Anlässlich des anstehenden Mitgliederentscheides in der FDP wurde von Lasse Becker (Bundesvorsitzender Junge Liberale) eine Diskussionsplattform eingerichtet. Verschiedene Web 2.0 Anwendungen werden hier verknüpft. Unter dem Namen "24h für Europa" wird über verschiedene Aspekte in der Eurofrage genau ein Tag lang diskutiert.
Ich wollte hier jetzt keine Parteipolitik betreiben. Es ging mir jetzt auch weniger um den Inhalt, als um den Prozess. Da wir letzte Woche insbesondere die deutschen Politiker und deren Auftritte kritisiert haben, wollte ich auf ein tendenziell positives Beispiel deutscher Webpolitik verweisen. Bis Donnerstag Abend (22.00 Uhr) kann die Debatte hier verfolgt und, falls gewollt, mitgemischt werden.
Mittwoch, 30. November 2011
24h für Europa
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Montag, 21. November 2011
Lernen 2.0, Wikis und Wikipedia
In den vergangenen zwei Sitzungen haben wir uns mit Lernen 2.0 beschäftigt. Ausgehend von der Pflichtlektüre - dem gleichnamigen Abschnitt aus dem Online-Lehrbuch zum Web 2.0 - hat die Referatsgruppe die Thematik zusammengefasst und anschließend die praktische Nutzung eines Wikis in den Mittelpunkt gestellt, das für die Sitzung extra aufgesetzt worden war.
Wikis sind die paradigmatische Software des Web 2.0. Sie erlauben es, Webseiten nicht nur zu lesen, sondern auch zu verändern. Damit stehen sie wie keine andere Anwendung für den Übergang vom Lese-Web (in der Rückschau: Web 1.0) zum Lese-/Schreibe-Web (= Web 2.0). Die Bezeichnung "Read/Write-Web" halten übrigens viele für geeigneter als den Begriff Web 2.0, wobei sich auch zunehmend andere Begriffe (Social Media, Social Web etc.) einbürgern.
Ausgehend von den praktischen Erfahrungen mit der Wiki-Nutzung haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie Wikis in der Schule eingesetzt werden können. Dabei spielten u.a. folgende Aspekte eine Rolle:
Eine mögliche Erklärung lehnt sich an die Argumentation von Clay Shirky an (Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations, Penguin 2008, S. 109-142). Für ihn ist jede erfolgreiche Web 2.0-Anwendung eine gelungene Mischung aus Software und Community. Die Software muss einfach sein, was bei Wikipedia der Fall ist, und die Community benötigt ein attraktives Ziel. Hier liegt die Stärke des Wikipedia-Projekts:
Das Projekt konnte auf dem impliziten Wissen aufbauen, das jede/r von einem Lexikon besitzt. Damit war ein klares Konzept vorhanden (und musste nicht erst mühsam erarbeitet werden oder sich langwierig entwickeln). Das ausgegebene Ziel war und ist in höchstem Maße attraktiv: Allen Menschen das gesamte Wissen der Menschheit kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dadurch hat eine (bis jetzt) ausreichend große Zahl an Menschen das Projekt zu ihrem eigenen gemacht. Diese Menschen LIEBEN Wikipedia und verteidigen die Online-Enzyklopädie aus Liebe zum Projekt.
Ob das für alle Zeiten eine funktionierende Basis bleiben wird, wissen wir nicht, bis jetzt aber hat es gereicht, um eines der faszinierendsten Projekte der Geschichte auf die Beine zu stellen...
Wikis sind die paradigmatische Software des Web 2.0. Sie erlauben es, Webseiten nicht nur zu lesen, sondern auch zu verändern. Damit stehen sie wie keine andere Anwendung für den Übergang vom Lese-Web (in der Rückschau: Web 1.0) zum Lese-/Schreibe-Web (= Web 2.0). Die Bezeichnung "Read/Write-Web" halten übrigens viele für geeigneter als den Begriff Web 2.0, wobei sich auch zunehmend andere Begriffe (Social Media, Social Web etc.) einbürgern.
Ausgehend von den praktischen Erfahrungen mit der Wiki-Nutzung haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie Wikis in der Schule eingesetzt werden können. Dabei spielten u.a. folgende Aspekte eine Rolle:
- Anregung zum Schreiben in einem Format, das im Berufsleben immer wichtiger wird
- Dokumentation des Lernfortschritts
- Wiederholung von Lerninhalten durch das Verfassen von Texten
- Reflexion der Lerninhalte
- Lernen, Inhalte zusammenzufassen
- Zusammenarbeit im Team, kollaboratives Lernen und Schreiben
- Lernen, für ein Publikum zu schreiben
- Beteiligung an Diskussionen im Web (Kommentar-Funktion)
- Erhöhung der Motivation, sich Wissen anzueignen, um kompetent für ein potenziell weltweites Publikum schreiben zu können
- Zusammenarbeit mit anderen Klassen, Gruppen, Schulen, Universitäten, NGOs...
- Anderes, intensiveres Lesen von Texten, weil die Texte verändert werden können
- Aussagen müssen belegt werden, d.h. es erfolgt gewissermaßen eine Rückbindung an herkömmlich veröffentlichte Informationen.
- Entscheidend ist der NPOV (Neutral Point of View), d.h. Artikel dürfen nicht einseitig sein (wie in jedem Lexikon).
- Artikel müssen relevant sein (dieser Aspekt ist sehr umstritten, es kommt regelmäßig zu Debatten zwischen "Inkludisten", die möglichst viel einbeziehen wollen, und "Exkludisten", die die Messlatte für Relevanz höher legen).
Eine mögliche Erklärung lehnt sich an die Argumentation von Clay Shirky an (Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations, Penguin 2008, S. 109-142). Für ihn ist jede erfolgreiche Web 2.0-Anwendung eine gelungene Mischung aus Software und Community. Die Software muss einfach sein, was bei Wikipedia der Fall ist, und die Community benötigt ein attraktives Ziel. Hier liegt die Stärke des Wikipedia-Projekts:
Das Projekt konnte auf dem impliziten Wissen aufbauen, das jede/r von einem Lexikon besitzt. Damit war ein klares Konzept vorhanden (und musste nicht erst mühsam erarbeitet werden oder sich langwierig entwickeln). Das ausgegebene Ziel war und ist in höchstem Maße attraktiv: Allen Menschen das gesamte Wissen der Menschheit kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dadurch hat eine (bis jetzt) ausreichend große Zahl an Menschen das Projekt zu ihrem eigenen gemacht. Diese Menschen LIEBEN Wikipedia und verteidigen die Online-Enzyklopädie aus Liebe zum Projekt.
Ob das für alle Zeiten eine funktionierende Basis bleiben wird, wissen wir nicht, bis jetzt aber hat es gereicht, um eines der faszinierendsten Projekte der Geschichte auf die Beine zu stellen...
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Mittwoch, 16. November 2011
Explosion des Wissens
Da wir uns in der kommenden Sitzung mit dem Thema Wikipedia bzw. dem Einsatz eines Wikis im Alltag beschäftigen, habe ich mal einen Spiegel-Artikel rausgekramt, der sich mit der Wissensexplosion in Deutschland beschäftigt und einen Vergleich mit England zieht. Gerade den Aspekt des Zugangs zum Wissen finde ich sehr interessant (Urheberrecht). Des Weiteren könnte man auch einen Vergleich zu China bemühen. Die Frage ist, ob Wikipedia auch in der Lage ist, eine ähnliche Revolution zu vollziehen, denn gerade die naturwissenschaftlichen Artikel sollen gemäß der Literatur einen hohen Grad an Verlässlichkeit besitzen. Diskussion erwünscht.
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Dienstag, 15. November 2011
Beiträge zum Lernen 2.0 an anderer Stelle
Mit Blick darauf, dass wir aktuell im Seminar über Lernen 2.0 diskutieren, wollte ich Ihnen nicht vorenthalten, dass Sie meine Beiträge zum Thema in der Regel auf dem Blog meiner Firma finden: Gesellschaft Agora - Lehren und Lernen im 21. Jahrhundert. Die einschlägigen Postings zu Lernen (2.0) finden Sie hier...
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Begriffsklärung: Lernen 2.0 und Medienkompetenz
In einem lesenswerten und hilfreichen Kommentar zum Posting "Medienkompetenz + Lernen 2.0" hat Rouven (vielen Dank hierfür!) eine Begriffsklärung versucht. Ich zitiere den Beitrag hier, um ihm mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Rouven hat geschrieben:
Also ich hab grad mal ein wenig quergelesen. Meine Antwort auf deine Frage wäre, dass die Übergänge fließend sind. Medienkompetenz ist der ältere Begriff und wurde eben nicht im Zuge der Web 2.0 Entwicklung geprägt. "Lernen 2.0" ist demnach die Weiterentwicklung, bei der die Beteiligung des Einzelnen auf die Wissensproduktion im und mit dem Internet explizit hervorgehoben wird.
Wikipedia sagt dazu: "Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen."
Bei Dieter Baacke (1998) heißt es: "... Menschen sind nicht nur technisch in der Lage, etwa ein Druckbild zu entziffern; sie können sich auch etwas 'dazu denken', und dies setzt wiederum Verstehensprozesse voraus. Genau dies meint Kompetenz: Es geht um mehr als nur die Fähigkeit, eine neue Technik (etwa den online-geschalteten Computer) handhaben zu können; verbunden ist diese technisch-praktische Fertigkeit mit dem Vermögen der Menschen, sich Gedanken über etwas zu machen, kritische Argumente zu formulieren, aber auch mit Hilfe von Lektüre Genußfähigkeit zu erlangen (etwa beim verstehenden Lesen eines lyrischen Gedichts."
Genau dieser Grundlage bedient sich das Lernen 2.0 und wird (bei Müller) duch folgenden Aspekt erweitert: "Ein anderes charakteristisches Element des Web 2.0 besteht in der Möglichkeit, Informationen mit anderen zu teilen. Das eröffnet Optionen für Lehren und Lernen ..."
Und damit erhalten wir: "Lernen heißt heutzutage, sich im Internet die aktuellen Informationen zu beschaffen, Wissen und Ideen mit anderen im Rahmen der sich herausbildenden, webgestützten sozialen Netzwerke zu teilen und zu diskutieren und selbst aktiv zu den in diesen Netzwerken verfügbaren Inhalten beizutragen."
Das entscheidende ist also der formale und inhaltliche Diskurs, in dessen Rahmen das Wissen weiterentwickelt wird. Streng genommen brauche ich also eine Medienkompetenz, um überhaupt an diesem Prozess teilnehmen zu können. Und dieser Aspekt (im Bezug auf Web 2.0) findet sich unter "Web Literacy" wieder:
"Lernen lehren muss also heute die Vermittlung von web literacy, die notwendig ist, um die vielfältigen Möglichkeiten des Web (2.0) voll ausschöpfen und nutzen zu können, als einen zentralen Pfeiler einschließen."
Genauer wird der Begriff bei re:publica definiert:
"Wir bezeichnen den kompetenten Umgang mit dem WWW als Hypermedium und kollaborativer Umgebung als “Web Literacy”. Web Literacy ist die Fähigkeit,
# 1. sich im Web auszudrücken;
# 2. Informationen im Web zu organisieren, sie zu beobachten und zu teilen, i.e. Informationsmanagement;
# 3. sich im Web mit anderen zu vernetzen und die eigene(n) Rolle(n) zu gestalten, i.e. Identitäts- und Netzwerkmanagement."
So würde es für mich zumindest Sinn machen.
Also ich hab grad mal ein wenig quergelesen. Meine Antwort auf deine Frage wäre, dass die Übergänge fließend sind. Medienkompetenz ist der ältere Begriff und wurde eben nicht im Zuge der Web 2.0 Entwicklung geprägt. "Lernen 2.0" ist demnach die Weiterentwicklung, bei der die Beteiligung des Einzelnen auf die Wissensproduktion im und mit dem Internet explizit hervorgehoben wird.
Wikipedia sagt dazu: "Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen."
Bei Dieter Baacke (1998) heißt es: "... Menschen sind nicht nur technisch in der Lage, etwa ein Druckbild zu entziffern; sie können sich auch etwas 'dazu denken', und dies setzt wiederum Verstehensprozesse voraus. Genau dies meint Kompetenz: Es geht um mehr als nur die Fähigkeit, eine neue Technik (etwa den online-geschalteten Computer) handhaben zu können; verbunden ist diese technisch-praktische Fertigkeit mit dem Vermögen der Menschen, sich Gedanken über etwas zu machen, kritische Argumente zu formulieren, aber auch mit Hilfe von Lektüre Genußfähigkeit zu erlangen (etwa beim verstehenden Lesen eines lyrischen Gedichts."
Genau dieser Grundlage bedient sich das Lernen 2.0 und wird (bei Müller) duch folgenden Aspekt erweitert: "Ein anderes charakteristisches Element des Web 2.0 besteht in der Möglichkeit, Informationen mit anderen zu teilen. Das eröffnet Optionen für Lehren und Lernen ..."
Und damit erhalten wir: "Lernen heißt heutzutage, sich im Internet die aktuellen Informationen zu beschaffen, Wissen und Ideen mit anderen im Rahmen der sich herausbildenden, webgestützten sozialen Netzwerke zu teilen und zu diskutieren und selbst aktiv zu den in diesen Netzwerken verfügbaren Inhalten beizutragen."
Das entscheidende ist also der formale und inhaltliche Diskurs, in dessen Rahmen das Wissen weiterentwickelt wird. Streng genommen brauche ich also eine Medienkompetenz, um überhaupt an diesem Prozess teilnehmen zu können. Und dieser Aspekt (im Bezug auf Web 2.0) findet sich unter "Web Literacy" wieder:
"Lernen lehren muss also heute die Vermittlung von web literacy, die notwendig ist, um die vielfältigen Möglichkeiten des Web (2.0) voll ausschöpfen und nutzen zu können, als einen zentralen Pfeiler einschließen."
Genauer wird der Begriff bei re:publica definiert:
"Wir bezeichnen den kompetenten Umgang mit dem WWW als Hypermedium und kollaborativer Umgebung als “Web Literacy”. Web Literacy ist die Fähigkeit,
# 1. sich im Web auszudrücken;
# 2. Informationen im Web zu organisieren, sie zu beobachten und zu teilen, i.e. Informationsmanagement;
# 3. sich im Web mit anderen zu vernetzen und die eigene(n) Rolle(n) zu gestalten, i.e. Identitäts- und Netzwerkmanagement."
So würde es für mich zumindest Sinn machen.
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Freitag, 11. November 2011
Medienkompetenz + Lernen 2.0
Mich lässt da etwas nicht los. Gestern in der Sitzung ging es in erster Linie um Lernen 2.0, die Möglichkeit durch einen Wiki Einsatz fand ich auf jeden Fall interessant und hat für mich durchaus einen Mehrwert. Doch trotzdem habe ich noch einige Fragezeichen. Wie sich einige vlt noch erinnern, habe ich in der Sitzung von Meldungen gesprochen die sich in einem Zeitraum von ca. 8 Wochen widersprechen.
