhand Wikipedia einen ersten groben Überblick über ihr Thema verschafft haben, soll es im weiteren Verlauf darum gehen, mit weiteren Quellen wie Bibliothekskatalogen, Suchmaschinen oder anderen Offline- und Online-Diensten ihr Thema zu vertiefen (vgl. Stöcklin 2010, S. 64 f.).
Doch was heißt vertiefen? Es gibt natürlich unterschiedliche Erkenntnisse, die bei der Arbeit mit weiteren Quellen entstehen können. Die Informationen können mit denen von Wikipedia übereinstimmen, können sie ergänzen oder können ihnen völlig oder teilweise widersprechen. Im Hinblick auf die Lernziele wäre es natürlich am Besten, wenn die Ergebnisse der vertiefenden Recherche nicht mit dem Recherchierten von Wikipedia übereinstimmen. Dann kommt bei den Schülern nämlich die Frage auf, warum die Informationen nicht übereinstimmen, oder es passt ihnen nicht, dass ihre Recherche nun komplizierter wird, als zunächst angenommen, weil man einander widersprechende Informationen hat. Auf jeden Fall werden die Schüler zum Nachdenken animiert. Diese Widersprüche können folgende Gründe haben:

1. Fehlerhafte Informationen
Die Fehler können - wie die folgende Grafik zeigt - wissentlich oder unwissentlich entstehen (vgl. Stöcklin 2010, S. 85).
2. Fehlendes Expertenwissen
„Der Hauptnachteil digitaler Lexika ist freilich, dass Themen, die Expertenwissen benötigen oder gar umstrittene wissenschaftliche oder politische Diskussionsstände darstellen sollen, in keiner Weise verlässlich sind. Das liegt nicht am bösen Willen der Autoren. Und es liegt auch nur zum Teil an der Anonymität der Autorschaft (die ist in Lexika gar nichts Revolutionäres). Es ist schlicht für Laien nicht möglich, hier angemessene Beiträge zu formulieren“ (Philosophieprofessorin Petra Gehring auf die Frage nach Nachteilen digitaler Lexika).
3. Mangelnde Aktualität und der Fluss der Inhalte
Viele Informationen in Wikipedia sind aktuell. Jedoch besteht bei Nischenthemen die Gefahr, dass die Informationen veraltet sind. Die Versionsgeschichte der Wikis gibt Auskunft darüber, wann und an welchen Stellen die letzte Überarbeitung stattfand. Um nicht in die Falle der mangelnden Aktualität von Wikis zu tappen, ist es ratsam, sich beim Zitieren von Inhalten direkt auf eine Version mit Datums- oder Zeitangaben zu beziehen, da diese meistens stabil sind und sich nicht ändern (vgl. Stöcklin 2010, S. 105 ff.).

4. Manipulation und Vandalismus
„Für uns Konsumenten ist es nicht einfach, Manipulationen zu entdecken. Letztlich können alle Medien manipuliert werden. Die Wikipedia ist eine besonders beliebte Zielscheibe. Ihre Inhalte werden erstens häufig gelesen, und sie können zweitens einfach geändert werden“ (Stöcklin 2010, S. 92).
Genau wie bei dem Problem der fehlerhaften Informationen handelt es sich auch hier um Falschaussagen. Der Unterschied ist nur, dass der Leser hier bewusst manipuliert werden soll.

5. Neutraler Standpunkt und mangelnde Objektivität
„Der Neutrale Standpunkt (neutrale Sichtweise; engl. Neutral Point Of View, kurz NPOV) ist eines der vier unveränderlichen Grundprinzipien der Wikipedia. Der Neutrale Standpunkt dient dazu, Themen sachlich darzustellen und den persönlichen Standpunkt des Wikipedia-Autors aus Wikipedia-Artikeln herauszuhalten. Um das zu gewährleisten, werden Artikel quellenbasiert, im Gesamten ausgewogen und möglichst objektiv verfasst [...]. Die Einhaltung des Neutralen Standpunkts gilt als Voraussetzung eines guten Wikipedia-Artikels“ (Wikipedia - neutraler Standpunkt).
Auf unsere Unterrichtseinheit bezogen muss man diese Punkte natürlich ein wenig relativieren. Fehler können sich überall einschleichen, die Aktualität ist vor allem bei präsenten Themen und dem immer schneller werdenden Fluss der Informationen ein generelles Problem und die Themen, welche die Schüler bearbeiten, sind in der Regel nicht so komplex, dass unbedingt Fachwissen von Experten nötig ist, um sicherzustellen, dass die Informationen korrekt sind.

Auf jeden Fall stehen die Schüler nun vor dem Problem – unter der Voraussetzung, dass sich die gefundenen Informationen widersprechen –, wie sie die verschiedenen Recherche-Ergebnisse für ihre Präsentation in Einklang bringen. Sie könnten die verschiedenen inhaltlichen Ergebnisse zu einem Thema gegenüberstellen oder am Ende ihrer Präsentation zu einer Diskussion anregen. Sollte die eine oder andere Gruppe, oder im „Extremfall“ alle Gruppen, keine Informationen finden, die es nötig machen, den Wikipedia-Artikel auf seine Korrektheit und Aktualität hin zu überprüfen, ist dies zwar nicht optimal zum Erreichen der oben genannten Lernziele, jedoch ist es auch kein Punkt, der die geplante Unterrichtseinheit zunichte macht.

Die Gruppen präsentieren der Klasse nun ihre Ergebnisse. Anschließend wird – wie häufig bei einer Präsentation – reflektiert, was sowohl inhaltlich als auch beim Vortragen gelungen ist und an welchen Stellen noch Verbesserungsbedarf besteht. Haben alle Gruppen präsentiert, folgt Teil zwei der Gruppenarbeit. 

Teil 2:
Hier erfolgt nun der Rückblick auf das Erarbeiten des Themas und das Recherchieren. Das Reflektieren soll dazu dienen, um zu erkennen, dass man den Inhalt von Wikipedia und auch von anderen Quellen immer kritisch hinterfragen sollte. Außerdem soll die Erkenntnis gewonnen werden, dass Wikipedia als Einstiegsquelle in ein Thema geeignet ist, man aber für die vertiefende Suche weitere Quellen hinzuziehen sollte. Hierfür bekommt jede Gruppe einen Fragenkatalog, der ihnen helfen soll, ihre Gruppenarbeit zu reflektieren, und an dem sich die Schüler orientieren sollten. Dabei notiert jede Gruppe ihre Erkenntnisse auf einem Plakat und präsentiert diese der Klasse. Die Plakate werden dann mit Magneten vorläufig an der Tafel befestigt, damit sie während der kompletten Ergebnisbesprechung sichtbar sind.

Folgende Aspekte sollte man bei dem Erstellen der Fragen beachten (Woran erkennt man einen guten Wikipedia-Artikel?):
  • Stil und Sachlichkeit
  • Neutralität
  • Glaubwürdigkeit
  • Quellennachweise
  • Aufbau/Struktur
  • Entstehung eines Artikels
Weitere Denkanstöße und Orientierungshilfen für Lehrer, um einen solchen Fragenkatalog zu erstellen, finden sie hier:
Vor- und Nachteile eines Wikis (1)
Vor- und Nachteile eines Wikis (2)
Nando Stöcklin: Wikipedia clever nutzen

Als weiteren Arbeitsauftrag neben der Reflexion der Recherche bietet es sich an, den Schülern eine Art „Überprüfungshilfe“ für Wikipedia-Artikel an die Hand zu geben.
Denn „Wikipedia-Artikel haben unterschiedliche Qualität. Versionsgeschichte, Diskussionsseiten etc. helfen aber, die Verlässlichkeit eines Artikels einzuschätzen. Der kostenlose Dienst Wikibu für die deutschsprachige Wikipedia bietet dabei Unterstützung. Wikibu analysiert die Artikel automatisch anhand mehrerer Kriterien und liefert Anhaltspunkte zur weiteren Überprüfung durch die Nutzenden der Wikipedia. Wikibu ist speziell für den Einsatz in den Schulen gedacht und soll die kompetente Nutzung der Wikipedia als Teil der Informationskompetenz fördern."
Zudem finden sich auf Wikibu viele weitere Vorschläge und Anregungen, wie man Wikibu sinnvoll in den Unterricht einbinden kann.

Ein weiterer Anbieter, mit dem man die Qualität von Wikipedia überprüfen kann, ist Wiki-Watch. Dieser Anbieter ist jedoch im Gegensatz zu Wikibu nicht speziell für den Einsatz in Schulen entwickelt worden und bietet neben der Einstufung von Artikeln bezüglich ihrer Qualität weitere Dienste an. Hier finden sich bspw. Nutzungsstatistiken, Richtlinien und Grundprinzipien von Wikipedia, und man kann sich informieren, wenn man bei Wikipedia mitmachen möchte.

Für den Schulunterricht bietet sich jedoch Wikibu an, da es eigens hierfür entwickelt wurde. Die Startseite ist ähnlich wie diejenige von Google, was die Anwendung für die Schüler einfacher machen dürfte, da Google den meisten vertraut ist. Außerdem bietet Wikibu eine detaillierte Bewertung der Artikel, die dem Niveau der Schüler entspricht. Zusätzlich sind Verlinkungen zu Autoren, Versionsgeschichte und zur Diskussionsseite vorhanden. Hier ein Beispiel zu einem Artikel über die Deutsche Wiedervereinigung.

Neben diesen beiden Kontrollwerkzeugen gibt es noch eine weitere Möglichkeit der Qualitätsprüfung der Artikel. Die sogenannten Wikipedia Bewertungsbausteine. Mit deren Hilfe kann man ebenfalls die Qualität eines Artikels einschätzen. An ihnen lässt sich erkennen, ob ein Artikel einen Mangel oder Schwachstellen aufweist, ob er sachlich und neutral geschrieben ist oder ob er besonders lesenswert ist.

