Mittwoch, 22. Februar 2012

Wikipedia Teil V: Motivation der AutorInnen

Im Rahmen eines Projekts beschäftigen wir uns seit einigen Wochen intensiver mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Noch immer lehnen viele Lehrende an Schulen und Hochschulen Wikipedia ab - ein Umstand, der wohl nur mit mangelndem Verständnis hinsichtlich der Enzyklopädie (sowie des Web 2.0 im allgemeinen) erklärt werden kann. Wir haben uns deshalb entschlossen, in einer Reihe von Postings Wikipedia und dessen Nutzung zu erläutern. Alle Postings zusammen werden dann als neues Unterkapitel im Abschnitt Lernen 2.0 des Online-Lehrbuchs zum Web 2.0 veröffentlicht.

Bisher erschienen:
Wikipedia Teil I: Wie ist Wikipedia entstanden?
Wikipedia Teil II: Grundprinzipien der Wikipedia
Wikipedia Teil III: Weitere Regeln in der Welt der "freien Enzyklopädie"
Wikipedia Teil IV: Erfolgsfaktoren und Wikipedianer

Motivation der AutorInnen

(Autorin: Katharina Kuen)
“Wikipedia zeigt uns, warum es sich lohnt, in digitalen Netzwerken zusammenzuarbeiten, statt in intellektueller Isolationshaft auf geniale Einfälle zu warten. Wikipedia hat die Welt zu einem intelligenteren Ort gemacht. Wikipedia ist ein Werk der Vielen. Die erste Software der Dichter und Denker.”
[Ralf Müller-Schmid, Dradio, “Die Suche nach der Wahrheit”, 15.01.2011]
Meistens stößt man über eine Suchmaschine auf Wikipedia-Artikel. Beim Lesen bemerkt man, dass der Artikel nicht vollständig ist. Man besitzt Informationen, die dem Artikel fehlen. Erfahrungsberichten zufolge ist man gefangen, sobald einmal der Bearbeiten-Button gedrückt und Informationen ergänzt wurden. Verbesserungen und Ergänzungen folgen - man will mehr! Die Registrierung als Benutzer ist dann nur noch eine Frage der Zeit (vgl. Lüdeke/Cüppers, Wikimedia 2011, S. 65/130).

Die Wikipedianer arbeiten aus unterschiedlichen Gründen an dem Projekt mit. Laut einer Online-Befragung des Psychologischen Instituts der Universität Würzburg zum Thema “Motivation von TeilnehmerInnen an Wikipedia” sind die drei wichtigsten Motive für die Mitarbeit:
  • Das Interesse, die Qualität von Wikipedia insgesamt zu verbessern;
  • die Überzeugung, dass Informationen frei sein sollten;
  • das Verbessern eigener Artikel und die Freude am Schreiben.
Die Studie zeigt, dass die Motivation zur Mitarbeit durch die Wissenserweiterung und -verbreitung gestärkt wird und dass von zentraler Bedeutung ist, an einem langwierigen Projekt mitzuwirken (vgl. Schroer 2005, Online-Befragung). Die Motivation des Benutzers Gripweed spiegelt die oben genannten Punkte wieder:
“Freies Wissen für jeden! Die Möglichkeit, Teil von etwas Größerem zu sein. Mit meinem Wissen dafür sorgen, dass andere ihr Wissen vergrößern, aber auch von anderen lernen. Neues entdecken und altes hinterfragen.”
(Benutzer:GRIPWEED, Wikimedia 2011, S. 145)
Die Komponente der Teamarbeit, das “soziale Wissen”, führt bei den AutoreInnen zu Begeisterung und Motivation. Man lernt von den anderen, muss jedoch damit rechnen, dass der eigene Text überarbeitet wird. Jeder ist ein Spezialist für gewisse Arbeitsbereiche: Die einen schreiben Artikel, die anderen korrigieren Rechtschreibfehler und wieder andere fügen Kategorien oder Links hinzu. Alle arbeiten an einem Strang. Man muss kompromissfähig sein und die eigene Auffassungen zugunsten des “Neutralen Standpunkts” in den Hintergrund stellen (vgl. Benutzer:Gripweed, Wikimedia 2011, S. 146).

Eine geringe Anzahl an Usern schöpft Motivation aus persönlichen Treffen und nimmt an den monatlich stattfinden “Stammtischen” teil. Diese finden meist in größeren Städten statt. Hier besteht die Möglichkeit, anderen Autoren im realen Leben zu begegnen und sich außerhalb des Internets auszutauschen (vgl. Schuler 2007, S. 121).

Anerkennung für Autoren und Artikel kann für alle sichtbar durch Auszeichnungen zum Ausdruck kommen. Es gibt zum Beispiel “lesenswerte” und “exzellente Artikel”, die von der Community selbst vorgeschlagen werden können. Diese Beiträge müssen gewisse Kriterien erfüllen, wie beispielsweise die Einhaltung der Neutralität und ein ausführliches Quellenverzeichnis. Die ausgezeichneten Artikel werden mit einem kleinem Symbol versehen (vgl. Schuler 2007, S. 92). Es befindet sich rechts auf Höhe der Artikel-Überschrift.

Die Auszeichnungen dieser Artikel erfüllen mehrere Funktionen. Sie weisen den Leser auf einen Artikel mit hoher Qualität hin. Außerdem sollen diese Artikel als Vorzeigeobjekte und Vorbilder für neue Artikel dienen. Ein qualitativ hochwertiger Artikel ist auf der Hauptseite der Wikipedia unter “Artikel des Tages” zu finden (vgl. Raschka,Wikimedia 2011, S. 96). Nicht wenige AutorInnen arbeiten auf eine Auszeichnung ihres Artikels hin und schließen ihre Arbeit an dem Artikel erst ab, wenn dieser eine Auszeichnung erlangt. Dies motiviert AutorInnen. Die Auszeichnung wird auf der eigenen Benutzerseiten aufgelistet (vgl. ebd. S. 97).

Außerdem gibt es Schreibwettbewerbe, die die Motivation der AutorInnen steigern sollen. Seit August 2007 wird jährlich die Johann-Heinrich-Zedler-Medaille für den besten Wikipedia-Beitrag verliehen (vgl. Wilhelm, Wikimedia 2011, S. 268). Zudem gibt es einen Artikelmarathon, der erstmalig 2007 unter dem Namen “Stub-Wettbewerb” stattgefunden hat.

Fünf Autoren sollten innerhalb von sechs Stunden über einen vorgegebenen Inhalt die meisten, mit Literatur belegten Artikel schreiben. Entstanden sind 34 Artikel. Der bereits acht Mal veranstaltete Artikelmarathon erbrachte 7862 Artikel von insgesamt 133 Autoren (vgl. Kulac, Wikimedia 2011, S. 118ff). Im Zentrum steht hierbei die “spielerische Motivation zum Artikelschreiben [...]. Bereits jeder Beitrag bringt die Wikipedia einen Schritt weiter [...]: Dabei sein ist alles! Es lebe der Dienst an der Verbesserung unserer Enzyklopädie” (ebd. S. 120)!

Wie also ist es möglich, dass eine so große Wissenssammlung durch tausende freiwilliger AutorInnen geschaffen wird? Warum investieren sie (zum Teil tagtäglich) ihre Zeit, arbeiten mit Hingabe und Leidenschaft an dem Projekt Wikipedia mit, um ihr Wissen der ganzen Menschheit zur Verfügung zu stellen, und das alles ohne auch nur einen Cent dafür zu bekommen? Shirky schlägt eine simple, aber überzeugende Antwort vor: „When people care enough, they can come together and accomplish things of a scope and longevity that were previously impossible; they can do big things for love“ (Shirky 2008, S. 142).

Fortsetzung: Wikipedia Teil VI: Wie schreibe ich einen Artikel?

Literatur

Clay Shirky (2008), Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations, Penguin, S. 109-142: “Personal Motivation Meets Collaborative Production”.

David Weinberger (2008), Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Unordnung, Hanser, S. 160-176: „Anonyme Verfasser“.

Stefan Münker (2009), Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0, Suhrkamp, S. 95-102: „Kollektives Wissen und der Erfolg von Wikipedia“.

Don Tapscott/Anthony D. Williams (2007), Wikinomics. Die Revolution im Netz, Hanser, S. 71-76: „Die Enzyklopädie, an der jeder mitschreiben kann“.

Will Richardson (2011), Wikis, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werzeuge für den Unterricht, Tibia Press, S. 95-116: „Wikis. Gemeinschaftsarbeit leicht gemacht“.

Anja Ebersbach/Markus Glaser/Richard Heigl (20112), Social Web, UVK, S. 39-60: „Wikis“.

Daniela Pscheida (2010), Das Wikipedia-Universum. Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert, Transcript Verlag.

Ziko Van Dijk (2010), Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen, Open Source Press.

Günter Schuler (2007), Wikipedia inside. Die Online-Enzyklopädie und ihre Community, UNRAST Verlag.

Nando Stöcklin (2010), Wikipedia clever nutzen - in Schule und Beruf, Orell Füssli Verlag AG.

Wikimedia Deutschland e.V. (2011), Alles über Wikipedia. Und die Menschen hinter der größten Enzyklopädie der Welt, Hoffmann und Campe Verlag.

Dienstag, 21. Februar 2012

Aufsätze zum Thema Politik 2.0 (bzw. Digitale Demokratie)

Literatur zum Thema Politik 2.0 ist rar. Umso schöner, dass sich die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ 7/2012) der Thematik annimmt. Unter dem Titel "Digitale Demokratie" sind folgende Aufsätze zu finden:

Jan-Hinrik Schmidt: Das demokratische Netz?

Christian Stöcker: Governance des digitalen Raumes

Daniel Roleff: Digitale Politik und Partizipation: Möglichkeiten und Grenzen

Karl-Rudolf Korte: Beschleunigte Demokratie: Entscheidungsstress als Regelfall

Christoph Bieber: Die Piratenpartei als neue Akteurin im Parteiensystem

Miriam Meckel: Menschen und Maschinen

Die gesamte Ausgabe als pdf-Datei gibt es hier...

Montag, 20. Februar 2012

Wikipedia Teil IV: Erfolgsfaktoren und Wikipedianer

Im Rahmen eines Projekts beschäftigen wir uns seit einigen Wochen intensiver mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Noch immer lehnen viele Lehrende an Schulen und Hochschulen Wikipedia ab - ein Umstand, der wohl nur mit mangelndem Verständnis hinsichtlich der Enzyklopädie (sowie des Web 2.0 im allgemeinen) erklärt werden kann. Wir haben uns deshalb entschlossen, in einer Reihe von Postings Wikipedia und dessen Nutzung zu erläutern. Alle Postings zusammen werden dann als neues Unterkapitel im Abschnitt Lernen 2.0 des Online-Lehrbuchs zum Web 2.0 veröffentlicht.

Bisher erschienen:
Wikipedia Teil I: Wie ist Wikipedia entstanden?
Wikipedia Teil II: Grundprinzipien der Wikipedia
Wikipedia Teil III: Weitere Regeln in der Welt der "freien Enzyklopädie"

Erfolgsfaktoren und Wikipedianer

(Autorin: Katharina Kuen)

Wikipedia ist nach wie vor umstritten. Die Befürworter sind begeistert ob des einfachen und schnellen Zugangs zu Informationen, die darüber hinaus auch noch kostenlos sind. Dagegen kritisieren Gegner den zweifelhaften Wahrheitsgehalt der Inhalte. Seit ihrem Bestehen hat sich die Wikipedia kontinuierlich weiterentwickelt. So ist beispielsweise der Anspruch an die Qualität der Artikel gewachsen, entsprechend wurde das Regelwerk etwa durch das Instrument der Sichtung erweitert, um u.a. Vandalismus zu verhindern (vgl. Benutzer:Singsangsung / van Dijk, Wikimedia 2011, S.48).