Worauf möchte ich hinaus? Wie wir gestern im Vortrag gehört haben, sollte beim Lernen 2.0 eine Quellenbewertung durch den Akteur vollzogen werden können/müssen?!. Dies ordne ich aber in den Bereich der Medienkompetenz ein. Meine Verlinkungen sind auch aus der Sicht interessant, wenn es um politische Meinungsbildung geht. Doch zurück zum Lernen 2.0. Angenommen, es findet ein digitaler Workshop statt, bei dem sich ein Personenkreis zum Thema Lohnentwicklung zusammen findet. Dieser Workshop findet auf einer 2.0 Plattform statt und es werden die oben genannte Verlinkungen in die Crowd geworfen, dann bedarf es der, in meinen Augen, der gründlichen Analyse, diese Motivation muss/sollte vorhanden sein, da sich die Aussagen widersprechen, aber genau dafür ist Medienkompetenz gefragt! Anderes Beispiel. Im Geschichtsunterricht wird über die Waffentechnik und die Auswirkungen im 2. Weltkrieg eine Lerneinheit im 2.0 Stil gestaltet (ohne Moderatorenfunktion des Lehrers). Nun gelangt ein Schüler auf eine Seite, die auf die "Reichsflugscheiben" verweist. Diese Information wird von den anderen Schülern aufgenommen und nicht diskutiert oder widerlegt, da sie unglaublich und fantastisch ist. Nun steht am Ende dieser 2.0 Einheit die Tatsache, dass die Nationalsozialisten über diese Technologie verfügen und sich ins Neuschwabenland abgesetzt haben. Natürlich ist das ein worst case, aber sicherlich denkbar, bei der Fülle von Informationen im Netz.
Ich tue mir einfach schwer diese Begriffe zu trennen, um Aufklärung wäre ich dankbar. Des Weiteren habe ich noch einen Artikel zum Thema: Medienkompetenz
Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Themen Computersucht und in meinen Augen auch mit der Entwicklung von Jugendlichen. Ein must read!
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Donnerstag, 10. November 2011
Schultrojaner
Lesen-Informieren-Meinungen: LINK
Montag, 7. November 2011
Google+ Pages
Als Konkurrenzprodukt zu den Facebook Fanpages hat Google+ Produktmanager Vic Gundotra den Start der Google+ Pages verkündet. Wie das Ganze aussehen soll, lest ihr hier:
Link: http://t3n.de/news/google-pages-konkurrent-facebook-fanpages-da-341011/
Link: http://t3n.de/news/google-pages-konkurrent-facebook-fanpages-da-341011/
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Social Media und der Arbeitgeber
Anbei ein kleiner Artikel, den ich beim Stöbern gefunden habe. Der Artikel beschäftigt sich mit den Regeln, die verschiedene Arbeitgeber ihren Mitarbeitern für die Nutzung von sozialen Netzwerken auferlegen.
Hier findet ihr den Artikel.
Hier findet ihr den Artikel.
Mittwoch, 2. November 2011
Wikipedia und die Weisheit der Vielen
Nachdem wir in den letzten zwei Seminarsitzungen über die Erstellung von WIKIPEDIA-Einträgen sprachen, erinnerte ich mich an einen Artikel im SPIEGEL (19.01.2010) vom letzten Jahr. Darin beschreibt Mathieu von Rohr recht kritisch die Entstehung der deutschsprachigen WIKIPEDIA-Einträge. Dazu äußert er sich folgendermaßen:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,689588,00.html
"Die Wikipedia ist kein Projekt vieler, sondern ein Projekt weniger. Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass alle Nutzer gemeinsam und demokratisch zu ihr beitragen, dass sie ein Produkt von "Schwarm-Intelligenz" sei. Die deutsche Wikipedia hat mehrere hunderttausend angemeldete Nutzer. Aber nach einer Untersuchung des Frankfurter Soziologen Christian Stegbauer bearbeitet mehr als die Hälfte derer, die sich neu anmelden, kein einziges Mal einen Artikel. Ein halbes Prozent aller aktiv gewordenen Nutzer ist für fast zwei Drittel der Editierungen verantwortlich - ein Kreis von nicht einmal 2000 Personen.Hier wäre interessant herauszufinden, inwiefern der Autor mit der hier angegebenen minimalen Zahl an Verfassern von WIKIPEDIA-Artikeln richtig liegt und dies ggf. im Seminar zu diskutieren.
Wikipedia könnte nicht funktionieren ohne diesen harten Kern, die Wikipedianer. Es ist eine Community, die in den Hinterzimmern des Projekts lebt, in den Diskussionsseiten. Nur ein Zehntel bis ein Hunderstel der neuen Teilnehmer verirrt sich je dorthin."
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,689588,00.html
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Freitag, 28. Oktober 2011
Medienerziehung
Ein interessanter Artikel aus der CT 21/11 zum Thema: "Kinder, Internet & Pannen". Durch die Leserbriefe von Pädagogen hat der heise Verlag diesen Artikel in seiner kompletten Fassung freigegeben. Er darf in Bildungsanstalten vervielfältigt bzw weitergegeben werden.
Des Weiteren hat der Verfasser Thomas Feibel ein Buch geschrieben: Kindheit 2.0, So können Eltern Medienkompetenz vermitteln, Berlin 2009.
Link: http://www.heise.de/ct/artikel/Kinder-Internet-Pannen-1353631.html
Des Weiteren hat der Verfasser Thomas Feibel ein Buch geschrieben: Kindheit 2.0, So können Eltern Medienkompetenz vermitteln, Berlin 2009.
Link: http://www.heise.de/ct/artikel/Kinder-Internet-Pannen-1353631.html
Revolution Offline
Anbei ein Link zur Twitter- bzw. Facebook-Revolution. Die interessante Komponente dabei ist der Punkt, dass die Meinungsäußerung die Demonstranten sogar gefährden kann. Ich würde Euch des Weiteren empfehlen, sich die Bloggerszene in China mal anzuschauen bzw. die technischen Hürden seitens der Regierung bzw. die Maßnahmen zur Umgehung und die Strafen für Regimekritiker.
Link: Twitter-/Facebook-Revolution: http://www.zeit.de/2011/06/Internet/seite-1
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Mittwoch, 26. Oktober 2011
Fetisch Transparenz
In der aktuellen (Print-)Ausgabe des Spiegels (43/2011) gibt es einen interessanten Essay zum bereits angesprochenen Thema der Transparenz, angeregt durch das neue Feature "Timeline" bei Facebook.
Stefan Niggemeier diskutiert, ob eine Gesellschaft alleine durch Transparenz auch besser wird: Getreu dem Motto "eine transparente Welt ist eine gute Welt"! Seine These lautet aber: "Die Welt muss den Umgang mit mehr Offenheit erst noch lernen". In seinem Essay entfaltet er die Schwierigkeiten mit der Transparenz in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Viel Spaß beim Lesen.
Stefan Niggemeier diskutiert, ob eine Gesellschaft alleine durch Transparenz auch besser wird: Getreu dem Motto "eine transparente Welt ist eine gute Welt"! Seine These lautet aber: "Die Welt muss den Umgang mit mehr Offenheit erst noch lernen". In seinem Essay entfaltet er die Schwierigkeiten mit der Transparenz in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Viel Spaß beim Lesen.
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Sonntag, 23. Oktober 2011
Nachtrag zum Film "Homevideo" und zum Thema Cybermobbing
Der Film "Homevideo", der am vergangenen Mittwoch (19.10.11) von der ARD gezeigt wurde, hat das Thema Cybermobbing ziemlich weit oben auf die Agenda gespült. Anna hat in ihrem Posting ja bereits auf einen lesenswerten Zeitungsartikel hingewiesen. Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen sind gleich zwei Artikel erschienen:
ARD-Film "Homevideo": Es ist im Netz und jeder kann es dort sehen ...zum Artikel
Cybermobbing: Bring dich doch um, alle wären froh, wenn du tot wärst ...zum Artikel
Am Ende des zweiten Artikel gibt die FAZ Hinweise, woher man Hilfe bekommen kann:
Außerdem - darauf haben wir schon mehrfach in diesem Blog hingewiesen - gibt es natürlich die sehr hilfreiche Website www.klicksafe.de, die auch für das Thema Cybermobbing Informationen und Broschüren bereitstellt.
ARD-Film "Homevideo": Es ist im Netz und jeder kann es dort sehen ...zum Artikel
Cybermobbing: Bring dich doch um, alle wären froh, wenn du tot wärst ...zum Artikel
Am Ende des zweiten Artikel gibt die FAZ Hinweise, woher man Hilfe bekommen kann:
"Das Bundesministerium für Familie hat unter www.bmfsfj.de/cybermobbing eine Informationsseite für Jugendliche, Eltern und Lehrer eingerichtet. Bei der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen kann man das Fachbuch „Cyber-Mobbing – Medienkompetenz trifft Gewaltprävention“ bestellen (www.ljs-materialien.de). Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft bietet auf www.gew.de eine PDF-Broschüre zum Thema Cyber-Mobbing an, die sich insbesondere auch an betroffene Lehrer wendet."
Außerdem - darauf haben wir schon mehrfach in diesem Blog hingewiesen - gibt es natürlich die sehr hilfreiche Website www.klicksafe.de, die auch für das Thema Cybermobbing Informationen und Broschüren bereitstellt.
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Samstag, 22. Oktober 2011
Neue Literatur zum Thema Privatsphäre
Datenschutz und Privatsphäre zählen wie das (an dieser Stelle bereits häufig thematisierte) Urheberrecht zu den Materien, für die sich durch die Digitalisierung im allgemeinen und das Web 2.0 im besonderen die Rahmenbedingungen in einem Maß geändert haben, dass es nicht mehr reicht, bestehende Regelungen zu modifizieren, gefragt sind vielmehr neue und neuartige Instrumente.
Dass die Diskussion hierzu begonnen hat, ist zu begrüßen, allerdings herrscht allerorten eine gewisse Hysterie vor, die das Neue einseitig als Bedrohung wahrnimmt und in der Regel etwas alarmistisch daherkommt. Beispielhaft dafür seien folgende jüngere Publikationen zum Thema Privatsphäre aufgeführt:
Juli Zeh/Ilija Trojanow (2009), Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte (Blick ins Buch bei Amazon).
Anne-Cathrine Simon/Thomas Simon (2008), Ausgespäht und abgespeichert: Warum uns die totale Kontrolle droht und was wir dagegen tun können (Blick ins Buch bei Amazon).
Constanze Kurz/Frank Rieger (2011), Die Datenfresser: Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen (Blick ins Buch bei Amazon).
Sascha Adamek (2011), Die facebook-Falle: Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft (Blick ins Buch bei Amazon).
Eine Zwischenposition (mit nur noch gelegentlich alarmistischem Unterton) nimmt das folgende Buch ein:
Peter Schaar (2007), Das Ende der Privatsphäre. Der Weg in die Überwachungsgesellschaft, Bertelsmann: München (Blick ins Buch bei Amazon).
Dem Datenschutzbeauftragten Schaar ist wichtig, die BürgerInnen selbst aufzuklären und zum sachgemäßeren Umgang mit ihren Daten im Alltag anzuregen. Nicht nur Staat und große Internetkonzerne sind anzuklagen, sondern: “Gefahren drohen der Privatsphäre gleich von mehreren Seiten: Technologische Entwicklungen, wirtschaftliche Interessen, staatliche Kontrollen und auch die zunehmende Bereitschaft vieler Menschen, ihre eigene Privatsphäre nicht mehr ernst zu nehmen, gehen Hand in Hand“ (S. 11).
Und nun kommen wir zum eigentlichen Anlass dieses Postings, dem neuen Buch zum Thema Privatsphäre, das sich durch Sachlichkeit und "analytische Schärfe" (FAZ) wohltuend vom Mainstream abhebt:
Maximilian Hotter (2011), Privatsphäre. Der Wandel eines liberalen Rechts im Zeitalter des Internets, Campus: Frankfurt/Main (Blick ins Buch bei Amazon).
Hotter gibt uns einen prägnanten Überblick über die rund 200-jährige Geschichte des vom englischen privacy abgeleiteten Konzepts der Privatsphäre. Laut Hotter wurde das right to privacy 1890 von den amerikanischen Juristen Samuel Warren und Louis Brandeis erstmals definiert als right to be let alone. Es finden sich aber schon deutliche Vorläufer bei den Klassikern der liberalen politischen Philosophie von Hobbes über Locke bis Montesquieu und vor allem John Stuart Mill. Den Beginn der modernen wissenschaftlichen Behandlung der Thematik sieht der Autor im Jahr 1967 mit Alan Westins Standardwerk „Privacy and Freedom“. In der Conclusio zu seiner lesenswerten Abhandlung führt Hotter aus:
“Seit vor 200 Jahren das Recht auf Privatsphäre ins Leben gerufen wurde, haben sich wesentliche gesellschaftliche und technische Veränderungen ergeben, die diesen ursprünglich liberalen Anspruch in einem neuen Licht erscheinen lassen. Während die Funktion der Privatsphäre als Garant für ein autonomes Leben unverändert bleibt, hat sich ihr Mechanismus gewandelt. In der Netzwerkgesellschaft, die alle Individuen über Telekommunikation miteinander in Verbindung bringt und in der Kommunikationsdaten auf unbestimmte Zeit gespeichert werden können, wird aus dem ‚Recht, in Ruhe gelassen zu werden’ das ‚Recht, den Zugriff auf eigene personenbezogene digitale Daten durch Dritte einzuschränken’“ (S. 206).
Das Dilemma für jeden Einzelnen wird im folgenden Zitat deutlich:
“Die Erosion der Privatsphäre basiert jedoch nicht ausschließlich auf ihrer freiwilligen Aufgabe durch die subjektiv legitimierten Rechtsträger. Zum einen hat der technologische Fortschritt eine Situation herbeigeführt, in der der Verzicht auf die Nutzung moderner Kommunikationstechnologie einem Ausstieg aus dem sozialen Leben gleichkommt, so dass in Wahrheit jedes Individuum zur (teilweisen) Aufgabe seiner Privatsphäre gezwungen ist“ (S. 207).
Dass die Diskussion hierzu begonnen hat, ist zu begrüßen, allerdings herrscht allerorten eine gewisse Hysterie vor, die das Neue einseitig als Bedrohung wahrnimmt und in der Regel etwas alarmistisch daherkommt. Beispielhaft dafür seien folgende jüngere Publikationen zum Thema Privatsphäre aufgeführt:
Juli Zeh/Ilija Trojanow (2009), Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte (Blick ins Buch bei Amazon).
Anne-Cathrine Simon/Thomas Simon (2008), Ausgespäht und abgespeichert: Warum uns die totale Kontrolle droht und was wir dagegen tun können (Blick ins Buch bei Amazon).
Constanze Kurz/Frank Rieger (2011), Die Datenfresser: Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen (Blick ins Buch bei Amazon).
Sascha Adamek (2011), Die facebook-Falle: Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft (Blick ins Buch bei Amazon).
Eine Zwischenposition (mit nur noch gelegentlich alarmistischem Unterton) nimmt das folgende Buch ein:
Peter Schaar (2007), Das Ende der Privatsphäre. Der Weg in die Überwachungsgesellschaft, Bertelsmann: München (Blick ins Buch bei Amazon).
Dem Datenschutzbeauftragten Schaar ist wichtig, die BürgerInnen selbst aufzuklären und zum sachgemäßeren Umgang mit ihren Daten im Alltag anzuregen. Nicht nur Staat und große Internetkonzerne sind anzuklagen, sondern: “Gefahren drohen der Privatsphäre gleich von mehreren Seiten: Technologische Entwicklungen, wirtschaftliche Interessen, staatliche Kontrollen und auch die zunehmende Bereitschaft vieler Menschen, ihre eigene Privatsphäre nicht mehr ernst zu nehmen, gehen Hand in Hand“ (S. 11).