Auf der Basis all dieser Kriterien und Hilfsmitteln zur Überprüfung von Wikipedia-Artikeln könnte ein Arbeitsblatt für die Schüler folgendermaßen aussehen:


Der Umfang und das Niveau der Fragen können variieren und müssen an die Klasse angepasst werden. Es notiert nun jede Gruppe ihre Erkenntnisse auf einem Plakat und präsentiert diese der Klasse. Die Plakate werden dann mit Magneten vorläufig an der Tafel befestigt, damit sie während der kompletten Ergebnisbesprechung sichtbar sind. 

Teil 3:
Nun geht es darum, das bis hierhin Erarbeitete anhand von Regeln bzw. einem Leitfaden für den Umgang mit Wikipedia festzuhalten. Dies erfolgt nun in Form eines Posters, das im Klassenzimmer aufgehängt wird, und jeder Schüler erhält zusätzlich eine Regelliste oder einen „Wikipedia-Führerschein“, wo er nachschauen kann, wenn er nicht in der Schule ist. Folgender Leitfaden könnte als Orientierung oder Vorlage für solch ein Regelwerk dienen: Leitfaden für den Umgang mit Wikipedia.

Die Erarbeitung des Führerscheins erfolgt nun gemeinsam an der Tafel. Der Lehrer hängt dafür den leeren Wikipedia-Führerschein als Poster mit den drei wichtigsten Punkten, die man beim Umgang mit Wikipedia beachten sollte, an die Tafel. Jeder Schüler erhält diesen Blanko-Führerschein im Din-A4 Format. Anhand dieser Vorlage wird nun gemeinsam erarbeitet, was alles in den Führerschein kommt. Der Lehrer notiert die Beiträge der Schüler auf dem Poster an der Tafel und die Schüler tragen diese auf ihrem eigenen Führerschein ein.


Für solch eine Unterrichtseinheit sollte man mehrere Wochen einplanen. Im Normalfall stehen bei Klassenstufe 8 – 10 für das Fach Gemeinschaftskunde/Politik nicht mehr als eine Doppelstunde (= 90 Minuten) pro Woche auf dem Stundenplan. Hier hat man im Vergleich zu anderen Fächern wie Mathe, die mehrmals in der Woche unterrichtet werden, das Problem, dass die Stunden immer eine Woche auseinanderliegen. Das heißt, die Schüler müssen sich quasi jede Stunde neu in ihr Thema einarbeiten, was natürlich eine Menge Zeit kostet.

Die zeitliche Gliederung für solch eine Unterrichtsskizze könnte wie folgt aussehen:
  • Teil 1: Erarbeitung des Themas und Präsentation; ca. 3,5 Doppelstunden (= 315 Minuten)
  • Teil 2: Reflexion der Recherche-Arbeit und Präsentation; ca. 2 Doppelstunden (= 180 Minuten)
  • Teil 3: Erstellen der Regelliste; ca. 2 Doppelstunden (= 180 Minuten)
Es macht durchaus Sinn, den Zeitrahmen etwas großzügiger zu gestalten, denn die Recherche-Arbeit soll ja effektiv und vertiefend sein und nicht nur oberflächlich. Rechnet man noch eine Schulstunde (= 45 Minuten) als Puffer mit ein, kommt man auf 8 Doppelstunden, die man für diese Unterrichtseinheit benötigt. In der Regel sind es sechs oder sieben Unterrichtswochen zwischen den Ferien. Bei dieser Gliederung ist es also gar nicht möglich, dieses „Projekt“ am Stück und ohne große zeitliche Unterbrechung durchzuführen. Es handelt sich jedoch um ein ausführliches und wichtiges Thema, dem man durchaus etwas mehr Zeit einräumen sollte, da Wikipedia als Informationsquelle immer wichtiger wird und die Schüler deshalb auf diese Art des Lernens vorbereitet werden sollten.


Literaturverzeichnis:

Grogg Nadja/Luber Sarah/Schreiner Annina: Vor- und Nachteile eines Wikis – http://www.learning-in-activity.com/index.php?title=Vor-_und_Nachteile_eines_Wikis

Grogg Nadja/Luber Sarah/Schreiner Annina: Vor- und Nachteile eines Wikis – http://www.learning-in-activity.com/images/6/6d/Praes11.pdf

JIM-Studie 2011. Jugend, Information, (Multi-)Media – http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf11/JIM2011.pdf

Klicksafe.de. EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz: Wie setzt man Wikipedia im Unterricht ein? – http://www.klicksafe.de/themen/suchen-recherchieren/wikipedia/wie-setzt-man-wikipedia-im-unterricht-ein/

Klicksafe.de. EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz: Wie setzt man Wikipedia im Unterricht ein? – http://www.klicksafe.de/themen/suchen-recherchieren/wikipedia/woran-erkennt-man-einen-guten-wikipedia-artikel/

Leitfaden für den Umgang mit Wikipedia - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0b/Leitfaden_für_den_Umgang_mit_Wikipedia.pdf

Menke Birger: Für Lehrer ist Wikipedia ein rotes Tuch. In: Spiegel Online (2009) – http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/lexikonmacher-auf-schultournee-fuer-lehrer-ist-wikipedia-ein-rotes-tuch-a-615029.html

Prüwer Tobias: Ich rate meinen Studierenden ab. In: Wikipedia: Ein kritischer Standpunkt (2010) – http://www.cpov.de/?p=365

Stöcklin Nando (2010): Wikipedia clever nutzen – in Schule und Beruf. Zürich Verlag: Orell Füssli

Wikibu – http://wikibu.ch/

Wikipedia-Gründer erhält den Gottfried-Duttweiler-Preis. In: SF VideoPortal (2011) –
http://www.videoportal.sf.tv/video?id=05c68b6a-790a-487f-b90b-2342cca300b1
 
Wikipedia: Bewertungsbausteine – http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Bewertungsbausteine

Wikipedia: Neutraler Standpunkt – http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:N

Wiki-Watch – http://www.wiki-watch.de

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Unterrichtsmaterial zu Medienkompetenz von Microsoft

Gestern haben wir an dieser Stelle das neue Jugendschutz-Center von Google vorgestellt. Damit wandelt der Internetriese auf den Spuren von Microsoft, denn Microsoft stellt schon seit einiger Zeit Materialien zur Schulung von Medienkompetenz und zur Erhöhung der Sicherheit beim Surfen zur Verfügung. Gebündelt finden sich die Unterrichtsmaterialien auf der Microsoft-Website "Sicherheit macht Schule". Nach drei Alterstufen untergliedert erhält man komplette Unterrichtseinheiten inklusive der notwendigen Materialien - ein empfehlenswertes Angebot. Direkt zu den Unterrichtsideen geht es hier...


Mittwoch, 3. Oktober 2012

Google Jugendschutz-Center

Der offizielle Google Produkt-Blog hat letzte Woche gemeldet, dass mit dem Jugendschutz-Center ein neues Angebot gestartet wurde, das media literacy und sicheres Surfen von Kindern unterstützt:
"Um die schwierigsten Fragen zu beantworten, mit denen Eltern in der Online Welt konfrontiert werden - beispielsweise wenn Kinder mit unangemessenen Inhalten in Berührung kommen oder sich Fremde mit ihnen in Kontakt setzen - haben wir Experten um Unterstützung gebeten, die sie am besten beantworten können: Organisationen, die sich für den Jugendschutz und die Internetaufklärung von Kindern und Jugendlichen seit vielen Jahren einsetzen. Darunter sind Deutschland sicher im Netz, fragFINN, FSM, Klicksafe und der Nummer gegen Kummer" (aus dem Posting "Sicher online mit dem Jugendschutz-Center" des offiziellen Google Produkt-Blogs).

Samstag, 15. September 2012

Darenschutz - grundlegender Sammelband bei der bpb erschienen

Neben dem Urheberrecht zählt der Datenschutz zu den umstrittenen Themen, die in unseren Seminaren immer wieder für Diskussionsstoff sorgen. Dankenswerterweise hat die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) nun einen umfassenden Sammelband zu diesem Thema veröffentlicht, der das Potenzial hat, die Qualität der Debatte deutlich zu steigern:

Jan-Hinrik Schmidt / Thilo Weichert (Hrsg.) (2012), Datenschutz. Grundlagen, Entwicklungen und Kontroversen, Bonn bpb (Online-Bestellung bei der bpb für 4,50 EUR).

Mein erster Eindruck ist, dass die Verheißungen des folgenden Klappentexts eingelöst werden, auch wenn es zahlreiche Überschneidungen zwischen den Aufsätzen gibt:
"Eine Vielzahl technischer und medialer Innovationen sowie die Aufdeckung zahlreicher Datenpannen haben in den vergangenen Jahren das Themenfeld Datenschutz in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt. Ob beruflich oder privat, ob gegenüber Unternehmen oder Behörden, ob in den vernetzten Öffentlichkeiten des Internets oder in den öffentlichen Räumen unser Städte: Die elektronische Datenverarbeitung dringt in alle Lebensbereiche vor, überall werden Daten unterschiedlichster Art erhoben, gespeichert und miteinander verknüpft.

Um das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung wahrnehmen zu können und sich in aktuellen Datenschutz-Kontroversen eine eigene Meinung zu bilden, ist ein Basisverständnis für die Prinzipien und nationalen wie internationalen Rahmenbedingungen des Datenschutzes nötig. Der interdisziplinär angelegte Sammelband gibt einen allgemeinverständlichen Überblick zum aktuellen Stand von Recht, Technik und gesellschaftliche Debatten, zu Herausforderungen, Chancen und Risiken sowie zu möglichen Szenarien der zukünftigen Entwicklung.

In fünf Abschnitten enthält der Band nicht nur eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Datenschutzregelungen und ihres Anpassungsbedarfs an das digitale Zeitalter, sondern beleuchtet auch sozialwissenschaftliche, pädagogische, politische und psychologische Aspekte. Damit leistet er einen facettenreichen Beitrag zum Verständnis der gegenwärtigen Fragen des Datenschutzes, die sich angesichts des raschen Wandels der Informations- und Kommunikationstechnik in Zukunft immer drängender stellen werden."