Die Wikipedia hat in den letzten Jahren einen hohen Stellenwert erreicht, ist bekannt und den meisten Internetnutzern vertraut (vgl. Schuler 2007, S.23). Die Zahlen sind unglaublich: Die Online-Enzyklopädie beinhaltet derzeit (Stand 18.12.2011) insgesamt 20.619.827 Artikel in rund 270 unterschiedlichen Sprachversionen. Die deutschsprachige Wikipedia allein umfasst über 1,3 Millionen Artikel und liegt somit auf Platz zwei, hinter der englischen Version (vgl. Wikipedia: Sprachenliste). Täglich wird die Wikipedia weltweit um etwa 8000 Artikel ergänzt und erreicht 5000 Klicks pro Sekunde (vgl. Moleski/Richter, Wikimedia 2011, S.11). Als non-profit Website hat sie es auf Platz 6 der weltweit und deutschlandweit meistbesuchten Seiten geschafft.

Gründe für den Erfolg

Die Wikipedia ist durch die freiwillige Zusammenarbeit von tausenden beteiligten Autoren entstanden: “Sie machten aus Wikipedia das, was sie heute [...] ist: die größte Wissenssammlung der Menschheit. Wikipedia hat die uralte Tradition des Austausches von Wissen und damit die Basis für die Entwicklung der Menschheit in das neue, digitale Zeitalter überführt” (Wales, Wikimedia 2011, S.9). Dieser Aspekt ist ausschlaggebend dafür, dass die Wikipedia so erfolgreich ist. Die Autoren stellen ihr Wissen und ihre Zeit frei zur Verfügung. Ihr ehrenamtliches Engagement ist ein Präsent an die gesamte Menschheit (vgl. Moleski/ Richter, Wikimedia 2011, S.11).

Die Artikel der Wikipedia werden kollaborativ von mehreren Autoren zusammen geschrieben. Jede/r kann mitschreiben und seinen eigenen - großen oder kleinen - Beitrag leisten. Alle Beteiligten zusammen bilden die Autorenschaft. Das ist ein fortlaufender und offener Prozess, der durch alle Autoren gestaltet wird: Inhalte werden hinzugefügt, Layout, Gliederung oder Rechtschreibung verbessert sowie die Fakten überprüft (vgl. Stöcklin 2010, S.47f).

Zusätzlich ermöglicht es Wikipedia, andere Autoren zu kontaktieren, sich auszutauschen, zu diskutieren und Fragen zu klären. Vor diesem Hintergrund können konstruktive Beiträge entstehen (vgl. Cüppers, Wikimedia 2011, S.131). Die “Weisheit der Vielen”, das “soziale Wissen” spielt eine zentrale Rolle für den Erfolg der Online-Enzyklopädie.

Es gibt noch weitere Gründe für den Erfolg von Wikipedia. Neben Zahl und Umfang der Artikel unterscheidet sich Wikipedia von anderen Enzyklopädien im Hinblick auf die Aktualität (vgl. Stöcklin 2010, S.44). Neuere Entwicklungen können rasch eingearbeitet werden. Zu bedeutsamen Ereignissen werden meist tagesaktuell neue Artkiel hinzugefügt oder alte verbessert (vgl. Stöcklin 2010, S.44f/47).

Die einfache Veränderbarkeit ist auch bedeutsam hinsichtlich von Fehlern. Auch sie lassen sich einfach und rasch korrigieren. Diesbezüglich können Print-Enzyklopädien nicht mithalten (vgl. Weinberger 2007, S.170).

Einen weiteren Erfolgsfaktor bilden die zahlreichen Hyperlinks, die jede/r hinzufügen kann (vgl. Weinberger 2007, S.119). Die Links verweisen auf andere Artikel innerhalb der Wikipedia oder auf externe Webseiten. Dementsprechend bildet sich ein Wissensnetz, das sich immer mehr ausweiten kann (vgl. Schuler 2007, S.80).

Als zentralen Erfolgsfaktor stellt Shirky die Rolle der Community - der Wikipedianer - heraus: “Wikipedia, and all wikis, grow if enough people care about them, and they die if they don’t” (Shirky 2008, S.136). Der Erfolg ist demnach immer prekär. Wikipedia hat, so Shirky, nur solange Bestand (und Erfolg), wie die Wikipedianer “ihr” Projekt verteidigen können. Dass dies bislang gelungen ist, heißt nicht, dass es auch in Zukunft gelingen wird, ist aber (schon jetzt) eine beeindruckende Erfolgsgeschichte.

Wer sind die Wikipedianer?

Als Wikipedianer bezeichnet man freiwillige, aktive Mitarbeiter, die sich häufig mit einem Nickname registrieren oder unangemeldet als “IP-ler” mitarbeiten und mindestens zehn Bearbeitungen ausgeführt haben.

[Hintergrund: IP ist die Abkürzung für Internet Protocol. IP-ler agieren anonym in der Wikipedia und besitzen keinen Account. Die IP-Adresse ist eine Ziffernfolge, die bei allen Bearbeitungen anstatt eines Benutzernamens in der Artikelhistory automatisch hinterlegt wird. Mittels der IP-Adresse können Benutzer - zum Beispiel bei Vandalismus - ermittelt werden (vgl. Schuler 2007, S.241/248)]

Wikipedianer schreiben Beiträge, korrigieren Rechtschreibfehler, überprüfen andere Artikel und beobachten, ob ihre eigenen Beiträge bearbeitet wurden. Sie zählen zu der Autorenschaft und sind Teil der Wikipedia-Community. Hierbei ist die Freiwilligkeit von zentraler Bedeutung. Jeder Autor entscheidet selbst, ob, wann und auf welche Weise ein Beitrag geleistet werden soll (vgl. Stöcklin 2010, S.49).

Die Wikipedianer können je nach Aktivität und Bereitschaft neue Aufgabenbereiche erhalten und einen höheren Status erlangen. Neben den IP-lern und den angemeldeten Benutzern existieren noch weitere Autoren, denen zentrale Aufgaben in der Community zugewiesen sind. Darunter befinden sich Administratoren, Bürokraten, Stewards, Bots, CheckUser, Benutzer mit Oversight-Status und Entwickler sowie Sichter und Prüfer (bei Wikipedia:Statistik können die einzelnen Aufgabenbereiche dieser Benutzer nachgelesen werden).

Die Administratoren bilden die wichtigste Gruppe, wenn es um die Organisation der Online-Enzyklopädie geht. Sie sind u.a. befugt, Seiten zu löschen oder Benutzer zu sperren (vgl. Wikipedia:Administratoren). Angemeldete Wikipedianer können von der Community als Administrator vorgeschlagen und gewählt werden. Ihre Rolle ist an Bedingungen geknüpft und sie können bei Machtmissbrauch oder Fehlverhalten wieder abgewählt werden (vgl. Schuler 2007, S.141).

Es gibt verschiedene Studien über die Wikipedianer. Die Ergebnisse einer Umfrage über “Wikipedianer nach Wissensgebiet” zeigt die Themen- und Spezialgebiete einiger aktiven Nutzer auf. Eine Online-Befragung des Psychologischen Institut der Universität Würzburg zum Thema “Motivation von TeilnehmerInnen an Wikipedia” liefert interessante Ergebnisse über die freiwilligen Mitarbeiter der deutschsprachigen Wikipedia.

Laut der Umfrage sind 88% der Wikipedianer männlich und 10% weiblich. Das Durchschnittsalter beträgt 33 Jahre. Die Mehrheit der Befragten arbeitet Vollzeit (42,5%), gefolgt von Studenten (25,5%) und Teilzeitarbeitenden (10,4%). Auffällig ist, dass über 50% der Wikipedianer Single sind und dass die durchschnittliche Beschäftigung für Wikipedia während der Freizeit zwei Stunden pro Tag beträgt. Hierbei sind u.a. Offline-Recherchen inbegriffen (vgl. Schroer 2005, Online-Befragung). Weitere Ergebnisse und zusätzliche Informationen können hier eingesehen werden.

Jimmy Wales hat eine Studie durchgeführt, um zu untersuchen, wer die meisten Bearbeitungen für die Wikipedia ausführt. Er hatte mit dem Ergebnis gerechnet, dass 20% der Autoren etwa 80% der Beiträge leisten. Jedoch zeigen die Ergebnisse, dass 0.7% der Freiwilligen etwa 50% der Arbeit übernehmen. Folglich sind die aktivsten 2% an 73,4% der Bearbeitungen beteiligt. Im Hinblick auf diese Ergebnisse führte Aaron Swartz eigene Untersuchungen durch. Er wollte herausfinden, wer die substanziellen Beiträge leistet. Er zählte die Anzahl der Buchstaben, die verschiedene Autoren hinzufügten.

Das Ergebnis zeigt auf, dass die meisten Bearbeitungen von aktiven, angemeldeten Benutzer kommen, diese aber meist nur Formatierungs- oder Formulierungsänderungen durchführen. Die eigentlichen Inhalte werden fast ausschließlich von nicht aktiven IP-lern hinzugefügt (vgl. Aaron Swartz 2006). Demzufolge korrigieren die angemeldeten Benutzer Schönheitsfehler und passen die Artikel dem Wikipedia-Stil an, die substantiellen Beiträge - wie das Hinzufügen eines Artikels oder Textabschnitts - werden von IP-lern durchgeführt.

Fortsetzung: Wikipedia Teil V: Motivation der AutorInnen

Literatur

Clay Shirky (2008), Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations, Penguin, S. 109-142: “Personal Motivation Meets Collaborative Production”.

David Weinberger (2008), Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Unordnung, Hanser, S. 160-176: „Anonyme Verfasser“.

Stefan Münker (2009), Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0, Suhrkamp, S. 95-102: „Kollektives Wissen und der Erfolg von Wikipedia“.

Don Tapscott/Anthony D. Williams (2007), Wikinomics. Die Revolution im Netz, Hanser, S. 71-76: „Die Enzyklopädie, an der jeder mitschreiben kann“.

Will Richardson (2011), Wikis, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werzeuge für den Unterricht, Tibia Press, S. 95-116: „Wikis. Gemeinschaftsarbeit leicht gemacht“.

Anja Ebersbach/Markus Glaser/Richard Heigl (20112), Social Web, UVK, S. 39-60: „Wikis“.

Daniela Pscheida (2010), Das Wikipedia-Universum. Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert, Transcript Verlag.

Ziko Van Dijk (2010), Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen, Open Source Press.

Günter Schuler (2007), Wikipedia inside. Die Online-Enzyklopädie und ihre Community, UNRAST Verlag.

Nando Stöcklin (2010), Wikipedia clever nutzen - in Schule und Beruf, Orell Füssli Verlag AG.

Wikimedia Deutschland e.V. (2011), Alles über Wikipedia. Und die Menschen hinter der größten Enzyklopädie der Welt, Hoffmann und Campe Verlag.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Wikipedia Teil III: Weitere Regeln in der Welt der “freien Enzyklopädie”

Im Rahmen eines Projekts beschäftigen wir uns seit einigen Wochen intensiver mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Noch immer lehnen viele Lehrende an Schulen und Hochschulen Wikipedia ab - ein Umstand, der wohl nur mit mangelndem Verständnis hinsichtlich der Enzyklopädie (sowie des Web 2.0 im allgemeinen) erklärt werden kann. Wir haben uns deshalb entschlossen, in einer Reihe von Postings Wikipedia und dessen Nutzung zu erläutern. Alle Postings zusammen werden dann als neues Unterkapitel im Abschnitt Lernen 2.0 des Online-Lehrbuchs zum Web 2.0 veröffentlicht.