Und nun kommen wir zum eigentlichen Anlass dieses Postings, dem neuen Buch zum Thema Privatsphäre, das sich durch Sachlichkeit und "analytische Schärfe" (FAZ) wohltuend vom Mainstream abhebt:
Maximilian Hotter (2011), Privatsphäre. Der Wandel eines liberalen Rechts im Zeitalter des Internets, Campus: Frankfurt/Main (Blick ins Buch bei Amazon).
Hotter gibt uns einen prägnanten Überblick über die rund 200-jährige Geschichte des vom englischen privacy abgeleiteten Konzepts der Privatsphäre. Laut Hotter wurde das right to privacy 1890 von den amerikanischen Juristen Samuel Warren und Louis Brandeis erstmals definiert als right to be let alone. Es finden sich aber schon deutliche Vorläufer bei den Klassikern der liberalen politischen Philosophie von Hobbes über Locke bis Montesquieu und vor allem John Stuart Mill. Den Beginn der modernen wissenschaftlichen Behandlung der Thematik sieht der Autor im Jahr 1967 mit Alan Westins Standardwerk „Privacy and Freedom“. In der Conclusio zu seiner lesenswerten Abhandlung führt Hotter aus:
“Seit vor 200 Jahren das Recht auf Privatsphäre ins Leben gerufen wurde, haben sich wesentliche gesellschaftliche und technische Veränderungen ergeben, die diesen ursprünglich liberalen Anspruch in einem neuen Licht erscheinen lassen. Während die Funktion der Privatsphäre als Garant für ein autonomes Leben unverändert bleibt, hat sich ihr Mechanismus gewandelt. In der Netzwerkgesellschaft, die alle Individuen über Telekommunikation miteinander in Verbindung bringt und in der Kommunikationsdaten auf unbestimmte Zeit gespeichert werden können, wird aus dem ‚Recht, in Ruhe gelassen zu werden’ das ‚Recht, den Zugriff auf eigene personenbezogene digitale Daten durch Dritte einzuschränken’“ (S. 206).
Das Dilemma für jeden Einzelnen wird im folgenden Zitat deutlich:
“Die Erosion der Privatsphäre basiert jedoch nicht ausschließlich auf ihrer freiwilligen Aufgabe durch die subjektiv legitimierten Rechtsträger. Zum einen hat der technologische Fortschritt eine Situation herbeigeführt, in der der Verzicht auf die Nutzung moderner Kommunikationstechnologie einem Ausstieg aus dem sozialen Leben gleichkommt, so dass in Wahrheit jedes Individuum zur (teilweisen) Aufgabe seiner Privatsphäre gezwungen ist“ (S. 207).
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Donnerstag, 20. Oktober 2011
Cybermobbing "Homevideo"
Gestern Abend wurde in der ARD ein interessanter und bewegender Film "Homevideo" zum Thema Cybermobbing gezeigt. Diesen Film kann man online in der Videothek der ARD ansehen. (Aufgrund der Altersbegrenzung jedoch nur zu bestimmten Uhrzeiten). Im Anschluss an den Film diskutierte Anne Will die Gefahren und die möglichen Folgen von Cybermobbing in ihrer Sendung. Nachdem wir in unserem Seminar gemeinsam den Film "Netzangriff" angeschaut haben, halte ich "Homevideo" für eine gute Ergänzung bzw. Vertiefung zum Thema. Interessant wäre sicherlich, sich Gedanken zu machen, welcher Film sich besser für den Unterricht eignet. Zudem findet man einen interessanten Artikel über den gestrigen FilmMittwoch in der ARD im Hamburger Abendblatt.
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Sonntag, 16. Oktober 2011
Kurze Texte zum Thema "Web 2.0 und politische Bildung"
Auch wenn zunehmend deutlich wird, dass der Themenkomplex Web 2.0 (nun endlich) von den Akteuren der politischen Bildung in Deutschland aufgegriffen wird, sind entsprechende Texte nach wie vor dünn gesät. Der heutige herrliche Herbsttag hat mir die Gelegenheit eröffnet, ein paar kürzere Texte zur Kenntnis zu nehmen, die sich in den letzten Wochen (und wohl auch Monaten - time flies) angesammelt haben. Ein Teil davon eignet sich als Einführung in die Thematik:
Rede von Thomas Krüger (BpB) vom 10.09.2010 zum Thema "Politische Bildung 2.0" - der vollständige Text steht auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung.
Ein Aufsatz von Jöran Muuß-Mehrholz mit dem schönen Titel "Shift happens - Was Web 2.0 für Gesellschaft und Bildung bedeutet" (erschienen in Praxis Politische Bildung 2/2010 und auf der Website des Autors im Volltext einzusehen). Der Autor spricht mir aus der Seele, wenn er ausführt, dass die politische Bildung in Deutschland die Schattenseiten des Web (2.0) in den Mittelpunkt rückt und darüber (nicht selten) vergisst, dass es auch noch andere Aspekte gibt:
Eher enttäuscht war ich von dem aktuellen Aufsatz von Jöran Muuß-Merholz mit dem vielversprechenden Titel "Web 2.0 in der politischen Bildung - Lernformate zwischen Bildungsstätte und Internet", den er für die aktuelle Ausgabe der AdB-Zeitschrift "Außerschulische Bildung" (2/2011) beigesteuert hat (verfügbar als pdf). Hier werden Web 2.0-Tools verschiedenen Bildungsformaten zugeordnet, ohne dass damit ein Erkenntnisgewinn oder praktische Hilfestellungen verbunden wären.
Zwischenzeitlich ist auch meine Rezension zum Online-Lehrbuch Web 2.0 in der Zeitschrift "Politik unterrichten" (1/2011) erschienen:
Ragnar Müller: Web 2.0 für die politische Bildung
Rede von Thomas Krüger (BpB) vom 10.09.2010 zum Thema "Politische Bildung 2.0" - der vollständige Text steht auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung.
Ein Aufsatz von Jöran Muuß-Mehrholz mit dem schönen Titel "Shift happens - Was Web 2.0 für Gesellschaft und Bildung bedeutet" (erschienen in Praxis Politische Bildung 2/2010 und auf der Website des Autors im Volltext einzusehen). Der Autor spricht mir aus der Seele, wenn er ausführt, dass die politische Bildung in Deutschland die Schattenseiten des Web (2.0) in den Mittelpunkt rückt und darüber (nicht selten) vergisst, dass es auch noch andere Aspekte gibt:
"Überspitzt gesagt: Nazis, Pornos, Terroristen, Datendiebstahl und Raubkopien sind der (politischen) Bildung zurzeit wichtiger als die Potentiale, die das Internet in Sachen Transparenz, Meinungsvielfalt, Partizipation und bürgerschaftliches Engagement bietet. So unbestritten wichtig der aufklärerische und erzieherische Ansatz ist, so läuft politische Bildung doch Gefahr, als affirmativ, bewahrpädagogisch und kulturpessimistisch wahrgenommen zu werden, wenn sie sich zu sehr auf diese Aspekte konzentriert."Ein weiterer Aufsatz von Jöran Muuß-Merholz: "Das Ende der Institutionen, wie wir sie kannten... Das Internet als Partizipationsraum einer vernetzten Gesellschaft (erschienen in Erwachsenenbildung 4/2010 und ebenfalls auf der Website des Autors im Volltext einzusehen).
Eher enttäuscht war ich von dem aktuellen Aufsatz von Jöran Muuß-Merholz mit dem vielversprechenden Titel "Web 2.0 in der politischen Bildung - Lernformate zwischen Bildungsstätte und Internet", den er für die aktuelle Ausgabe der AdB-Zeitschrift "Außerschulische Bildung" (2/2011) beigesteuert hat (verfügbar als pdf). Hier werden Web 2.0-Tools verschiedenen Bildungsformaten zugeordnet, ohne dass damit ein Erkenntnisgewinn oder praktische Hilfestellungen verbunden wären.
Zwischenzeitlich ist auch meine Rezension zum Online-Lehrbuch Web 2.0 in der Zeitschrift "Politik unterrichten" (1/2011) erschienen:
Ragnar Müller: Web 2.0 für die politische Bildung
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Gefahren im Internet: CYBER-GROOMING
Heutzutage ist das Kommunikationsmedium Internet im Alltag nicht mehr wegzudenken. Das gilt vor allem für junge Menschen, die mit diesem Medium aufwachsen. Dies spiegelt sich beispielsweise in dem vermehrten Gebrauch von Chatrooms wider (vgl. Ratgeber SCHAU HIN!, S.3). Gemäß der KIM-Studie 2010 nutzen 49 Prozent der Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren mehrmals wöchentlich das Internet. 26 Prozent der befragten Kinder geben an, dass sie das Internet täglich nutzen. Die Mehrheit der Kinder verwendet das Internet ohne Begleitung eines Erwachsenen. Hierbei verbreiten sie auch persönliche Informationen und Daten wie Hobbies, E-Mail-Adresse oder Fotos. Welche Konsequenzen aus diesem Verhalten resultieren, ist den wenigsten Kindern bewusst.
Eine Besonderheit des Internet ist die Anonymität. Sie ermöglicht insbesondere schüchternen Kindern und Jugendlichen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und damit die Identität zu ändern, um sich als jemand anderes auszugeben. Dies gelingt mit wenigen Klicks. Die Kinder und Jugendlichen können hiermit interessante Erfahrungen sammeln, und es fällt ihnen leichter, Kontakt zu fremden Menschen aufzubauen (vgl. von Weiler 2011, S.15). Gleichzeitig kann aus der Anonymität Gefahr resultieren. Dies spiegelt sich in der leichten Beschaffung von persönlichen Angaben und Fotos wider. Insbesondere Kinder und Jugendliche bilden potentielle Opfer für pädophil geneigte Personen. Einige Kinder und Jugendliche lassen sich aufgrund des Anreizes in Form von Anerkennung oder schönen Komplimenten auf intime Konversationen ein. Den wenigsten Eltern scheint bewusst zu sein, dass sich ihre Kinder mit fremden Personen sexuell austauschen und welche Gefahren hieraus entstehen können (vgl. von Weiler 2011, S.16f).
Sexualisierte Gewalt im Internet
Die im Internet anzutreffende sexualisierte Gewalt kann unterschiedlich ausgelegt werden. Allgemein handelt es sich um die ungewollte Konfrontation mit sexuellen Äußerungen sowie um den Austausch von pornographischen Dateien bis hin zum Treffen mit drastischen Folgen (vgl. von Weiler 2011, S.59). Von Weiler kategorisiert die im Netz anzutreffende sexualisierte Gewalt in die drei folgenden Komponenten:
„1. Konfrontation mit fremdem pornographischen Material,
2.Verbreitung von pornographischen Bildern und Filmen, in denen die Kinder und Jugendlichen selbst zu sehen sind,
3. Cyber-Grooming, also die gezielte Anmache durch Erwachsene mit sexueller Absicht“ (von Weiler 2011, S.60).
Nach einem kurzen Annäherungsgespräch kommt es häufig zu einer sexuellen Belästigung. Belästigungen erfolgen meist im Privatdialog im Chat oder Messenger. Hier werden vor allem Instant Messenger aufgrund der nicht vorhandenen Kontrollen bevorzugt. Die wenigsten Instant Messenger bieten Beschwerdemöglichkeiten an. Dies verhindert unangenehme Dialoge. Ferner sind Webcam-Übertragungen möglich, die gerne von den Tätern benutzt werden, um die Kinder und Jugendlichen aufzufordern, sexuelle Handlungen an sich selbst oder anderen auszuführen. Je nach Angebot des Betreibers eines Chats oder Instant Messenger versenden die Belästiger pornographisches Material und Links an die Kinder und Jugendlichen (vgl. Chatten ohne Risiko?, S.9f).
Spezialfall Cyber-Grooming
Der Begriff Grooming wurde bereits 1995 von dem niederländischen Tätertherapeut Ruud Bullens aufgegriffen und wie folgt definiert: „Grooming bezieht sich […] auf die Planungsphase des sexuellen Missbrauchs“ (Bullens 1995, S.55). Hierbei definiert Bullens Grooming nicht im Zusammenhang mit dem Internet. Grooming nimmt durch das Internet neue Dimensionen an und ändert sich in den Begriff Cyber-Grooming. Unter Cyber-Grooming wird „[…] die systematische Belästigung von Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen im Internet“ verstanden. „Sie erschleichen sich in Online-Chats das Vertrauen junger Internetbenutzer – nicht selten mit der Absicht, sich auch im wahren Leben mit ihnen zu treffen und zu missbrauchen“ (http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2009/safer_internet_programm.pdf).
Cyber-Grooming kann in unterschiedlichen Ausmaßen erfolgen: „Es kommt entweder zu einem tatsächlichen Treffen mit körperlichem Missbrauch, zur Veröffentlichung von Fotos im Netz oder anderswo, unter Umständen auch zum Handel oder Tausch der Fotos“ (von Weiler 2011, S.17). Cyber-Grooming findet rund um die Uhr statt. Am häufigsten aber, wenn sich die meisten Kinder und Jugendlichen am Rechner befinden: am Nachmittag bis zum frühen Abend (vgl. von Weiler 2011, S.64). Cyber-Grooming wird nicht nur von Männern vollzogen (vgl. von Weiler 2011, S.16).
Besonders (Kinder-/Jugend-)Chatrooms werden von pädophil geneigten Personen zur Kontaktaufnahme bevorzugt. Hier können diese, speziell in nicht moderierten Privatdialogen, leicht mit potenziellen Opfern in Kontakt treten. Zu Beginn erhalten diverse Chatter eine Nachricht. Letztendlich kommt es zu einer engeren Kontaktaufnahme mit denjenigen, die darauf antworten. Anschließend kommt es zum regelmäßigen Austausch von Kurznachrichten, bis eine Vertrauensbasis geschaffen wird. Die nächste Ebene ist die Bekanntgabe von der privaten E-Mail-Adresse bis hin zur Telefonnummer. Auch ein Wechsel zu einem nicht überwachten Instant Messenger oder Unterhaltungen über Skype werden vorgeschlagen (vgl. von Weiler 2011, S.64).
Cyber-Grooming – Die Masche
Um eine engere Beziehung aufzubauen, sind die meisten Täter bereit, über einen längeren Zeitraum ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Opfer herzustellen. Die Täter benutzen besondere Muster, um das Opfer für sich zu gewinnen. Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen: Entweder werden die Kinder und Jugendlichen mit Komplimenten überhäuft, in ihrer Identität sowie in ihrem Wesen gestärkt oder erhalten durch die Täter ihre benötigte Geborgenheit. Somit werden die Sehnsüchte der Opfer befriedigt, indem ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wird (vgl. von Weiler 2011, S.65). Die Täter nehmen häufig eine bestimmte Identität an, um ihrem Opfer zu imponieren. Folgende Charaktere werden beim Cyber-Grooming bevorzugt vorgetäuscht (vgl. von Weiler 2011, S.66f.):
Der verständnisvolle ältere Freund: In dieser Rolle nutzt der Täter den Alltagsstress der pubertierenden Kinder und Jugendlichen aus und versucht ihnen mit Verständnis sowie Rat zur Seite zu stehen. Sobald sich diese ihrem Gegenüber anvertraut haben, geben die Opfer auch Auskünfte über ihr Privatleben preis. Es werden Fotos versendet und die Opfer sind auch bereit, sich mit dem Täter zu treffen.