Freitag, 14. September 2012

Grundlegende Fragen zur Schule im digitalen Zeitalter

In meinen Seminaren habe ich immer wieder auf Bücher und Vorträge von Will Richardson hingewiesen. In einem rund 18-minütigen TEDx Vortrag in Melbourne hat er nun wieder die Grundfragen treffend formuliert, vor denen das Bildungswesen steht angesichts der Tatsache, dass Wissen kein knappes Gut mehr und die Welt voller LehrerInnen ist. Außerdem hat er seine Gedanken dazu heute als kleines E-Book (Kindle Single) mit dem Titel "Why School?" veröffentlicht:

 

Unbedingt lesenswert sind - neben seinem Blog - außerdem die beiden folgenden Bücher:

Donnerstag, 13. September 2012

Sicher surfen - neues Angebot "A Platform for Good"

Eine neue Internetplattform hilft (englischsprachigen) Teenagern, Eltern und LehrerInnen, die Gefahren des Web (2.0) zu umschiffen. "A Platform for Good" wird vom amerikanischen Family Online Safety Institute zur Verfügung gestellt und zusammen mit den Internetgiganten entwickelt.

Mittwoch, 12. September 2012

Wolfgang Blau zum Urheberrecht im digitalen Zeitalter

Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit online, hat bei einer Veranstaltung der Grünen eine wohltuend unaufgeregte und unbedingt empfehlenswerte Rede zum Urheber- und Leistungsschutzrecht gehalten. Dabei verwendet er mit Buchdruck und Eisenbahn (sowie den ersten, heute lächerlich anmutenden Warnungen davor) zwei Analogien, die ich ebenfalls in meinen Seminaren immer wieder gerne anführe, um den Blick dafür zu schärfen, was heute an Reaktionen angesichts der digitalen Revolution möglicherweise ebenfalls später als übertriebene Angst belächelt werden wird (Stichwort: "digitale Demenz").

Hinweis: Lassen Sie sich von der anfänglich schlechten Tonqualität nicht abschrecken. Sie wird ab 3:33 min besser...


Samstag, 8. September 2012

Wie könnte politische Bildung 2.0 aussehen?

Vor wenigen Tagen ist auf dem #pb21-Blog ein Beitrag von Guido Brombach erschienen mit dem Titel: "Welche Kompetenzen braucht politische Bildung 2.0?", der kurze Zeit später auch als Gastbeitrag auf der Website der BpB veröffentlicht wurde, dort mit dem Ziel, eine Debatte zu eröffnen. Es ist sehr zu begrüßen, dass die Diskussion um Web (2.0) und politische Bildung Fahrt aufnimmt. Einen Beitrag zu dieser Debatte habe ich im Agora Blog veröffentlicht, wo ich die einseitige Ausrichtung auf Partizipation kritisiere...

Samstag, 1. September 2012

Virales Marketing

Was ist virales Marketing?
Virales Marketing ist eine gezielt gesteuerte Marketingform, deren Intention das Auslösen von Mundpropaganda ist. Im Interesse des Unternehmens werden damit das Unternehmen selbst und dessen Leistung vermarktet. Um erfolgreich virales Marketing betreiben zu können, wird auf Forschungsergebnisse und unterschiedliche Wissenschaftsbereiche wie zum Beispiel die Psychologie, die Sozialwissenschaften und die Evolutionstheorie Wert gelegt und anschließend mit den Praxiserfahrungen der Unternehmer verschmolzen.


Aus diesem Grund entstand über die Jahre eine Vielzahl von Strategien und Taktiken zur Planung, Durchführung und Erfolgsmessung von Marketingaktionen. Durch die Nutzung der Wissenschaft können Markenbotschaften sowie Produkt- und Dienstleistungsinformationen so bearbeitet werden, dass sie sich möglichst schnell durch das Weiterempfehlen oder Weiterleiten von Nutzern verbreiten.

Hieraus lässt sich auch die Namensgebung dieser Marketingform ableiten. Die Information verbreitet sich „viral“, sie wird also von Mensch zu Mensch weitergeleitet und verbreitet sich daher anfangs exponentiell (Logistisches Wachstum), so dass idealerweise eine soziale Epidemie entsteht.

Der Erfolg des viralen Marketings lässt sich am Beispiel des Filmes „The Blair Witch Project“ unterstreichen. Das Interesse des Kunden wurde so intensiv geweckt, dass er das Bedürfnis hatte sich darüber zu unterhalten und somit indirekt Werbung für den Film machte.


Durch die Tatsache, dass sich die Werbebotschaft durch den „Kundenmund“ verbreitet, ist die Marketingform virales Marketing sehr kostengünstig im Vergleich zu herkömmlichen Vermarktungsmöglichkeiten. Dennoch ist nicht der Kosten-Nutzen-Faktor der entscheidende Grund für den Erfolg des viralen Marketings. Der große Unterschied zu herkömmlicher Werbung ist, dass das virale Marketing die natürlichen Beziehungen und Kommunikationswege in menschlichen Netzwerken ausnutzt.

Dies ist der Grund, weshalb die Werbebotschaft den aufdringlichen Charakter eines Werbeversprechens verliert. Die Übertragung der Werbebotschaft von Freund zu Freund birgt immense Potenziale der Kundenkommunikation, die es zu erschließen gilt. Dadurch wird eine Situation geschaffen, von der Unternehmen und Kunde gleichermaßen profitieren. Der Vorteil des Unternehmens ist, dass der Kunde keine Abneigung gegen die Werbebotschaft entwickelt und interessante Erlebnisse, die man mitteilen kann, sind der Vorteil des Kunden.


Die herkömmliche Mundpropaganda wird in Verbindung gebracht mit der Vermittlung von Erfahrungen, die eine Person mit dem Produkt oder mit einem Unternehmen gemacht hat. Dies führt dazu, dass die Weiterempfehlungen sehr glaubwürdig sind. Um einen Kunden dazu zu bewegen, ein Produkt/Unternehmen weiter zu empfehlen, benötigt der Kunde zu dem Produkt/Unternehmen ein gewisses Vertrauen, das über einen größeren Zeitraum aufgebaut werden muss. Dies ist der Grund, dass diese Form der Weiterempfehlung für das virale Marketing weniger interessant ist.

Des Weiteren lässt sich die Zahl und Art der Empfehlungen nicht beeinflussen. Produkte oder Unternehmen müssen von Beginn an den Kunden überzeugen, damit das Produkt oder Unternehmen weiterempfohlen wird. Virales Marketing setzt auf „Gelegenheitsempfehlungen“, die keine langjährige Beziehung mit dem Kunden anstreben, sondern sich kurzfristig, situationsbedingt ergeben und daher ausnutzbar sind.


Beispiele hierfür sind schwammige Empfehlungen wie Gerüchte und Geschichten oder direkte Hinweise zu einer Website, Empfehlung eines Shareware Programms und zu skurrilen Werbeclips.

Neben dem Empfehlungsobjekt lässt sich auch die Rolle des Konsumenten bei dem Prozess der Weiterempfehlung unterscheiden. Die Rolle des Konsumenten kann in eine aktive und in eine passive unterteilt werden. Bei der aktiven Konsumentenbeteiligung wird der Konsument selbst aktiv. Er verschickt oder empfiehlt Videoclips, Leistungen und erzählt Geschichten.

In der passiven Variante des viralen Marketings verbreitet der Kunde die Werbebotschaft durch das alleinige Nutzen des Angebots selbst. Das Angebot wird nicht direkt von einer Person empfohlen, sondern durch das Benutzen eines Produkts oder einer Dienstleistung wird das Angebot für mögliche Neukunden bekannt. Ein Beispiel hierfür ist das Nutzen des kostenlosen E-Mail-Providers GMX. Beim Versenden jeder E-Mail wird der Satz „Kostenlose E-Mail-Adresse gibt es bei GMX.de“ angehängt. Hierbei wird der User des E-Mail-Providers automatisch, ohne bewusste Selbstbeteiligung, zum passiven Werbeträger, indem er seine E-Mails an seine Freunde und Verwandten verschickt.

Für Marketingprofis sind die Beweggründe für Menschen, ein Produkt oder Dienstleistungen weiter zu empfehlen, sehr wichtig. Was ist der Auslöser und welche Merkmale müssen vorhanden sein, damit eine Weiterempfehlung stattfindet?

Die Gründe sind in drei Kategorien eingeteilt. Zum einen gibt es die „Ansteckende Kommunikation“ (vgl. Langner 2007, S.31), bei der ein Gerücht, eine spannende Geschichte oder ein ungewöhnlicher Werbespot selbst der Auslöser der Mundpropaganda ist. Zum anderen die so genannte „Ansteckende Beziehung“ (vgl. Langner 2007, S.31), die durch eine Beziehungspflege Mundpropaganda betreibt. Das Unternehmen bietet einen besonders guten Service, lässt den Kunden beim Innovations- und Entwicklungsprozess teilhaben oder kommt außergewöhnlichen Wünschen der Kunden nach. Die dritte Kategorie nennt sich „Ansteckende Produkte und Dienstleistungen“ (vgl. Langner 2007, S.31). Hier ist die Leistung des Unternehmens der Auslöser der Mundpropaganda.

Das virale Marketing ist an kein Medium gebunden. Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass das Internet zu einer Wiederbelebung des viralen Marketings entscheidend beigetragen hat. Während offline die Verbreitung von Werbeinformationen begrenzt ist, bietet das Internet die Aussicht auf eine hohe Reichweite. Der Empfängerkreis von Geschichten oder Gerüchten ist offline auf ein paar Bekannte begrenzt, während es online durch E-Mail, Foren, Verbraucherportale und Weblogs einen Empfängerkreis mit scheinbar unendlich großem Radius gibt. Selbst wenn sich in den Foren manche nicht an den Diskussionen beteiligen, lesen sie dennoch die dazugehörigen Beiträge.

Ein weiterer Vorteil des Internets ist die einfache Bedienung und Verbreitung von Informationen. Empfiehlt ein Freund eine Website, so versendet er zu seiner Nachricht einen dazugehörigen Link, der den Empfänger durch einen Mausklick zu der empfohlenen Seite bringt. Der Aufwand, um Produkte auf herkömmlichem Wege weiterzuempfehlen, ist erheblich größer. Ohne Lohn würde kaum ein Konsument zum Hörer greifen, um seine Freunde auf eine Dienstleistung hinzuweisen (vgl. Langner 2007, S.27-34).