Bisher erschienen:
Wikipedia Teil I: Wie ist Wikipedia entstanden?
Wikipedia Teil II: Grundprinzipien der Wikipedia

Weitere Regeln in der Welt der "freien Enzyklopädie"

(Autorin: Sarah Brenner)


Relevanz

Das erste und wichtigste Grundprinzip, dass die Wikipedia eine Enzyklopädie ist, inkludiert bestimmte Eigenschaften, exkludiert aber gleichzeitig auch Erwartungen; es lässt sich daraus aber noch mehr über das Wesen der Wikipedia ableiten. Ein bedeutender Qualitätsaspekt steckt nämlich hinter der Frage, ob ein Artikel relevant ist. Ist ein Thema bedeutsam genug, um einen Artikel in einer Enzyklopädie zu bekommen (vgl. Van Dijk 2010, 51f.)? Und wer entscheidet darüber, ob ein Thema relevant ist?

Zur Klärung dieser Frage hat die Wikipedia “Relevanzkriterien” aufgestellt, die als Ergänzung zu den bereits angeführten Ausführungen zum Thema “Was Wikipedia nicht ist” zu verstehen sind. Auch dieser Katalog ist das Ergebnis eines mehrjährigen Diskussionsprozesses und dient der Orientierung in diesem schwierigen und umstrittenen Terrain (vgl. Wikipedia: Relevanzkriterien 2012). Als allgemeine “Formel” gibt die Wikipedia vor: “Die Entscheidung für oder gegen die Aufnahme in eine Enzyklopädie richtet sich auch nach der Frage, ob Personen, Ereignisse oder Themen mit aktuell breiter Öffentlichkeitswirkung nach sinnvollem Ermessen auch Zeit überdauernd von Bedeutung sein werden” (ebd.).

Die Ursache für die Entstehung des Katalogs an Relevanzkriterien liegt zum einen in dem Qualitätsanspruch der enzyklopädischen Artikel begründet, aber auch in der Tatsache, dass die Relevanzfrage “erhebliches Konfliktpotential” mit sich bringt (Van Dijk 2010, 52). So kommt es immer wieder zu Diskussionen, wann und ob beispielsweise eine “Hinterhofband”, sogenannte “Stars” oder eine Bibliothek tatsächlich mit einem eigenen Artikel vertreten sein sollen.

An dieser Stelle sei nochmals auf Jimmy Wales Ziel hingewiesen, eine “Enzyklopädie von Weltklasse” (Weinberger 2008, 166) zu erbauen, nicht aber eine “Info-Müllhalde” oder eine mit “Bandspam” besetzte Website. Genausowenig soll sie als “billige Werbeplattform missbraucht” werden (Van Dijk 2010, 52). Wird keine Relevanz ausgemacht, kommt es zum Löschantrag (vgl. ebd.). Die Relevanzkriterien sind mittlerweile auf eine immense Größe angewachsen. Zur Vertiefung können sie hier nachgelesen werden: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Relevanzkriterien.

Anonymität

Während sich die Encyclopedia Britannica damit profiliert, Nobelpreisträger und anerkannte Wissenschaftler als Autoren zu beschäftigen, bleiben die AutorInnen der Wikipedia in der Regel anonym. Zwar besitzt die Mehrzahl der Autoren ein Benutzerkonto, dieses sagt aber nichts über die wahre Identität eines Wikipedianers aus, da die meisten Autoren unter der Verwendung von Pseudonymen aktiv sind (vgl. Weinberger 2008, 163).
“Uns geht es um eine Pseudoidentität, nicht um wahre Identität. Dass ein bestimmter Benutzer eine unveränderliche Pseudoidentität hat, erlaubt es uns, seine Qualität zu beurteilen, ohne eine Vorstellung davon zu haben, wer er wirklich ist.”
(Jimmy Wales, zitiert nach Weinberger 2008, 163)
Der Wunsch von Autoren, Pseudonyme zu verwenden, muss unbedingt respektiert werden (vgl. Van Dijk 2010, 31) und ist besonders bedeutsam, wenn es um die Mitwirkung bei “heiklen” Themen geht, die bei Offenlegung der Person der Autorin vermutlich erst gar nicht entstehen würden. Ausgesetzt wird dieser Grundsatz nur in Ausnahmen, z.B. bei Straftaten (u.a. Volksverhetzung, Urheberrechtsverletzungen, Verrat von Betriebsgeheimnissen). In einem solchen Fall arbeitet die Wikipedia mit der Polizei zusammen. Grundlage ist das Rechtssystem der USA und das Recht des jeweiligen Herkunftslands (vgl. ebd., 23).

Freiwilligkeit

Ein wichtiger Aspekt der Philosophie von Wikipedia ist das Prinzip der Freiwilligkeit. Tausende AutorInnen, LektorInnen und KorrekturleserInnen stellen ihre Zeit, das Produkt ihrer Arbeit und vor allem ihren Fleiß zur Verfügung, um das Ziel der Community in die Wirklichkeit umzusetzen: die Erstellung einer qualitativ hochwertigen Enzyklopädie in der jeweiligen Muttersprache über alle Kulturen und Nationen verteilt (vgl. Tapscott; Williams 2009, 71). Die Beweggründe für die immense Unterstützung, die das Projekt erfährt, werden später thematisiert.

Administratoren

Obwohl die Wikipedia auf das klassische Wissenskonzept des “Expertentums” verzichtet und das Kollektiv die Inhalte der Enzyklopädie generiert, gibt es ein Minimum an Hierarchie in der scheinbar hierarchielosen Wikipedia: Nicht alle Wikipedianer haben diesselben Rechte. So gibt es gewählte Administratoren, die bei “Edit-Wars” Artikel vorübergehend einfrieren können, bei Regelverstößen Artikel löschen oder AutorInnen gegebenenfalls sogar sperren (vgl. Van Dijk 2010, 28). Teilweise sind diese zusätzlichen Rechte und Funktionen, aber auch Pflichten, mit Wahlämtern verbunden, sie können aber auch durch persönliche Leistung (Reputation) erworben werden und sich so im Laufe der Zeit aufbauen (vgl. ebd., 31f.).

Neben Regelsetzungen ist es folglich auch zu einer Hierarchisierung gekommen (vgl. ebd., 28). Doch ohne diese Hierarchisierung hätte sich Wikipedia nicht in diesem Maße entwickeln können, letztlich würde sie nicht funktionieren: ”[Wikipedia] ist eine pragmatische utopische Gemeinschaft, die mit einem Minimum an Struktur beginnt, aus dem sich dann nach Bedarf soziale Strukturen entwickeln” (Weinberger 2008, 167). Inmitten des scheinbaren Chaos gibt es einen kleinen Kern, eine überschaubare Anzahl regelmäßiger User, die sich engagiert dem Projekt widmen (vgl. Tapscott; Williams 2009, 73). Letztendlich bewahrt diese Gruppe das Produkt der Gemeinschaft, was auch bedeutet, dass man am Kern der Sache vorbeigeht, wenn man die Online-Enzyklopädie als die kumulierte Arbeit von Einzelpersonen betrachtet (vgl. Weinberger 2008, 166). Genau diese Verkennung der entscheidenden Variable - der Community - trifft man aber häufig an (“Wie soll das gehen: ein Lexikon, wo jeder reinschreiben kann, was er will!”...).

Aktives Lesen

Fast eine Revolution geht mit dem “Lesen” eines Artikels der Wikipedia einher. Denn woher bezieht Wikipedia Autorität, durch was gewinnt sie das Vertrauen der LeserInnen? Der Enzyclopedia Britannica bringen die LeserInnen (zu Recht) Vertrauen entgegen, was es ermöglicht, den Artikeln ohne weitere Prüfung zu vertrauen und das Wissen passiv aufzunehmen (vgl. ebd., 171). Das stellt sich im Fall von Wikipedia grundlegend anders dar.

Jeder Artikel in der Wikipedia stellt kein fertiges Produkt dar, das von Experten gefiltert und gefertigt wurde, sondern der Entstehungsprozess ist klar ersichtlich: “Metadaten” wie Bearbeitungen, Diskussionen oder Hinweise werden zusätzlich geliefert (ebd.). Und gerade das erfordert auf Seiten des Lesers eben keine Passivität, sondern eine aktive Auseinandersetzung mit dem Gegenstand “Wissen”. Die Wikipedia leitet also ihre Glaubwürdigkeit “daraus her, dass man uns unfehlbare Wesen in die Lage versetzt, die Unterschiede zu erforschen - und zwar gemeinsam” (ebd., 172).

Festgehalten werden kann, dass die Inhalte durch ständigen Austausch und stetige qualitative Verbesserung zu keinem Zeitpunkt als “fertig” bezeichnet werden können, sondern sich prozessartig weiterentwickeln. In öffentlicher Diskussion werden Artikel verändert und ergänzt, ganz dem Prinzip der Agora folgend (vgl. Münker 2010, 101f.). Auch das Regelwerk der Wikipedia entwickelt sich weiter und passt sich den Gegebenheiten und Notwendigkeiten der Arbeit an.

Regeländerungen

Ursprünglich war die Intention der Wikipedia, dass tatsächlich jede und jeder Artikel einstellen, editieren, verbessern und erweitern kann - ohne Einschränkungen oder Hürden. Doch schnell wurde deutlich, dass diese Idee nicht umgesetzt werden kann, vor allem unter dem Aspekt des Qualitätsanspruchs an die Artikel (vgl. Wikipedia: Gesichtete Versionen 2012).

Der häufig als Vorwurf formulierten Feststellung, dass bei der Online-Enzyklopädie jeder (sprich: jeder Idiot) einen Artikel einstellen, verändern und ergänzen könne, kann also entgegnet werden: Mittlerweile gibt es sehr wohl einige Richtlinien und Regeländerungen für AutorInnen. Im obigen Kapitel wurden diese bereits aufgeführt. Doch sind sie eher als Ergänzungen der Grundprinzipien zu verstehen, die sich aus der täglichen Nutzung ergeben haben.

Um “schädliches Verhalten” und “das absichtliche Verschlechtern” von Artikeln (Vandalismus) zu verhindern, hat die deutschsprachige Wikipedia ein neues Instrument zur Reglementierung eingeführt: die Sichtung (Van Dijk 2010, 74). So erhalten Neuerungen und Veränderungen durch Neulinge zunächst den Status “ungesichtet”. Dabei spielt es keine Rolle, ob der User ein Benutzerkonto hat oder als anonymer User (die man im Wikipedia-Jargon “IP-ler” nennt) Bearbeitungen vornimmt. Erst wenn ein registrierter, regelmäßiger Autor (ein “Sichter”) diese Änderungen für regelkonform befindet, erlangen sie den Status “gesichtet” und werden schließlich für den Leser des Artikels sichtbar (vgl. ebd.).

Die Intention dieses Systems ist es, dem Leser eine “gewisse Grundqualität” zu garantieren. Dieser Review-Prozess sagt jedoch nichts über die fachliche Kompetenz des Inhaltes aus. Der Status gibt lediglich eine Art Zertifikat, dass die erneuerte Version eines Artikels frei von “offensichtlichem Vandalismus” ist (Wikipedia: Gesichtete Versionen 2012).

Neben dieser Einschränkung für “Neu-Autoren” gelten selbstverständlich für Autorinnen und Autoren - ob erfahren oder unerfahren - die oben aufgeführten Grundprinzipien und Regeln des “Miteinanders”, die keineswegs als abgeschlossen verstanden werden können.

Wikifizieren

Im Lauf der Zeit hat sich eine typische Art und Weise entwickelt, wie ein Artikel strukturiert und aufgebaut ist. Dieser Prozess des “Wikifizierens” gehört mittlerweile zu den ungeschriebenen Gesetzen und Richtlinien für das Schreiben eines Artikels. Das Wikifizieren passt sowohl das äußere Erscheinungsbild (u.a. Layout, Aufbau des Artikels) als auch die inhaltlichen Ansprüche (u.a. “NPOV”, Literaturrecherche) den Anforderungen der Enzyklopädie an (vgl. Van Dijk 2010, 97).

