Sonntag, 30. Mai 2021

Wikipedia - Prozesse und Strukturen

In diesem Beitrag stellt Jana Eisenhardt folgenden Text vor:

Stegbauer, Christian (2012): Die Macht der Wenigen; in: Dossier Wikipedia auf der Website der bpb: https://www.bpb.de/gesellschaft/digitales/wikipedia/145809/die-macht-der-wenigen?p=all.

Fast jede/r nutzt Wikipedia, um sich schnelles Wissen anzueignen. Aber haben Sie schon einmal einen eigenen Beitrag auf Wikipedia erstellt oder etwas zu einem Artikel beigetragen? Diese Frage verneint die Mehrheit der Menschheit, da die Mühe zur Erstellung eines solchen Beitrages meist zu groß ist.

Die eigentliche Grundidee hinter der Plattform Wikipedia ist die folgende: „Jeder kann mitmachen“ (Stegbauer 2012). Die Inhalte werden mithilfe von „Crowdsourcing“ erstellt, bevor die Beiträge durch die Befreiung des Urheberrechts für jeden zugänglich gemacht werden.

Durch diesen kleinen, aber dennoch wichtigen Schritt werden Ungleichheiten beseitigt, da jeder Mensch die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Bildung und Wissen bekommt. In diesem Zuge haben einige Forscher der Universität Frankfurt die besonderen Beziehungen der „Wikipedianer“ untereinander untersucht (vgl. Stegbauer 2012).

Dabei sind die beiden wichtigsten Ideen von Wikipedia „1) die Art und Weise, wie das Wissen unter der Beteiligung möglichst vieler zusammengetragen wird, und 2) die Idee der Befreiung des Wissens, [welche] unter dem Begriff der „Befreiungs-Ideologie“ zusammengefasst [wird]“ (Stegbauer 2012). Der Hacker und Open-Source-Aktivist Eric Raymond beschreibt Wikipedia als eine Art Bazar, auf dem Lücken von vielen kleinen Anbietern gefüllt werden, wodurch die sehr aufwändige Planung der Artikel entfällt.

Teilnehmer, die sich auf Wikipedia engagieren wollen, leiten automatisch ab, dass auf der Plattform alle Menschen gleichberechtigt sind und diese damit demokratisch aufgebaut ist. Dies ist jedoch nicht immer der Fall, da man über das vorhandene Wissen nicht abstimmen kann. Immer wieder findet man in der Masse der Artikel Fälschungen, die auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen sind (vgl. Stegbauer 2012).

Aber wie stellt man in dieser Vielzahl an Informationen Qualität sicher? In einem ersten Schritt musste die Organisation ausgebaut und Spezialisten engagiert werden. Insbesondere die Medien wollten wissen, wer die Gesichter hinter Wikipedia sind, weshalb in einem nächsten Schritt Ansprechpartner für die Öffentlichkeitsarbeit gesucht wurden.

Im Laufe der Zeit gab es immer mehr Autoren, die sich mit bestimmten Sachgebieten besonders gut auskannten, weshalb es für neue Autoren immer schwieriger wurde, sich zu beweisen. Durch das enorme Spezialwissen einzelner Teilnehmer stieg automatisch der Wert der Organisation. An besonders bedeutenden Diskussionen nimmt mittlerweile nur noch die Elite von Wikipedia statt, selbst wenn Außenstehende die Probleme auf den ersten Blick erkennen würden (vgl. Stegbauer 2012).

Ein anderer wichtiger Punkt, welcher den Einstieg in Wikipedia erschwert, ist, dass es immer weniger Lücken auf der Plattform gibt. „Für fast alle wichtigen Stichworte sind bereits Artikel vorhanden“ (Stegbauer 2012). Mit all diesen neuen Anforderungen ist die damalige Idee der Befreiungsideologie nicht mehr haltbar. „Um zu wissen, wie man Artikel schreibt, muss man sich durch Anleitungen und Relevanzkriterien regelrecht durchbeißen“ (Stegbauer 2012).

Mittlerweile gibt es nur noch eine kleine Gruppe von Aktivisten, die über Veränderungen mitverhandeln können und die Macht symbolisch in ihren Händen halten. Von Admins wird erwartet, dass sie Teilnehmer, die nicht der Norm entsprechen, sperren und Artikel löschen, die nicht den Anforderungen von Wikipedia entsprechen.

Wie kann man nach all diesen Punkten nun aber neue Mitarbeiter motivieren, um sich für die Plattform zu engagieren? Dies kann nur gelingen, „wenn die ursprüngliche Idee weiterlebt und man den Neuen unter die Arme greift, [anstelle] diese durch schnelle Löschungen vor den Kopf zu stoßen“ (Stegbauer 2012). Dies ist allerdings kein einfaches Vorhaben, da die aktuellen Entwicklungen nicht einfach rückgängig gemacht werden können (vgl. Stegbauer 2012).

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