Entstehung

Im Dezember 1996 wurde der Artikel „The Virus of Marketing“ von Jeffery Rayport im Wirtschaftsmagazin Fast Company veröffentlicht. Der Artikel beschreibt, wie virales Marketing funktioniert. Die Werbebranche war davon so begeistert, dass sich der Bekanntheitsgrad des Autors und dessen Artikel schnell verbreitete. Das Interesse am viralen Marketing ist also vorhanden. Es fehlen nur noch die Personen, die diese Idee umsetzen.

Zwei nordamerikanische Jungunternehmer, Sabeer Bhatia und Jack Smith, hatten 1996 die Idee, eine Internetfirma für Datenbank-Tools zu gründen. Das benötigte Geld erhofften sie von der Risikogesellschaft Draper Fisher Jurvetson (DFJ) zu erhalten. Doch das Konzept überzeugte die Gesellschaft nicht, und sie fragte die Jungunternehmer, ob sie nicht noch ein anderes Projekt hätten.

Sabeer und Jack legten der Gesellschaft einen halbfertigen Entwurf vor, der durch Werbefinanzierung einen kostenlosen E-Mail Dienst umschreibt. Dieses Konzept überzeugte die DFJ-Funktionäre und sie unterstützten die Jungunternehmer mit 300.000 Dollar, wovon diese nur 50.000 Dollar für Marketingmaßnahmen ausgaben.

Am 4. Juli 1996 starteten sie mit ihrem Internetangebot. Das Datum des Starts war schlecht gewählt, weil dieser Tag der Amerikanische Unabhängigkeitstag ist und die Medien hauptsächlich über dieses Thema berichteten. Dennoch stellte sich der Erfolg ein. Ein Student meldete sich bei dem Service an. Er wurde durch eine Werbebotschaft in einer Studentenzeitschrift auf die Plattform aufmerksam. Am nächsten Tag waren es zehn und am folgenden fünfzig. Zwei Wochen später gab es an die 100.000 Neuanmeldungen. Die Neuanmeldungen des Services breiteten sich exponentiell aus und bald schon kamen Anmelder aus der ganzen Welt. Bis heute hat das Unternehmen zwölf Millionen Nutzer. Dieses Unternehmen nennt sich Hotmail und ist ein Musterbeispiel für erfolgreiches virales Marketing (vgl. Klinger 2006, S.13-16).

Verbreitung

Das so genannte Seeding ist die strategische und zielgerichtete Positionierung und Verbreitung viraler Nachrichten in einem bedeutsamen Online- und Interessenumfeld. Zusätzlich braucht das virale Marketing zum Erfolg eine kreative Idee. Die Werbung wird über video-sharing- oder picture-sharing-Portale, themenrelevante Blogs, Foren oder Internetseiten verbreitet. Seeding unterscheidet man in einfaches und erweitertes Seeding.

Einfaches Seeding

Stammkunden zeigen in der Regel ein hohes Maß an Identifikation mit dem Unternehmen und treten dafür in ihrem sozialen Umfeld ein. Beim „einfachen Seeding“ werden die Werbebotschaften dieser Zielgruppe angepasst. Die Tendenz zur Identifikation soll erhalten bleiben, damit das Produkt dauerhaft in dem Personenkreis präsent ist (vgl. Schmahl 2007, S. 77).

Newsletter-Abonnenten und Kunden, die den Service schon einmal weiterempfohlen haben, sind beim viralen Marketing besonders interessante Konsumenten (vgl. Langner 2007, S. 74). User werden bei ihrem Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis als Multiplikatoren eingesetzt. Der Kontakt zu dem Personenkreis ist sehr vertraut. Aufgrund dessen ist die Hilfsbereitschaft untereinander sehr groß. Hierbei sind Freunde oder verwandte Personen besonders wichtig, die gerne Informationen weiterleiten, eine eigene Website oder einen eigenen Weblog haben.

Durch die Adressverkäufer werden die regionalen Umgebungsinformationen mit hoch symptomatischen Zielgruppenselektionen zusammengeführt. Es ist jedoch schwer, zu den gefundenen Personen Kontakt aufzunehmen, weil sie höchstwahrscheinlich das Produkt oder Unternehmen nicht kennen. Ein anderer Weg, um an die Kontaktdaten zu gelangen, besteht darin, mit einem anderen Unternehmen eine Kooperation einzugehen. Der Kooperationspartner sollte dabei die gleiche Zielgruppe ansprechen, aber kein direkter Konkurrent sein (vgl. Langner 2007, S. 75 f.).

Erweitertes Seeding

Beim erweiterten Seeding wird in erster Linie auf eine schnelle Verbreitung des Informationsguts Wert gelegt, wohingegen auf einen zuverlässigen Empfehlungsprozess verzichtet wird. Um extrem schnell Werbebotschaften zu verbreiten, werden möglichst viele Kanäle und Medien als Multiplikatoren genutzt. Daher ist erweitertes Seeding um einiges teurer als einfaches Seeding (vgl. Schmahl 2007, S. 78).

Per E-Mail können Werbebotschaften schnell und effizient verschickt werden, und sie ist daher ein probates Mittel zur Verbreitung der Botschaften. Die Gefahr, dass die Werbebotschaft im Spamordner der User landet, ist dabei vergleichsweise gering. Der elektronischen Post von Bekannten und Freunden wird in der Regel vertraut, so dass sich die Botschaft erfolgreich verbreiten kann. Dadurch besteht weiterhin die Möglichkeit, dass die Werbebotschaft bei den Zielpersonen ankommt. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, eine E-Mail zu versenden. Einerseits können Newsletter im HTML-Format, reine Text-E-Mails oder mit Anhängen versendet werden (vgl. Schmahl 2007, S. 78).

Webseiten eignen sich sehr gut als Überträger einer viral versendeten Werbebotschaft. Dateien, Animationen und Spiele können problemlos heruntergeladen und präsentiert werden. Dennoch finden Webseiten nur bedingten Einsatz beim viralen Marketing. Der Grund hierfür ist, dass der Nutzer selbst aktiv werden und von alleine auf die Webseite gelangen muss. Daher eignen sich nur vielbesuchte Webseiten für das virale Marketing (vgl. Schmahl 2007, S. 76).

Weblogs und Foren können genutzt werden, um eine Werbekampagne zu steuern. In Weblogs werden bestimmte Themen angesprochen, wie zum Beispiel der Inhalt eines Werbeclips. Dies kann genutzt werden, um andere Leute mit der Kampagne zu infizieren. In Foren geben sich Mitarbeiter als Mitglieder aus und weisen ständig auf die Werbebotschaft hin. Dies kann sehr wirksam sein, da viele die Diskussionen mitlesen, aber selber nicht aktiv sind. Der Nachteil bei Foren und Weblogs, um erfolgreich virales Marketing betreiben zu können, ist der damit verbundene Zeitaufwand.

Viel einfacher ist die Verbreitung einer Werbebotschaft in den großen Unterhaltungsseiten, wie YouTube. Durch die hohe Besucherzahl der Unterhaltungsseite gibt es ein enormes virales Potenzial (vgl. Lindl 2008, S. 58). Grundvoraussetzung hierfür ist ein interessanter Video-Clip mit versteckter Werbebotschaft, der die Leute dazu bewegt, ihn anschauen zu wollen.

Durch einen Bonus werden User dazu animiert die Webseite zu verbreiten. Ein besonderer Quellenanzeiger prüft, wer wie viele Adressen verbreitet hat und entlohnt dementsprechend den User, der sie verbreitet (vgl. Lindl 2008, S. 58).

Wie lässt sich der Erfolg der viralen Werbekampagne messen?

Bei der Mundpropaganda ist eine Erfolgszählung fast nicht möglich, da nicht bekannt ist, ob und wie viel Werbegut bei Gesprächen zwischen Werbeträger und Werbeempfänger ausgetauscht wird. Es gibt indirekte Faktoren wie Verkaufszahlen, Einschaltquoten, Besucher eines Events etc., die aber erst feststellbar sind, wenn sich die Werbebotschaft erfolgreich verbreitet hat.

Die einzige Möglichkeit, den Verlauf der viralen Werbekampagne zu verfolgen, besteht im Internet. Um die Weiterentwicklung des Werbevirus zu verfolgen, werden die Überträger genutzt. Hierbei wird nicht der Empfehlungsprozess an sich verfolgt, sondern die Anzahl der Verwendungen der einzelnen unterschiedlichen Überträger erfasst. Über diese gewonnenen Daten kann, indirekt, eine Aussage über den Erfolg der Kampagne gemacht werden. Es wird bei der Erfolgsmessung im viralen Marketing zwischen quantitativer und qualitativer Erfolgskontrolle unterschieden.

Die Grundlage der quantitativen Erfolgsmessung ist die Aufzeichnung der Anfragen an einen Webserver. Durch die Abrufe des Servers kann die Anzahl der gesendeten Dateien von einem Server zu einem Auftraggeber angegeben werden. Beispiele hierfür sind zusammengefasste Downloads oder Seitenabrufe. Durch die Verwendung von Requests kann die IP-Adresse des Nutzers ermittelt werden und der Zeitpunkt, wann der Nutzer die Seite geöffnet hat. Dies ist möglich, indem eine Datei mit einem HTTP-Request verbunden wird. Bei der Öffnung der Datei wird vom HTTP-Request eine Anfrage an den eigenen Server verschickt und gleichzeitig mit der Anfrage die entsprechenden Informationen übermittelt. Durch diese Methode des Server-Anfragens und Server-Abfragens kann ziemlich genau die Anzahl der Nutzer der Werbeinformation bestimmt werden und deren Identität.

Die Grundlagen der qualitativen Erfolgsmessung sind die Auswertungen von Meinungsäußerungen über das zu werbende Produkt in Weblogs, Foren, On- und Offline-Magazinen sowie auf Partner- und Zielgruppenportalen. Durch die subjektiven Meinungen kann das Unternehmen auf die Kunden besser eingehen und deren Wünschen nachkommen.