Belege

Eine Änderung hat sich auch bezüglich der Belege vollzogen. War es zu Beginn des Projekts nicht zwingend notwendig, neben Verweisen zu anderen Wikipedia-Artikeln Belege aus der wissenschaftlichen Literatur zu suchen, ist diese “unwissenschaftliche” Vorgehensweise heute undenkbar. Basiert ein Artikel nicht auf einem Mindestmaß an Hintergrundrecherche - und dies bedeutet, dass Literatur oder Onlinequellen angegeben werden - kann der Artikel gelöscht werden (vgl. ebd., 121).

Erst seit 2006/2007 gehört die Notwendigkeit von Belegen als Selbstverständlichkeit dazu. Für eine Auszeichnung als “lesenswerter” oder “exzellenter” Artikel reicht ein Minimum an ein bis zwei Belegen nicht aus; hierfür wird eine umfassende Recherche und Verweise auf Literatur vorausgesetzt (ebd.).

Wie sich an diesen Ausführungen zeigt, ist die “Wikipedia - die freie Enzyklopädie” keinesfalls mehr so frei, wie es der Name suggeriert. Die Arbeit mit und in ihr ist reglementiert, um die Qualität der Artikel sicherzustellen und damit das Ziel der Community zu verwirklichen: Eine “Enzyklopädie von Weltklasse” zu erschaffen, deren Inhalte frei zugänglich sind (Weinberger 2008, 166).

Fortsetzung: Wikipedia Teil IV: Erfolgsfaktoren und Wikipedianer

Literatur

Clay Shirky (2008), Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations, Penguin, S. 109-142: “Personal Motivation Meets Collaborative Production”.

David Weinberger (2008), Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Unordnung, Hanser, S. 160-176: „Anonyme Verfasser“.

Stefan Münker (2009), Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0, Suhrkamp, S. 95-102: „Kollektives Wissen und der Erfolg von Wikipedia“.

Don Tapscott/Anthony D. Williams (2007), Wikinomics. Die Revolution im Netz, Hanser, S. 71-76: „Die Enzyklopädie, an der jeder mitschreiben kann“.

Will Richardson (2011), Wikis, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werzeuge für den Unterricht, Tibia Press, S. 95-116: „Wikis. Gemeinschaftsarbeit leicht gemacht“.

Anja Ebersbach/Markus Glaser/Richard Heigl (20112), Social Web, UVK, S. 39-60: „Wikis“.

Daniela Pscheida (2010), Das Wikipedia-Universum. Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert, Transcript Verlag.

Ziko Van Dijk (2010), Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen, Open Source Press.

Dienstag, 7. Februar 2012

Heute ist Safer Internet Day 2012


Der 7. Februar ist der Safer Internet Day. Ein Blick auf die europaweite Website des SID lohnt ebenso wie ein Besuch des deutschen Ablegers klicksafe.de. Dort gibt es zwischenzeitlich jede Menge Materialien, um die Gefahren des Web (2.0) im Unterricht oder in Seminaren thematisieren zu können.

Montag, 6. Februar 2012

Wikipedia Teil II: Grundprinzipien von Wikipedia

Im Rahmen eines Projekts beschäftigen wir uns seit einigen Wochen intensiver mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Noch immer lehnen viele Lehrende an Schulen und Hochschulen Wikipedia ab - ein Umstand, der wohl nur mit mangelndem Verständnis hinsichtlich der Enzyklopädie (sowie des Web 2.0 im allgemeinen) erklärt werden kann. Wir haben uns deshalb entschlossen, in einer Reihe von Postings Wikipedia und dessen Nutzung zu erläutern. Alle Postings zusammen werden dann als neues Unterkapitel im Abschnitt Lernen 2.0 des Online-Lehrbuchs zum Web 2.0 veröffentlicht.

Bisher erschienen: Wikipedia Teil I: Wie ist Wikipedia entstanden?

Grundprinzipien von Wikipedia

(Autorin: Sarah Brenner)

Die Philosophie der Enzyklopädie, das Grundgerüst von Wikipedia ist kurz erklärt: “Jeder Nutzer kann ihre Artikel lesen; und jeder Nutzer kann die Artikel, die er liest, zugleich bearbeiten oder auch neue Artikel anlegen” (Münker 2009, 95). So soll in einem offenen Prozess kollaboratives Wissen entstehen, ohne traditionell-hierarchische Strukturelemente. Dieses Grundgerüst steht aber durchaus auf einem strukturierten Fundament.

Es zeigt sich, dass gerade die Offenheit eine komplexe Organisation benötigt - Regeln und Konventionen eingeschlossen. Um größtmögliche Qualität der Inhalte zu liefern, hat Wikipedia-Gründer Jimmy Wales zu Beginn des Projekts vier Grundprinzipien für offiziell erklärt - als ein Minimum an Reglementierung und Strukturierung (vgl. Wikipedia: Grundprinzipien 2012).

1. Wikipedia ist eine Enzyklopädie
2. Neutral Point of View
3. Freie Inhalte
4. Wikiquette

“Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie und kann deshalb bestimmte andere Dinge nicht sein.” Dieses Statement bildet das wichtigste Grundprinzip von Jimmy Wales. Dabei definiert sich Wikipedia selbst als Enzyklopädie. Medienhistorisch ist die Enzyklopädie als Gattung festgelegt und deren Grundsätze sind allgemein bekannt (vgl. Pscheida 2010, 368). Mit dieser Charakteristik gehen bestimmte Merkmale einher, gleichzeitig werden Erwartungen ausgeschlossen, die sich nicht mit dem Konzept einer Enzyklopädie vereinbaren lassen. Wikipedia selbst führt hierzu aus:

Was Wikipedia nicht ist
1. “Wikipedia ist kein Wörterbuch (im Sinne von Sprachwörterbuch). In Artikeln sollen in erster Linie Begriffe erläutert und keine gängigen deutschen Wörter erklärt werden, wie dies ein Wörterbuch macht. Fremdwörter, Redensarten und besondere deutsche Wörter können allerdings behandelt werden, wie auch in gedruckten Enzyklopädien üblich. Ein reines Wörterbuchprojekt ist das Schwesterprojekt Wiktionary.

2. Wikipedia dient nicht der Theoriefindung, sondern der Theoriedarstellung. In Artikeln sollen weder neue Theorien, Modelle, Konzepte oder Methoden aufgestellt, noch neue Begriffe etabliert werden. Ebenso unerwünscht sind nicht nachprüfbare Aussagen. [...]

3. Wikipedia ist keine Werbe- oder Propagandaplattform und keine Gerüchteküche. [...]

4. Wikipedia ist kein Ort für Essays und kein Ort für Fan-Seiten. Artikel sollen sachlich, objektiv und in enzyklopädischem Stil geschrieben sein. [...]

5. Wikipedia ist kein allgemeines Diskussionsforum und kein Chat-Raum. Artikeldiskussionsseiten dienen der Verbesserung von Artikeln, nicht dem Austausch persönlicher Betrachtungen zum Artikelthema.

6. Wikipedia ist kein Webspace-Provider und kein Ersatz für die eigene Website. [...]

7. Wikipedia ist keine Rohdatensammlung großer Mengen strukturierter Daten wie Telefonbücher, Bibliografien, Linkverzeichnisse, Adressverzeichnisse und so weiter. [...]

8. Wikipedia ist kein Nachrichtenportal oder Veranstaltungskalender und dient nicht der aktuellen Berichterstattung. Einen Rahmen für Nachrichten und aktuelle Berichterstattung bietet das Schwesterprojekt Wikinews. [...]

9. Wikipedia ist keine Sammlung von Anleitungen und Ratgebern. [...]”

[aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Was_Wikipedia_nicht_ist, letzter Zugriff: 07.01.2012]

Aus dem ersten Grundprinzip direkt abgeleitet ist das zweite Grundprinzip der Wikipedia: die Neutralität der Artikel bzw. die Forderung nach einem neutralen Standpunkt (“neutral point of view”, oder kurz “NPOV”). Dieses Grundprinzip steht für einen Inhalt, der nicht von politischen, religiösen oder anderweitigen Interessen geprägt ist. Möglichst wertneutral und frei von persönlichen Meinungen oder Präferenzen sollen Sachverhalte objektiv dargestellt werden (vgl. Van Dijk 2010, 53).

Für Jimmy Wales ist ein Artikel dann neutral, wenn die Community ihn als neutral anerkennt. Dies sei der Fall, wenn keine Veränderungen mehr an Inhalten vorgenommen werden und mögliche Diskussionsaspekte bezüglich der Verletzung dieses Grundprinzips aus dem Weg geschafft wurden. Damit folgt Wikipedia einer funktionellen Definition von Neutralität: Nicht die Expertise entscheidet darüber, ob der “NPOV” eingehalten wurde, sondern die soziale Interaktion zwischen den Wikipedianern.

Die bisherige Erfahrung zeigt, dass diese Vorgehensweise ordentlich funktioniert (vgl. Weinberger 2007, 164). Ist der Diskussionsprozess noch nicht abgeschlossen, weist Wikipedia mit Hinweisen auf die (möglicherweise) fehlende Objektivität hin: “Die Neutralität dieses Artikels ist umstritten. Die Gründe stehen auf der Diskussionsseite” (ebd., 168).

Das dritte Grundprinzip bezieht sich auf die freien Inhalte der Wikipedia. “Freie Inhalte” bedeutet, dass Artikel der Wikipedia uneingeschränkt, vor allem kostenlos genutzt und weiterverbreitet werden dürfen (Open-Source-Prinzip) (vgl. Pscheida 2010, 368). Ausführlich wird dieser Aspekt bei Van Dijk (2010, 20ff.) aufgegriffen. Aus diesem Grund ist es auch zwingend erforderlich, dass Plagiate unverzüglich gelöscht werden, da Urheberrechtsverletzungen die “rechtliche und moralische Integrität des Artikels” verletzen und dem Prinzip der freien Inhalte schaden (vgl. ebd., 55).

Des Weiteren gibt es eine Interaktionskultur innerhalb der Wikipedia, die “Wikiquette” genannt wird und das vierte Grundprinzip darstellt. Dabei handelt es sich um grundlegende Konventionen und Regeln, die einen vernünftigen und konstruktiven Umgang miteinander bei der gemeinsamen Arbeit an Artikeln ermöglichen sollen. Angestrebt wird, dass auch im Fall von Uneinigkeit oder Streit während des Entstehungsprozesses eines Artikels die Grundlagen des höflichen Umgangs nicht verletzt werden (vgl. Pscheida 2010, 368).

Die Wikiquette umfasst zehn zentrale Grundsätze des Umgangs miteinander. Für einige haben sich Akronyme herausgebildet, die von den Wikipedianern benutzt, aber auch kreiert wurden. Darunter fällt “KPA” (“Keine persönlichen Angriffe”), oder “AGF” (“Assume Good Faith” → “Geh von guten Absichten aus”) (vgl. Van Dijk 2010, 37).

Die Wichtigkeit der Einhaltung dieser Grundsätze spiegelt die Tatsache wider, dass User bei Verletzungen gesperrt werden können, denn man sollte nie vergessen, “dass auf der anderen Seite des Bildschirms auch nur ein Mensch sitzt” (ebd.).

Zentrale Grundsätze des Umgangs miteinander in der Wikipedia: die Wikiquette
Keine persönlichen Angriffe.
Geh von guten Absichten aus.
Sei freundlich.
Hilf anderen.
Bleibe ruhig!
Die Mitarbeit in der Wikipedia beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.
Besser spricht es sich von Angesicht zu Angesicht.
Lass anderen Benutzern ihre Anonymität.
Trage Konflikte nicht öffentlich aus.
Sei nicht nachtragend.

Mehr dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikiquette

Die Besonderheit liegt in der Unveränderlichkeit der vier Grundprinzipien. Demgegenüber haben sich im Lauf der Zeit durch das alltägliche Handeln miteinander noch zahlreiche andere Regeln entwickelt. Dabei handelt es sich um Konventionen, die für den Moment gelten, aber nicht endgültig festgelegt sind. Sie entwickeln sich stetig weiter (vgl. Pscheida 2010, 367f.). Diese weiteren Regeln stellen aber im Gegensatz zu den unumstößlichen vier Grundprinzipien keine einheitliche oder festgesetzte “Satzung” dar. Damit sind auch die Konventionen von Offenheit und Transparenz geprägt. Sie entstehen aus kollaborativen Prozessen (vgl. Van Dijk 2010, 28).

