Sonntag, 19. Juli 2020

TED Talk: Warum Faschismus so verlockend ist


Yuval Noah Harari spricht in seinem TED Talk über den Zusammenhang zwischen Faschismus und Big Data. Anzumerken ist hierbei, dass er den Vortrag von Tel Aviv aus gehalten hat und in Form eines digitalen Avatars in das Studio von TED Talk projiziert wurde.

Harari beginnt seinen Vortrag damit, den Unterschied zwischen Faschismus und Nationalismus zu klären. Nationalismus sei demnach eine Gemeinschaft von Millionen von Fremden, die einander nicht wirklich kennen. Der Nationalismus ermögliche es den Mitgliedern der Nation allerdings, sich umeinander zu kümmern und wirkungsvoll zusammenarbeiten zu können. Über den Faschismus hingegen sagt Harari, dass die Mitglieder der Nation die jeweils ihre als höchste Nation sehen und sich um nichts und niemand anderes zu kümmern brauchen als um ihre Nation.

Er merkt an, dass Nationalismus etwas positives sei und die reichsten und friedlichsten Länder der Erde wie Schweden, die Schweiz oder China einen starken Nationalismus haben. Ärmere Länder wie Kongo, Somalia und Afghanistan dagegen seien gewalttätiger und haben einen schwächeren Nationalismus zu verzeichnen.

Laut Harari entsteht Faschismus dann, wenn die Menschen versuchen, die Komplexität des Lebens zu ignorieren und nach einfachen Antworten auf komplizierte Fragen suchen. Faschismus verleugne hierbei alle Identitäten außer der nationalen Identität und beharrt darauf, dass ihre Anhänger sich nur gegenüber ihrer eigenen Nation verpflichtet fühlen.

Die Zugänglichkeit für faschistisches Gedankengut liege darin, dass er nicht wie in Hollywood-Filmen oberflächlich abstoßend auftrete, sondern verführerisch. Hier nennt Harari das Christentum als Paradebeispiel, da Satan oftmals nicht grausam dargestellt wird. Daher sei es so tückisch, den Versuchungen Satans zu widerstehen, und daher bezieht er auch sein Argument, dass es schwierig sei, den Versuchungen des Faschismus zu widerstehen. Faschismus lässt die Leute sich selbst als Angehörige der schönsten und wichtigsten Sache auf der Welt sehen: Der eigenen Nation.

An dieser Stelle verweist Harari auf die Verknüpfung zwischen Big Data und Faschismus. Er macht darauf aufmerksam, dass im Altertum Land das wichtigste Vermögen der Welt war. Diktaturen oder Monarchien haben sich dadurch ausgezeichnet, dass die Machtstruktur über ein ganzes Land an einer Stelle sehr stark konzentriert war. In der Moderne wurden dann Maschinen wichtiger als Land und die Kontrolle hatte, wer viele Maschinen besaß. Heute ersetzen Daten sowohl das Land als auch die Maschinen. Diktatur bedeutet heute, dass zu viele Daten in den Händen der Regierung oder einer kleinen Elite konzentriert werden. Die größte Gefahr also für liberale Demokratien sei es, dass die Revolution in der Informationstechnologie Diktaturen effizienter mache als Demokratien.

Des weiteren nennt Harari die Verschmelzung von Informationstechnologie und Biotechnologie als eine große Gefahr. Hierdurch können Algorithmen entstehen, die einen Menschen besser kennen, als er sich selbst kennt. Durch solche Algorithmen könne ein externes System wie die Regierung nicht nur die Entscheidungen der Individuen absehen, es könne auch ihre Gefühle und ihre Emotionen manipulieren. Die Demokratie wird es nicht einfach haben, diese Entwicklung zu überstehen, da sie nicht auf menschlicher Rationalität, sondern auf menschlichen Gefühlen basiert.

Harari appelliert zur Prävention dieses Szenarios an die Ingenieure. Sie sollen verhindern, dass zu viele Daten in zu wenige Hände geraten. Sie sollen Wege finden, dezentralisierte Datenverarbeitung mindestens genauso effizient zu machen wie zentralisierte Datenverarbeitung. Zudem sei es für die Bevölkerung wichtig, zu verstehen, dass die Feinde der liberalen Demokratie auf die Angst, den Hass und die Eitelkeit der Bevölkerung setzen, sie benützen diese Gefühle, um zu polarisieren und die Demokratie von innen heraus zu zerstören. Es sei daher immens wichtig, sich selber zu kennen, um nicht auf die faschistischen Verführungen hereinzufallen.

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