Ein Beispiel lässt sich im „Michael Jackson Malibu Forum“ (http://www.malibufanclub.de/) finden. Die Fans wünschen sich auf dem Re-release Album „Bad25“ unveröffentlichte Lieder und eine Live-DVD des Wembley Konzerts aus dem Jahre 1988. Das Unternehmen Sony kommt den Wünschen der Kunden entgegen und bietet ihnen mehrere mögliche Gesamtpakete an (http://de.myplaydirect.com/michael-jackson/). Nun kann jeder Kunde selbst entscheiden, wie viel Geld er für welches Packet ausgeben will.

Kommen quantitative und qualitative Erfolgsmessung kombiniert zum Einsatz, kann eine glaubwürdige Einschätzung über die Ergebnisse und den Erfolg der Werbung gemacht werden (vgl. Langner 2007, S.89-100).

Literatur

-Virales Marketing. Wie Sie Mundpropaganda gezielt auslösen und Gewinn bringend nutzen 2. aktualisierte und erweiterte Auflage von Sascha Langner. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler/GWV Fachverlag GmbH, Wiesbaden 2007 (S.27-34, S. 74 ff. und S.89-100).

-Virales Marketing. Die Macht der sozialen Netzwerke von Michaela Klinger. Vom VDM Verlag Dr. Müller 2006 (S.13-16).

-Viral Marketing. Voraussetzungen, Risiken, Fallstudien von Mareike Lindl. Vom VDM Verlag Dr. Müller 2008 (S.58).

-Moderne Online-Marketing-Methoden. Affiliate Marketing, Suchmaschinen Marketing, Viral Marketing und Web 2.0 von Diana Schmahl. Vom VDM Verlag Dr. Müller 2008 (S.76 ff.).

Mittwoch, 29. August 2012

"Leistungsschutzrecht" heute im Kabinett

In aller Welt schüttelt man den Kopf angesichts des geplanten "Leistungsschutzrechts" in Deutschland. Worum es dabei geht, erklärt der "Elektrische Reporter" im folgenden Video:


Mittwoch, 22. August 2012

Einseitige Web 2.0-Debatte in Deutschland

Im agora-wissen Blog habe ich eine Besprechung des Buchs "Die Datenfresser" von Constanze Kurz und Frank Rieger zum Anlass genommen, um mich mit der Einseitigkeit der Diskussion um Digitalisierung und Web 2.0 in Deutschland zu beschäftigen. Mein Lamento in Kurzform: Überall werden Ängste geschürt, die Chancen dagegen bleiben in der Regel ausgespart. Interessanterweise gilt das nicht nur für schlechte Bücher, die mit diesem Angst-Trend Geld verdienen wollen, sondern auch für gute Publikationen wie "Die Datenfresser". Das gesamte Lamento gibt es hier...

Sonntag, 19. August 2012

Nachtrag zu "Wikipedia verstehen"

Bei der Lektüre des Sammelbands "Deep Search. Politik des Suchens jenseits von Google" (hg. v. Konrad Becker / Felix Stalder, Lizenzausgabe für die BpB, Bonn 2010, Online-Version) bin ich in dem Aufsatz "Die Suche vor grep. Eine Entwicklung von Geschlossenheit zu Offenheit?" von Paul Duguid auf eine historisch informierte Einschätzung des Wikipedia-Projekts gestoßen, die sich mit unseren Ergebnissen aus den letzten beiden Semestern deckt (veröffentlicht in diesem Blog und im Rahmen des Online-Lehrbuchs zum Web 2.0).

Zum Kontext: Duguid stellt angesichts von grep und Google die Frage, ob es eine kontinuierliche Entwicklung in der Geschichte der Suchmethoden gibt, "die sich von geschlossen zu offen und von beschränkt zu frei, kurz gesagt, von einer dunklen Vergangenheit in eine aufgeklärte Zukunft bewegt" (S. 17). Er geht die entsprechenden Methoden seit Erfindung der Schrift durch, um dann zu bilanzieren:
"Wie ich zu zeigen versucht habe, sieht eine Geschichte des Suchens daher weniger wie ein linearer Verlauf aus, der von einem angeborenen Drang nach Informationssammlung vorangetrieben wird, sondern eher wie eine Reihe von fast unergründlichen Zyklen um offene und geschlossene Strukturen" (S. 32).
Zwei Mal taucht Wikipedia in der Darstellung auf:
"Dieses Konzept der Umschreibung ist in zwei wichtigen akademischen Begriffen enthalten. Einer dieser Begriffe ist Enzyklopädie, der eingekreiste Wissenskorpus, der für die Bildung ausschlaggebend ist. Der andere Begriff ist die Suche (search) selbst, die – wie die Enzyklopädie – etymologisch von den in den klassischen Sprachen verwendeten Wörtern für "Kreis" abstammt, und dessen Herkunft auf einen kreisförmig umschlossenen Wissenskorpus hinweist, der untersucht werden muss. Das heißt, die Suche steht nicht nur für die Nadel, sondern auch für den Heuhaufen. Die Vorstellung eines von einem Kreis umschlossenen und durchsuchbaren Korpus impliziert (und entwertet) natürlich einen zweiten Korpus, der als falsch, unecht, ephemer etc. ausgeschlossen wird. (...) Doch wie die salons des refusés, die von den Künstlern gebildet wurden, die von den offiziellen Kunstausstellungen in Paris abgelehnt wurden, führten solche Versuche, Information mit Schranken zu versehen, unweigerlich zu weiteren Versuchen, diese Schranken zu durchbrechen. Auch wenn es vielleicht Zufall ist, so ist es doch bezeichnend, dass Wikipedia den Wortteil pedia beibehalten hat, aber den Wortteil Encyclo-, der auf den kreisförmigen Einschluss hindeutet, ablehnte. Zumindest symbolisch drückt dies einen Wunsch aus, nicht im Stile der Vergangenheit eingekreist zu werden, sondern sich immer weiter zu öffnen. Wie ich zu sagen versucht habe, ist dieser Versuch alles andere als neu. Der Weg zur Offenheit ist vielleicht sogar eher zyklisch als linear. Versuche, im Namen der Freiheit auszubrechen, führen zu anderen Versuchen, Einschränkungen im Namen der Qualität einzuführen, was in der Folge zu neuerlichen Ausbruchsversuchen führt" (S. 27f.).
Die zweite Stelle bildet den letzten Absatz des Beitrags. Wikipedia veranschaulicht geradezu paradigmatisch und verdichtet, was die historische Betrachtung zutagegefördert hat:
"In der Tat – und hier entschuldige ich mich bei allen, die mir bis hier gefolgt sind, dass ich dies so spät sage – können wir diese zyklischen Bewegungen erkennen, ohne eine mühsame historische Reise zu unternehmen. Wikipedia zum Beispiel, die vielen als Beispiel einer Sammlung von offener, durchsuchbarer und verlässlicher Information über die Welt gilt, widmet sich seit einiger Zeit dem Aufbau von Strukturen. Ihr früheres Misstrauen gegenüber verbürgtem Expertenwissen und ihr Widerstand gegen hierarchische Ausschlüsse sind einem Verständnis gewichen, wonach behauptete Erfahrung nicht notwendigerweise besser ist als erworbene Autorität. Wikipedia hat sogar selbst begonnen, über ihre Stiftung eine institutionelle Struktur aufzubauen, was zwangsläufig die Offenheit des Projekts einschränkt. Implizit beginnt der Wortteil Encyclo- wieder die pedia zu umhegen" (S. 32).
Und noch eine Bemerkung zu den anderen Aufsätzen in diesem Sammelband. Neben weniger aufschlussreichen Beiträgen finden sich zwei hervorragende Aufsätze, die unbedingt zur Lektüre empfohlen werden können: 
Robert Darnton: Die Bibliothek im Informationszeitalter. 6000 Jahre Schrift (Online-Version).
Felix Stalder / Christine Mayer: Der zweite Index. Suchmaschinen, Personalisierung und Überwachung (Online-Version).

Dienstag, 14. August 2012

Gesellschaft 2.0 - Angst allerorten

Die "Netzthemen" sind endgültig im mainstream angekommen. Und allerorten überwiegt die Angst. Man tut sich schwer, den Überblick zu behalten bei all den alarmistischen Artikeln, die von der ZEIT ("Vier Sheriffs zensieren die Welt. Wie Apple, Facebook, Amazon und Google dem Internet ihre Gesetze aufzwingen") bis zum Dossier "Digitale Gesellschaft 2.0" von CICERO reichen. Beiträge in deutscher Sprache, die sich den Chancen einer "Gesellschaft 2.0" widmen, suche ich meistens vergeblich (und wäre dankbar für Hinweise). Sind Autoren wie Jeff Jarvis, Don Tapscott und viele andere, die in Digitalisierung und Web 2.0 in erster Linie eine Fülle von Möglichkeiten sehen, nur naive Spinner?

Freitag, 3. August 2012

Internet-ABC für Kinder (und Eltern und LehrerInnen)

Der Medienportal-Newsletter 5/2012 macht auf ein interessantes und - gerade in unserem Zusammenhang - nützliches Angebot aufmerksam:
Das werbefreie und nicht kommerzielle Webangebot www.internet-abc.de bietet Kindern von fünf bis zwölf Jahren einen geschützten Raum, in dem kindgerecht und spielerisch der bewusste Umgang mit dem Internet - als Basiskompetenz - vermittelt wird. Auf eigenen Seiten können sich Eltern und Pädagogen informieren. Zusätzlich hat der Internet-ABC e.V. ein Lehrerhandbuch und eine CD-ROM für den Einsatz im Unterricht entwickelt.
Das Angebot ist es auf jeden Fall wert, in unsere Liste der kindgerechten Web-Angebote und der Medienkompetenz-Vermittlungshilfen aufgenommen zu werden. Vielleicht findet sich im kommenden Semester eine Referatsgruppe, die sich diesem Thema vertieft widmen möchte...

Freitag, 20. Juli 2012

EduCamp - Diskussion zu Lernen 2.0

EduCamps gibt es weltweit; die Idee eines EduCamps im deutschsprachigen Raum stammt von den Medienwissenschaftlern Steffen Büffel (freier Medienberater), Marcel Kirchner und Thomas Bernhardt (ehemalige Studenten der TU Ilmenau).