Doch gerade diese Offenheit dient oft als Ansatzpunkt für Kritik, da sie die Qualität der Wikipedia gefährden kann (z.B. Vandalismus). Doch Tapscott und Williams betonen, dass das Prinzip der Offenheit und der Transparenz Wikipedia letztendlich zum Erfolg verholfen habe und die Ursache dafür sei, dass das Projekt weiter wächst, eben auch qualitativ. Neben neuen Einträgen werden bestehende Artikel aktualisiert und auf Richtigkeit hin überprüft (vgl. Tapscott/Williams 2009, 75). Wales selbst nennt diesen Prozess der wiederholten Veränderung und Korrektur eine “darwinistische Evolution”, welche die Qualität eines Artikels stetig verbessert. Diesem “dynamischen, sich entwickelnden Bestand an Wissen” wird immer mehr Anerkennung entgegengebracht - auch in der akademischen Welt (ebd., 73f.).

Wikipedia steht wie kein anderes Projekt für die faszinierenden Möglichkeiten des Web 2.0. Im Sinne von express - connect - share ist Wikipedia ein beispielloses Konzept zur Verwirklichung eines Gemeinschaftsprojekts über nationale Grenzen hinweg - peer production in Reinkultur. Richardson bezeichnet die Online-Enzyklopädie als das “Ziehkind einer kollektiven Konstruktion von Wissen und Wahrheit” (Richardson 2011, 97), die durch die Transformation vom Read-Web zum Read-/Write-Web ermöglicht wurde. Auch Münker stützt diese These: “Wikipedia symbolisiert das Web 2.0 und die anziehende Qualität seines partizipatorische Prinzips wie kaum ein anderes Projekt” (Münker 2009, 97). “Der amerikanische Soziologe und Journalist James Surowiecki hat das Prinzip der kollektiven Intelligenz auf die Formel ‘Weisheit der vielen`gebracht. [...] Wobei die Weisheit der vielen im Web 2.0 über das Wissen der Eliten triumphiert” (ebd., 99f.).

Fortsetzung: Wikipedia Teil III: Weitere Regeln in der Welt der "freien Enzyklopädie"

Literatur:

Clay Shirky (2008), Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations, Penguin, S. 109-142: “Personal Motivation Meets Collaborative Production”.

David Weinberger (2008), Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Unordnung, Hanser, S. 160-176: „Anonyme Verfasser“.

Stefan Münker (2009), Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0, Suhrkamp, S. 95-102: „Kollektives Wissen und der Erfolg von Wikipedia“.

Don Tapscott/Anthony D. Williams (2007), Wikinomics. Die Revolution im Netz, Hanser, S. 71-76: „Die Enzyklopädie, an der jeder mitschreiben kann“.

Will Richardson (2011), Wikis, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werzeuge für den Unterricht, Tibia Press, S. 95-116: „Wikis. Gemeinschaftsarbeit leicht gemacht“.

Anja Ebersbach/Markus Glaser/Richard Heigl (20112), Social Web, UVK, S. 39-60: „Wikis“.

Daniela Pscheida (2010), Das Wikipedia-Universum. Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert, Transcript Verlag.

Ziko Van Dijk (2010), Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen, Open Source Press.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Wikipedia Teil I: Wie ist Wikipedia entstanden?

Im Rahmen eines Projekts beschäftigen wir uns seit einigen Wochen intensiver mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Noch immer lehnen viele Lehrende an Schulen und Hochschulen Wikipedia ab - ein Umstand, der wohl nur mit mangelndem Verständnis hinsichtlich der Enzyklopädie (sowie des Web 2.0 im allgemeinen) erklärt werden kann. Wir haben uns deshalb entschlossen, in einer Reihe von Postings Wikipedia und dessen Nutzung zu erläutern. Alle Postings zusammen werden dann als neues Unterkapitel im Abschnitt Lernen 2.0 des Online-Lehrbuchs zum Web 2.0 veröffentlicht.

Wie ist Wikipedia entstanden?

(Autorin: Sarah Brenner)

“Ein Urtraum der Aufklärung scheint wahr zu werden. Dass ein Publikum sich selbst aufkläre, schrieb einst Immanuel Kant, sei unausbleiblich, wenn man ihm nur die Freiheit ließe, von seiner Vernunft öffentlich Gebrauch zu machen. Die neue bunte Bildungsbürgerbewegung, die mit Bühnen wie Wikipedia entstanden ist, fühlt sich dieser Tradition durchaus verpflichtet. Freiheit, Nützlichkeit, Vereinsarbeit: E-mancipation als Aufklärung Version 2.0. Ein Massenphänomen ist so entstanden, dessen Auswirkungen bislang nur zu erahnen sind.”
[Frank Hornig: “Du bist das Netz!; in: Spiegel 29/2006, S. 62f.]

Was ist ein Wiki?

Um Wikipedia zu verstehen, muss man zunächst wissen, was ein Wiki ist, denn dabei handelt es sich um die Software, die dem Projekt Wikipedia zugrundeliegt. Der Softwareingenieur Ward Cunningham entwickelte bereits 1995 das erste Wiki. Er suchte nach einer Websoftware, die eine Plattform für “shared design wisdom” bietet - ein Autorenwerkzeug, das Publizieren ohne technische Sonderrechte oder besondere Kenntnisse erlaubt und möglichst einfach zu bedienen ist, so dass jede/r - und nicht nur Webmaster mit Programmierkenntnissen - im Web veröffentlichen kann (vgl. Richardson 2011, 95).

Bereits die Namensgebung spiegelt die Charakteristik der Websoftware wider; “wiki” leitet sich aus dem hawaiianischen Wort “wiki wiki” ab und bedeutet “schnell”. Schnell und unkompliziert sollte auch die Arbeit mit einem Wiki sein. Die bestehenden Instrumente waren verbunden mit komplexen Anforderungen und klaren Rollenverständnissen: “Writer” und “Editors” arbeiteten strikt voneinander getrennt (vgl. Shirky 2008, 111f.).

Die Wiki-Software Cunnighams löst diese Rollentrennung auf, da sie es Nutzern ermöglicht, Webseiten zu verändern und diese Änderungen zu speichern: “Every wiki page is thus the sum total of accumulated changes” (ebd., 112). Dabei protokolliert die Software nicht nur die Neuerungen, sondern auch vorherige Versionen der Seite. Revolutionär ist bei diesem Konzept der Verzicht auf Kontrolle und formale Ordnung, und das war zweifellos ein Wagnis. Doch Cunningham setzte bei seinem Konzept auf die Zusammenarbeit der Nutzer: “People who want to collaborate also tend to trust one another [...] without formal management or process” (ebd., 111).

Zum berühmtesten Beispiel eines Wikis wurde die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Richardson (2011, 97) bezeichnet sie als das “Ziehkind einer kollektiven Konstruktion von Wissen und Wahrheit”. Aber die Wiki-Software bietet noch viele weitere Nutzungsmöglichkeiten. Ein Wiki kann beispielsweise auf den halb-öffentlichen Raum eines Unternehmens beschränkt (interne Kommunikation der Mitarbeiter) oder für die private Organisation der Dateien des eigenen Computers verwendet werden (vgl. Van Dijk 2010, 16).

Heute gibt es unzählige Wiki-Anwendungen, und man kann Cunninghams Erfindung ohne Zweifel als Erfolgsgeschichte bezeichnen, denn “Wikis haben ein enormes Potenzial freigesetzt: einen sich selbst erfüllenden positiven Kreislauf der kooperativen Schöpfung, den hierarchische Modelle weder nachahmen noch unterbrechen können” (Tapscott; Williams 2009, 76). Damit haben wir den ersten Teil des Namens “Wikipedia” geklärt und kommen im nächsten Abschnitt zur zweiten Namenshälfte, die sich aus dem englischen Begriff “encyclopedia” ableitet.

Was ist eine Enzyklopädie und welche Funktionen erfüllt sie?

Geht man dieser Frage nach, wird die Aufmerksamkeit auf einen Sachverhalt gelenkt, der nachvollziehbar macht, warum die Online-Enzyklopädie so erfolgreich ist: Weil sie auf einem uns allen bekannten, klar definierten Konzept beruht, dem Konzept der Enzyklopädie.

Der Begriff “Enzyklopädie” stammt aus dem Griechischen und bedeutet “umfassende” oder “allgemeine Bildung” (Enzyklopädie 2011). Die Enzyklopädie ist als ein “geschlossenes, schriftbasiertes Werk zu verstehen, welches uns das gegenwärtig relevante Weltwissen entlang Stichworten erschließt” und dies klassischerweise in Buchform (Pscheida 2010, 100). Jedoch umfasst sie nicht das gesamte Wissen, sondern einen Kurzüberblick, eine kategorisierte, systematisierte Zusammenfassung. Bekannte Vertreter sind u.a. Meyers Lexikon, der Brockhaus und vor allem die Encyclopedia Britannica (Münker 2009, 98).

Ziel der Intellektuellen war es Ende des 18. Jahrhunderts, “das Wissen der Menschheit [...] zu sammeln, zu organisieren, mit Querverweisen zu versehen und vor allem: [dieses] der Welt der Leser zur Verfügung zu stellen. Das Projekt ist so erfolgreich, dass es über Jahrhunderte maßgeblich unser Verständnis des Begriffs `Wissen`prägt” (ebd.). Es gelang, sich von der bloßen Meinung (doxa) abzugrenzen und “wahres Wissen” (episteme) zu repräsentieren (vgl. ebd.).

Der Erfolg lässt sich an der Tatsache messen, dass es zur Selbstverständlichkeit wurde, wenn Informationen über ein Thema, Wort oder Ereignis eingeholt werden müssen, ein solches Nachschlagewerk zu Rate gezogen wird. Diese Auskünfte gelten als Fakten, als Wissen, weil “der dahinterliegende Prozess der Absicherung durch eine eher kleine Gruppe von Experten für alle verbindlich die Demarkationslinie zwischen objektiv begründetem Wissen und bloß subjektiver Meinung definiert hat” (ebd., 98f.). Doch gerade dieses Expertentum, das bisher unweigerlich mit dem Konzept der Enzyklopädie verbunden war, stellt Wikipedia auf den Kopf - erfolgreich.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Begriff, der Geschichte und mit inhaltlichen Aspekten bietet Wikipedia selbst: http://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4die.

Der Traum, eine Online-Enzyklopädie zu erstellen: Nupedia wird ins Leben gerufen

“Stellen Sie sich eine Welt vor, in der das gesamte Wissen der Menschheit jedem frei zugänglich ist. Das ist unser Ziel!”
[Jimmy Wales]
1998 versuchten Jimmy Wales und Larry Sanger diesen Wunschtraum, den bereits die Intellektuellen des 18. Jahrhundert vor Augen hatten, in einem neuen Konzept in die Wirklichkeit umzusetzen. Dazu riefen sie “Nupedia - the free encyclopedia” ins Leben. Ihr Ziel war dasselbe wie später bei Wikipedia: kostenlose Inhalte, die jedem uneingeschränkt zur Verfügung stehen sollen und die sich schließlich zur “Summe allen menschlichen Wissens” zusammenfügen.

Das Projekt Nupedia sollte nach dem “Peer-Review-Verfahren” funktionieren, bei dem sich ein Autor zunächst mit entsprechenden Qualifikationen (Universitätszeugnissen) bewerben musste. Gleichzeitig empfahl sich der Experte für einen bestimmten Artikel. Bevor ein geschriebener Artikel tatsächlich publiziert wurde, musste er einige Kontrollinstanzen durchlaufen (vgl. Van Dijk 2010, 17).