Die gute Freundin: Dieser Charakter täuscht Mädchen vor, im gleichen Alter und mit denselben Problemen konfrontiert zu sein. Es entwickelt sich eine scheinbare Freundschaft, in der persönliche Erlebnisse miteinander geteilt werden. Nach geraumer Zeit täuscht das unechte Mädchen seinem Opfer vor, dass ein Bekannter oder Verwandter sich für sie interessiert und sie gerne treffen würde. Folglich kommt es zu einer Verabredung, da man der besten Freundin vertraut.
Selbstverständlich gibt es noch weitere Rollen, in die Täter schlüpfen bzw. weitere Strategien, die verwendet werden, um das Gegenüber für sich zu gewinnen und das Ziel zu erreichen. Bei Verabredungen wählen die Täter einen für Kinder und Jugendliche reizvollen Ort.
Die Absicht des Täter ist es, „[…] das Kind in eine sexuelle Beziehung hineinzuziehen, es darin festzuhalten und gleichzeitig zu verhindern, dass es darüber mit anderen spricht. Manchmal erreicht der Täter diese Mitwirkung mittels Drohungen und Einschüchterungen“ (Bullens 1995, S.56).
Zahlen und Fakten
Insbesondere Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren werden Opfer einer Grooming-Falle (vgl. http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2009/safer_internet_programm.pdf). Die JIM-Studie 2010 bestätigt ebenso, dass sich 26 Prozent der befragten Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren mit Personen aus dem Internet treffen.
Eine 2005 von Dr. Catarina Katzer durchgeführte Studie mit 1.700 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 10 und 19 Jahren zum Thema „Chatverhalten“ zeigt unter anderem folgende Ergebnisse: 38,2 Prozent der Befragten wurden ungewollt sexuell angesprochen. Außerdem gaben 25,9 Prozent an, dass sie unaufgefordert nach ihrem körperlichen Aussehen gefragt wurden. 26,3 Prozent der Chatter wurden ungewollt nach eigenen sexuellen Erfahrungen gefragt. Des Weiteren bekamen 24 Prozent unaufgefordert von sexuellen Erfahrungen anderer erzählt, 11 Prozent erhalten unaufgefordert Fotos nackter Personen und 4,6 Prozent erhielten sogar Pornofilme. Auffallend ist, dass 8,3 Prozent der Chatter zu sexuellen Handlungen vor der Webcam aufgefordert wurden.
Ferner stellt die Studie dar, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen sexueller Viktimisierung dies als unangenehm empfinden, einige sind wütend, andere u.a. frustriert und sogar verängstigt. Außerdem gaben lediglich 8 Prozent der Betroffenen an, einem Elternteil oder Erwachsenen über die vorgefallenen Ereignisse berichtet zu haben (vgl. http://www.chatgewalt.de/Sexuelle Gewalt im Netz.html).
Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, warum sich die wenigsten Kinder und Jugendlichen, die Opfer einer sexuellen Belästigung sind, ihren Eltern oder einem Erwachsenen anvertrauen. Gründe hierfür können beispielsweise Schuldgefühle oder Scham sein. Viele Opfer suchen die Schuld bei sich und glauben, selbst für das Geschehene verantwortlich zu sein. Andere wiederum können sich nicht überwinden, über sexuelle Themen zu sprechen, besonders wenn es sich um eine negative Erfahrung handelt (vgl. von Weiler 2011, S.107). Folglich ist den meisten Eltern nicht bewusst, dass ihr Kind Opfer einer sexuellen Belästigung wurde.
Der EU-Kommission sind die Gefahren des Internet bewusst. Daher stellt sie für den Zeitraum 2009 bis 2013 für das Projekt „Mehr Sicherheit im Internet“ ein Budget von 55 Millionen Euro bereit, um Cyberbullying und Cyber-Grooming zu bekämpfen und ein sicheres Online-Umfeld zu fördern.
Fazit und Ausblick
Festzuhalten ist, dass das Thema Cyber-Grooming ein aktuelles Problem ist und zunehmend thematisiert wird. Jedoch ist diese „neue“ Internetgefahr noch nicht ausreichend in der Fachliteratur untersucht worden. Zusätzlich erschweren unterschiedliche sowie abweichende Definitionen eine einheitliche Betrachtung von Cyber-Grooming. Ein möglicher Grund ist, dass die wenigsten Grooming-Fälle der Polizei bekannt sind und aufgrund der vorhandenden Anonymität im Internet Grooming-Täter kaum zu fassen sind.
Um Cyber-Grooming zu vermindern, müssen sowohl Kinder und Jugendliche als auch Eltern über eine fundierte Medienkompetenz verfügen. Dies könnte im Rahmen von schulischem Unterricht oder Aufklärungsarbeit der Schule erfolgen. Die Kinder und Jugendlichen sollen mit dem Medium Internet verantwortungsvoller umgehen und alles, was sich im Internet abspielt, kritisch hinterfragen. Zudem ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche eine Vertrauensperson haben, um sich bei unangenehmen Vorfällen an diese zu wenden (vgl. Kerger 2009, S.6).
Ferner sollten die Eltern auf dem aktuellen Stand der Nutzung von Kommunikationsmedien wie dem Internet sein. Außerdem sollte ein reges Interesse der Eltern an dem Internetverhalten ihrer Kinder bestehen, um möglichen unangenehmen Situationen vorzubeugen.
Katharina Kuen
Literatur und Internetquellen
Bullens, Ruud (1995), Der Grooming-Prozess – oder das Planen des Missbrauchs; in: Marquardt-Mau, B. [Hrsg.]: Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung. Grundlagen, Rahmenbedingungen, Bausteine und Modelle; Juventa Verlag: Weinheim, München; S. 55f.
Kerger, Carmen (2009), Pädosexuelle im Netz; in: AJS-Forum; 33. Jahrgang; Ausgabe 1/2009; S. 6 [http://www.ajs.nrw.de/images/pdf/forum/2009-1.pdf].
Von Weiler, Julia (2011), Im Netz. Tatort Internet - Kinder vor sexueller Gewalt schützen. Kreuz-Verlag: Freiburg.
http://schau-hin.info/fileadmin/content/pdf/downloadcenter/Ratgeber_Persoenliche_Daten/index.html
http://mpfs.de/index.php?id=200
http://www.jugendschutz.net/pdf/chatten_ohne_Risiko.pdf
http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2009/safer_internet_programm.pdf
http://www.chatgewalt.de/Sexuelle Gewalt im Netz.html
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/08/310&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en
Eine Besonderheit des Internet ist die Anonymität. Sie ermöglicht insbesondere schüchternen Kindern und Jugendlichen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und damit die Identität zu ändern, um sich als jemand anderes auszugeben. Dies gelingt mit wenigen Klicks. Die Kinder und Jugendlichen können hiermit interessante Erfahrungen sammeln, und es fällt ihnen leichter, Kontakt zu fremden Menschen aufzubauen (vgl. von Weiler 2011, S.15). Gleichzeitig kann aus der Anonymität Gefahr resultieren. Dies spiegelt sich in der leichten Beschaffung von persönlichen Angaben und Fotos wider. Insbesondere Kinder und Jugendliche bilden potentielle Opfer für pädophil geneigte Personen. Einige Kinder und Jugendliche lassen sich aufgrund des Anreizes in Form von Anerkennung oder schönen Komplimenten auf intime Konversationen ein. Den wenigsten Eltern scheint bewusst zu sein, dass sich ihre Kinder mit fremden Personen sexuell austauschen und welche Gefahren hieraus entstehen können (vgl. von Weiler 2011, S.16f).
Sexualisierte Gewalt im Internet
Die im Internet anzutreffende sexualisierte Gewalt kann unterschiedlich ausgelegt werden. Allgemein handelt es sich um die ungewollte Konfrontation mit sexuellen Äußerungen sowie um den Austausch von pornographischen Dateien bis hin zum Treffen mit drastischen Folgen (vgl. von Weiler 2011, S.59). Von Weiler kategorisiert die im Netz anzutreffende sexualisierte Gewalt in die drei folgenden Komponenten:
„1. Konfrontation mit fremdem pornographischen Material,
2.Verbreitung von pornographischen Bildern und Filmen, in denen die Kinder und Jugendlichen selbst zu sehen sind,
3. Cyber-Grooming, also die gezielte Anmache durch Erwachsene mit sexueller Absicht“ (von Weiler 2011, S.60).
Nach einem kurzen Annäherungsgespräch kommt es häufig zu einer sexuellen Belästigung. Belästigungen erfolgen meist im Privatdialog im Chat oder Messenger. Hier werden vor allem Instant Messenger aufgrund der nicht vorhandenen Kontrollen bevorzugt. Die wenigsten Instant Messenger bieten Beschwerdemöglichkeiten an. Dies verhindert unangenehme Dialoge. Ferner sind Webcam-Übertragungen möglich, die gerne von den Tätern benutzt werden, um die Kinder und Jugendlichen aufzufordern, sexuelle Handlungen an sich selbst oder anderen auszuführen. Je nach Angebot des Betreibers eines Chats oder Instant Messenger versenden die Belästiger pornographisches Material und Links an die Kinder und Jugendlichen (vgl. Chatten ohne Risiko?, S.9f).
Spezialfall Cyber-Grooming
Der Begriff Grooming wurde bereits 1995 von dem niederländischen Tätertherapeut Ruud Bullens aufgegriffen und wie folgt definiert: „Grooming bezieht sich […] auf die Planungsphase des sexuellen Missbrauchs“ (Bullens 1995, S.55). Hierbei definiert Bullens Grooming nicht im Zusammenhang mit dem Internet. Grooming nimmt durch das Internet neue Dimensionen an und ändert sich in den Begriff Cyber-Grooming. Unter Cyber-Grooming wird „[…] die systematische Belästigung von Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen im Internet“ verstanden. „Sie erschleichen sich in Online-Chats das Vertrauen junger Internetbenutzer – nicht selten mit der Absicht, sich auch im wahren Leben mit ihnen zu treffen und zu missbrauchen“ (http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2009/safer_internet_programm.pdf).
Cyber-Grooming kann in unterschiedlichen Ausmaßen erfolgen: „Es kommt entweder zu einem tatsächlichen Treffen mit körperlichem Missbrauch, zur Veröffentlichung von Fotos im Netz oder anderswo, unter Umständen auch zum Handel oder Tausch der Fotos“ (von Weiler 2011, S.17). Cyber-Grooming findet rund um die Uhr statt. Am häufigsten aber, wenn sich die meisten Kinder und Jugendlichen am Rechner befinden: am Nachmittag bis zum frühen Abend (vgl. von Weiler 2011, S.64). Cyber-Grooming wird nicht nur von Männern vollzogen (vgl. von Weiler 2011, S.16).
Besonders (Kinder-/Jugend-)Chatrooms werden von pädophil geneigten Personen zur Kontaktaufnahme bevorzugt. Hier können diese, speziell in nicht moderierten Privatdialogen, leicht mit potenziellen Opfern in Kontakt treten. Zu Beginn erhalten diverse Chatter eine Nachricht. Letztendlich kommt es zu einer engeren Kontaktaufnahme mit denjenigen, die darauf antworten. Anschließend kommt es zum regelmäßigen Austausch von Kurznachrichten, bis eine Vertrauensbasis geschaffen wird. Die nächste Ebene ist die Bekanntgabe von der privaten E-Mail-Adresse bis hin zur Telefonnummer. Auch ein Wechsel zu einem nicht überwachten Instant Messenger oder Unterhaltungen über Skype werden vorgeschlagen (vgl. von Weiler 2011, S.64).
Cyber-Grooming – Die Masche
Um eine engere Beziehung aufzubauen, sind die meisten Täter bereit, über einen längeren Zeitraum ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Opfer herzustellen. Die Täter benutzen besondere Muster, um das Opfer für sich zu gewinnen. Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen: Entweder werden die Kinder und Jugendlichen mit Komplimenten überhäuft, in ihrer Identität sowie in ihrem Wesen gestärkt oder erhalten durch die Täter ihre benötigte Geborgenheit. Somit werden die Sehnsüchte der Opfer befriedigt, indem ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wird (vgl. von Weiler 2011, S.65). Die Täter nehmen häufig eine bestimmte Identität an, um ihrem Opfer zu imponieren. Folgende Charaktere werden beim Cyber-Grooming bevorzugt vorgetäuscht (vgl. von Weiler 2011, S.66f.):
Der verständnisvolle ältere Freund: In dieser Rolle nutzt der Täter den Alltagsstress der pubertierenden Kinder und Jugendlichen aus und versucht ihnen mit Verständnis sowie Rat zur Seite zu stehen. Sobald sich diese ihrem Gegenüber anvertraut haben, geben die Opfer auch Auskünfte über ihr Privatleben preis. Es werden Fotos versendet und die Opfer sind auch bereit, sich mit dem Täter zu treffen.
Die gute Freundin: Dieser Charakter täuscht Mädchen vor, im gleichen Alter und mit denselben Problemen konfrontiert zu sein. Es entwickelt sich eine scheinbare Freundschaft, in der persönliche Erlebnisse miteinander geteilt werden. Nach geraumer Zeit täuscht das unechte Mädchen seinem Opfer vor, dass ein Bekannter oder Verwandter sich für sie interessiert und sie gerne treffen würde. Folglich kommt es zu einer Verabredung, da man der besten Freundin vertraut.
Selbstverständlich gibt es noch weitere Rollen, in die Täter schlüpfen bzw. weitere Strategien, die verwendet werden, um das Gegenüber für sich zu gewinnen und das Ziel zu erreichen. Bei Verabredungen wählen die Täter einen für Kinder und Jugendliche reizvollen Ort.
Die Absicht des Täter ist es, „[…] das Kind in eine sexuelle Beziehung hineinzuziehen, es darin festzuhalten und gleichzeitig zu verhindern, dass es darüber mit anderen spricht. Manchmal erreicht der Täter diese Mitwirkung mittels Drohungen und Einschüchterungen“ (Bullens 1995, S.56).
Zahlen und Fakten
Insbesondere Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren werden Opfer einer Grooming-Falle (vgl. http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2009/safer_internet_programm.pdf). Die JIM-Studie 2010 bestätigt ebenso, dass sich 26 Prozent der befragten Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren mit Personen aus dem Internet treffen.
Eine 2005 von Dr. Catarina Katzer durchgeführte Studie mit 1.700 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 10 und 19 Jahren zum Thema „Chatverhalten“ zeigt unter anderem folgende Ergebnisse: 38,2 Prozent der Befragten wurden ungewollt sexuell angesprochen. Außerdem gaben 25,9 Prozent an, dass sie unaufgefordert nach ihrem körperlichen Aussehen gefragt wurden. 26,3 Prozent der Chatter wurden ungewollt nach eigenen sexuellen Erfahrungen gefragt. Des Weiteren bekamen 24 Prozent unaufgefordert von sexuellen Erfahrungen anderer erzählt, 11 Prozent erhalten unaufgefordert Fotos nackter Personen und 4,6 Prozent erhielten sogar Pornofilme. Auffallend ist, dass 8,3 Prozent der Chatter zu sexuellen Handlungen vor der Webcam aufgefordert wurden.