EduCamps sind offene Konferenzen, in denen die Teilnehmer – meist ExpertInnen und StudentInnen – schwerpunktmäßig medienpädagogische Fragen im Hinblick auf neue Medien, wie z.B. das Thema E-Learning 2.0, aber auch ganz allgemein über Lehr- und Lernmethoden, diskutieren.

Das nächste EduCamp findet vom 18. bis 21. Oktober 2012 in Ilmenau statt.

Allein unter 100 Freunden

Die US-amerikanische Soziologin Sherry Turkle, eine in der Vergangenheit eher fortschrittsbejahende Internet- und Medienanalystin, stimmt in ihrem neuesten Buch "Verloren unter 100 Freunden. Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern" ganz neue Töne an.

Die Professorin am Massachusetts Institute of Technology beklagt, dass die Menschen durch das ständige Onlinesein den Sinn für Kommunikation verlieren würden und fordert eine Rückkehr zu menschlicher Nähe, anstatt das Leben "gemeinsam allein" zu verbringen.

Ein aktuelles und sehr interessantes Interview mit Sherry Turkle regt zum Nachdenken an.

Cybermobbing - Was sollte ich als Lehrer(in) wissen?

Konflikte im Schulleben gab es immer und wird es immer geben. Die Ursachen sind vielfältig und strukturell angelegt: Eine Vielzahl von Schülerinnen und Schüler (im Folgenden wird zur Vereinfachung von „Schülern“gesprochen) mit unterschiedlichen Erziehungs- und Sozialisationshintergründen werden in Klassen, Kursen nach organisatorischen Überlegungen prinzipiell erst einmal heterogen zusammengefasst. Schulische Konfliktsituationen sind also nichts Neues. „Neu“ sind allenfalls Arten, Formen und Methoden des Konfliktpotenzials und der Konfliktaustragung. Darauf weist die Etablierung von sog. Streitschlichtern und Mediatoren an vielen Schulen hin.

Cybermobbing an Schulen ist im Kontext von allgemeinen Mobbing-Erfahrungen vergleichsweise „neu“ (Mitte des letzten Jahrzehnts im angloamerikanischen Sprachraum als spezifisches Phänomen beschrieben), aber inzwischen leider schon eine Alltagserscheinung. Dies liegt u.a. in der Tatsache begründet, dass die Nutzung des Internets bei Schülern aller Altersstufen zur Alltagsbeschäftigung gehört: Computer und Internet sind für Schüler ohne Probleme verfügbar, die Nutzungsintensität spricht für sich:




Dies gilt auch für die spezielle Nutzung sozialer Netzwerke (z.B. Facebook).
Nach der Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger durch „Jugend, Information und (Multi-) Media“ (vgl. JIM-Studie 2011) suchen 71 Prozent der 12- bis 19-Jährigen mehrmals pro Woche solche Plattformen im Internet auf:



Die Infographik zeigt die Signifikanz der sozialen Netzwerke im Kontext jugendlicher Kommunikationsformen, wie z.B. Facebook, schülerVZ, diverse Chatrooms etc.
Sicher lassen sich genügend positive Aspekte der Nutzung sozialer Netzwerke finden – das ist hier aber nicht das Thema. „Cybermobbing“ ist eine der problematischen Nutzungsmöglichkeiten sozialer Netzwerke: es geht um Beleidigung und Diffamierung, falsche Behauptungen und peinliche Bloßstellungen durch Darstellungen und Fotos.

14 % der Jugendlichen haben angegeben, dass über sie schon einmal peinliche oder beleidigende Inhalte ins Internet gestellt wurden. Jeder Zehnte im Alter von 12 bis 13 Jahren (9 %) wurde online beleidigt, beschimpft oder verleumdet. Der Prozentsatz bei älteren Jugendlichen ist noch höher: 14-15 Jahre: 18 %, 16-17 Jahre:14 %, 18-19 Jahre: 16 % (vgl. JIM-Studie 2011). In der Vernetzung von Einzelpersonen, aber auch ganzer Schulklassen und sogar Schulen finden die Cyber-Mobber eine aus ihrer Sicht „ideale“ Kommunikationsinfrastruktur vor: Scheinbar (!) anonym und damit ungefährdet lassen sich beliebige Personen unglaublich einfach zum Opfer machen(vgl. Gewalt, Mobbing und Bullying in der Schule).

Jeder vierte jugendliche Internetbesucher gibt an, dass in seinem Freundeskreis schon jemand sprichwörtlich „fertig gemacht“ worden sei. Besonders Jugendliche im mittleren Alter bestätigen Onlinemobbing in ihrem Umfeld (vgl. JIM-Studie 2011, S. 39ff.).

Was ist eigentlich Cybermobbing?

Cybermobbing (auch Cyberbullying, E-Mobbing genannt) kann - neben anderen kategorialen Zuordnungen - als besondere Form des allgemeinen Mobbings gesehen werden: Von Mobbing wird allgemein gesprochen, wenn über einen längeren Zeitraum Personen negativen Handlungen anderer ausgesetzt sind. Man kann indirekte Formen von Mobbing (Unwahrheiten verbreiten, Gerüchte in die Welt setzen, versteckt jemanden ausgrenzen...) von direkten Formen abgrenzen (hänseln, beleidigen, bedrohen bis handgreiflich werden, bespucken, treten...).

Mobbing lässt sich auch danach unterscheiden, ob es im Kern mehr physischer oder psychischer Art ist. Als dritte Form kann „Cyber-Mobbing“ gesehen werden, das Mobbing über elektronische Medien (Internet, Handy) meint. Diese „Trennungen“, Unterscheidungen von Mobbing können nur aus analytischen Gründen Sinn machen: Physische Attacken bewirken beim Opfer sicher auch psychische Schäden und umgekehrt. So gesehen hat Cybermobbing prinzipiell das gleiche mögliche Wirkungspotenzial wie allgemeines Mobbing – lediglich die Methoden (und die Rollen von Täter und Opfer) unterscheiden sich.

„Auslöser von Mobbing-Prozessen sind oft Konflikte zwischen den Beteiligten, die keine Lösung erfahren. Im Übergang vom Konflikt zum Mobbing verliert das ursprüngliche sachliche Problem immer mehr an Bedeutung, die systematische Bloßstellung und Tyrannisierung des Opfers tritt in den Vordergrund. Täter(innen) gewinnen dabei eine Machtposition, in der sich das Opfer unterlegen und ausgeliefert fühlt“ (Cybermobbing – unterschätzte Gefahr? - Polizeiberatung Cybermobbing - Fakten und Hintergrundinformationen).
Die Vielzahl der Definitionen von Cybermobbing unterscheiden sich weniger im strukturellen Bereich, die Blickwinkel und Gewichtungen bedingen die Unterschiede.

„Die meisten Definitionen von Cybermobbing lehnen sich eng an Definitionen von Mobbing in der Schule an: Danach bezeichnet Cybermobbing die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, um absichtlich [Vermutungen gehen allerdings dahin, dass ein nicht nur marginaler Anteil der Mobber „unwissentlich“ agiert – dies wird in der anstehenden Forschungsarbeit der Universität Hohenheim (Universität Hohenheim erforscht Cybermobbing an Schulen) wohl präziser analysiert werden] und wiederholt schwächere Individuen oder Gruppen von Individuen zu diffamieren oder zu schikanieren (…) Dieser direkte Vergleich von Mobbing in der Schule und Cybermobbing ist allerdings nur teilweise angemessen, da sich nicht alle Aspekte dieser Definition auf den virtuellen Raum übertragen lassen“ (Pieschl/Porsch 2012, S. 14).

Die wesentlichen Kommunikationsformen (vgl. Infographik: Aktivitäten im Internet; auch: Pieschl/Porsch, S. 14ff.) des Cybermobbing sind:
  • Nutzung sozialer Netzwerke / Social Communities (z.B. Facebook / schülerVZ)
  • Emails empfangen und versenden
  • Instant Messenger (z.B. ICQ, MSN) nutzen
  • Chatrooms besuchen
  • Handys: Anrufe, SMS, MMS
Eine vulgäre, bösartige bis fäkale Sprache bedient alle Grade von Diskreditierung, Verleumdung, Beleidigung und Schikane von Personen. Häufige Wiederholungen schlechter und schädigender Botschaften (Text/Bild/Videos) sind einfach und ohne Zeitaufwand möglich (vgl. auch Pieschl/Porsch 2012, S. 16f.).

Besonderheiten des Cybermobbing im Vergleich zum „herkömmlichen“ Mobbing sind:
  • Anonymität der agierenden Cyber-Mobber (sog. Cyber-Bullies)
  • Personenkreis / Zielgruppen / Reichweite für Cybermobbing unbegrenzt groß
  • Sekundenschnelle Verbreitung von Mobbing-Inhalten
  • „Rund um die Uhr“ Mobbing-Aktionen möglich
Zu den üblichen Kommunikationswegen und -formen kann man inzwischen reichlich lesen und hören – über strukturelle Bedingungen und Hintergründe weniger im Sinne fundierter wissenschaftlicher Untersuchungen.

Alle reden über Cybermobbing - eine breite, wissenschaftliche Aufarbeitung fehlt aber bislang

Auch wenn in den Medien viel über „Cybermobbing“ berichtet wird – bislang fehlt eine grundsätzliche wissenschaftliche Aufarbeitung. Ansätze gehen aber in diese Richtung (vgl. z.B.: Fawzi, Nayla (2009) - Ursachen und Auswirkungen von Cyber-Mobbing).