Dieses siebenstufige Kontrollsystem durch bezahlte Experten garantierte zwar ein hohes Maß an Qualität, bedeutete aber gleichzeitig auch langatmige Hürden für die Artikel und damit ein enorm langsames Wachstum für die Enzyklopädie (vgl. Tapscott 2009, 71). Gleichzeitig überstiegen die Kosten schnell die Effizienz des Projektes: bis zur Einstellung des Projekts wurden gerade einmal 24 Artikel veröffentlicht, 74 befanden sich in Bearbeitung (vgl. Nupedia 2011).

Clay Shirky kommentiert: “[...] to set a minimum standard of quality, had also set a maximum rate of process: slow” (Shirky 2008, 110). David Weinberger (2007, 166) hält fest, dass “das Fachwissen das Projekt [letztendlich] aufhielt”, anstatt auf Basis von Expertentum Zuspruch zu finden und zu wachsen.

Nupedia folgte mit diesem Vorgehen einer zentralistischen und hierarchischen Struktur einer Homepage, deren Inhalte dem Nutzer zwar frei zugänglich sind, aber nicht von ihm oder ihr mitgestaltet werden konnten (vgl. Tapscott 2009, 71). Gleichzeitig wurde das altbewährte Konzept der Enzyklopädie in die Onlinesphäre transferiert - doch wie sich zeigte, zunächst ohne großen Erfolg.

Die Software “Wiki” sollte diesem Stillstand entgegenwirken. Die Idee von Jimmy Wales war hierbei 2001, dass jedem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt wird, einen groben Entwurf eines Artikels zu verfassen. Was zunächst nur als Vorstufe zu Nupedia gedacht war, entwickelte schnell eine immense Eigendynamik. Zum einen war es nun jedem Interessierten möglich, Artikel zu erstellen; zum anderen wuchs das Projekt Wikipedia so rasant, dass das Wiki eine eigene URL benötigte - Wikipedia wurde geboren (vgl. Shirky 2008, 111f.).

Nupedia geht offline - Wikipedia wird geborenWas ist das Neue an Wikipedia? Das bekannte Konzept der Enzyklopädie wurde mit neuen Idealen angereichert und auf den Kopf gestellt. Nicht mehr die Expertise bestimmt über die Inhalte, sondern von nun an sollte das Kollektiv teilen, schreiben, publizieren und editieren. Doch diese offene Struktur, die das Projekt ins Rollen brachte, widersprach Larry Sangers Vorstellungen einer Enzyklopädie, so dass er Wikipedia verließ, während sich Jimmy Wales dem Wiki immer begeisterter widmete (vgl. Pscheida 2010, 348).

Wiki-Software und Open-Source-Idee verliehen der Bezeichnung “freie Enzyklopädie” eine neue Bedeutung und beschleunigten den Wachstumsprozess in einem ungeahnten Maß: Bereits im ersten Monat gingen 200 Artikel online, im ersten Jahr waren es 18.000 Artikel (vgl. Tapscott 2009, 71). Doch bedeutet Quantität auch Qualität? Zu betonen ist, dass Wikipedia keine reine “Bottom-up-Enzyklopädie” sein will. Ziel ist nicht, wie Jimmy Wales betont, “ein Experiment in sozialer Gleichberechtigung”, sondern eine “Enzyklopädie von Weltklasse” (Weinberger 2007, 166).

Beide Projekte koexistierten noch eine gewisse Zeit, obwohl Wikpedia die Nupedia längst übertroffen hatte. Die Erfolgsgeschichte der Wikipedia setzte sich fort, während die Mutter der Wikipedia letztendlich scheiterte und im September 2003 offline ging (vgl. Pscheida 2010, 348).

Fortsetzung: Wikipedia Teil II: Grundsätze von Wikipedia

Literatur:

Clay Shirky (2008), Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations, Penguin, S. 109-142: “Personal Motivation Meets Collaborative Production”.

David Weinberger (2008), Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Unordnung, Hanser, S. 160-176: „Anonyme Verfasser“.

Stefan Münker (2009), Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0, Suhrkamp, S. 95-102: „Kollektives Wissen und der Erfolg von Wikipedia“.

Don Tapscott/Anthony D. Williams (2007), Wikinomics. Die Revolution im Netz, Hanser, S. 71-76: „Die Enzyklopädie, an der jeder mitschreiben kann“.

Will Richardson (2011), Wikis, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werzeuge für den Unterricht, Tibia Press, S. 95-116: „Wikis. Gemeinschaftsarbeit leicht gemacht“.

Anja Ebersbach/Markus Glaser/Richard Heigl (20112), Social Web, UVK, S. 39-60: „Wikis“.

Daniela Pscheida (2010), Das Wikipedia-Universum. Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert, Transcript Verlag.

Ziko Van Dijk (2010), Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen, Open Source Press.

"Das Web 2.0 ist bald Geschichte"

MdB Ansgar Heveling (CDU) hat am 30.01.2012 im Handelsblatt einen Gastkommentar veröffentlicht, der seitdem große Wellen schlägt: "Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren". Im Kern geht es in dem - milde ausgedrückt - etwas ungeschickt formulierten Pamphlet um die Frage des Urheberrechts im digitalen Zeitalter, einem wichtigen Thema, dem wir uns an dieser Stelle immer wieder angenommen haben (z.B. hier und hier). Die Kernaussage lautet: "Die Idee des geistigen Eigentums ist im Netz in Gefahr."

Es lohnt sich unbedingt, diese Debatte zu verfolgen. Im Handelsblatt selbst sind mehrere Repliken erschienen, so z.B. der Artikel "Kulturkampf? Könnt ihr haben!" von Frank Rieger, dem Sprecher des Chaos Computer Clubs, und ein Gastbeitrag des bedeutendsten Vordenkers zum Thema Urheberrecht, Lawrence Lessig, der wie auch Rieger im Titel seiner Replik die martialische Sprache Hevelings aufnimmt: "Der Vietnam-Krieg des Internets".

Dienstag, 31. Januar 2012

It’s the internet, stupid! ...

 ... Web 2.0 ist nicht Geschichte, sondern der Anfang. 

Dagmar G. Wöhrl (CSU)


"Und es wird geprägt, von den Menschen, die es nutzen. Wir müssen aber die Vorteile und Scheu hiergegen abbauen. Als es die ersten Autos gaben, hatten die Menschen auch hiervor Angst. Heute sehe ich aber kaum mehr Pferdefuhrwerke auf den Straßen. Als der erste Mann in die Lüfte ging, wollte ihm kaum einer folgen. Heute freuen wir uns, wenn wir mit hunderten anderen Passagieren in einem A380 fliegen können. Veränderung, Neues, Ungewohntes ist per se nichts Schlimmes. Was sich daraus entwickeln kann, liegt aber an uns allen!
Zusammen können wir sicherlich mehr erreichen, als gegeneinander. Lasst uns in einen ehrlichen und vorurteilsfreien Dialog treten. Lasst uns die verschiedenen Thematiken und Probleme offen diskutieren. Ich habe das Gefühl, dies könnte ein sehr interessanter Austausch werden.
Und wie es zu Zeiten Bill Clintons in den 90er Jahren noch hieß: It’s the economy, stupid! So muss es heute wohl heißen: It’s the internet, stupid!"

 

Samstag, 7. Januar 2012

adhocracy

Im Rahmen eines Vortrags des MdB Jimmy Schulz wurde ich auf folgendes Projekt der Enquete Kommission Internet und digitale Gesellschaft aufmerksam gemacht. Ich zitiere von der Homepage:

"..., wurde im Februar 2011 die Beteiligungsplattform enquetebeteiligung.de geschaffen. Auf Basis der von dem gemeinnützigen Verein Liquid Democracy e.V. entwickelten Software adhocracy können interessierte Bürger als “18. Sachverständiger” aktiv an den Diskussionen in der Enquete-Kommission mitwirken.

Nach einem kurzen und einfachen Registrierungsverfahren besteht die Möglichkeit, einen Einblick in die Arbeit der Kommission zu erhalten, eigene Themen vorzuschlagen und bereits bestehende Themen zu diskutieren. Eine Moderation im Vorfeld oder gar eine Zensur der Vorschläge findet nicht statt. Texte, die gegen die Netiquette verstoßen oder strafrechtlich relevant sind, werden entfernt.
"

Ich persönlich muss sagen, dass ich bei den vielen verschiedenen Pages doch sehr schnell die Übersicht verloren habe. Die Systematik wird mir nicht auf einen Blick klar, wobei das Prinzip als solches doch sehr einfach ist. Das ist für mich optimierungsbedürftig. Aber macht Euch doch selbst ein Bild.

Die Software kann übrigens kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Entsprechendes know-how vorausgesetzt.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Neues Dossier der BpB zum Web 2.0


Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) intensiviert ihr Engagement im Bereich Web 2.0. Unter dem Titel "Web 2.0 in der Bildungsarbeit" beschäftigt sich ein neues Dossier u.a. mit "Partizipation im und mit dem Social Web" oder mit dem Anwendungsbeispiel "Weblogs als Seminar-Plattform". Zurecht wird in dem neuen Dossier auf den interessanten Blog #pb21 hingewiesen, dessen Beiträge wir an dieser Stelle bereits mehrfach empfohlen haben.

Wenn aber unter "Links und Materialien" ausschließlich Postings dieses Blogs (der von der BpB selbst - in Kooperation mit dem DGB-Bildungswerk - betrieben wird) erscheinen, so zeigt sich doch, dass man etwas stark im eigenen Saft schmort.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Marketing 2.0

Wer gerne am Puls der Zeit bleiben möchte, was das Marketing im Social Web betrifft, dem empfehle ich aktuell diesen Blog. Stellvertretend zwei aktuelle Einträge, die ich interessant fand:
Das ist vielleicht auch unter dem Aspekt des persönlichen fb Konsums lesenswert.

WikiLeaks als Kampagnenplattform?

Kaum haben wir uns mit WikiLeaks als Beispiel für Politik 2.0 beschäftigt, veröffentlicht die Plattform trotz verkündetem Publikationsstop auch wieder Dokumente, die "Spy Files". Es geht um die Überwachungsindustrie. Ein Spiegel-Artikel argumentiert, dass es sich in diesem Fall nicht um die Enthüllung bislang geheimer Dokumente handelt, sondern eher um eine Kampagne zu dem brisanten Thema, für die Materialien zusammengestellt und auf WikiLeaks zugänglich gemacht werden, die auch vorher zugänglich waren. Der Spiegel wertet das als Strategieänderung von WikiLeaks, weg von einer Enthüllungs- und hin zu einer Kampagnenplattform. Ob dieses Urteil vorschnell war, werden die nächsten Monate und Veröffentlichungen zeigen...

Dienstag, 6. Dezember 2011

Erster Entwurf für einen Beitrag zu Wikipedia - Bitte um Kommentare

Vergangenen Donnerstag hat sich das Autorenteam, das zusammen einen Beitrag zu Wikipedia für das Online-Lehrbuch Web 2.0 (als Unterabschnitt des Kapitels zu Lernen 2.0) verfassen will, zum ersten Mal getroffen. Wir haben - ausgehend von der Seminarsitzung zum Thema - eine Liste von Fragen zusammengestellt, die in dem Beitrag angesprochen werden sollen, und diese Fragen in eine erste Gliederung eingeordnet. Unsere Bitte geht nun an alle, diese Liste zu prüfen und uns mitzuteilen, wenn wir einen interessanten und/oder wichtigen Aspekt rund um die Online-Enzyklopädie vergessen haben. Alle Anregungen sind willkommen. Hier nun unser erster Entwurf:

Kapitel: LERNEN 2.0 - Unterabschnitt: WIKIPEDIA

Vorläufige Gliederung

1) Was ist Wikipedia und wie hat sich die Online-Enzyklopädie entwickelt?