Ferner stellt die Studie dar, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen sexueller Viktimisierung dies als unangenehm empfinden, einige sind wütend, andere u.a. frustriert und sogar verängstigt. Außerdem gaben lediglich 8 Prozent der Betroffenen an, einem Elternteil oder Erwachsenen über die vorgefallenen Ereignisse berichtet zu haben (vgl. http://www.chatgewalt.de/Sexuelle Gewalt im Netz.html).
Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, warum sich die wenigsten Kinder und Jugendlichen, die Opfer einer sexuellen Belästigung sind, ihren Eltern oder einem Erwachsenen anvertrauen. Gründe hierfür können beispielsweise Schuldgefühle oder Scham sein. Viele Opfer suchen die Schuld bei sich und glauben, selbst für das Geschehene verantwortlich zu sein. Andere wiederum können sich nicht überwinden, über sexuelle Themen zu sprechen, besonders wenn es sich um eine negative Erfahrung handelt (vgl. von Weiler 2011, S.107). Folglich ist den meisten Eltern nicht bewusst, dass ihr Kind Opfer einer sexuellen Belästigung wurde.
Der EU-Kommission sind die Gefahren des Internet bewusst. Daher stellt sie für den Zeitraum 2009 bis 2013 für das Projekt „Mehr Sicherheit im Internet“ ein Budget von 55 Millionen Euro bereit, um Cyberbullying und Cyber-Grooming zu bekämpfen und ein sicheres Online-Umfeld zu fördern.
Fazit und Ausblick
Festzuhalten ist, dass das Thema Cyber-Grooming ein aktuelles Problem ist und zunehmend thematisiert wird. Jedoch ist diese „neue“ Internetgefahr noch nicht ausreichend in der Fachliteratur untersucht worden. Zusätzlich erschweren unterschiedliche sowie abweichende Definitionen eine einheitliche Betrachtung von Cyber-Grooming. Ein möglicher Grund ist, dass die wenigsten Grooming-Fälle der Polizei bekannt sind und aufgrund der vorhandenden Anonymität im Internet Grooming-Täter kaum zu fassen sind.
Um Cyber-Grooming zu vermindern, müssen sowohl Kinder und Jugendliche als auch Eltern über eine fundierte Medienkompetenz verfügen. Dies könnte im Rahmen von schulischem Unterricht oder Aufklärungsarbeit der Schule erfolgen. Die Kinder und Jugendlichen sollen mit dem Medium Internet verantwortungsvoller umgehen und alles, was sich im Internet abspielt, kritisch hinterfragen. Zudem ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche eine Vertrauensperson haben, um sich bei unangenehmen Vorfällen an diese zu wenden (vgl. Kerger 2009, S.6).
Ferner sollten die Eltern auf dem aktuellen Stand der Nutzung von Kommunikationsmedien wie dem Internet sein. Außerdem sollte ein reges Interesse der Eltern an dem Internetverhalten ihrer Kinder bestehen, um möglichen unangenehmen Situationen vorzubeugen.
Katharina Kuen
Literatur und Internetquellen
Bullens, Ruud (1995), Der Grooming-Prozess – oder das Planen des Missbrauchs; in: Marquardt-Mau, B. [Hrsg.]: Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung. Grundlagen, Rahmenbedingungen, Bausteine und Modelle; Juventa Verlag: Weinheim, München; S. 55f.
Kerger, Carmen (2009), Pädosexuelle im Netz; in: AJS-Forum; 33. Jahrgang; Ausgabe 1/2009; S. 6 [http://www.ajs.nrw.de/images/pdf/forum/2009-1.pdf].
Von Weiler, Julia (2011), Im Netz. Tatort Internet - Kinder vor sexueller Gewalt schützen. Kreuz-Verlag: Freiburg.
http://schau-hin.info/fileadmin/content/pdf/downloadcenter/Ratgeber_Persoenliche_Daten/index.html
http://mpfs.de/index.php?id=200
http://www.jugendschutz.net/pdf/chatten_ohne_Risiko.pdf
http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2009/safer_internet_programm.pdf
http://www.chatgewalt.de/Sexuelle Gewalt im Netz.html
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/08/310&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en
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Seminararbeiten
Montag, 3. Oktober 2011
Praxistipps: Fotos veröffentlichen
An dieser Stelle haben wir uns unter der Überschrift "Gefahren des Web (2.0)" schon mehrfach mit dem Thema Urheberrecht auseinandergesetzt (z.B. hier und hier). Dazu zählt natürlich auch das Recht der Fotografin an ihrem Bild. Will man Fotos in Blogs oder auf der Schulhomepage veröffentlichen, ist allerdings noch weitaus mehr zu berücksichtigen, nämlich das Recht am eigenen Bild der auf dem Foto abgebildeten Person(en).
Diese Thematik ist auch deshalb bedeutsam, weil vielen Fällen von Cybermobbing (so auch in dem im Rahmen dieses Blogs analysierten Film Netzangriff) die Veröffentlichung von Fotos anderer Personen zugrundeliegt.
Der #pb21-Blog widmet dem Thema zwei Postings, die zusammengefasst und praxisnah die Rechtslage darlegen und anhand von Beispielfotos verdeutlichen, wann man ein Foto veröffentlichen darf und wann nicht:
1) Das Recht am eigenen Bild, Teil I: Die Theorie ...mehr
2) Das Recht am eigenen Bild, Teil II: Die Graustufen der Praxis ...mehr
In diesem Fall ist es denkbar einfach: Fotografiert habe ich selber und Personen sind keine zu sehen - ergo: Das Foto darf veröffentlicht werden...
Diese Thematik ist auch deshalb bedeutsam, weil vielen Fällen von Cybermobbing (so auch in dem im Rahmen dieses Blogs analysierten Film Netzangriff) die Veröffentlichung von Fotos anderer Personen zugrundeliegt.
Der #pb21-Blog widmet dem Thema zwei Postings, die zusammengefasst und praxisnah die Rechtslage darlegen und anhand von Beispielfotos verdeutlichen, wann man ein Foto veröffentlichen darf und wann nicht:
1) Das Recht am eigenen Bild, Teil I: Die Theorie ...mehr
2) Das Recht am eigenen Bild, Teil II: Die Graustufen der Praxis ...mehr
In diesem Fall ist es denkbar einfach: Fotografiert habe ich selber und Personen sind keine zu sehen - ergo: Das Foto darf veröffentlicht werden...
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Freitag, 30. September 2011
Web 2.0 im Unterricht
„Wer heute über Internet und Gesellschaft schreibt, läuft Gefahr, schon morgen von neuen Entwicklungen überholt worden zu sein“ (Düx 2000, S.93). Durch die unglaublich hohe Geschwindigkeit der Entwicklungen gestaltet es sich schwierig, diese wissenschaftlich fundiert evaluieren zu können.
Tools des Web 2.0
Die Möglichkeiten, das Web 2.0 (ausführliche Erläuterung des Begriffs findet man im D@dalos Online-Lehrbuch zum Web 2.0) in den Schulalltag zu integrieren, könnten kaum vielfältiger sein. Das Web 2.0 will dem Anspruch gerecht werden, etwas Passendes für die unterschiedlichen Altersstufen der Schülerinnen und Schüler, die Ansprüche der einzelnen Fächer und unter anderem auch für die verschiedenen Lehrertypen und Charaktere bereitzuhalten. Im Laufe meiner Recherche haben sich folgende Werkzeuge als besonders gut geeignet herausgestellt: Weblogs, Wikis, RSS, Social Bookmarks, Podcast (Audio/Video-Casting), Twitter und soziale Netzwerkseiten. Da es ansonsten den Rahmen dieses Blogeintrags sprengen würde, gehe ich im Folgenden nur auf einige konkrete Umsetzungsbeispiele für den Unterricht ein.Lehrer müssen Lerner sein, um ihren Schülerinnen und Schülern einen effektiven und zeitgemäßen Unterricht zu bieten. In den folgenden Abschnitten dieses Postings sollen unterschiedliche Art und Weisen vorgestellt werden, um die Tools des Web 2.0 in die Schule zu integrieren.
Die Notwendigkeit, sich Computerkenntnisse anzueignen und sich den aktuellen Entwicklungen anzupassen, wird anerkannt, doch eine vollständige Integration in das gesamte Curriculum findet nur selten volle Unterstützung. Nur eine Lehrperson, die selbst Erfahrungen im Umgang mit modernen Medien hat, kann diese an ihre Schülerinnen und Schüler weitergeben. Die Kluft zwischen Befürwortern des Einsatzes moderner Medien im Unterricht und Gegnern kann sich eventuell dadurch verringern, dass man sich intensiver mit den Möglichkeiten der neuen Lehr- und Lernformen, die durch das Web 2.0 geprägt werden, auseinandersetzt.
Durch Initiativen wie diese, ist die Integration von Medien und anderen neuen Technologien in das Bildungssystem immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Die Integration von Medien ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, für die sich hochrangige Politiker engagieren und die auf viel positive Zustimmung in der Bevölkerung stößt. Eine beachtliche Anzahl von Schulen „(...) haben sich auf den Weg der ‚Datenautobahn’ begeben, ihre Lehrpläne umgestaltet und beim technologiegestützten Lehren und Lernen Fortschritte gemacht“ (Hannafin 2006, S.19).
Leider haben diesen elementaren Wandel bei weitem noch nicht alle Akteure des Bildungssystems begriffen und sind daher nicht bereit, die Vielfalt der neuen Medien in ihre Lehr- und Lernprozesse zu integrieren. Die Initiative „Schulen ans Netz“, 1996 ins Leben gerufen (vgl. Westram 2000, S.9), beschreibt sich selbst als einen innovativen Impulsgeber für den kompetenten Umgang mit unserer medial geprägten Gesellschaft (vgl. http://www.schulen-ans-netz.de/) und hat das ehrgeizige Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Schulen und modernen Medien zu verbessern.
Diese Entwicklung ist jedoch im Bereich von Bildung und Erziehung noch nicht fest verankert. Deutsche Schulen bedienen sich bisher zu selten systematisch dieser neuen Werkzeugen – die Einbettung in unser Bildungssystem gestaltet sich als ein zäher und langwieriger Prozess. „Dennoch wird langsam deutlich, dass immer mehr Lehrer, Schulbehörden, Eltern und Schüler begreifen, wie sehr sich Lernprozesse durch die Möglichkeiten des Webs verändern.“ (Richardson 2011, S.9). Der adäquate Einsatz von digitalen Medien im Unterricht ist unverzichtbar. Der bereits etwas abgegriffene Leitsatz, dass Lehrende ihre Lerner dort abholen müssen, wo sie sind, hat auch heute noch seine Berechtigung.
Sicher ist jedoch, dass sich das Internet innerhalb der letzten 20 Jahre in weiten Teilen unseres alltäglichen Lebens etabliert hat und somit die Gewohnheiten der – nicht nur - westlichen Welt erheblich beeinflusst und verändert. „Die Tragweite dieser Veränderungen wird daran deutlich, dass die Bedeutung der Veränderungen durch das Internet in einem Atemzug mit der Erfindung des Buchdrucks genannt wird“ (Shell Deutschland Holding 2010, S.101). Laut der aktuellen Shell Studie haben 96% der Schülerinnen und Schüler in Deutschland einen regelmäßigen Zugriff zum Internet (vgl. Shell Deutschland Holding 2010, S.102). Diese Zahl belegt, dass die junge Generation mit einer zunehmenden Selbstverständlichkeit mit modernen Medien aufwächst (vgl. Nerger 2011, S. 13). Es gilt als unumstritten, dass die modernen Medien und Online-Werkzeuge heutzutage feste Bestandteile ihres Alltags sind.
Tools des Web 2.0
Weblogs: Weblogs sind heutzutage im Unterrichtsalltag schon weit verbreitet. Sie sind leicht zu erstellen, können problemlos aktualisiert werden, und es kann kontrolliert werden, wer auf den Blog zugreifen kann. Zudem haben Blogs einen interaktiven Charakter und laden dadurch die User zur aktiven Mitarbeit ein. Ein interessantes und bereits etabliertes Beispiel ist das Blog von Maik Riecken.
Unser Kurs an der PH Ludwigsburg, der die Basis für diesen Artikel bildet, ermöglichte uns Kurseilnehmern die Chance, dass wir uns selbst mit der Gestaltung eines Blogs auseinandersetzen. Das Blog ist im Laufe des vergangenen Semesters nach und nach gewachsen und enthält in der Zwischenzeit einige Informationen zu unseren Seminarthemen. Laut eigener Aussage war es für einige meiner Kommilitonen eine neue Erfahrung, mit diesem Tool zu arbeiten.
In der Schule sind unterschiedliche Formen des Blogs vorstellbar. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern kann die Lehrkraft zum Beispiel ein Klassenportal einrichten. Diese Plattform kann dazu dienen, Lehr- und Unterrichtspläne zu veröffentlichen, Unterrichtsmaterialien auch online bereitzustellen, um ein hohes Maß von Transparenz für die Eltern zu gewährleisten und um die Kommunikation unter den Kollegen zu erleichtern. Diese Form des Blogs lässt viele Freiheiten zu und kann ganz unterschiedlich genützt und gestaltet werden. So erkennt man bei dem Klassenportal „Pantherblog“ deutlich den individuellen Stil der Beteiligten.
Das Online-Archiv hat einen ähnlichen Charakter wie das Klassenportal. Sein Schwerpunkt liegt jedoch noch mehr auf dem Austausch und der Bereitstellung von Arbeitsmaterialien. Die von den Schülerinnen und Schülern bearbeiteten Aufgaben stehen somit ständig zur Verfügung. Hausaufgaben können im Archiv hochgeladen werden, Arbeitsblätter können ausgetauscht und bearbeitet werden. Lehrer, Eltern, Klassenkameraden, Freunde und Mentoren können auf das Archiv zugreifen und sich einen Überblick über bisher Gelerntes verschaffen.
Blogs leben davon, dass sie aktuell und einfach zu bearbeiten sind. Diese beiden Eigenschaften gelten leider für viele Schulhomepages nicht. Oft sind sie weder aktuell noch übersichtlich. Interessierte Eltern und Schüler finden online in vielen Fällen nur unzureichende Informationen über die einzelnen Schulen. Viele Schulhomepages sind aufwendig und teuer in der Verwaltung. Eine wesentlich unkompliziertere Alternative ist es, eine Schulhomepage (Homepage des Ulricianum Gymnasiums in Aurich) mit Hilfe eines Blogs zu erstellen.
Eine weitere Möglichkeit, moderne Medien in den Schulalltag einzubetten, bieten Wikis. Der Mitbegründer von Wikipedia, Jimmy Wales, beschrieb die Intention von Wikipedia mit den Worten: „Stell dir eine Welt vor, in der jeder Mensch auf der Erde freien Zugang zum gesamten menschlichen Wissen hat. Wir sind dabei, sie zu schaffen.“ Als Wikis bezeichnet man gemeinschaftlich nutzbaren Webspace, in dem Inhalte veröffentlicht und bearbeitet werden können. Für die Verwendung in der Schule gibt es die Möglichkeit, die Wikis durch Passwörter zu schützen, um dadurch den Zugriff auf die Inhalte zu kontrollieren. Einen ersten Eindruck von einem für die Schule geeigneten Wiki kann man auf den Seiten der mathematischen Rundgänge gewinnen.
