Mittwoch, 13. Mai 2020

Corona und Digitalisierung - Versuch einer Zwischenbilanz

Dieser kollaborativ im Rahmen des coronabedingten Online-Semesters verfasste Text versucht, die bisher gesammelten Aspekte zum Themenkomplex "Corona und Digitalisierung" zusammenzufassen:
  • Corona offenbart Deutschlands digitale Probleme. Die Corona-Krise zeige, was alles in den vergangenen zehn Jahren verpasst wurde, in der Schule oder in der digitalen Verwaltung.
  • Nicht nur negative Aspekte, sondern auch viel Positives wird aus der Krise gezogen, die Menschen sind solidarischer, unterstützen sich gegenseitig, erstellen Webseiten und Apps, wo man Betroffenen seine Hilfe anbieten kann.
  • Aber auch unsere Umwelt profitiert in gewisser Weise von der Krise, da sie sich nun von all dem, was sie bislang ertragen musste, erholen kann (weniger Flug- und Schiffsverkehr, weniger Autos unterwegs etc.).
  • Es werden aber auch Probleme offenbart. Nicht alle sind solidarischer, oftmals geht es auch darum, wer stärker oder schneller ist. Ein gutes Beispiel hierfür sind Hamsterkäufe (auch online). Es wird in den sozialen Netzwerken über Toilettenpapierlieferungen informiert. Wer als erstes online ist, als erster vor Ort ist, profitiert davon. Solidarität steht erst an zweiter Steller. Und die unterschiedlich weit fortgeschrittene Digitalisierung fördert diese Ungleichheit weiter.
  • Die Digitalisierung wird durch die Pandemie zwar in Rekordgeschwindigkeit ausgebaut, aktuell finden in Betrieben Meetings online statt, Lehrer unterrichten ihre Schüler und Schülerinnen über das Internet, Arztpraxen haben digitale Sprechzimmer errichtet. Trotzdem sehen wir, dass Präsenzveranstaltungen ergiebiger und oftmals auch sinnvoller sind.
  • Vieles, was davor im „real life“ passiert ist, wird nun in die Online-Welt verlagert. “Fridays for Future” führt Streiks online weiter, viele Kirchen halten ihre Gottesdienste online ab, Konzerte wurden aus dem Wohnzimmer übertragen. Da der Wohnungsmarkt nie stillsteht, können auch Wohnungsbesichtigungen nun online durchgeführt werden. Auch Banken, Bauträger und andere Berufsfelder haben ihr Onlineangebot aufgrund der Krise stark ausgebaut.
  • Gerade auf dem Land, wo das schnelle Netz besonders gebraucht wird, hängen viele Gemeinden hinterher. Eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (Stand März 2020) fand heraus, dass nur jede fünfte Gemeinde überhaupt damit begonnen hat, die eigene Digitalstrategie umzusetzen, und weniger als 20 Prozent befinden sich in der Umsetzungsphase. Viele kleinere Kommunen fühlen sich mit dieser Mammutaufgabe allein gelassen. Sie beklagen große Schwierigkeiten bei der Beantragung der Mittel, der Prozess sei zu bürokratisch und zu aufwändig.
  • Gerade in dieser herausfordernden Zeit ist das Internet unabdingbar. Wer trotz der Krise noch miteinander kommunizieren möchte, benötigt elektronische Medien. Dies bringt aber nicht nur Vorteile, sondern auch sehr viele Probleme mit sich. Teilweise kann der Online-“Andrang” überhaupt nicht gestemmt werden und insbesondere bei älteren Menschen führen die digitalen Medien zu Überforderung.
  • Einige Teile der Bevölkerung lernen erst jetzt die digitale Welt kennen. Was die Videotelefonie betrifft, entdeckt die ältere Generation momentan Programme wie Skype oder FaceTime. Dadurch können wir trotz Einschränkungen mit unseren Großeltern / Eltern in Kontakt bleiben.
  • Hoffentlich ist die Krise bald überstanden. Es ist cool, die Möglichkeit zu haben, durch digitale Medien den Kontakt zu Familie und Freunden aufrechterhalten zu können. Auch die Möglichkeit, das Semester jetzt online durchführen zu können, ist eine riesige Erleichterung, wenn man bedenkt, was für Folgen die Krise ohne diese Möglichkeit hätte. Trotzdem fehlt es, in Vorlesungen zu diskutieren und im Sommer hinter der Mensa prokrastinieren zu können. Es fehlt der Alltag, der sich nunmal durch soziale Kontakte auszeichnet, und ich bin mir sicher, dass man sich auf Dauer auch nicht an die Isolation gewöhnen kann und digitale Medien diesen Aspekt des Lebens ablösen können.
  • Die Gesellschaft kann sich in einer radikalen Geschwindigkeit umgestalten und wird erfinderisch, wenn es darum geht, die eigenen Gewohnheiten zu digitalisieren. Ob der digitale Ersatz jedoch die alten Gewohnheiten ablöst, wird sich wohl erst nach der Krise zeigen.

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