Im Rahmen dieses ersten Kapitels sollen folgende Aspekte behandelt werden:
  • Was ist ein Wiki?
  • Wie kam es zur Gründung von Wikipedia (Vorgeschichte: Nupedia)?
  • Welche Philosophie hat Wikipedia und hat sich diese verändert?
  • Welche Regeländerungen für AutorInnen gab es im Lauf der Entwicklung?

2) Wie funktioniert Wikipedia?

Das zweite Kapitel widmet sich folgenden Fragen:
  • Was ist für den Erfolg von Wikipedia verantwortlich?
  • Wer macht mit bei der Online-Enzyklopädie?
  • Warum machen die Nutzer mit?
  • Wie finanziert sich das Projekt?
  • Wie kann man selber zum/r Autor/in werden?

3) Welche Kritik wird an Wikipedia geübt?

Im dritten Kapitel kommen folgende Punkte zur Sprache:
  • Was sind die wichtigsten Kritikpunkte an Wikipedia?
  • Wie kann man dieser Kritik begegnen?
  • Welche Gefahren gibt es für das Projekt (Vandalismus, Werbung, sonstiger Missbrauch)?

4) Fazit: Ist Wikipedia eine zuverlässige Quelle?

Im abschließenden Kapitel soll ausgehend von der zentralen Frage nach der Zuverlässigkeit der Enzyklopädie eine Bilanz versucht werden.

Ergänzend zu den 4 Kapiteln möchten wir einige Aspekte als Vertiefungsthemen näher beleuchten:
  • Wie unterscheiden sich die verschiedenen Sprachversionen (z.B. deutsch und englische Wikipedia im Vergleich)?
  • Welchen Nutzen kann Wikipedia für verschiedene Gesellschaften haben?
  • Welche Kontroversen werden in der Wikipedia-Community ausgetragen?
  • Welche Zukunftspläne haben die Betreiber von Wikipedia?
  • Welche Anwendungen auf der Basis von Wikipedia gibt es (z.B. WikiMindmap)?
  • Was sind die anderen Projekte der Wikimedia Foundation?

Die Quellen (Literatur und Links), auf die wir uns stützen wollen, finden sich im Rahmen der Lehrveranstaltung "Das Web 2.0 als neuartiges Medium" auf iversity.org unter der Sitzung mit dem Datum 17.11.2011.

Soweit unser erster Entwurf. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich die Mühe machen, unseren Entwurf verbessern zu helfen. Vielen Dank!

Freitag, 2. Dezember 2011

UdL Digital: Eine App für mehr Bürgerbeteiligung in der Politik

Heute bin ich auf ein neue Art der Kommunikation mit Politikern gestoßen. Die E-Plus Gruppe hat eine App zum kostenlosen Download bereit gestellt um mit Politikern in Kontakt zu treten bzw ihre 2.0 Aktivitäten zu verfolgen. Da die App leider nur IOS ist konnte ich sie leider nicht testen. Etwas beklemmend ist die Tatsache, dass diese App nicht vom Bundestag selbst, sondern von E-Plus ist. Trotzdem, die Idee finde ich sehr gut, bei einer Google Plus Diskussion hat der Sharer folgende Antwortmöglicheiten gegeben. ;)
"a) Prima, danke schön!
b) ein Zeugnis mentaler oder materieller Armut des Bundestages (s. Bundestags-App)
c) ein Telko als neuer Gatekeeper? Spendet den Source Code an den Bundestag."

Im Vergleich zu wahl.de oder abgeordnetenwatch.de, macht die App einen aufgeräumten Eindruck, was der Usability zugutekommt.

Wer ein mobil Gerät von Apple besitzt könnte diese App mal testen. LINK

Meinungen erwünscht!

Donnerstag, 1. Dezember 2011

WikiLeaks - Entwicklung der Enthüllungsplattform

Über WikiLeaks und Julian Assange wurde und wird viel diskutiert. Angefacht wurde das Medieninteresse meist durch spektakuläre Veröffentlichungen. Eine der eindrücklichsten Veröffentlichungen war das Video „Collateral Murder“, das unter folgendem Link in mehreren Versionen zu sehen ist: http://www.collateralmurder.com/.

Es handelt sich dabei um Aufnahmen von US-Soldaten im Irak, die ohne einen nachvollziehbaren Grund Zivilisten erschießen. Dabei wurden auch zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters erschossen. Reuters hatte schon seit langem versucht, durch rechtliche Schritte an dieses Videomaterial heranzukommen, wodurch das Video zusätzlich an öffentlicher Aufmerksamkeit gewann.


Doch wie kam es eigentlich dazu, dass WikiLeaks an dieses geheime Material herankam? Welche Idee steckt dahinter, geheime Dinge zu veröffentlichen und sich damit mit Regierungen anzulegen?


Diese Fragen sollen im Folgenden angesprochen werden. Außerdem möchte ich einen ersten Einblick hinter die Kulissen von WikiLeaks anhand des Buches „Inside WikiLeaks“ von Daniel Domscheit-Berg - einem früheren Mitglied von WikiLeaks - geben. Anfangs gehe ich kurz auf den Lebenslauf des WikiLeaks-Gründers Julian Assange ein, um dessen Motive zu verdeutlichen. Eine Chronologie der Entwicklung von WikiLeaks befindet sich am Ende dieses Textes.


WikiLeaks - an erster Stelle steht die Transparenz


Es gibt im Internet viele Definitionen von Zeitungen oder anderen Websites über die Enthüllungsplattform, doch am prägnantesten ist die von WikiLeaks selbst:


„WikiLeaks is a not-for-profit media organisation. Our goal is to bring important news and information to the public. We provide an innovative, secure and anonymous way for sources to leak information to our journalists (our electronic drop box). One of our most important activities is to publish original source material alongside our news stories so readers and historians alike can see evidence of the truth.“(Quelle:
http://www.wikileaks.org/About.html, abgerufen am 17.09.2011)

Wie dies umgesetzt wird, beschreibt Daniel Domscheit-Berg („Daniel“) in seinem Buch „Inside WikiLeaks“ in wenigen Sätzen:


„Die Quellen laden hier ihre Dokumente hoch, das WL-Team bereinigt sie von Metadaten, verifiziert die Einsendungen und beschreibt die Zusammenhänge in Zusatztexten. Am Ende wird alles auf der Website veröffentlicht.“ (Domscheit-Berg, D. (2011): Inside WikiLeaks. Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt. Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, S.270)


Das WikiLeaks-Team


Der eigentliche Gründer von WikiLeaks war allerdings ein anderer: Julian Assange („Julian“). Er wurde am 3.Juli 1971 in Townsville, Queensland, Australien geboren und hatte mit 16 Jahren seine ersten Programmiererfahrungen gesammelt. In späteren Jahren gehörte er zu einer Hackergruppe namens „The International Subversives“, die ein anarchistisches Programm verfolgte. Er selbst war unter dem Pseudonym „Mendax“ bekannt und musste sich im Alter von 20 Jahren erstmalig vor Gericht verantworten, da er sich Zugriff auf interne Datenbanken von Unternehmen verschafft hatte (vgl.
http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=3124&RID=1, abgerufen am 07.10.2011).

Die Arbeit bei WikiLeaks erledigten größtenteils Julian und Daniel, wobei letzterer sich vor allem auch um den öffentlichen Auftritt kümmerte. Daniel war auch unter dem Pseudonym „Daniel Schmitt“ bekannt. Zwei weitere Mitstreiter von WikiLeaks werden in dem Buch „Inside WikiLeaks“ ausschließlich mit Pseudonymen genannt, der „Architekt“ und der „Techniker“. Diese beiden waren für die Technik der Website verantwortlich, während Julian und Daniel sich eher um die Inhalte kümmerten. Eine weitere Person bei WikiLeaks, die in der Öffentlichkeit nie erwähnt wurde, ist die Nanny. Sie ist eine alte Bekannte von Julian und wurde immer dann gerufen, wenn es Probleme gab, die Julian nicht selbst lösen wollte. Außer diesen Personen gab es noch einige weitere, die zum inneren Zirkel bei WikiLeaks gehörten, diese werden hier jedoch nicht aufgeführt, da sie erst später oder nur vorübergehend dazugehörten. Zusätzlich gab es noch viele Freiwillige, die zum Beispiel die Konten verwalteten oder kleinere Aufgaben übernahmen.


Inside WikiLeaks


Daniel Domscheit-Berg verfasste ein umfassendes Buch über die Entstehung von WikiLeaks und über die internen Abläufe einzelner Veröffentlichungen hinter den Kulissen. Es beginnt unter anderem mit der ersten Begegnung von Daniel und Julian auf dem 24. Chaos Communication Congress (ein Artikel über die Veranstaltung ist unter folgendem Link zu lesen
http://www.pcwelt.de/news/Volldampf-voraus-Der-24-Chaos-Communication-Congress-24C3-in-Berlin-221673.html, abgerufen am 29.11.2011) in Berlin 2007, nachdem sie sich zuvor im Chatroom von WikiLeaks virtuell getroffen hatten. Daniel ist fasziniert von Julian und übernimmt viele Programmiererarbeiten bei WikiLeaks.

Im Buch werden einige Veröffentlichungen von WikiLeaks beschrieben. Der erste Fall, bei dem Daniel involviert war, betrifft die Julius Bär Bank. WikiLeaks veröffentlicht im Januar 2008 geheime Daten, die verdeutlichen, dass die Bank Steuersünder unterstützt und sich zusätzlich selbst nicht ganz legal bereichert. Durch den anschließenden Gerichtsprozess und den von WikiLeaks veröffentlichten Mailverkehr zwischen WikiLeaks und den Anwälten der Bank wird die Website innerhalb kürzester Zeit bekannt.


Bei dieser Veröffentlichung unterläuft dem WikiLeaks-Team jedoch ein Fehler, denn bei einer als Steuersünder dargestellten Person stellt sich heraus, dass diese nicht einmal ein Konto bei der Bank hatte und es sich um eine Verwechslung mit einer anderen Person handelte, die den gleichen Namen trug. Es meldeten sich noch viele weitere bei WikiLeaks mit dem Anliegen, sie doch bitte von der Liste der Steuersünder zu streichen, da sie unschuldig seien, doch es gab bei keine Beweise für deren Unschuld.


Bei der nächsten großen Veröffentlichung bekamen Julian und Daniel Hilfe von der Netzaktivistengruppe „Anonymous“. Diese hatte ein großes Interesse daran, die Öffentlichkeit über Scientology aufzuklären beziehungsweise der Sekte zu schaden. Es gab ein breites Spektrum an durch WikiLeaks veröffentlichtem Material, das von den geheimen Büchern bis hin zu Auflistungen von Firmen, Dienstleistern etc. reichte, die Scientology unterstützen. Im Gegensatz zu Julius Bär kam nach dieser Veröffentlichung jedoch keine Klage, wodurch die große Öffentlichkeitswirksamkeit ausblieb.


Weiterhin wird in dem Buch der Umgang mit den Medien beschrieben, der nicht immer nach außen publiziert wurde. Es gab Zeitungen, die sich nicht an Abmachungen hielten, indem sie zum Beispiel nicht darauf hinwiesen, dass sie das Material für ihren veröffentlichten Artikel von WikiLeaks erhalten hatten. Die meisten jedoch veröffentlichten einen Anteil des erhaltenen Materials und verwiesen auf das vollständige Dokument auf der WikiLeaks-Website.


Den dadurch ansteigenden Bekanntheitsgrad bekamen Julian und Daniel beim 25. Chaos Communication Congress zu spüren. Anstatt in einem kleinen Kellerraum - wie beim ersten Mal - bekamen sie dieses Mal den Hauptsaal zugeteilt (der Inhalt des Vortrags ist unter folgendem Link zusammengefasst zu finden
http://events.ccc.de/congress/2008/Fahrplan/events/2916.en.html, abgerufen am 29.11.2011). Das Publikum sprengte förmlich den Raum.