Bei RSS (Really Simple Syndication) geht es um Feeds, die Internetuser kostenlos abonnieren können. Sie halten Blogleser durch eine Art Nachrichtenticker auf dem Laufenden und bieten eine unkomplizierte Möglichkeit, stets up to date zu bleiben.Für Schülerinnen und Schüler gilt der Podcast wohl als attraktivstes Medium. Podcasts sind aus dem Alltag vieler Internetuser nicht mehr wegzudenken. Sie sind informativ, unterhaltsam, aktuell und in vielen Fällen ist ihr Download kostenlos. Als ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Umsetzung in der Schule sehe ich das Lipdup Video des technischen Gymnasiums in Sindelfingen an. Auf diese Produktion wird in einem anderen Posting dieses Blogs schon näher eingegangen.
Die genannten Anwendungen und Möglichkeiten, Web 2.0 Tools in den Unterricht zu integrieren, basieren zu weiten Teilen auf der Lektüre von Will Richardson „Wikis, Blogs und Postcasts. Neue und nützliche Werkzeuge für den Unterricht.“ (Amazon, e-book).
Das Potential des Web 2.0, die Lehr- und Lernprozesse der heutigen Generation nicht nur grundlegend zu prägen, sondern sie auch elementar zu verändern, darf nicht unterschätzt werden. Es liegt in der Hand der Lehrenden, die Schülerinnen und Schüler auf eine Zukunft vorzubereiten, in der vernetzte Lernräume mit Sicherheit eine wichtige Rolle spielen werden.
Literatur:
Düx, Sascha: Internet, Gesellschaft und Pädagogik. Computernetze als Herausforderung für Jugendarbeit und Schule in Theorie und Praxis, Ko-Päd-Verlag, 2000.
Hannafin, Michael J., Hawkins, Charles H.: Computer, Internet, Multimedia – Potential für Schule und Unterricht, Verlag Bertelsmann Stiftung, 2006.
Nerger, Uwe: Mac education. Digitale Medien im Unterricht mit iLife, iWork, iTunes und Apple Technologie. Projektanleitungen für alle, die von den i-Programmen am Mac profitieren wollen, Mandl & Schwarz-Verlag, 2011.
Richardson, Will: Wikis, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werkzeuge für den Unterricht. TibiaPress, 2011.
Shell Deutschland Holding (Hrsg.): Jugend 2010. Eine pragmatische Generation behauptet sich, Bundeszentrale für politische Bildung, 2010.
Westram, Hiltrud: Internet in der Schule, Leske + Budrich Verlag, 2000.
Montag, 19. September 2011
Politik 2.0 als Mittel gegen Politikverdrossenheit?
In diesem Posting geht es zunächst darum, den Begriff „Politik 2.0“ näher zu bestimmen. Vor allem aber sollen Möglichkeiten und Chancen aufgezeigt werden, die Web 2.0-Tools für Politik und Politiker bieten.
Um das „2.0“ beim Begriff Politik 2.0 zu erklären, ist es wichtig, auf den Begriff Web 2.0 (sehr) kurz einzugehen: „Der Begriff Web 2.0 bezieht sich […] primär auf eine veränderte Nutzung und Wahrnehmung des Internets. Die Benutzer erstellen, bearbeiten und verteilen Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selbst, unterstützt von interaktiven Anwendungen [somit hat sich die Rolle des Nutzers verändert]. Die Inhalte werden nicht mehr nur zentralisiert von großen Medienunternehmen […] verbreitet, sondern auch von einer Vielzahl von Nutzern, die sich zusätzlich mit Hilfe sozialer Software untereinander vernetzen“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0#Bedeutung]. Eine ausführlichere Begriffsbestimmung findet sich im Rahmen des D@dalos Online-Lehrbuchs zum Web 2.0 im Abschnitt „Was ist das Web 2.0?".
Doch was ist es, was die Übertragung solcher veränderter Nutzung des Internets auf die Politik attraktiv erscheinen lässt? Als Einstieg in diese Frage soll der folgende Abschnitt dienen.
Politikverdrossenheit in Deutschland
In den letzten Jahren ist vermehrt eine politische Verdrossenheit der BürgerInnen zu beobachten. Iris Huth stellt Gründe für diese Verdrossenheit in ihrem Buch „Politische Verdrossenheit – Erscheinungen und Ursachen als Herausforderung für das politische System und die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert“ anschaulich dar (Amazon, e-book). Sie führt in diesem Zusammenhang an, dass sich die Politik der (Sach-)Probleme der Bürger nicht angemessen annehme, diese zu spät oder gar nicht löse und der Bürgerin praktisch keine Möglichkeiten zugesprochen werde, mitzubestimmen – wodurch sie sich ohnmächtig und in den politischen Prozess lediglich bei Wahlzeiten involviert sehe (vgl. Huth, 2004, S.242f.).
Ebenso würden Skandale, wie Korruptionsaffären und Amtsmissbräuche, am Ansehen der Politiker kratzen, was folglich das Vertrauen in Politiker und somit auch in die Politik schwinden lasse (ebd., S.245). Nicht selten haben die Menschen den Eindruck, dass die gewählten Politiker ihre Macht missbrauchen, um eigene Interessen durchsetzen zu können. Gleichzeitig sind sie für die Bevölkerung nach einer Wahl nahezu „unerreichbar“, können ihre Entscheidungen nicht mehr beeinflussen und mitbestimmen.
Als Folge dieser Umstände kehrt der Bürger der Politik zunehmend den Rücken zu, hört auf, sich zu interessieren bzw. zu engagieren und wird „sprachlos“. Die Kommunikation zwischen Politikern und Bevölkerung, die für das demokratische Prinzip unerlässlich ist, gerät ins Stocken.
Besonders deutlich wird dieser Umstand bei der Betrachtung der Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren. Diese ist bei den Bundestagswahlen seit 1998 konstant zurückgegangen. Zuletzt verringerte sie sich um knapp 7% bei der Wahl 2009 im Vergleich zum Wahljahr 2002. Auch ein Rückgang der Parteimitglieder ist zu verzeichnen.
Einen genaueren Überblick über die Zahlen und Fakten verschafft der Blog-Eintrag von Katrin Bänisch mit dem Titel „Parteimitglieder in Deutschland: Wie viele es gibt und wie man selber Mitglied wird“, veröffentlich auf germanblogs.
Dies sind besorgniserregende Entwicklungen. Fehlende Transparenz und Partizipationsmöglichkeiten sind oftmals der Grund für die Politikverdrossenheit in Deutschland. Es bildet sich ein Graben zwischen den politischen Akteuren und dem Volk.
Doch bietet das Web 2.0 die Möglichkeit, eine Brücke zu bauen, um die „Kommunikationsflaute“ zwischen Politik und Bevölkerung zu überwinden und den Weg für Politik 2.0 freizumachen?
Möglichkeiten von Politik 2.0
Durch das Web 2.0 können neue Wege der Kommunikation geschaffen werden, indem der Nutzer nicht nur die Rolle des Rezipienten einnimmt, sondern durch Web 2.0-Tools zum Produzenten werden kann. Diese neuen Möglichkeiten können von den Politikern insofern genutzt werden, als den Bürgern neue Chancen ermöglicht werden, mehr an politischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Demokratien leben von der politischen Beteiligung der Bürger. Mehr noch: Die (politische) Beteiligung bildet die Grundlage einer Demokratie. Politische Partizipation umfasst aber mehr als den Gang zur Wahlurne am Wahltag. Zwar steht den Menschen die Möglichkeit offen, sich aktiv in politischen Parteien, Verbänden oder Gewerkschaften zu engagieren, es muss aber dennoch der Weg frei gemacht werden, ALLE Menschen an den politischen Entscheidungsprozessen in gleichem Maße teilhaben zu lassen.
Wann immer es darum geht, darzulegen, wie das Internet dazu verwendet werden kann, die BürgerInnen zur Teilnahme zu bewegen, gilt der Präsidentschaftswahlkampf von Barack Obama im Jahr 2008 als beeindruckendes Beispiel. Wie kein anderer Politiker vor ihm hat er die amerikanischen Staatsbürger mobilisiert und zur Teilnahme motiviert. Dabei nutzte er die Möglichkeiten des Web 2.0 wie kein anderer. Barack Obama verwendete dazu soziale Netzwerke wie Facebook (so auch das Profil für das kommende Wahljahr 2012), Video-Seiten wie Youtube bis hin zu Podcasts.
Ein paar Zahlen zeigen die Dimensionen der Online-Nutzung auf: Barack Obama hatte zu Wahlkampfzeiten 2008 über 3 Millionen Freunde in Facebook; 2000 Videos wurden von seinem Team im eigenen Youtube-Channel eingestellt, die über 80 Millionen Mal angeklickt wurden; der E-Mail-Verteiler von Obamas Wahlkampfteam umfasste 13 Millionen Adressen, an die über 1 Milliarde personalisierte E-Mails verschickt wurden, um die Menschen direkt anzusprechen. Es wurden so 8 Millionen Unterstützer mobilisiert und 80.000 lokale Wahlkampfevents und Millionen an Spenden aktiviert. Statt auf inszenierten Pressekonferenzen informierte Obama seine Wähler nun über Community-Plattformen wie Facebook, Twitter, Flickr, MySpace etc.
Vom Erfolg dieses Wahlkampfes getragen, initiierte Barack Obama und sein Team im Anschluss die Open Government Directive. Den Bürgern war nun durch den Einsatz des Web 2.0 der Weg geebnet, eigene Vorschläge, Ideen und Ansichten einzubringen, wie die Regierungsarbeit effizienter, transparenter und „partizipatorischer“ gemacht werden kann. Darauf wird im letzten Teil dieses Beitrages noch genauer eingegangen. Auf dem Internationalen UNESCO Bildungsserver für Demokratie-, Friedens- und Menschenrechterziehung finden Sie passend zu diesem Thema interessante Einträge zu Web 2.0 und Politik 2.0.
Eines steht fest: Barack Obama nutzte die Möglichkeiten der Web 2.0-Tools, um die BürgerInnen zu Stellungnahmen und zur Diskussion aufzufordern, wodurch der Politik Anstöße für die weitere politische Arbeit gegeben werden sollten. Nachdem Obama die Open Government Directive verabschiedete, konnten politische Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse für die amerikanischen Staatsbürger nachvollziehbarer und letztlich auch transparenter gemacht werden. Jedoch gilt als signifikantester Bestandteil, dass die BürgerInnen ihrer Meinungen auf Online-Plattformen kundtun konnten. Die Ansichten und Anregungen der Bürger waren gefragt.
Ein weiteres Beispiel für Politik 2.0 aus der Obama-Regierung: Die Gesundheitsreform war im Wahlkampf von Obama eines der zentralen Themen, denen er sich annehmen wollte. Bei deren Umsetzung wurden ebenfalls die Ziele Partizipation und Zusammenarbeit verfolgt. Durch modernste Web 2.0-Tools wurden die BürgerInnen der Vereinigten Staaten einerseits über die Fortschritte der Gesundheitsreform auf dem Laufenden gehalten und andererseits wurde ihnen ein „Raum“ geschaffen, die Fortschritte zu kommentieren. Somit wurde auch ein hohes Maß an Transparenz geschaffen, indem die US-Regierung wichtige Informationen bezüglich der Gesundheitsreform bereitstellte und somit nachvollziehbarer machte. Einen weiteren Meilenstein in Sachen Transparenz der US-Regierung finden Sie hier (Abschnitt Beispiel für Transparenz).
Mit Hilfe des Internets und speziell der Web 2.0-Tools kann den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Anregungen, Meinungen und Ansichten zu äußern, beispielsweise durch die Nutzung von Blogs. Gleichzeitig können so diese Anregungen gesammelt und in den politischen Entscheidungsprozess einfließen. Partizipation heißt die Devise.
Nicht weniger wichtig ist die Tatsache, dass Politiker die Probleme und Ängste der Bürger direkt erfahren und berücksichtigen können. Aus einer „Einbahnstraßenkommunikation“ wird eine „Zweibahnstraße“. Die Partizipation an politischen Prozessen wird für die einzelne Bürgerin erleichtert. Die politische Teilhabe wird dadurch enorm erhöht, erforderlich ist lediglich ein Internetanschluss.
Durch die neuen Möglichkeiten des Web 2.0 können Menschen gleichzeitig interaktiv agieren. Kommentieren, zustimmen, ablehnen und konkretisieren ist durch die neue Technik um ein Vielfaches erleichtert worden. Politiker bekommen zudem die Chance, sich direkt bei der Bevölkerung zu „informieren“, wodurch neue Denkanstöße für die politische Arbeit an sie herangetragen werden können. Mit Hilfe eines gezielten Einsatzes der Web 2.0-Tools für die Politik können – und das ist für eine Demokratie sehr wertvoll – durch eine bessere Kommunikation der Beteiligten, den Politikern und dem Volk neue Möglichkeiten geschaffen werden, Probleme dezentraler zu lösen, nämlich durch die aktive Beteiligung und Mitarbeit der Menschen innerhalb eines Staates.
Die Voraussetzung dieser neuen Form des „Politikmachens“, nämlich die technischen Voraussetzungen, sind vorhanden. Nun kommt es auf den Willen der Politiker an, das Web 2.0 zu nutzen, um die Menschen in ihre politische Arbeit mit einzubeziehen, aktiv mitwirken und mitbestimmen zu lassen.
Politik 2.0 in Stuttgart
Auch die Stadt Stuttgart, Landeshauptstadt von Baden-Württemberg, entschied sich dazu, die Einwohner aktiv am Prozess der politischen Entscheidungsfindung teilhaben zu lassen. Zu diesem Zweck wurde die Initiative Bürgerhaushalt gestartet.
Worum geht es hierbei?
Es lassen sich durchaus Parallelen zu der Open Government Directive von Barack Obama finden. Es begann – wie auch in den USA, durch den „Open Government Dialogue“ – mit einer Online-Brainstorming-Phase. Diese reichte vom 01.07.2011 bis zum 22.07.2011. Dazu wurde eine Website eingerichtet, auf der die Bürger der Stadt Stuttgart Ideen, Hinweise und Vorschläge zu den Einnahmen und Ausgaben der Stadt abgeben konnten. Den Menschen wurde die Möglichkeit geboten, eigene Vorschläge zur Einnahmen- und Ausgabenverwendung einzubringen (Beispiel aus dem Bereich Energie).
Ein Video zur Aufklärung, wie die Stadt Stuttgart ihren Haushaltsplan aufstellt, wurde ebenfalls auf dieser Website veröffentlicht. Zudem wurde das Video von der Stadt Stuttgart auch auf Youtube eingestellt. Sicherlich sollte damit auf den „Bürgerhaushalt“ auch in anderer Form aufmerksam gemacht werden als „nur“ über Flyer und Prospekte.
In den USA startete als zweite Etappe der „Office of Science and Technology Policy Blog“. Das Ziel war, die bestehenden Vorschläge zu präzisieren. Dazu konnten Kommentare sowie Bewertungen der vorhandenen Vorschläge aus der Bevölkerung abgegeben werden.