Alle Begriffe, die nicht nur in Fachkreisen unterschiedlich beschrieben und umrissen werden, sondern auch im alltäglichen Sprachgebrauch zum Schlagwort geworden sind, haben ein vages, uneinheitliches Bedeutungsfeld. Dies trifft sicher auch auf den neuen Begriff des Cybermobbings zu. Solange man sich dem Phänomen des Cybermobbings nur maßgeblich deskriptiv - die Symptome beschreibend - nähert, wird der Begriff unscharf bleiben und sogar auch funktionalisiert verwendet werden können. Bislang fehlt eine breite, wissenschaftliche Aufarbeitung. Gerade beim Cybermobbing wäre eines von größtem Erkenntnisinteresse: Die Frage nach der langfristigen Wirkung von Cybermobbing bei den Mobbing-Opfern. Festgestellte und beschriebene „Wirkungen“ sind wohl eher „Effekte“ als „Wirkungen“!Das Vorwort von Prof. Dr. Gregor Daschmann zu der Analyse von Fawzi (2009) umreißt recht trefflich Anliegen und Problemaspekte zum Forschungsgegenstand Cybermobbing:
„Manchem mag Cyber-Mobbing nur als ein Modewort für einen herkömmlichen Sachverhalt er- scheinen. Schließlich ist Mobbing unter Jugendlichen kein neues Phänomen – das Schikanieren und 'Hänseln' von Mitschülern war auch schon (…) lange vor Bestehen des Internet, der traurige Alltag in vielen Schulklassen. (...) Ist somit Cyber-Mobbing nichts anderes als die Austragung alltäglicher Schülerzwistigkeiten, wie es sie schon immer gab, via Internet? … Nayla Fawzi verdeutlicht, dass der Wandel wesentlich tiefgreifender ist. Sie verknüpft das Phänomen des Cyber-Mobbing mit den jüngeren kommunikationswissenschaftlichen Forschungen zu so genannten 'Reziproken Effekten', die zeigen, wie sehr Opfer von Medienberichten psychisch unter den Folgen bloßstellender Berichterstattung leiden. Hier wird deutlich, dass Cyber-Mobbing eine neue Qualität hat, die weit über das hinausreicht, was das frühere Drangsalieren und Schikanieren ausmacht. Was vorher im privaten Bereich (...) stattfand, steht jetzt im Netz: Für alle sichtbar und meist nicht mehr rückholbar. (...) Hinzu kommt das Gefühl der Ohnmacht: Die Täter bleiben meist anonym und sind nicht greifbar – ohne Einschreiten zu können, muss das Opfer die Übergriffe hilflos hinnehmen. … (…) Was fehlt, ist Medienwirkungskompetenz. Sie zu vermitteln, ist die Aufgabe von Pädagogen und Eltern und nicht zuletzt von uns Wissenschaftlern. Nayla Fawzi macht mit Ihrer Studie einen Anfang“ (Aus dem Vorwort von Prof. Dr. Gregor Daschmann zur Arbeit von Fawzi (2009)).
Ein weiterer (größerer) Fortschritt in der wissenschaftlichen Erforschung des Phänomens Cybermobbing kann in nächster Zeit erwartet werden. So ist es zu begrüßen, dass das an der Universität Hohenheim derzeit im Fachgebiet Kommunikationswissenschaft (> interaktive Medien- und Online-Kommunikation) unter Leitung von Prof. Dr. Thorsten Quandt groß angelegte Forschungsprojekt von der öffentlichen Hand maßgeblich finanziell unterstützt wird.

An zahlreichen Stuttgarter Schulen werden die Wissenschaftler drei Jahre lang anonyme Befragungen mit dem Ziel durchführen, die Ergebnisse zur Erarbeitung langfristiger und wirkungsvoller Strategien im Kampf gegen Cyber-Mobbing für die Schul- und Jugendarbeit zu nutzen. Schwerpunkt der Forschung sind die Untersuchung Sozialer Netzwerke als „geheime Schüler-Welten“ und die Beleuchtung von Klassenstruktur und Freundschaftsnetzwerken, Persönlichkeitsprofilen unter besonderer Berücksichtigung von Opfer- und Täterrollen (vgl. Universität Hohenheim erforscht Cybermobbing an Schulen).

Auch wenn mit diesem Forschungsvorhaben noch nicht alle Forschungsdesiderate (z.B. Wirkungsforschung im Kontext Cybermobbing) berücksichtigt werden können, so geht der Weg in eine systematischere, wissenschaftlich fundiertere Erfassung des Phänomens Cybermobbing.

Ist Cybermobbing juristisch fassbar?

Ganz lapidar kann zunächst festgestellt werden: In Deutschland existiert kein spezifischer Straftatbestand „Cybermobbing“. Das bedeutet aber keineswegs, dass mit den im Cybermobbing praktizierten Handlungen keine strafrechtlichen Konsequenzen verbunden sein können. Aber sind Schüler dann „außen vor“? Nein, es dürfte allgemein bekannt sein, dass in unserem Land die Strafmündigkeit nicht erst mit der Volljährigkeit gegeben ist: Die Strafmündigkeit beginnt mit Vollendung des 14. Lebensjahres. Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren gilt nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) das Jugendstrafrecht.

Blicken wir beispielhaft in das Strafgesetzbuch (STGB):Beleidigungen sind beim Cybermobbing an der Tagesordnung: §185 (StGB) sieht für Beleidigungen eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor. Der gleiche Strafrahmen wird bei dem Straftatbestand der „üblen Nachrede“ (§186 StGB) angelegt. Diese ist dann gegeben, wenn jemand in Beziehung zu einem anderen verächtliche Behauptungen verbreitet bzw. ihn öffentlich herabwürdigt. Ähnliches (falsche Tatsachenbehauptungen und Herabwürdigungen) gilt auch für den Tatbestand der Verleumdung (§187 StGB). Auf weitere mögliche Tatbestände des StGB (u.a. Nötigung (§240 StGB), Bedrohung (§241 StGB), Nachstellung (§238 StGB) (heute auch Stalking genannt) soll hier nicht weiter eingegangen werden.

Von Bedeutung - weil häufig im Cybermobbing vorkommend - ist der schädigende Einsatz von Bildern, Tonaufnahmen und Videos. In diesem Kontext kommen spezifische Straftatbestände ins Spiel:
  • Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes (§201 StGB)
  • Verletzung des Briefgeheimnisses (§202 StGB)
  • Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§201a StGB).
Interessant mag der Hinweis sein, dass die Gerichte bislang bei Cyber-Bullying durch Jugendliche keine höheren Strafen als Verwarnungen ausgesprochen haben. Dies dürfte für geschädigte Mobbing-Opfer nur schwer nachvollziehbar sein!

Es stellt sich auch die Frage, ob die Gerichte hier nicht das falsche Signal setzen dergestalt, dass Cybermobbing nur eine Art „Kavaliersdelikt“ sei. Die Gegenmeinung dazu ist, dass Strafandrohung und Rechtsweg als Instrument der Mobbing-Prävention ungeeignet sei.
Die einschlägigen Schulgesetze (in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt) sehen als schulrechtliche Maßnahmen u.a. Gespräche mit dem betreffenden jugendlichen Mobbing-Täter vor. Als schwerwiegendste Maßnahme ist ein Schulverweis möglich (vgl. Dambach 2011, S. 39).

Welche Präventions- und Interventionsmöglichkeiten gibt es?

Pädagogische Strategien und Konzepte sollten bereits „bei der Sensibilisierung im Umgang mit den eigenen Dateien sowie bei der Vorbeugung von Cyber-Bullying ansetzen“ (Dambach, S. 31). Pädagogische Konzepte zum Cybermobbing können als ein Element in der Stärkung allgemeiner Medienkompetenz gesehen werden. Dambach favorisiert eine sog. Feedback-Kultur im Klassenzimmer, also gegenseitige Rückmeldungen und Kritiken, die verhindern sollen, dass Schüler gar nicht erst im Internet „Dampf ablassen“ (vgl. Dambach, S. 65ff.).

Im Kontext präventiver Möglichkeiten im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs der Schüler mit dem Internet finden sich wertvolle Links unter EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz. Hier finden sich zahlreiche Erklärungen und Hilfestellungen für Schüler, Eltern und Lehrer. Diverse Serviceangebote für junge user (u.a. können Schüler, die Opfer von Cybermobbing geworden sind, konkrete Fragen an „klicksafe“ stellen). Materialien mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für Eltern und Lehrer stehen zur Verfügung. Interessant sind auch Kurzfilme/Spots zum Thema Cybermobbing.

Für Erzieher und Pädagogen kann die „Schau-hin-Was deine Kinder machen“-Seite im Internet wertvolle Tipps geben: http://schau-hin.info/.

Empfehlenswert ist auch das „Portal für politische, soziale und ökonomische Bildung“: „Jugend + Bildung“ zum Thema Cybermobbing (Jugend und Bildung – Cybermobbing): Hier stehen Lehrerdokumente, Hintergrundinformationen, Fallbeispiele, Rollenspiele, Klassenregeln zur Verfügung – alle Materialien als PDF). Anzumerken ist, dass „Jugend + Bildung“ im sozialen Netzwerk schülerVZ seit 2011 ein sog. Edelprofil unterhält – dies kann auch als Förderung konstruktiver Nutzung des von vielen Schülern besuchten Netzwerkes verstanden werden.

Obgleich allgemein viel über die Risiken des Internets gesprochen und geschrieben wird, lässt sich nach Pieschl/Porsch Cybermobbing nicht „vorhersagen“, d.h. man kann kein spezifisches „Risiko-Verhaltensmuster“ als Ausgang für Cybermobbing ausmachen. Deshalb muss der Prävention besonderes Augenmerk gewidmet werden (vgl. Pieschl/Porsch, S. 28ff.). Es dürfte aber - aus der pädagogisch-psychologischen Erfahrung herauskommend - so etwas wie „Risikofaktoren“ für Cybermobbing geben, z.B.
  • zerrüttete Familienverhältnisse
  • Kontakt, Einbindung in eine aggressive Jugend-Subkultur
  • Leistungsversagen in Schule und Ausbildung

Zu den Fragen - was tun, wenn Cybermobbing stattfindet bzw. stattgefunden hat?; gibt es geeignete Interventionsmöglichkeiten? - können die bisherigen Antworten kaum befriedigen: z.B. Opfer von Cybermobbing mögen sich den Eltern oder einer Vertrauensperson öffnen; Opfer sollten den Gang zur Polizei nicht scheuen, auf jeden Fall darüber reden, die Vorgänge nicht für sich behalten. Es liegt auf der Hand, dass Jugendliche solchen gut gemeinten Ratschlägen aus unterschiedlichen Gründen nicht immer nachkommen (können).