In anderen Bereichen hingegen war das Feedback eher negativ. Nach Veröffentlichungen kamen oft Drohungen mit juristischen Maßnahmen. Die Antworttaktik war stets dieselbe. Zuerst wurde danach gefragt, ob die Betroffenen das Copyright an dem besagten Dokument hätten und danach wurde der gesamte Schriftverkehr veröffentlicht. WikiLeaks zog aus diesen Drohungen auch den Vorteil, eine Bestätigung für die Echtheit der Dokumente zu haben, wodurch die aufwendige Prüfung teilweise wegfiel. Bei einem Leak konnten sie sich allerdings sicher sein, dass keine Drohung kommen würde. Denn im Februar 2009 kam die einzige Veröffentlichung zu WikiLeaks selbst zustande, indem die Spenderliste von WikiLeaks online gestellt wurde.


Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit den Finanzen von WikiLeaks. Um diese war es nach spektakulären Veröffentlichungen immer gut bestellt, da zu dieser Zeit viele Spenden eingingen. Allerdings wurden die Konten des öfteren eingefroren, sei es wegen einem fehlenden Dokument oder einer Veröffentlichung über die Finanzdienstleister. Diese liefen meist über freiwillige Mitarbeiter, die sich nicht explizit für diesen Posten gemeldet hatten. Dieses Prinzip nutzte WikiLeaks in allen Bereichen, in denen Freiwillige involviert waren. Bei den Konten gab es jedoch auch eines, das über Julian lief. Laut Daniel wurde es leer geräumt, bevor es gesperrt wurde, allerdings wird nicht deutlich, ob Julian das Geld für eigene Zwecke verwendet hat.


Das nächste Kapitel von „Inside WikiLeaks“ befasst sich mit der Veröffentlichung der Internetfiltersysteme verschiedener Länder. In Australien führte dieser Leak zu verärgerten Politikern im Wahlkampf, und kurze Zeit später tauchte bei WikiLeaks ein Dokument auf, das sich von dem ursprünglich veröffentlichten Dokument genau in den Punkten unterschied, die von der Bevölkerung in Australien kritisiert wurden.


Das politische Geschehen in Island wurde ebenfalls durch eine Veröffentlichung von WikiLeaks über die Kaupthing Bank beeinflusst, die fragwürdige Kredite verteilt hatte, bevor sie insolvent ging. Einen Vortrag zu den daraus resultierenden Vorfällen in Island und den Zukunftsvisionen von WikiLeaks hielten Julian und Daniel beim 26. Chaos Communication Congress (Zusammenfassung des Vortrags zu finden unter
http://events.ccc.de/congress/2009/Fahrplan/events/3567.en.html, abgerufen am 29.11.2011).

Zuvor hatte WikiLeaks eine Zwangspause kurz vor Weihnachten eingelegt, da die Technik verbessert werden musste und die finanzielle Unterstützung nicht ausreichte. Als Julian und Daniel nach Island flogen, um ihre Idee von einem Medienfreihafen dort zu realisieren, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden. Während Julian mit anderen Mitstreitern in Island blieb, flog Daniel wieder nach Deutschland und lernte seine spätere Frau Anke kennen. Nun kümmerte er sich mehr um sein Privatleben, das er vorher vernachlässigt hatte. Er arbeitete noch weiterhin für WikiLeaks und versuchte, mit Julian per Chat zu kommunizieren, allerdings meistens ohne Erfolg.


In dieser Zeit kamen auch zwei Journalisten zu WikiLeaks, die das Videomaterial für das spätere „Collateral Murder-Video“ aufwerteten. Als Bradley Manning - ein „Intelligence Analyst“ - in den USA verhaftet wurde, weil er angeblich das Material für das Video an WikiLeaks weitergeleitet hatte, gab es einen Spendenaufruf von WikiLeaks, um ihm zu helfen. Doch laut Daniels Ausführungen kam dank Julian nie Geld von WikiLeaks bei Bradley an.


Als die Anklage gegen Julian kam, war Daniel gerade im Familienurlaub. Aus Julians Sicht war diese Anklage von den USA geplant worden, und die Vorwürfe nur eine Fassade, um die wahren Gründe zu verschleiern. Innerhalb WikiLeaks fing es in dieser Zeit schon an, Differenzen zu geben. Julian war erpicht darauf, die großen Leaks in den Fokus zu nehmen, wohingegen Daniel auch gern kleinere Leaks veröffentlicht hätte. Außerdem war die Technik von WikiLeaks schon wieder updatebedürftig.


Nach einem gescheiterten Versuch, Julian wachzurütteln, kam bald darauf die Suspendierung von Daniel via Chat. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, nicht loyal zu sein. Er arbeitete trotzdem weiter für WikiLeaks, wurde jedoch in seinem Handlungsspielraum eingeschränkt. Laut Julian soll es noch eine Anhörung vor einem ausgewählten Gremium geben. Diese wurde mehrmals verschoben, bis Daniel einen Server reparierte. Julian war außer sich und berief die Chatdiskussionsrunde am 14. September 2010 ein.


In diesem Chat beschuldigte er nicht nur Daniel als Saboteur, sondern auch ein anderes Mitglied namens Birgitta, die nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Julian der Meinung war, dass er sein Privatleben mit WikiLeaks verknüpfe und dies auch öffentlich gemacht habe. Nach diesem Chat löste sich das Kernteam von WikiLeaks auf, da Julian für einige zu weit gegangen war. Der Architekt und Daniel registrierten schon drei Tage später die Website OpenLeaks (zu sehen unter
http://www.openleaks.org/content/index.shtml), die als neue Whistleblower-Plattform fungieren und nicht wie WikiLeaks enden sollte. Auch einige andere WikiLeaks-Mitglieder stiegen aus, als Daniel ging.

Somit zeigt sein Buch zwar die Arbeit hinter den Kulissen von WikiLeaks, man erfährt, wie viele Leute wirklich daran beteiligt waren, doch wer nun außer Julian aktuell hinter dem Projekt steht, bleibt offen.


Chronologie


Dezember 2006: Erste Veröffentlichungen


November 2007: Veröffentlichung der Handbücher von Guantanamo Bay


Dezember 2007: Begegnung von Daniel Domscheidt- Berg mit Julian Assange auf dem 24. Chaos Communication Congress in Berlin


Januar 2008: Dokumente des Bankhauses Julius Bär werden veröffentlicht


Februar 2008: Klage von Julius Bär gegen WikiLeaks


März 2008: Veröffentlichung der „geheimen Bibeln“ von Scientology


Mai 2008: Veröffentlichung des 1. Handbuchs amerikanischer Bruderschaften


November 2008: Veröffentlichung des Berichts der „Oscar Foundation zu Auftragsmorden durch die kenianische Polizei“


Dezember 2008: Gemeinsamer Vortrag von Julian und Daniel beim 25. Chaos Communication Congress


Januar 2009: Daniel arbeitet Vollzeit für WikiLeaks und kündigt dafür seinen Job


Februar 2009: Veröffentlichung von Mail-Adressen der WikiLeaks-Spender


März 2009: Veröffentlichung der Unterstützer-Datenbank von US- Senator Coleman


Juni 2009: WikiLeaks erhält den Medienpreis von Amnesty International


Juli 2009: Veröffentlichung einer Schuldnerliste der isländischen Kaupthing Bank


Oktober 2009: Veröffentlichung einer zweiten Mitgliedsliste der British National Party


November 2009: Veröffentlichung der 9/11-Pager-Nachrichten


November 2009: Veröffentlichung der Toll-Collect-Verträge


November 2009: Idee vom Medienfreihafen


23. Dezember 2009: WikiLeaks geht offline


Dezember 2009: Gemeinsamer Vortrag von Julian und Daniel beim 26. Chaos Communication Congress


5. Januar 2010: Veröffentlichung des Collateral-Murder-Videos


Mai 2010: Verhaftung von Bradley Manning


Juli 2010: Veröffentlichung der Afghan War Diaries


August 2010: Veröffentlichung der Planungsberichte von der Loveparade in Duisburg


August 2010: Suspendierung von Daniel durch Julian


September 2010: Daniel und einige andere Mitstreiter von WikiLeaks verlassen die Plattform


September 2010: Registrierung von OpenLeaks


22. Oktober 2010: Veröffentlichung der Iraq War Logs


28. November 2010: Veröffentlichung von diplomatischen Depeschen (Cablegate)


1. Dezember 2010: Internationalen Haftbefehl gegen Julian


7. Dezember 2010: Verhaftung von Julian in London, nachdem er sich gestellt hat


14. Dezember 2010: Freilassung von Julian auf Kaution


30. Dezember 2010: Vorstellung von OpenLeaks durch Daniel beim 27. Chaos Communication Congress


April 2011: Veröffentlichung von Dateien aus dem Gefangenenlanger in Guantanamo (vgl.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ver%C3%B6ffentlichungen_von_WikiLeaks, abgerufen am 29.11.2011)

September/Oktober 2011: Petition für die Freilassung Bradley Mannings wird von rund 6000 US-Bürgern unterschrieben, doch das Weiße Haus spricht sich dagegen aus (vgl.
http://www.gulli.com/news/17536-manning-petition-keine-stellungnahme-von-weissen-haus-2011-11-19, abgerufen am 29.11.2011)

Oktober 2011: WikiLeaks will vorerst keine Veröffentlichungen mehr vornehmen und die Verbesserung der finanzielle Lage in den Vordergrund stellen (vgl.
http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:spenden-statt-enthuellung-wikileaks-setzt-betrieb-aus/60120167.html, abgerufen am 29.11.2011)

9. November 2011: Julian Assange legt erneut Berufung ein gegen seine Auslieferung nach Schweden (vgl.
http://www.gulli.com/news/17532-berufungsverfahren-assange-beauftragt-the-pirate-bay-anwalt-2011-11-18, abgerufen am 29.11.2011)

16. Dezember 2011: Voraussichtlicher Gerichtstermin für Bradley Manning (vgl.
http://winfuture.de/news,66735.html, abgerufen am 29.11.2011)


Derzeitiger Stand von WikiLeaks


In der Buchzusammenfassung und Chronologie sind nur die wichtigsten Aspekte und Veröffentlichungen aufgeführt. Der aktuelle Stand der Website ist hier nochmal zusammengefasst.


Julian Assange steht derzeit die Auslieferung nach Schweden bevor, die er nach wie vor zu verhindern versucht. Ihm wird sexuelle Gewalt an zwei Frauen vorgeworfen (vgl.
http://nachrichten.t-online.de/julian-assange-wikileaks-gruender-scheitert-im-kampf-gegen-auslieferung/id_51126004/index, abgerufen am 08.11.11).

Derzeit hat WikiLeaks die Veröffentlichungen eingestellt und bittet um Spenden für das wirtschaftliche Überleben der Website (vgl.
http://wikileaks.org/, abgerufen am 08.11.11). Am 1. Dezember 2011 soll auf einer Pressekonferenz die Sicherheit der Informanten von WikiLeaks im Fokus stehen. WikiLeaks will sein Verschlüsselungssystem verbessern, so dass zukünftige Informanten besser geschützt werden( vgl. http://www.focus.de/digital/internet/enthuellungsportal-wikileaks-will-informanten-besser-schuetzen_aid_688667.html, abgerufen am 29.11.2011).


Weitere interessante Artikel zu WikiLeaks


http://meedia.de/print/die-zehn-groessten-medien-irrtuemer-2011/2011/11/21.html


http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,800322,00.html


http://nachrichten.t-online.de/leck-bei-wikileaks-tschuess-wikileaks-guten-tag-transparenz/id_49448246/index


http://www.gulli.com/news/17573-wikileaks-kuendigt-neues-system-zum-einreichen-von-dokumenten-an-2011-11-26


Autorin: Laura

Konrad-Adenauer-Stiftung diskutiert über "Digitale (Un-)Kultur und Demokratie"

Anbei ein Link mit ein paar Stimmen zu diesen Sachverhalten, meiner Meinung nach, die auf den Informationen dieses Links basieren, sind die Positionen etwas grau.