Beim Bürgerhaushalt in Stuttgart kamen dabei, wie auch in den USA, Web 2.0-Tools zum Einsatz, um es den Teilnehmern zu erleichtern, eigene Kommentare und Bewertungen abzugeben. Ein Beispiel finden Sie hier. Bewertungen konnten noch weitere 7 Tage abgegeben werden, bis zum 29.07.2011. Die positiven bzw. negativen Bewertungen sind ausschlaggebend: Es wird eine Top-100 mit den besten Bewertungen erstellt. Die am besten bewerteten Vorschläge werden auf ihre Durchführbarkeit und daraufhin überprüft, ob die Stadt Stuttgart überhaupt dafür zuständig ist. Letztlich entscheidet dann der Gemeinderat, welche der Vorschläge umgesetzt werden. Die Bürgerin wird schließlich online darüber informiert werden, welche Vorschläge zu den Top-100 gehören, wie die Verwaltung die einzelnen Vorschläge fachlich bewertet und wie sich der Gemeinderat bezüglich der Umsetzung entschieden hat.
Mit den neuen Web 2.0-Tools kann es für die BürgerInnen vereinfacht werden, ihre Partizipationsmöglichkeiten zu nutzen. Jeder (Bürger Stuttgarts) kann seine Vorschläge, seine Anliegen, seine Ansichten in den politischen Entscheidungsprozess einbringen. Ein veränderter Kommunikationsprozess entsteht, in dem die Bürger nicht nur zu Wahlzeiten eine Stimme haben. Dieser Stimme kann nun online Gehör verschafft werden. Es liegt nun an der zuständigen Verwaltung, diese Vorschläge ernst zu nehmen und in den politischen Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.
Natürlich lassen sich die Größenverhältnisse der „Partizipationskampagnen“ der USA und der Stadt Stuttgart nicht vergleichen. Dennoch ist erkannt worden, dass der Drang der Menschen nach mehr Mitspracherecht von der Politik nicht abgetan werden kann. Durch die Möglichkeiten des Web 2.0 kann diesem Drang Rechnung getragen werden.
Die Möglichkeiten des Web 2.0 können der Politikverdrossenheit entgegenwirken: Soziale Software bietet der Politik die Chance, ein neues Kommunikationswerkzeug zu nutzen, um mit den BürgerInnen in einen direkten Dialog zu treten. Den Menschen kann somit vermittelt werden, dass ihre Probleme ernst genommen und ihre Lösungsvorschläge in den politischen Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden. Die Partizipationsmöglichkeiten ebnen nun gleichzeitig den Weg, die politische Willensbildung in einer Demokratie grundlegend zu ändern.
Michael Seckinger
Literatur
Huth, Iris: Politische Verdrossenheit. Erscheinungsformen und Ursachen als Herausforderung für das politische System und die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert. Lit Verlag: Münster, 2004.
Um das „2.0“ beim Begriff Politik 2.0 zu erklären, ist es wichtig, auf den Begriff Web 2.0 (sehr) kurz einzugehen: „Der Begriff Web 2.0 bezieht sich […] primär auf eine veränderte Nutzung und Wahrnehmung des Internets. Die Benutzer erstellen, bearbeiten und verteilen Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selbst, unterstützt von interaktiven Anwendungen [somit hat sich die Rolle des Nutzers verändert]. Die Inhalte werden nicht mehr nur zentralisiert von großen Medienunternehmen […] verbreitet, sondern auch von einer Vielzahl von Nutzern, die sich zusätzlich mit Hilfe sozialer Software untereinander vernetzen“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0#Bedeutung]. Eine ausführlichere Begriffsbestimmung findet sich im Rahmen des D@dalos Online-Lehrbuchs zum Web 2.0 im Abschnitt „Was ist das Web 2.0?".
Doch was ist es, was die Übertragung solcher veränderter Nutzung des Internets auf die Politik attraktiv erscheinen lässt? Als Einstieg in diese Frage soll der folgende Abschnitt dienen.
Politikverdrossenheit in Deutschland
In den letzten Jahren ist vermehrt eine politische Verdrossenheit der BürgerInnen zu beobachten. Iris Huth stellt Gründe für diese Verdrossenheit in ihrem Buch „Politische Verdrossenheit – Erscheinungen und Ursachen als Herausforderung für das politische System und die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert“ anschaulich dar (Amazon, e-book). Sie führt in diesem Zusammenhang an, dass sich die Politik der (Sach-)Probleme der Bürger nicht angemessen annehme, diese zu spät oder gar nicht löse und der Bürgerin praktisch keine Möglichkeiten zugesprochen werde, mitzubestimmen – wodurch sie sich ohnmächtig und in den politischen Prozess lediglich bei Wahlzeiten involviert sehe (vgl. Huth, 2004, S.242f.).
Ebenso würden Skandale, wie Korruptionsaffären und Amtsmissbräuche, am Ansehen der Politiker kratzen, was folglich das Vertrauen in Politiker und somit auch in die Politik schwinden lasse (ebd., S.245). Nicht selten haben die Menschen den Eindruck, dass die gewählten Politiker ihre Macht missbrauchen, um eigene Interessen durchsetzen zu können. Gleichzeitig sind sie für die Bevölkerung nach einer Wahl nahezu „unerreichbar“, können ihre Entscheidungen nicht mehr beeinflussen und mitbestimmen.
Als Folge dieser Umstände kehrt der Bürger der Politik zunehmend den Rücken zu, hört auf, sich zu interessieren bzw. zu engagieren und wird „sprachlos“. Die Kommunikation zwischen Politikern und Bevölkerung, die für das demokratische Prinzip unerlässlich ist, gerät ins Stocken.
Besonders deutlich wird dieser Umstand bei der Betrachtung der Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren. Diese ist bei den Bundestagswahlen seit 1998 konstant zurückgegangen. Zuletzt verringerte sie sich um knapp 7% bei der Wahl 2009 im Vergleich zum Wahljahr 2002. Auch ein Rückgang der Parteimitglieder ist zu verzeichnen.
Einen genaueren Überblick über die Zahlen und Fakten verschafft der Blog-Eintrag von Katrin Bänisch mit dem Titel „Parteimitglieder in Deutschland: Wie viele es gibt und wie man selber Mitglied wird“, veröffentlich auf germanblogs.
Dies sind besorgniserregende Entwicklungen. Fehlende Transparenz und Partizipationsmöglichkeiten sind oftmals der Grund für die Politikverdrossenheit in Deutschland. Es bildet sich ein Graben zwischen den politischen Akteuren und dem Volk.
Doch bietet das Web 2.0 die Möglichkeit, eine Brücke zu bauen, um die „Kommunikationsflaute“ zwischen Politik und Bevölkerung zu überwinden und den Weg für Politik 2.0 freizumachen?
Möglichkeiten von Politik 2.0
Durch das Web 2.0 können neue Wege der Kommunikation geschaffen werden, indem der Nutzer nicht nur die Rolle des Rezipienten einnimmt, sondern durch Web 2.0-Tools zum Produzenten werden kann. Diese neuen Möglichkeiten können von den Politikern insofern genutzt werden, als den Bürgern neue Chancen ermöglicht werden, mehr an politischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Demokratien leben von der politischen Beteiligung der Bürger. Mehr noch: Die (politische) Beteiligung bildet die Grundlage einer Demokratie. Politische Partizipation umfasst aber mehr als den Gang zur Wahlurne am Wahltag. Zwar steht den Menschen die Möglichkeit offen, sich aktiv in politischen Parteien, Verbänden oder Gewerkschaften zu engagieren, es muss aber dennoch der Weg frei gemacht werden, ALLE Menschen an den politischen Entscheidungsprozessen in gleichem Maße teilhaben zu lassen.
Wann immer es darum geht, darzulegen, wie das Internet dazu verwendet werden kann, die BürgerInnen zur Teilnahme zu bewegen, gilt der Präsidentschaftswahlkampf von Barack Obama im Jahr 2008 als beeindruckendes Beispiel. Wie kein anderer Politiker vor ihm hat er die amerikanischen Staatsbürger mobilisiert und zur Teilnahme motiviert. Dabei nutzte er die Möglichkeiten des Web 2.0 wie kein anderer. Barack Obama verwendete dazu soziale Netzwerke wie Facebook (so auch das Profil für das kommende Wahljahr 2012), Video-Seiten wie Youtube bis hin zu Podcasts.
Ein paar Zahlen zeigen die Dimensionen der Online-Nutzung auf: Barack Obama hatte zu Wahlkampfzeiten 2008 über 3 Millionen Freunde in Facebook; 2000 Videos wurden von seinem Team im eigenen Youtube-Channel eingestellt, die über 80 Millionen Mal angeklickt wurden; der E-Mail-Verteiler von Obamas Wahlkampfteam umfasste 13 Millionen Adressen, an die über 1 Milliarde personalisierte E-Mails verschickt wurden, um die Menschen direkt anzusprechen. Es wurden so 8 Millionen Unterstützer mobilisiert und 80.000 lokale Wahlkampfevents und Millionen an Spenden aktiviert. Statt auf inszenierten Pressekonferenzen informierte Obama seine Wähler nun über Community-Plattformen wie Facebook, Twitter, Flickr, MySpace etc.
Vom Erfolg dieses Wahlkampfes getragen, initiierte Barack Obama und sein Team im Anschluss die Open Government Directive. Den Bürgern war nun durch den Einsatz des Web 2.0 der Weg geebnet, eigene Vorschläge, Ideen und Ansichten einzubringen, wie die Regierungsarbeit effizienter, transparenter und „partizipatorischer“ gemacht werden kann. Darauf wird im letzten Teil dieses Beitrages noch genauer eingegangen. Auf dem Internationalen UNESCO Bildungsserver für Demokratie-, Friedens- und Menschenrechterziehung finden Sie passend zu diesem Thema interessante Einträge zu Web 2.0 und Politik 2.0.
Eines steht fest: Barack Obama nutzte die Möglichkeiten der Web 2.0-Tools, um die BürgerInnen zu Stellungnahmen und zur Diskussion aufzufordern, wodurch der Politik Anstöße für die weitere politische Arbeit gegeben werden sollten. Nachdem Obama die Open Government Directive verabschiedete, konnten politische Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse für die amerikanischen Staatsbürger nachvollziehbarer und letztlich auch transparenter gemacht werden. Jedoch gilt als signifikantester Bestandteil, dass die BürgerInnen ihrer Meinungen auf Online-Plattformen kundtun konnten. Die Ansichten und Anregungen der Bürger waren gefragt.
Ein weiteres Beispiel für Politik 2.0 aus der Obama-Regierung: Die Gesundheitsreform war im Wahlkampf von Obama eines der zentralen Themen, denen er sich annehmen wollte. Bei deren Umsetzung wurden ebenfalls die Ziele Partizipation und Zusammenarbeit verfolgt. Durch modernste Web 2.0-Tools wurden die BürgerInnen der Vereinigten Staaten einerseits über die Fortschritte der Gesundheitsreform auf dem Laufenden gehalten und andererseits wurde ihnen ein „Raum“ geschaffen, die Fortschritte zu kommentieren. Somit wurde auch ein hohes Maß an Transparenz geschaffen, indem die US-Regierung wichtige Informationen bezüglich der Gesundheitsreform bereitstellte und somit nachvollziehbarer machte. Einen weiteren Meilenstein in Sachen Transparenz der US-Regierung finden Sie hier (Abschnitt Beispiel für Transparenz).
Mit Hilfe des Internets und speziell der Web 2.0-Tools kann den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Anregungen, Meinungen und Ansichten zu äußern, beispielsweise durch die Nutzung von Blogs. Gleichzeitig können so diese Anregungen gesammelt und in den politischen Entscheidungsprozess einfließen. Partizipation heißt die Devise.
Nicht weniger wichtig ist die Tatsache, dass Politiker die Probleme und Ängste der Bürger direkt erfahren und berücksichtigen können. Aus einer „Einbahnstraßenkommunikation“ wird eine „Zweibahnstraße“. Die Partizipation an politischen Prozessen wird für die einzelne Bürgerin erleichtert. Die politische Teilhabe wird dadurch enorm erhöht, erforderlich ist lediglich ein Internetanschluss.
Durch die neuen Möglichkeiten des Web 2.0 können Menschen gleichzeitig interaktiv agieren. Kommentieren, zustimmen, ablehnen und konkretisieren ist durch die neue Technik um ein Vielfaches erleichtert worden. Politiker bekommen zudem die Chance, sich direkt bei der Bevölkerung zu „informieren“, wodurch neue Denkanstöße für die politische Arbeit an sie herangetragen werden können. Mit Hilfe eines gezielten Einsatzes der Web 2.0-Tools für die Politik können – und das ist für eine Demokratie sehr wertvoll – durch eine bessere Kommunikation der Beteiligten, den Politikern und dem Volk neue Möglichkeiten geschaffen werden, Probleme dezentraler zu lösen, nämlich durch die aktive Beteiligung und Mitarbeit der Menschen innerhalb eines Staates.
Die Voraussetzung dieser neuen Form des „Politikmachens“, nämlich die technischen Voraussetzungen, sind vorhanden. Nun kommt es auf den Willen der Politiker an, das Web 2.0 zu nutzen, um die Menschen in ihre politische Arbeit mit einzubeziehen, aktiv mitwirken und mitbestimmen zu lassen.
Politik 2.0 in Stuttgart
Auch die Stadt Stuttgart, Landeshauptstadt von Baden-Württemberg, entschied sich dazu, die Einwohner aktiv am Prozess der politischen Entscheidungsfindung teilhaben zu lassen. Zu diesem Zweck wurde die Initiative Bürgerhaushalt gestartet.
Worum geht es hierbei?
Es lassen sich durchaus Parallelen zu der Open Government Directive von Barack Obama finden. Es begann – wie auch in den USA, durch den „Open Government Dialogue“ – mit einer Online-Brainstorming-Phase. Diese reichte vom 01.07.2011 bis zum 22.07.2011. Dazu wurde eine Website eingerichtet, auf der die Bürger der Stadt Stuttgart Ideen, Hinweise und Vorschläge zu den Einnahmen und Ausgaben der Stadt abgeben konnten. Den Menschen wurde die Möglichkeit geboten, eigene Vorschläge zur Einnahmen- und Ausgabenverwendung einzubringen (Beispiel aus dem Bereich Energie).
Ein Video zur Aufklärung, wie die Stadt Stuttgart ihren Haushaltsplan aufstellt, wurde ebenfalls auf dieser Website veröffentlicht. Zudem wurde das Video von der Stadt Stuttgart auch auf Youtube eingestellt. Sicherlich sollte damit auf den „Bürgerhaushalt“ auch in anderer Form aufmerksam gemacht werden als „nur“ über Flyer und Prospekte.
In den USA startete als zweite Etappe der „Office of Science and Technology Policy Blog“. Das Ziel war, die bestehenden Vorschläge zu präzisieren. Dazu konnten Kommentare sowie Bewertungen der vorhandenen Vorschläge aus der Bevölkerung abgegeben werden.