Ein strategischer Ansatz geht dahin, dass von Cybermobbing betroffene Jugendliche die Agitationen ignorieren sollten, also „nichts tun“! Klingt irgendwie merkwürdig?! - Man könnte diesen Ansatz als Kapitulation des Opfers bewerten? Oder könnte es eine sinnvolle Option sein, einem Jugendlichen soviel Selbstkompetenz zu vermitteln, dass er bei Internetmobbing nicht-leidend Attacken ignoriert, weil ihm bewusst ist, dass neben den positiven Seiten des Internets unvermeidlich auch negative gehören. Im Bewusstsein, dass das Internet nur eine virtuelle Welt ist (aus deren Netzwerken man sich auch entfernen kann), wartet der Gemobbte ohne Reaktionen ab. So werde der Mobber bald seine Aktionen einstellen, weil er keine Wirkungen erzielt.

Auch rezeptartige Empfehlungen, die man mit „technischen Strategien“ (vgl. Pieschl/Porsch, S. 38f.) umschreiben könnte, sind immer „reaktive Bewältigungsstrategien“ und keine strukturellen Lösungen. So bleibt es erst einmal bei pragmatischen, erfahrungsorientierten „Tipps“: z.B. nicht zurück mobben; einfach nicht reagieren; wo es geht, böse Inhalte/Botschaften blockieren; Benutzernamen ändern usw. Solange die Forschung hier keine „Strukturlösungen“ anbieten kann, bleibt wohl die Verbesserung präventiver Programme vorrangig.

Als Beispiel für eine solche Verbesserung im präventiven Bereich kann die Arbeit von Pieschl/Porsch gesehen werden: Die Autoren haben ein Trainings- und Präventionsprogramm („Surf-Fair“) entwickelt. Zum Buch gehört auch ein Film mit Materialien und Arbeitsblättern auf DVD. Die Autoren geben an, warum sich das Programm von anderen Präventionsmaßnahmen unterscheidet:
  • „Ein einheitliches didaktisches Konzept steht hinter allen Übungen.
  • 'Surf-Fair' hat zum Ziel, Medienkompetenz, vor allem Medienkritik zu vermitteln. Das Programm richtet sich damit ausschließlich gegen Cybermobbing.
  • Außerdem haben wir große Teile des Präventionsprogramms 'Surf-Fair' systematisch evaluiert und konnten größtenteils positive Effekte auf das Cybermobbing-Verhalten und auf das Wissen der teilnehmenden Schüler/innen feststellen. Darüber hinaus bewerten die meisten Schüler/innen und Lehrer/innen das Präventionsprogramm 'Surf-Fair' und die dazugehörigen Arbeitsmaterialien positiv“ (Pieschl/Porsch, S. 46).
Hat die Schule Handlungsmöglichkeiten zur Schaffung einer Atmosphäre, die Cybermobbing vorbeugen könnte?

Wenn festgestellt worden ist, dass zum Phänomen Cybermobbing (Cyberbullying) inzwischen zahlreiche mediale Äußerungen vorliegen, aber systematische und breit angelegte wissenschaftliche Forschungsergebnisse noch weitgehend ausstehen, so ist die Frage nach Handlungsmöglichkeiten der Schule legitim und notwendig. Alle Maßnahmen, die zur Verbesserung des Schullebens dienen, können auch ein produktiver Beitrag sein, Cybermobbing-Bedingungen zu verschlechtern, z.B.:
  • die Schüler systematisch über Cybermobbing informieren (z.B. fächerübergreifende Projekte, Info-Stände im Rahmen eines Schulfestes)
  • altersgemäße Thematisierung des Phänomens Cybermobbing durch klassen- bezogene Aufstellung von Plakaten/Infotafeln und Diskussion von Internetregeln mit besonderer Berücksichtigung der Nutzung sozialer Netzwerke/Chats/Communities
  • Anti-Mobbing-Trainings
  • Anti-Mobbing-Schülerspezialisten (nach dem Vorbild der Schüler-Streitschlichter)
  • Theateraufführungen zum Thema Cybermobbing
  • Cybermobbing als Dauer-Thematik in Schülerzeitungen
  • im ITG-Unterricht besonders positive, konstruktive Nutzung neuer Medien fördern
Diese Auflistung könnte sicher noch erweitert werden. Sie sollen die Richtung angeben, in die Schule wirken sollte. Grundsätzlich dürften Verbote und Strafandrohungen nicht erfolgversprechend sein, sondern im weitesten Sinne „pädagogische Maßnahmen, deren Ausgangs- und Ansatz die Jugendlichen selbst und ihre jeweiligen Nutzungsweisen und Nutzungsmotive (des Internets) sind“ (Grimm 2011, S. 53).

Natürlich kann die Schule nicht alle Erziehungs- und Sozialisationsdefizite kompensieren. Cybermobbing ist auch eine Erscheinung, die im Kontext sich ändernder gesellschaftlicher Strukturen, Wert- und Moralvorstellungen zu sehen ist. Schule respektive Lehrer müssen aber ihre Möglichkeiten nutzen:
„Mobbing und damit fast alle Fälle von Cybermobbing haben ihren Ursprung in der Schule. Aus dieser Zwangsgemeinschaft können Opfer nur schwer ausscheren, die Anwesenheitspflicht öffnet Tätern und Mitläufern jeden Tag die Tore für weitere Attacken.Mobbing wie Cybermobbing sind Gewalt und Schule hat die Pflicht für einen gewaltfreien Umgang zu sorgen -umgehend und nachhaltig“ (Hanke 2011, S. 25).
Die Möglichkeiten der Schule bzw. der Lehrerinnen liegen damit vor allem im präventiven Bereich und betreffen das Klima in der Schule und der Schulklasse. Alle Aktivitäten im Schulleben, die Spannungen und Konfliktpotenzialen entgegenwirken, dienen dazu, den Nährboden für Mobbing/Cybermobbing zu schmälern. Schul- und Lehrermaßnahmen gegen Cybermobbing sollten also nicht auf einen Katalog „technischer“ Regeln begrenzt werden. Je demokratischer das Schulleben ist, je rücksichtsvoller der Umgang aller am Schulleben Beteiligten ist, desto mehr entsteht eine Atmosphäre, in der Mobbing/Cybermobbing weniger Entfaltungschancen hat.

Solche Bemühungen zur Verbesserung von Rahmenbedingungen schließen natürlich nicht aus, dass konkrete Programme und Aktionen gegen Cybermobbing sicher ihren Sinn haben und absolut notwendig sind. Medienpädagogik muss sich weiterentwickeln, um zu einem gezielten Instrumentarium zur Verminderung von Mobbing-Aktivitäten zu werden. Sinnvoll wäre natürlich, wenn hier Elternhaus und Schule geeignete Formen der Kooperation entwickeln.

Erfolge bei dieser Arbeit stellen sich nicht von heute auf morgen ein. Diese in die Zukunft wirkenden Bemühungen sind aber nötig und verlangen Geduld und Ausdauer. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, für alle konkreten psychologischen und pädagogischen Trainingsprogramme - die bereits an Schulen praktisch erprobt worden sind - offen zu sein. In diesem Zusammenspiel von allgemeinen „Strukturmaßnahmen“ und gezielten Strategien gegen Cybermobbing kann und sollte eine nachhaltige Besserung der Situation (Cybermobbing als Phänomen des Schulalltags) möglich sein – etwas Optimismus als Kennzeichen des Pädagogen gehört wohl dazu!


Verwendete Literatur

EU-INITIATIVE FÜR MEHR SICHHEIT IM NETZ - http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/

Dambach, Karl E. (2011): Wenn Schüler im Internet mobben. Präventions- und Interventionsstrategien gegen Cyber-Bullying. München: Reinhardt

Fawzi, Nayla (2009): Cyber-Mobbing. Ursachen und Auswirkungen von Mobbing im Internet. Baden-Baden: Nomos-Verlag - http://forschung.wi.uni-passau.de/disk/?q=node/70

Grimm, Petra (2011): Digitales Drangsalieren. Gewalt via Handy und Internet. In: Schüler 2011, Friedrich Jahresheft: Aufwachsen mit virtuellen Welten. ONLINE_OFFLINE, hrsg.v. Friedrich Verlag

Hanke, Ottmar (2011): „Cyber“ als Verlängerung von Mobbing. Cybermobbing – ein gar nicht privates Problem von Kindern und Jugendlichen. In: PÄDAGOGIK 63.Jahrgang Heft 1/2011: Mobbing: Beltz-Verlag

JIM-Studie 2011: Jugend, Information und (Multi-) Medi, Medienpädagogischer Forschungsverbund Süd- west (Hrsg.). Forschungsberichte, Stuttgart - http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf11/JIM2011.pdf

JUGEND+BILDUNG. Portal für politische, soziale und ökonomische Bildung - http://www.jugend-und-bildung.de/webcom/show_jubsl.php/_c-867/i.html

Ortega-Ruiz, Rosario, Mora-Merchan, Joaquin, A. u. Jäger, Thomas (Hrsg.) (2007): Gewalt,Mobbing und Bullying in der Schule. Die Rolle der Medien, Kommunen und des Internet (Zentrum für empirische pädagogische Forschung, Universität Koblenz-Landau) – (E-Book) - http://www.bullying-in-school.info/uploads/media/E-Book_German_01.pdf

Pieschl, Stephanie/Porsch, Torsten (2012): Schluss mit Cybermobbing! Das Trainings- und Präventionsprogramm >Surf-Fair<. Mit Film und Materialien auf DVD.Weinheim und Basel: Beltz-Verlag

POLIZEIBERATUNG: Cybermobbing – unterschätzte Gefahr? Aktuelle Zahlen und Daten sowie wichtige Hintergrundinformationen - http://www.polizei-beratung.de/themen-und- tipps/gefahren-im- internet/cybermobbing/fakten.html)

SOCIAL MEDIA: Uni erforscht Cyber-Mobbing an Schulen - http://bildungsklick.de/a/82093/uni-erforscht-cyber-mobbing-an-schulen/