Beim Bürgerhaushalt in Stuttgart kamen dabei, wie auch in den USA, Web 2.0-Tools zum Einsatz, um es den Teilnehmern zu erleichtern, eigene Kommentare und Bewertungen abzugeben. Ein Beispiel finden Sie hier. Bewertungen konnten noch weitere 7 Tage abgegeben werden, bis zum 29.07.2011. Die positiven bzw. negativen Bewertungen sind ausschlaggebend: Es wird eine Top-100 mit den besten Bewertungen erstellt. Die am besten bewerteten Vorschläge werden auf ihre Durchführbarkeit und daraufhin überprüft, ob die Stadt Stuttgart überhaupt dafür zuständig ist. Letztlich entscheidet dann der Gemeinderat, welche der Vorschläge umgesetzt werden. Die Bürgerin wird schließlich online darüber informiert werden, welche Vorschläge zu den Top-100 gehören, wie die Verwaltung die einzelnen Vorschläge fachlich bewertet und wie sich der Gemeinderat bezüglich der Umsetzung entschieden hat.
Mit den neuen Web 2.0-Tools kann es für die BürgerInnen vereinfacht werden, ihre Partizipationsmöglichkeiten zu nutzen. Jeder (Bürger Stuttgarts) kann seine Vorschläge, seine Anliegen, seine Ansichten in den politischen Entscheidungsprozess einbringen. Ein veränderter Kommunikationsprozess entsteht, in dem die Bürger nicht nur zu Wahlzeiten eine Stimme haben. Dieser Stimme kann nun online Gehör verschafft werden. Es liegt nun an der zuständigen Verwaltung, diese Vorschläge ernst zu nehmen und in den politischen Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.
Natürlich lassen sich die Größenverhältnisse der „Partizipationskampagnen“ der USA und der Stadt Stuttgart nicht vergleichen. Dennoch ist erkannt worden, dass der Drang der Menschen nach mehr Mitspracherecht von der Politik nicht abgetan werden kann. Durch die Möglichkeiten des Web 2.0 kann diesem Drang Rechnung getragen werden.
Die Möglichkeiten des Web 2.0 können der Politikverdrossenheit entgegenwirken: Soziale Software bietet der Politik die Chance, ein neues Kommunikationswerkzeug zu nutzen, um mit den BürgerInnen in einen direkten Dialog zu treten. Den Menschen kann somit vermittelt werden, dass ihre Probleme ernst genommen und ihre Lösungsvorschläge in den politischen Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden. Die Partizipationsmöglichkeiten ebnen nun gleichzeitig den Weg, die politische Willensbildung in einer Demokratie grundlegend zu ändern.
Michael Seckinger
Literatur
Huth, Iris: Politische Verdrossenheit. Erscheinungsformen und Ursachen als Herausforderung für das politische System und die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert. Lit Verlag: Münster, 2004.
Mittwoch, 31. August 2011
Urheberrecht 2.0
Die Anpassung des Urheberrechts an das Zeitalter des Web (2.0) zählt zu den schwierigeren Materien, wie sich auch am Zwischenbericht der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestags zu diesem Arbeitsfeld zeigt. Eine erste Bewertung der Ergebnisse findet sich im IUWIS-Blog.
Wer sich intensiver in die Thematik und in die politischen Debatten um das Urheberrecht einarbeiten möchte, dem bietet die Dokumentation der Arbeit in der Enquete-Kommission zahlreiche Anhaltspunkte. Ausgehend von der Website der Projektgruppe Urheberrecht im Rahmen der Enquete-Kommission findet man beispielsweise alle Tagesordnungen und Protokolle der Sitzungen als pdf.
Während sich das recht schnell als etwas dröge erweist, sind die ebenfalls dort zur Verfügung stehenden Materialien zu ausgewählten Themen interessant. Sie bieten jeweils kurze Zusammenfassungen zu strittigen Themen, so z.B.
Die siebte Sitzung der Enquete-Kommission am 29.11.2010 war eine öffentliche Anhörung zum Thema „Entwicklung des Urheberrechts in der digitalen Gesellschaft“. Sie ist umfassend dokumentiert, beispielsweise mit einem knapp 3,5-stündigen Video. Auf der entsprechenden Website findet man auch - und das lohnt die Lektüre - alle Stellungnahmen der Sachverständigen als pdf.
Unter dem Titel "Copy.Right.Now!" hat die Heinrich Böll Stiftung einen hervorragenden Sammelband zum Thema veröffentlicht, den man sich ausgehend von dieser Seite komplett als pdf herunterladen kann und sollte. Er enthält u.a. die folgenden beiden Aufsätze:
Wer sich kurz und praxisbezogen informieren will, dem sei die kürzlich (23.-30.08.2011) veröffentlichte Serie von drei Postings auf dem #pb21-Blog empfohlen. Unter der Überschrift "Creative Commons als Urheberrecht 2.0?" widmen sich die drei Teile den folgenden Themen:
Wer sich intensiver in die Thematik und in die politischen Debatten um das Urheberrecht einarbeiten möchte, dem bietet die Dokumentation der Arbeit in der Enquete-Kommission zahlreiche Anhaltspunkte. Ausgehend von der Website der Projektgruppe Urheberrecht im Rahmen der Enquete-Kommission findet man beispielsweise alle Tagesordnungen und Protokolle der Sitzungen als pdf.
Während sich das recht schnell als etwas dröge erweist, sind die ebenfalls dort zur Verfügung stehenden Materialien zu ausgewählten Themen interessant. Sie bieten jeweils kurze Zusammenfassungen zu strittigen Themen, so z.B.
- zum Problem der Ausnahmeregelung für Privatkopien im digitalen Zeitalter;
- zu Fragen der Schutzdauer;
- zu neuen Regelungsansätzen im Urheberrecht.
Die siebte Sitzung der Enquete-Kommission am 29.11.2010 war eine öffentliche Anhörung zum Thema „Entwicklung des Urheberrechts in der digitalen Gesellschaft“. Sie ist umfassend dokumentiert, beispielsweise mit einem knapp 3,5-stündigen Video. Auf der entsprechenden Website findet man auch - und das lohnt die Lektüre - alle Stellungnahmen der Sachverständigen als pdf.
Unter dem Titel "Copy.Right.Now!" hat die Heinrich Böll Stiftung einen hervorragenden Sammelband zum Thema veröffentlicht, den man sich ausgehend von dieser Seite komplett als pdf herunterladen kann und sollte. Er enthält u.a. die folgenden beiden Aufsätze:
- Lawrence Lessig: Aus Liebe zur Kultur - Google, das Urheberrecht und unsere Zukunft
- Till Kreutzer: Den gordischen Knoten durchschlagen - Ideen für ein neues Urheberrechtskonzept
Wer sich kurz und praxisbezogen informieren will, dem sei die kürzlich (23.-30.08.2011) veröffentlichte Serie von drei Postings auf dem #pb21-Blog empfohlen. Unter der Überschrift "Creative Commons als Urheberrecht 2.0?" widmen sich die drei Teile den folgenden Themen:
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Freitag, 22. Juli 2011
Videoclips zur politischen Bildung
Nach all den Postings zu den Gefahren des Web 2.0 wird es höchste Zeit, dass wir uns auch mit den schönen Dingen beschäftigen, die das Web (2.0) für die politische Bildung zu bieten hat. Und hier gilt es zu berichten, dass der Verein e-politik einen neuen Animationsfilm veröffentlicht hat. Der neue Clip aus der Reihe "WissensWerte" führt in das Thema "Menschenrechte" ein. Dabei handelt es sich um den bislang sechsten Animationsclip:
1) Vereinte Nationen / 2) Islamismus / 3) Welthandel / 4) Globalisierung / 5) DDR / 6) Menschenrechte
Die Filme sind durchweg hervorragend gelungen und können auf der WissensWerte-Website oder im YouTube-Kanal des Vereins angesehen werden. Hier nun der aktuelle Film zum Thema "Menschenrechte":
1) Vereinte Nationen / 2) Islamismus / 3) Welthandel / 4) Globalisierung / 5) DDR / 6) Menschenrechte
Die Filme sind durchweg hervorragend gelungen und können auf der WissensWerte-Website oder im YouTube-Kanal des Vereins angesehen werden. Hier nun der aktuelle Film zum Thema "Menschenrechte":
Rechtsextremismus im Web (2.0)
Gestern (21.07.2011) hat jugendschutz.net den Jahresbericht zum Thema Rechtsextremismus im Internet vorgestellt - Titel: "Neonazis 2.0: Wie Rechtsextreme im Internet Jugendliche ködern". Zu diesem Thema gab es im letzten Semester (Seminar "Politische Bildung und neue Medien") ein eigenes, informatives Referat. In diesem Semester kommt das Thema nur am Rande vor. Umso wichtiger ist es, einen Blick in den Bericht und die begleitende Berichterstattung zu werfen. Ausgehend von der Seite http://hass-im-netz.info/ kann der Bericht als pdf heruntergeladen werden...
Nachtrag zum Problem der Verherrlichung von Essstörungen im Web (2.0)
Pro-Ana und Pro-Mia Communities waren ein Unterthema der letzten Sitzung zu "Gefahren des Web 2.0". Das Gefährdungspotenzial wird deutlich, wenn man sich die Rubrik "Die Welt in Zahlen" der aktuellen Ausgabe (Juli 2011) des Wirtschaftsmagazins brand eins anschaut. Dort ist zu lesen:
"Anteil der Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland, die sich selbst zu dick finden, in Prozent: 55
Anteil der Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland, die übergewichtig sind, in Prozent: 18
Anteil der Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland, die schon eine Diät gemacht haben, in Prozent: 49"
[brand eins 07/2011, S. 12]
Die Ausgabe widmet sich übrigens dem Schwerpunktthema Transparenz, passt also ausgezeichnet zur kommenden Sitzung zu Wikileaks. Ein Artikel zu "Wikileaks in Zahlen" findet sich auf den Seiten 90ff.
"Anteil der Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland, die sich selbst zu dick finden, in Prozent: 55
Anteil der Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland, die übergewichtig sind, in Prozent: 18
Anteil der Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland, die schon eine Diät gemacht haben, in Prozent: 49"
[brand eins 07/2011, S. 12]
Die Ausgabe widmet sich übrigens dem Schwerpunktthema Transparenz, passt also ausgezeichnet zur kommenden Sitzung zu Wikileaks. Ein Artikel zu "Wikileaks in Zahlen" findet sich auf den Seiten 90ff.
Dienstag, 19. Juli 2011
Web 2.0 - mit Vorsicht zu genießen
Heutzutage surfen/chatten viele Kinder und Jugendliche im Internet, ohne zu wissen, auf welche Gefahren sie stoßen können - Cyberbullying, sexuelle Belästigung oder Verherrlichung von Essstörungen sind nur einige wenige davon.
Broschüren, Flyer und Informationen, wie man diese Themen am besten im Unterricht integriert oder wie Eltern ihre Kinder über Gefahren aufklären und welche Regeln bei der Nutzung des Internets beachtet werden sollten, finden Sie u.a. bei klicksafe.de. Einige Materialien können umsonst bestellt werden, außerdem stehen sie größtenteils als pdf zur Verfügung.
Broschüren, Flyer und Informationen, wie man diese Themen am besten im Unterricht integriert oder wie Eltern ihre Kinder über Gefahren aufklären und welche Regeln bei der Nutzung des Internets beachtet werden sollten, finden Sie u.a. bei klicksafe.de. Einige Materialien können umsonst bestellt werden, außerdem stehen sie größtenteils als pdf zur Verfügung.
Sonntag, 17. Juli 2011
Nachtrag zur Sitzung Politik 2.0
In der Sitzung zu Politik 2.0 und Regieren 2.0 haben wir uns auf der Grundlage des entsprechenden Abschnitts aus dem Online-Lehrbuch Web 2.0 u.a. mit der Open Government Initiative der Obama-Administration beschäftigt. Aktuell ist im Spiegel Online ein Artikel hierzu unter der Überschrift "Besser regieren mit dem Internet" erschienen. Der Beitrag bestätigt unsere Erkenntnis, dass Deutschland in Sachen Government 2.0 hinterherhinkt, v.a. im Vergleich mit den USA, aber auch gegenüber Großbritannien. Außerdem macht er auf eine interessante deutsche Initiative aufmerksam, die genau das ändern möchte: Government 2.0 Netzwerk Deutschland.
Die Mitbegründerin des Netzwerks, Anke Domscheit-Berg, wird in dem Artikel mit den Worten zitiert: "Wir wollen, dass alle nicht-personenbezogenen und nicht-sicherheitsrelevanten Daten sofort und umfassend für jeden einfach abrufbar ins Netz gestellt werden."
Die Mitbegründerin des Netzwerks, Anke Domscheit-Berg, wird in dem Artikel mit den Worten zitiert: "Wir wollen, dass alle nicht-personenbezogenen und nicht-sicherheitsrelevanten Daten sofort und umfassend für jeden einfach abrufbar ins Netz gestellt werden."
Samstag, 16. Juli 2011
BpB: Dossier zum Urheberrecht
Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet in ihrem Internetauftritt ein interessantes Dossier zum Thema Urheberrecht an. Themen sind u.a.:
Bis hierher - und nicht weiter? Wie das Urheberrecht unser Leben beeinflusst (Till Kreutzer)
Geschichte des Urheberrechts (Robert Gehring)
Urheberrecht heute (Till Kreutzer)
Außerdem sind in der Schriftenreihe der BpB zwei einschlägige Sammelbände erschienen:
Wissen und Eigentum
Urheberrecht im Alltag
Beide Bücher können ausgehend von dieser Seite als pdf heruntergeladen werden. Alle Texte in den Büchern unterliegen der Creative Commons-Namensnennung-Keine Bearbeitung-Lizenz 2.0 Deutschland. Das heißt, sie können bei Namensnennung der Autorin oder des Autors vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Sie dürfen aber nicht bearbeitet werden.
Hinzu kommt die Monographie von Volker Grasmuck:
Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum (Website mit dem Inhalt des Buches)
Weitere Literatur zum Thema (teilweise im Volltext zugänglich) und eine kommentierte Linkliste runden das Dossier ab.
Bis hierher - und nicht weiter? Wie das Urheberrecht unser Leben beeinflusst (Till Kreutzer)
Geschichte des Urheberrechts (Robert Gehring)
Urheberrecht heute (Till Kreutzer)
Außerdem sind in der Schriftenreihe der BpB zwei einschlägige Sammelbände erschienen:
Wissen und Eigentum
Urheberrecht im Alltag
Beide Bücher können ausgehend von dieser Seite als pdf heruntergeladen werden. Alle Texte in den Büchern unterliegen der Creative Commons-Namensnennung-Keine Bearbeitung-Lizenz 2.0 Deutschland. Das heißt, sie können bei Namensnennung der Autorin oder des Autors vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Sie dürfen aber nicht bearbeitet werden.
Hinzu kommt die Monographie von Volker Grasmuck:
Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum (Website mit dem Inhalt des Buches)
Weitere Literatur zum Thema (teilweise im Volltext zugänglich) und eine kommentierte Linkliste runden das Dossier ab.
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Donnerstag, 14. Juli 2011
Urheberrecht und Datenschutz in der Schule
Die baden-württembergische Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen hat auf Ihrer Website einen eigenen Bereich für die Probleme, die an Schulen im Zusammenhang mit Datenschutz und Urheberrecht auftreten können, eingerichtet. Die URL lautet http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/index.htm.
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Urheberrecht und Schule
Mit dieser Thematik beschäftigte sich das Titelthema der Zeitschrift bildung & wissenschaft (Ausgabe April 2008) auf sehr praxisnahe Weise, wie schon die Überschrift verrät: "Was ist zulässig, was illegal?". Die Artikel sind auf der Website des Landesverbands Baden-Württemberg der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) als pdf hinterlegt.
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